Ferienangebote für Schülerinnen und Schüler

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20. Wahlperiode                                                                      Drucksache 20/3320 HESSISCHER LANDTAG                                                                              07. 10. 2020 Kleine Anfrage Dr. Dr. Rainer Rahn (AfD) vom 03.08.2020 Ferienangebote für Schülerinnen und Schüler und Antwort Kultusminister Vorbemerkung Fragesteller: Während der Sommerferien wurde allen öffentlichen Schulen die Möglichkeit geboten, ein schulbezogenes Angebot für Schüler durchzuführen, um den aufgrund der Pandemie noch nicht bearbeiteten Lernstoff zu be- wältigen (sog. „Sommercamps“). Zusätzlich wurde in den beiden letzten Wochen der Ferien eine Ferienaka- demie angeboten, in der in der Schule vor Ort eine Förderung in verschiedenen Fächern erfolgte (Deutsch, Mathematik, Englisch). Als Lehrpersonal sollen dabei vor allem Lehramtsstudenten und pensionierte Lehrkräfte zum Einsatz kommen. Vorbemerkung Kultusminister: In den Sommerferien 2020 gab es vier freiwillige Lernarrangements für Schülerinnen und Schüler in Hessen. Das Angebot umfasste schulbezogene Sommercamps, die Ferienakademie, das digitale Ferienförderangebot Ferdi sowie den Deutschsommer der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Die schulbezogenen Sommercamps wurden nach dem Vorbild der in Hessen etablierten schulbe- zogenen Ostercamps angeboten. Hierzu organisierten die Schulen in Eigenregie ein Lernangebot für ihre Schülerinnen und Schüler. Dieses Angebot richtete sich an alle Jahrgangsstufen, und alle öffentlichen Schulen waren teilnah- meberechtigt. Das schulbezogene Sommercamp fand an mindestens drei Tagen in den hessischen Sommerferien im Umfang von mindestens vier Stunden pro Tag statt. Der Unterricht wurde u.a. von Lehrkräften, Lehramtsanwärterinnen und -anwärtern, Lehramtsstudierenden und pensionier- ten Lehrkräften angeleitet. Durch gezieltes Wiederholen und Üben in den Fächern, je nach Be- darfslage der Schülerinnen und Schüler, sollten die im vergangenem Schuljahr durch die Covid- 19-Pandemie gegebenenfalls zu kurz gekommenen Lerninhalte kompensiert werden. Schülerinnen und Schüler von Ersatzschulen konnten sich für das Angebot an einer öffentlichen Schule an- melden. In den letzten beiden Wochen der Sommerferien gab es für hessische Schülerinnen und Schüler in den Fächern Deutsch, Mathematik und gegebenenfalls Englisch das Angebot der Ferienakade- mie. Von Montag bis Donnerstag hatten Kinder und Jugendliche der Jahrgangsstufen 1 bis 8 in der Zeit von 9.00 bis 13.00 Uhr die Möglichkeit, in Kleingruppen wichtige Lerninhalte nachzu- arbeiten. Als Kursleiterinnen und Kursleiter bei der Ferienakademie kam überwiegend externes Personal zum Einsatz, zum Beispiel Lehramtsstudierende, Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst und pensionierte Lehrkräfte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Nachhilfeinstituten und Volkshochschulen. Für die schulbezogenen Sommercamps und für die Ferienakademie hatten sich zum Anmelde- schluss am 5. Juli 2020 insgesamt 21.998 Schülerinnen und Schüler angemeldet. Diese kurzzeit- pädagogischen Maßnahmen wurden an insgesamt 493 Schulen in Hessen angeboten. Sowohl für die schulbezogenen Sommercamps als auch für die Ferienakademie konnten alle interessierten Schülerinnen und Schüler berücksichtigt werden. In wenigen Fällen lag keine vollständige An- meldung für das Angebot der Ferienakademie, zum Beispiel aufgrund fehlender Kontaktdaten, vor. Sofern es möglich war, wurde diesen Fällen einzeln nachgegangen, sodass eine Teilnahme der betroffenen Schülerin bzw. des betroffenen Schülers an dem Angebot ermöglicht werden konnte. Eingegangen am 7. Oktober 2020 · Bearbeitet am 7. Oktober 2020 · Ausgegeben am 9. Oktober 2020 Herstellung: Kanzlei des Hessischen Landtags · Postfach 3240 · 65022 Wiesbaden · www.Hessischer-Landtag.de
