Provenienzforschung an kommunalen und weiteren nichtstaatlichen Einrichtungen
STAATSMINISTERIUM Freistaat FÜR WISSENSCHAFT SACHSEIM KULTUR UND TOURISMUS Die Staatsministerin für Kultur und Tourismus STAATSMINISTERIUM FÜR WISSENSCHAFT, KULTUR UND TOURISMUS Aktenzeichen Postfach 10 09 20 I 01079 Dresden (bitte bei Antwort angeben) KT-L-1053/20/24-2022/25922 Präsidenten des Sächsischen Landtages Dresden, Herrn Dr. Matthias Rößler 2022 Bernhard-von-Lindenau-Platz 1 01067 Dresden Kleine Anfrage des Abgeordneten Franz Sodann (DIE LINKE) Drs.-Nr: 7/9743 Thema: Provenienzforschung an kommunalen und weiteren nichtstaatlichen Einrichtungen Sehr geehrter Herr Präsident, namens und im Auftrag der Sächsischen Staatsregierung beantworte ich die Kleine Anfrage wie folgt: Kultur. Tourismus. Frage 1: Werden nichtstaatliche und kommunale Einrichtungen bei der Sachsen. Provenienzforschung eingebunden und bei der Erforschung der Bestände/Altbestände besonders im ländlichen Raum unterstützt und wenn ja, wie? Wie die Sächsische Landesstelle für Museumswesen (SLfM) mitteilt, werden Sorbisch? Na klar. nichtstaatliche und kommunale Einrichtungen von Beginn an in Provenienzforschung eingebunden, indem sie stets informiert und motiviert werden. Neben den entsprechenden Informationen zur Provenienzforschung bezogen auf Restitutionsansprüche aus Enteignungen zwischen 1945-49 wurden Sachsens nichtstaatliche Museen bereits in den 1990er Jahren auf das Thema des NS-Zeit-bedingten Entzugs aufmerksam gemacht. ■■ Zertifikat seit 2007 audit berufundfamilie Einen sachsenweiten Auftakt gab die von der SLfM organisierte Fachtagung im Jahr 2010 in Dresden zum Thema „Stichwort Provenienz: Museums- und Sammlungspolitik in der DDR". Die erschienene Tagungspublikation wurde den sächsischen Museen zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus wurden seitdem zahlreiche Informationen zu Fortbildungsmöglichkeiten und Besucheradresse: Förderprogrammen regelmäßig an die Museen gegeben und bereits 2018 ein Staatsministerin für Kultur und Tourismus Informationsfaltblatt für dieses besondere Beratungsangebot der St. Petersburger Straße 2 Sächsischen Landesstelle für Museumswesen entwickelt. 01069 Dresden (Straßenbahnlinien 3, 7) Die SLfM informiert und motiviert Sachsens Museen jährlich zur Jahrestagung www.sm kt.Sachsen.de des Sächsischen Museumsbundes und zum Treffen der AK Museen und den Informationen zum Datenschutz sowie Kulturraumsekretariaten zur Notwendigkeit und Fördermöglichkeiten zur zum Empfang elektronisch signierter und Provenienzforschung. Museen, die Provenienzforschung beginnen wollten, verschlüsselter Nachrichten finden Sie auf unserer Website. wurden seitens der SLfM beratend und fördernd unterstützt, insbesondere auch durch die Vernetzung mit dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste (DZK) und dem AK Provenienzforschung.
