Digitalisierung an hessischen Hochschulen I

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20. Wahlperiode                                                                         Drucksache 20/1326 HESSISCHER LANDTAG                                                                                 08. 01. 2020 Kleine Anfrage Dr. Daniela Sommer (SPD) vom 08.10.2019 Digitalisierung an hessischen Hochschulen – Teil I und Antwort Ministerin für Wissenschaft und Kunst Vorbemerkung Fragestellerin: Hochschulen fehlt es oftmals nicht an digitalen Lehr- und Lerninnovationen, sondern an struktureller und strategischer Verbreitung. Der Erfolg der Digitalisierung beruht auf der Strategie. Digitalisierung sollte über den Fokus einzelner Projekte hinausgehen. Es geht vielmehr um konzeptionell und strategisch Überlegungen, bei denen die prozessualen, organisatorischen und IT-technischen Weichen gestellt werden. Vorbemerkung Ministerin für Wissenschaft und Kunst: Im Bereich digitaler Infrastrukturen und des Informationsmanagements stellen die Landesregie- rung und die Hochschulen im Rahmen der Landeshochschulentwicklungsplanung seit 2010 ge- meinsam strategische Überlegungen an, stimmen Ziele aufeinander ab und setzen entsprechende Vorhaben um. Ergebnisse dessen sind u.a. das 2012 ausgearbeitete Positionspapier „Die Zu- kunft der wissenschaftlichen Infrastruktur in Hessen bis 2020“ und acht im Rahmen des Hessi- schen Hochschulpakts 2016 bis 2020 hochschulübergreifend durchgeführte Digitalisierungspro- jekte. Mit dem Verbundprojekt „Digital-gestütztes Lehren und Lernen in Hessen“ (DigLL) wurde die Kooperation 2018 auf die digitale Unterstützung der Hochschullehre ausgeweitet. Die Planungen für die kommenden Jahre, insbesondere im Digitalpakt Hochschulen, bauen auf die- ser Grundlage auf. Diese Vorbemerkung vorangestellt, beantworte ich die Kleine Anfrage im Einvernehmen mit der Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung wie folgt: Frage 1.     Inwiefern plant die Landesregierung analog des Digitalpakts Schule einen Digitalpakt für Hoch- schulen mit welchen Rahmenbedingungen und Zielen? Die Landesregierung wird den digitalen Wandel in Forschung und Lehre an den hessischen Hochschulen mit einem „Hessischen Digitalpakt Hochschulen“ unter strategischen Gesichts- punkten vorantreiben. Der Pakt soll in den Hochschulen den Aufbau strategischer Strukturen bewirken, den finanziellen Rahmen von Digitalisierungsmaßnahmen für die kommenden Jahre bestimmen, Referenzrahmen für die durchzuführenden hochschulübergreifenden und hochschul- individuellen Maßnahmen sein und das Verfahren für die Vergabe und Verwendung der zur Verfügung stehenden Mittel festlegen. Die Inhalte des Digitalpakts werden derzeit mit den hes- sischen Hochschulen verhandelt. Vorbehaltlich der Ergebnisse dieses Prozesses sollen mit dem Digitalpakt folgende strategische Ziele verfolgt werden:  Ausbau effizienter übergreifender Governance-Strukturen zur Vernetzung der inneruniversi- tären und interuniversitären Organisation und zur Unterstützung des Entwicklungsprozesses im digitalen Bereich.  Unterstützung der Forschung durch den Ausbau des Open-Science-Angebots im Bereich des Forschungsdaten- und Softwaremanagements, der digitalen Sammlungen und des föderierten Hochleistungsrechnens.  Ausbau des digital-gestützten Lehrens und Lernens sowie der Lernmobilität.  Förderung der wissenschaftlichen Bibliotheken sowie des Hessischen Bibliotheksinforma- tionssystems durch die Einführung eines neuen Bibliothekssystems der nächsten Generation.  Unterstützung von Forschung, Lehre und Verwaltung durch den weiteren Ausbau der digita- len Infrastruktur, wie beispielsweise durch hochschulweiten Zugang zu WLAN, daten- Eingegangen am 8. Januar 2020 · Bearbeitet am 8. Januar 2020 · Ausgegeben am 10. Januar 2020 Herstellung: Kanzlei des Hessischen Landtags · Postfach 3240 · 65022 Wiesbaden · www.Hessischer-Landtag.de