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Hessischer Landtag · 20. Wahlperiode · Drucksache 20/3320                 3 Für die Durchführung der Ferienakademie haben sich insgesamt 2.031 Kursleiterinnen und Kurs- leiter gemeldet. Den größten Teil der Personen bildeten Studierende und angehende Studierende mit 1.306 Anmeldungen (das entspricht 64,3%). Die Anzahl der Lehrkräfte im Vorbereitungs- dienst, die sich für dieses Angebot beworben hatten, betrug 310, was 15,3% aller Kursleiterinnen und -leiter entspricht. Sowohl die Studierenden als auch die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst konnten im Rahmen der Ferienakademie wichtige Praxiserfahrungen sammeln, die beispielsweise als Orientierungspraktikum für das Lehramtsstudium angerechnet werden können. Im Übrigen haben sich 123 Lehrkräfte sowie 19 Pensionärinnen und Pensionäre bei der Ferienakademie be- worben. Neben Studierenden, Lehrkräften im Vorbereitungsdienst, Lehrkräften und pensionierten Lehr- kräften haben sich 273 weitere Personen unterschiedlicher Professionen für die Ferienakademie angemeldet. Die Auswahl der Kursleiterinnen und Kursleiter für die Ferienakademie erfolgte in den Staatlichen Schulämtern nach Prüfung der eingereichten Bewerbungsunterlagen. Nähere Aus- wertungen dazu, in welchen Anteilen es sich bei den tatsächlich ausgewählten und eingesetzten Kursleiterinnen und -leitern um aktiv im Dienst befindliche oder pensionierte Lehrkräfte, um Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst, um Studierende oder weitere Personen mit unterschiedlichen Professionen handelte, werden voraussichtlich Ende des Jahres vorliegen. Frage 7.   Hält die Landesregierung die Kritik der GEW für begründet, dass die Angebote sehr kurzfristig an die Schulen weitergegeben wurden, so dass eine sinnvolle Umsetzung von den Schulen kaum mög- lich war? Die Entwicklung des Infektionsgeschehens war und ist dynamisch. Sie stellt die Bundesrepublik Deutschland und damit auch das hessische Bildungssystem vor noch nie dagewesene Herausfor- derungen, auf die flexibel und zum Teil kurzfristig seitens der Hessischen Landesregierung rea- giert wurde und wird. Die Angebote der schulbezogenen Sommercamps, der Ferienakademie sowie des digitalen Ferienförderangebot Ferdi wurden in diesem Jahr zum ersten Mal in den Sommerferien zur Verfügung gestellt und vor den Sommerferien 2020 vorgestellt. Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung verwiesen. Nach der schrittweisen Wiederaufnahme des regulären Schulbetriebs war es die Aufgabe der Lehrkräfte, sich ein Bild von der Qualität der Bearbeitung der Aufgaben durch die Schülerinnen und Schüler während der Aussetzung des Schulbetriebs zu machen und den Schülerinnen und Schülern eine qualifizierte Rückmeldung zu geben. Hierbei wurde insbesondere der Lernstand und der Lernfortschritt der Schülerinnen und Schüler in den Blick genommen. Gleichwohl konnte aufgrund der kurzfristig notwendig gewordenen Maßnahmen im Frühjahr 2020 und der damit verbundenen Umstellung auf Distanzunterricht nicht ausgeschlossen werden, dass Kinder und Jugendliche weitere Unterstützung für einen erfolgreichen Start in das neue Schuljahr 2020/2021 benötigen würden. Die Erfahrungen aus der schrittweisen Aufnahme des regulären Unterrichts wurden daher in die Planungen für die Angebote während der Sommerferien aufgenommen. Zudem wurde für die Umsetzung dieser Maßnahmen ein umfassendes Unterstützungsangebot bereitgestellt. Dazu zäh- len ausgewählte Lernmaterialien und Handreichungen für die Kursleiterinnen und Kursleiter, die Telefon-Hotline des Kultusministeriums für alle Fragen und Anliegen rund um die Ferienakade- mie sowie die Begleitung vor Ort durch die Staatlichen Schulämter. Für die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen war die Teilnahme an einem der beiden Angebote eine gute Vorbereitung auf den Start in das neue Schuljahr. Wiesbaden, 2. Oktober 2020 Prof. Dr. R. Alexander Lorz
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