Personalsituation in Gesundheitsämtern durch Ärztemangel

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• 5 - Für die Erfüllung dieser Aufgaben arbeitet der ÖGD multiprofessionell, interdisziplinär und vernetzt. Medizinische - insbesondere fachärztliche - Qualifikationen bilden nach wie vor die Basis im Öffentlichen Gesundheitsdienst, sozialwissenschaftliche und ge­ sundheitswissenschaftliche Qualifikationen sowie eine moderne Verwaltung sind heute jedoch ebenso unverzichtbar. Wissenschaftlichkeit ist eine unverzichtbare Grundlage des ÖGD. Er benötigt eine enge Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen, insbesondere auch im Bereich Forschung und Lehre. Zunehmende Bedeutung gewinnt darüber hinaus das systematische Zusammenspiel örtlicher Behörden des Öffentlichen Gesundheitsdienstes mit überregionalen Stellen (z.B. Landes- und Bundesbehörden), um Kompetenzen besser zu nutzen und Kon­ zepte zu entwickeln und somit den ÖGD in seinen vielfältigen Aufgaben zu stärken. 5. Stärken des ÖGD Der ÖGD hat traditionell einen bevölkerungsbezogenen Blickwinkel und arbeitet sozi­ alkompensatorisch, gemeinwohlorientiert und frei von kommerziellen Interessen. Dies unterscheidet ihn von vielen anderen Akteuren des Gesundheitswesens. Wie kein an­ derer Akteur bündelt er zudem ein breites Spektrum an fachlicher Kompetenz aus un­ terschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen. Auf der örtlichen Ebene zeichnet er sich durch seine Bürgernähe und die Einbindung in die kommunalen Strukturen mit vielfachen Arbeitsbeziehungen zu anderen kommunalen Behörden (z. B. Schul-, So­ zial- oder Jugendamt) und Institutionen aus. Er verfügt über Zugangsmöglichkeiten zu den verschiedenen Institutionen, Zielgruppen und Lebenswelten vor Ort (Krankenhäu­ ser, Arztpraxen, Kindertagestätten, Schulen, Senioren- und Pflegeheime, Wohnbezir­ ken, Stadt- oder Gemeindeteilen usw.). Neben den bevölkerungsmedizinischen Auf­ gaben wird der ÖGD bei Bedarf für besondere Personengruppen auch individualme­ dizinisch tätig und bietet aufsuchende Hilfen an. 6
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6. Den ÖGD stärken Für die Weiterentwicklung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes sind drei Punkte von entscheidender Bedeutung: •  Der ÖGD braucht eine breite und nachhaltige politische Unterstützung aller Ebenen, von Kommune bis Bund. Es ist notwendig, die Personalentwicklung und Personalausstattung im ÖGD am Umfang seiner fachlichen Aufgaben aus­ zurichten und nicht allein an finanzpolitischen oder verwaltungspolitischen Vor­ gaben. •  Die Rolle des Öffentlichen Gesundheitsdienstes im Zusammenspiel der Ak­ teure im Gesundheitswesen muss entlang der genannten Kernaufgaben profi­ liert werden, insbesondere mit Blick auf die Stärkung der bevölkerungs- und sozialraumbezogenen Arbeit. •  Die Verbindung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes mit der Wissenschaft muss sowohl in der Forschung als auch in der Aus- und Weiterbildung sowie in der Praxis gestärkt werden. Ein starker ÖGD ist eine Voraussetzung für das Funktionieren des Public Health-Sys- tems insgesamt. Dieser Feststellung der Wissenschaftsakademien ist in einem sub­ stanziellen Entwicklungsprozess Rechnung zu tragen. Es gilt, den Öffentlichen Ge­ sundheitsdienstzukunftsfähig zu gestalten. Dazu will dieses Leitbild einen Beitrag leis­ ten. Dieses Leitbild wurde von der Gesundheitsministerkonferenz (GMI<) 2016 angeregt und in einem offenen Diskussionsprozess m it dem ÖGD, Verbänden, zuständigen Gremien sowie der Wissenschaft konsentiert und von der GMK2018 befürwortet. Redaktion: Länderoffene Projektgruppe „Leitbild ÖGD", 20.02.2018 7
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Literatur Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina e. V., acatech - Deutsche Akade­ mie der Technikwissenschaften e. V., Union der deutschen Akademien der Wis­ senschaften e. V. Public Health in Deutschland. Strukturen, Entwicklungen und globale Herausforderungen. Halle, München, Mainz; 2015 Grunow D, Grunow-Luther V. Der öffentliche Gesundheitsdienst im Modernisierungs­ prozess. Weinheim/München: Juventa Verlag; 2000 Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt), Ziele, Leistun­ gen und Steuerung des kommunalen Gesundheitsdienstes. KGSt-Bericht 11/1998. Köln Kuhn J, Wildner M, Zapf A, Der Öffentliche Gesundheitsdienst: Standortbestimmung mit hoffnungsvollem Ausblick. Deutsches Ärzteblatt 109(9) 2012, A 413-416 Steen R. Soziale Arbeit im Öffentlichen Gesundheitsdienst. München: Ernst Reinhardt Verlag; 2005 Teichert-Barthel U, Bornhofen B, Vom Physicus zum/zur Facharzt/-ärztin für Öffentli­ ches Gesundheitswesen- Ein Berufsbild im Wandel, HygMed2011; 36-1/2 Weltgesundheitsorganisation, Europäisches Regionalbüro. Europäischer Aktionsplan zur Stärkung der Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentlichen Ge­ sundheit. Kopenhagen: WHO; 2012 8
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