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2                                     Hessischer Landtag · 20. Wahlperiode · Drucksache 20/1326 schutzkonformen Cloud-Speicher und standardisierte digitale Dienste. Dabei sollen hoch- schulübergreifende Lösungen angestrebt und länderübergreifende Initiativen aufgegriffen werden.  Weiterentwicklung der Hochschulverwaltungen durch die Neugestaltung bisheriger Ge- schäftsprozesse als digitale Prozesse und die Einführung eines Dokumentenmanagementsys- tems.  Darüber hinaus werden gesetzliche Vorgaben (wie z.B. des Online-Zugangsgesetzes) und die Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ der Kultusministerkonferenz (KMK) sowie die „Empfehlungen zur Digitalisierung in der Hochschullehre“ der KMK berücksichtigt werden.  Für den hessischen Digitalpakt Hochschulen und die Förderung des Bereiches Künstliche In- telligenz sind für die Jahre 2020 bis 2024 insgesamt 150 Mio. € vorgesehen. Frage 2.     Welche Mittel stehen für die Digitalisierung zur Verfügung (bitte aufgeschlüsselt nach Verteilung auf Hochschulen)? Im Jahr 2019 stehen außerhalb der Hochschulbudgets im Landeshaushalt 4 Mio. € für Informations- infrastrukturprojekte an den staatlichen hessischen Hochschulen zur Verfügung (2018: 3,1 Mio. €). Förderfähig sind hier im Rahmen der Landeshochschulentwicklungsplanung abgestimmte übergrei- fende, den Anforderungen moderner Forschung und Lehre genügende Maßnahmen in den spezifi- schen Handlungsfeldern der Informationsinfrastruktur. Die Mittel werden somit ausschließlich ein- gesetzt für Kooperationsvorhaben, an denen zum Teil alle staatlichen hessischen Hochschulen betei- ligt sind. Dadurch lassen sich Ressourcen bündeln und Synergieeffekte erzielen. Das Projekt „Digital gestütztes Lehren und Lernen in Hessen“ wird im Haushaltsjahr 2019 mit 5,4 Mio. € unterstützt (2018: 4,6 Mio. €). Im Rahmen des Projekts wird die digitale Lehre ver- bessert. Auch bei diesem Vorhaben handelt es sich um ein Kooperationsprojekt von allen staat- lichen hessischen Hochschulen – mit Ausnahme der Kunsthochschulen – unter Federführung der Universität Marburg. Darüber hinaus wurden weitere hochschulindividuelle Digitalisierungsprojekte unterstützt. Die Mittel verteilen sich wie folgt auf die einzelnen Hochschulen: Hochschule                                                                    2018               2019 Technischen Universität Darmstadt                                          861.239 €        1.000.402 € Goethe-Universität Frankfurt am Main                                       955.599 €        1.583.092 € Justus-Liebig-Universität Gießen                                           761.568 €          881.517 € Universität Kassel                                                         653.379 €          799.484 € Philipps-Universität Marburg                                            1.495.996 €         1.908.301 € Hochschule Geisenheim                                                      455.296 €          528.173 € Hochschule Darmstadt                                                       513.986 €          599.704 € Frankfurt University of Applied Sciences                                   455.296 €          657.873 € Hochschule Fulda                                                           480.700 €          557.971 € Technischen Hochschule Mittelhessen                                        490.892 €          636.627 € Hochschule RheinMain                                                       505.125 €          567.571 € Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main              200.846 €          132.491 € Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main                                 90.846 €           82.491 € Hochschule für Bildende Künste - Städelschule                               32.400 €           62.000 € Summe                                                                   7.953.168 €         9.997.698 € Für das Jahr 2020 sind im Haushaltsentwurf für den hessischen Digitalpakt Hoch-schulen und die Förderung des Bereiches Künstliche Intelligenz 10 Mio. € und im Innovationsfonds 0,66 Mio. € für Digitalisierungsmaßnahmen eingeplant.
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Hessischer Landtag · 20. Wahlperiode · Drucksache 20/1326              3 Frage 3.    An welchen Hochschulen gibt es derzeit oder zukünftig Digitalisierungsprofessuren mit welchen Aufgaben- und Tätigkeitsprofilen? Digitalisierung ist nicht nur ein Forschungsgebiet der Informatik, sondern bietet als wichtiges aktuelles Querschnittsthema viele Anknüpfungsmöglichkeiten. Dementsprechend wird der Be- griff „Digitalisierungsprofessur“ weit gefasst. Die Hochschulen machen dazu folgende Angaben: 1. Universitäten Technische Universität Darmstadt Die Technische Universität Darmstadt gibt für verschiedene Fachbereiche beispielhaft Professu- ren mit einem Fokus auf Digitalisierung in Forschung und Lehre an. Der Fachbereich Informa- tik, der sich in Gänze Fragen der Digitalisierung widmet, wurde dabei ausgespart.  Fachbereich Wirtschafts- und Rechtswissenschaften: „Wirtschaftsinformatik: Software Busi- ness & Information Management“ (Analyse und Gestaltung der Digitalisierung von Wirt- schaft und Gesellschaft, Algorithmen im Bereich KI bzw. des maschinellen Lernens, Entwi- ckeln digitaler Geschäftsmodelle).  Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften: Forschungsgruppe „Digital Hu- manities“ mit den Professuren „Computerphilologie und Mediävistik“ (Methoden und Tech- niken des computergestützten Arbeitens in der Sprach- und Literaturwissenschaft), „Digitale Linguistik“ (Digitale Diskursanalyse) und „Digitale Literaturwissenschaft“ (Kombination herkömmlicher und digitaler Methoden).  Fachbereich Humanwissenschaften: Geplante Neuausrichtung der Professur „Allgemeine Pädagogik“ mit dem Schwerpunkt Digitalisierung.  Fachbereich Chemie: „Computational Physical Chemistry“ (Entwickeln digitaler Simula- tionsmethoden; Multiskalensimulation).  Fachbereich Biologie: „Computational Biology and Simulation“ (Entwickeln digitaler Simu- lationsmethoden; Multiskalensimulation).  Fachbereich Geo- und Materialwissenschaften: „Materialmodellierung“ (Digitale Multiska- lenmodellierung von Materialstrukturen und Materialeigenschaften).  Fachbereich Architektur: „Digitales Gestalten“ (Computerbasiertes Entwerfen, Digitale Fa- brikation), „Urban Health Games“ (Entwickeln von digitalen, kontext-sensitiven Medien, Optimierung von Stadtplanungsprozessen).  Fachbereich Maschinenbau: „Virtuelle Produktentstehung“ (Durchgängige digitale Prozess- ketten, Transformation digitaler Modelldaten, modellbasierte cyberphysische Zwillinge). Goethe-Universität Frankfurt am Main In den letzten Jahren sind insbesondere im Umfeld der sog. „Digital Humanities“ zahlreiche neue Professuren an der Schnittstelle der geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Fachbe- reiche mit der Informatik und den benachbarten naturwissenschaftlichen Fächerdisziplinen ent- standen. Exemplarisch sei auf die Berufung der W1-tt-Professuren „Digital Anthropology“ und „Digitale Geographien“ verwiesen. Darüber hinaus fokussieren mittlerweile zahlreiche neue Professuren der Wirtschaftswissenschaften (FB 02) und in der Informatik (FB 12) Digitalthemen wie KI, die jedoch nicht explizit als „Digital X“ ausgewiesen werden, da in diesen Disziplinen Digitalisierung fachdidaktisch inhärent vorausgesetzt wird. Justus-Liebig-Universität Gießen An der Justus-Liebig-Universität widmen sich Professuren über das gesamte Fächerspektrum hinweg Digitalisierungsphänomenen oder nutzen innovative digitale Methoden, auch wenn sie nicht explizit als „Digitalisierungsprofessuren“ ausgewiesen sind. Die folgenden Beispiele zei- gen die Relevanz der Digitalisierung für die Universität auf:  Beispiel 1 – Altertums- und Geschichtswissenschaft: An der Professur für Klassische Archäologie ist ein „Living Lab für Digitale Kulturpraktiken“ angesiedelt, in dem eine in- tensive Auseinandersetzung mit digitalen Technologien im bildwissenschaftlichen Bereich stattfindet. Am selben Fachbereich wird zudem eine Professur für Digitale Geschichte einge- richtet.  Beispiel 2 – Sprachwissenschaft: Für die Sprachwissenschaft an der Justus-Liebig- Universität ist die Entwicklung und Nutzung digitaler bzw. computerbasierter Methoden un- verzichtbar. Dies gilt in besonderer Weise für die Professur für Korpuslinguistik mit dem Schwerpunkt quantitative Methoden.  Beispiel 3 – Psychologie: Die eng und erfolgreich kooperierenden Professuren im Arbeitsbe- reich Allgemeine Psychologie erforschen die Grundlagen menschlicher Wahrnehmung und nutzen auf innovative Weise modernstes Equipment und methodische Möglichkeiten, die sich erst durch die Digitalisierung ergeben haben. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Professuren:
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4                                Hessischer Landtag · 20. Wahlperiode · Drucksache 20/1326 -   Professur für Allgemeine Psychologie, -   Professur für Allgemeine Psychologie mit dem Schwerpunkt Wahrnehmung und Hand- lung. - Professur für Experimentelle Psychologie Professur für Allgemeine Psychologie und Vi- suelle Neurowissenschaften.    Beispiel 4 – Biologie: An der Professur für Systembiologie mit dem Schwerpunkt Genomik, Proteomik und Transkriptomik werden innovative bioinformatische „Werkzeuge“ für die na- tur- und lebenswissenschaftliche Forschung entwickelt.    Beispiel 5 – Agrarwissenschaft: An der Professur für Pflanzenzüchtung werden umfangrei- che Feldversuche mit Hilfe von modernen digitalen Techniken (GPS-Steuerung; Einsatz von Drohnen etc.) durchgeführt.    Beispiel 6 – Medizin: Im Fachbereich Medizin verfügt die Justus-Liebig-Universität über eine Professur für Computer-Modelling im 3R-Tierschutz, die sich der Entwicklung von Computermodellen als Ersatz für Tierversuche in der medizinischen bzw. lebenswissen- schaftlichen Forschung widmet.    Beispiel 7 – Wirtschaftswissenschaften: Im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften hat die Justus-Liebig-Universität in den letzten Jahren gezielt Professuren eingerichtet, die sich pri- mär der digitalen Ökonomie bzw. der Ökonomie der Digitalisierung widmen. Im Einzelnen handelt es dabei um die folgenden Professuren: - Professur für Ökonomie der Digitalisierung, - Professur für Digitalisierung, E-Business und Operations Management, - Professur für Data Science & Digitalisierung. Universität Kassel An der Universität Kassel gibt es derzeit über 40 Professuren in sieben Fachbereichen, die – qua ihrer Denomination bzw. einer entsprechenden Schwerpunktsetzung – in Forschung und Lehre unterschiedliche Aspekte der Digitalisierung fokussieren. Zu nennen sind hier insbesondere Fach- gebiete der Informatik und Elektrotechnik (u.a. Software Engineering, Intelligente Eingebettete Systeme, Wissensverarbeitung, Angewandte Informationssicherheit, Digitaltechnik, Kommunika- tionstechnik, Gender Diversity in Informatiksystemen, Theoretische Informatik, Technische Infor- matik, Energiemanagement, Integrierte Energiesysteme, Messtechnik, Fahrzeugsysteme), Fachge- biete der Wirtschaftswissenschaften und im Wirtschaftsrecht (u.a. Wirtschaftsinformatik, Techno- logie- und Innovationsmanagement, Management der digitalen Transformation, Informationsrecht, IT-Recht, Wirtschaftspsychologie [mit Fokus auf Digitalisierungsfolgen]) und weitere Fachgebiete wie Mensch-Maschine-Systemtechnik, Fabrik-/Produktionsplanung, Bauinformatik, Digitales Ent- werfen (im Bereich der Architektur), Linguistik/Computerphilologie, Soziologische Theorie (mit Forschungsschwerpunkt Digitalisierungsfolgen) sowie Virtuelle Realitäten und Games (im Bereich Kunst/Visuelle Kommunikation). Darüber hinaus befasst sich eine Vielzahl weiterer Professuren mit Aspekten der Digitalisierung, u.a. in der Querschnittsbetrachtung innerhalb des jeweiligen disziplinären Rahmens, wie auch in trans- und interdisziplinären Kooperationen. Bei der Neueinrichtung sowie Wiederbesetzung von Professuren wird Digitalisierung als ein zentrales Zukunftsthema – unter Berücksichtigung der je- weiligen fachlichen Spezifika – bedacht. Philipps-Universität Marburg Die Philipps-Universität besetzt bzw. plant zurzeit folgende Professuren im Bereich der Digita- lisierung: Künstliche Intelligenz in der Medizin (W 3), IT-Sicherheit (W 2), Kunstgeschichte und Digital Humanities (W 3), Politikwissenschaftliche Methoden mit dem Schwerpunkt Demo- kratie im digitalen Wandel (W 3), Digital Humanities und Data Literacy (Qualifikationsprofes- sur, befristet auf sechs Jahre, Finanzierung: Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz), Digital Humanities und Netzwerkanalyse (Qualifikationsprofessur, befristet auf sechs Jahre, Finanzierung: Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz) und Transsekto- rale Vernetzung und Digitalisierung in der Primärversorgung (W 3). Unabhängig von diesen neueren Entwicklungen verfügt die Philipps-Universität u.a. über die folgenden Professuren: Praktische Informatik (3 x W 3, 3 x W 2), Bioinformatik (W 2), Medi- zinische Bioinformatik (W 3), Neuroinformatik (W 3) und Umweltinformatik (W 3). 2. Hochschulen für angewandte Wissenschaften Technische Hochschule Mittelhessen (THM) Das Thema Digitalisierung ist an der THM in Forschung und Lehre fachübergreifend fest ver- ankert. Dies wird insbesondere durch die Professorinnen und Professoren aus dem Bereich der Informatik gewährleistet. Darüber hinaus bieten auch Professorinnen und Professoren aus den Gebieten Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften Schwerpunkte in der Digitalisierung. Außerdem gibt es ein hochschulweites Netzwerk zu den Themengebieten Digi-
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Hessischer Landtag · 20. Wahlperiode · Drucksache 20/1326          5 talisierung und Industrie 4.0, in dem derzeit mehr als 40 Professorinnen und Professoren der THM kooperieren. Im Bereich des Bauingenieurwesens ist insbesondere der Schwerpunkt „Building Information Modeling (BIM)“ zu nennen, der digitales Planen und Bauen thematisiert. Die THM ist darüber hinaus am Kompetenzzentrum für Telemedizin und E-Health in Hessen beteiligt. Am Fachbereich Gesundheit der THM befassen sich insgesamt fünf Professuren mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Schwerpunkte im Bereich der Digitalisierung haben folgende Stiftungsprofessuren:  Stiftungsprofessur „Industrie 4.0 und Digitalisierung“: Die Aufgabenschwerpunkte dieser Professur sind neben Industrie 4.0 und Digitalisierung die digitale Transformation, neue Ge- schäftsmodelle und -prozesse, die Datenanalyse für die strategische Unternehmenssteuerung (Business Analytics) sowie nachhaltige Nutzerakzeptanz und Softwareentwicklung.  Ein Tätigkeitsschwerpunkt der Stiftungsprofessur „Optik“ liegt im Bereich optischer Tech- nologien, die im Hinblick auf das Internet der Dinge (IoT) an Bedeutung gewinnen.  Die Stiftungsprofessur „Medizinische Gesundheitsforschung“ hat einen Aufgabenschwer- punkt im Bereich E-Health. 3. Künstlerische Hochschulen Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main Die Hochschule hat eine Professur „Elektronische Medien“. Ihr Lehrgebiet beinhaltet sowohl die ästhetische als auch die technische Auseinandersetzung mit künstlerischen und angewandten Fragestellungen und Projektentwicklungen in Bezug auf Elektronische Medien. Sowohl die Entwicklung spezifischer medialer Anwendungen als auch die mediale Grundlagenforschung sind Teil des Lehrgebiets. Im Mittelpunkt steht der künstlerische Umgang mit Film, Video, Computer und Installation in den verschiedensten Formen: Videoinstallation und Videoskulptur, Klangmaschinen und Audiokunst, Computerkunst, Computergrafik, digitale Bildsimulation und Animation. Die Entwicklung einer eigenen künstlerischen Position und die kritische Auseinan- dersetzung mit dem Thema Medien- und Massenkultur – und der sich zu entwickelnden künstle- rischen Reaktion darauf – wird angestrebt. Frage 4.    Inwiefern werden entsprechende neue Institute aufgebaut (auch bezogen auf den Themenbereich der Künstlichen Intelligenz (KI))? Die Landesregierung verfolgt das Ziel, ein Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz und ein Kompetenzzentrum für verantwortungsbewusste Digitalisierung einzurichten. Den Bereich der Künstlichen Intelligenz wird die Landesregierung durch die Einrichtung eines Kompetenzzentrums fördern und dazu dauerhaft zusätzliche Mittel für 20 neue Professuren be- reitstellen. Im Rahmen von zwei Informationsveranstaltungen wurden die Hochschulen über das Vorhaben informiert. Die Auswahl des Zentrums soll in einem wettbewerblichen Verfahren er- folgen, an dem sich alle hessischen Hochschulen beteiligen können. Die Ausschreibung des Verfahrens erfolgt voraussichtlich Ende 2019. Die Landesregierung hat die Gründung eines „Hessischen Kompetenzzentrums für verantwor- tungsbewusste Digitalisierung“ beschlossen, das von der Technischen Universität Darmstadt koordiniert wird und in dem hochschulübergreifend und interdisziplinär die Forschungsexpertise aus Hessen gebündelt und verstärkt werden soll. Ziel ist der Aufbau eines hessenweiten Netz- werks von Hochschulen und Forschungseinrichtungen, das gemeinsame Forschungsprojekte zum Nutzen unserer Gesellschaft und Politik aufgreift und verfolgt. Als eine zentrale Säule der KI-Strategie des Landes Hessen sollen so soziale, technische, ethische, gesellschaftliche und rechtliche Fragestellungen disruptiver Technologien auf vielfältigen Themenfeldern vertieft werden, in der Arbeitswelt, bei Künstlicher Intelligenz und Automation, Datenschutz, Recht, Medizin, Verkehr, sozialen Aspekte und vielen weiteren Anwendungsfeldern. Künstliche Intel- ligenz wird somit ein wichtiger Teilbereich der Forschungstätigkeit des neuen Netzwerks sein. Darüber hinaus bauen die Hochschulen weitere Einrichtungen in eigener Zuständigkeit auf. Die Hochschulen führen folgende Einrichtungen und Initiativen auf: Technische Universität Darmstadt Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum: Das Kompetenzzentrum dient als Anlaufstelle für mittel- ständische Unternehmen mit Fragen zum Thema Digitalisierung, u.a. KI. Gefördert wird das Zentrum durch den Förderschwerpunkt Mittelstand-Digital des Bundesministeriums für Wirt- schaft und Energie. Es ist Teil eines nationalen Netzwerks von Kompetenzzentren, Wirtschafts- förderern, Kammern, Verbänden oder Gewerkschaften, die Orientierung beim Thema Digitali-
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6                                   Hessischer Landtag · 20. Wahlperiode · Drucksache 20/1326 sierung geben. Betrieben wird das Kompetenzzentrum durch vier Fachgebiete der TU Darm- stadt gemeinsam mit Fraunhofer LBF und SIT sowie der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar. Goethe-Universität Frankfurt am Main An der Universität gibt es Bestrebungen, ein „Big Data Center“ einzurichten, um die Infrastruk- tur für Daten, Anwendungen und Rechenleistung (Supercomputing) auszubauen. Justus-Liebig-Universität Gießen Die Universität plant zurzeit keine neuen Institute zur Digitalisierung oder zu Künstlicher Intel- ligenz einzurichten. Allerdings wird darauf hingewirkt, bereits existierende institutionelle Zu- sammenhänge in diesem Bereich stärker zu fördern (z.B. das Zentrum für Medien und Interak- tivität – ZMI) und vorhandene Kompetenzen konsequenter institutionell zu bündeln (z.B. in einem Competence Center für Cloud Computing und wissenschaftliches Rechnen). Universität Kassel Die Universität hat im Jahr 2014 ein Wissenschaftliches Zentrum für Informationstechnik- Gestaltung (ITeG) eingerichtet, das an mehrere LOEWE-Förderungen anknüpft. Philipps-Universität Marburg 2018 wurde das Institut für das Recht der Digitalisierung am Fachbereich Rechtswissenschaften gegründet. Im Laufe des Wintersemesters 2019/2020 wird das Marburg Center for Digital Culture and Infrastructure (MCDCI) gegründet. Im Zuge der strategischen Berufungsverfahren am Fachbereich Medizin und am Fachbereich In- formatik wird aktuell mit dem Aufbau des Zentrums für digitale Medizin und Präzisionsmedizin (Arbeitstitel) begonnen. Im Zuge des LOEWE-Schwerpunkts Natur 4.0 soll ein Zentrum für digitale Waldökosystemfor- schung (Arbeitstitel) aufgebaut werden. Technische Hochschule Mittelhessen Zur Schärfung ihres Forschungsprofils hat die THM in ihren Forschungsschwerpunkten inter- disziplinär angelegte Kompetenzzentren eingerichtet, deren Stärke insbesondere in der anwen- dungsorientierten Forschung liegt. In Bezug auf die Themenbereiche Digitalisierung und Künst- liche Intelligenz ist insbesondere das Kompetenzzentrum für Informationstechnologie (KITE) zu nennen, in dem die Forschungsschwerpunkte „Künstliche Intelligenz in der Industrie“ und „Künstliche Intelligenz in der Medizin“ angesiedelt sind. Es handelt sich um Projekte, die durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung bzw. im Rahmen der LOEWE III- Förderlinie des Landes Hessen gefördert werden. Beide Schwerpunkte sind mit je einer Post- doktorandenstelle ausgestattet. Frage 5.    Wie ist das Verfahren zur Vergabe bezogen auf die Fragen 3 und 4 geplant? Die Einrichtung des „Kompetenzzentrums für Verantwortungsbewusste Digitalisierung“ baut auf konzeptionelle Vorarbeiten aus der Technischen Universität Darmstadt auf. Auf Basis dieser Konzeption soll eine Koordinierung an der TUD erfolgen, die Handlungsfelder und Fragestel- lungen identifiziert, interdisziplinäre und hochschulübergreifende Forschungsprojekte initiiert und den Aufbau eines hessenweiten Netzwerks verfolgt, in dem die Forschungsexpertise unter- schiedlicher Disziplinen und universitärer wie außeruniversitärer Forschungseinrichtungen ge- bündelt wird. Die Auswahl des Standorts des Kompetenzzentrums für Künstliche Intelligenz soll in einem ein- stufigen wettbewerblichen Verfahren erfolgen, an dem sich alle hessischen Hochschulen betei- ligen können. Die Ausschreibung des Verfahrens erfolgt voraussichtlich Ende 2019. Wiesbaden, 20. Dezember 2019 Angela Dorn
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