STAATSMINISTERIUM Freistaat FÜR WISSENSCHAFT SACHSEN KULTUR UND TOURISMUS Es besteht die Möglichkeit, über die Projektförderung der SLfM und des DZK Provenienzforschungsprojekte zu realisieren. Ein gesondertes Programm im Freistaat Sachsen gibt es nicht, auch mangels Nachfrage. 2022 wurde gemeinsam mit dem 2021 am Daphne-Projekt der SKD ins Leben gerufenen Provenienzberatungsteam ein Informationsfaltblatt zur Provenienzforschung herausgegeben. Für Januar 2023 ist eine coronabedingt bisher verschobene Fachtagung mit dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig, dem vorgenannten Provenienzberatungsteam und der AG Provenienzforschung an der Konferenz der Museumsberatungsstellen in den Ländern sowie dem sächsischen AK Provenienzforschung geplant, in diesen AG/AK arbeitet die SLfM mit, die auch Anträge beim DZK unterstützt. Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) /Sächsische Landesfachstelle für Bibliotheken (LFS1 Ab dem Jahr 2021 wurde durch eine neue Stelle an der SLUB eine Koordinierungsstelle NS-Raubgut an der LFS geschaffen, die die öffentlichen (kommunalen) Bibliotheken vor allem in den ländlichen Räumen zu allen Fragen der Provenienzforschung berät (siehe hierzu auch die Antwort zu Frage 5- SLUB/LFS). In der ersten Arbeitsphase verschafft sich die LFS einen Überblick über den tatsächlichen Umfang von Altbeständen in öffentlichen Bibliotheken, ermittelt den Unterstützungsbedarf, konzipiert thematische Weiterbildungen für Bibliothekare, unterstützt die Öffentlichkeitsarbeit und betreut die Arbeitsgemeinschaften Altbestand (AG AB) und Provenienzforschung in Sachsen (AG PiS). Frage 2: Wie viele Anträge auf Bezuschussung der Eigenmittel wurden von kommunalen, nichtstaatlichen Einrichtungen in den letzten 5 Jahren gestellt, bewilligt und abschlägig beschieden? (bitte nach Anzahl der Antragsteller/Einrichtung, Jahr, Höhe der Eigenmittel und Fördersumme auflisten) Anzahl der Einrichtung Projekt Jahr Höhe der Förder Anträge Eigenmittel summe (Fortlaufende (€) Nummerierung) (€) Görlitzer Sammlungen für NS-Raubkunst in den 1 Beständen der Görlitzer Geschichte und Sammlungen. 1.928,20 7.712,78 (Bewilligt) Kultur, 2017 Kulturhistorisches Recherche, Museum Görlitz Dokumentation und Veröffentlichung Provenienzrecherchen Görlitzer zu kriegsbedingt 2 1.071,00 4.284,00 Sammlungen für verlagerten 2022 (Geplant) Geschichte und Museumsgütern der Kultur, Görlitzer Sammlungen Seite 2 von 4
STAATSMINISTERIUM Freistaat FÜR WISSENSCHAFT SACHSEN KULTUR UND TOURISMUS Kulturhistorisches Museum Görlitz Geschichte und Stadtverwaltung Provenienz der 3 Reichenbach im Ethnologischen 2022 560,00 8.526,50 (Geplant) Vogtland Sammlung Mylau/Reichenbach Frage 3: Wie werden besonders die kommunaien/nichtstaatlichen Einrichtungen bzw. Vereine bei der Rückgabe zu restituierender Objekte seitens des SMWK bzw. des Freistaates Sachsen unterstützt und weiche weiteren Unterstützungsmöglichkeiten sind der Staatsregierung bekannt? Die Entscheidung über die Rückgabe von zu restituierenden Objekten obliegt den nichtstaatlichen Museen bzw. ihren Trägern. In Einzelfällen wird die SLfM auf Anforderung beratend tätig, es besteht allerdings weder eine Informations- noch eine Meldepflicht für solche Fälle seitens der nichtstaatlichen Museen. Das Sächsische Staatsarchiv unterstützt die Provenienzforschung im Freistaat Sachsen in mehrfacher Hinsicht. Das im Sächsischen Staatsarchiv archivierte unikale Archivgut ist eine wichtige Quelle zur Klärung unklarer Provenienzen in den Sammlungen und Beständen anderer Einrichtungen. Durch die Erschließung und Bereitstellung der Archivalien schafft das Sächsische Staatsarchiv für unterschiedliche Nutzungszwecke und Nutzergruppen einen im Archivgesetz für den Freistaat Sachsen geregelten Zugang zu forschungsrelevanten Informationen. Außerdem nehmen Bedienstete des Sächsischen Staatsarchivs aktiv an Veranstaltungen zur Provenienzforschung teil, stehen Provenienzforschenden über den „Arbeitskreis Provenienzforschung und Restitution - Bibliotheken" und die „Arbeitsgemeinschaft Provenienzforschung in Sachsen" im Austausch. Sie führen selbst Workshops und Schulungen, an denen auch nichtstaatliche Einrichtungen teilnehmen, zu der Thematik durch, unter anderem in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste in Magdeburg. Frage 4: Wie viele Anträge von kommunalen/nichtstaatlichen Einrichtungen zur Unterstützung von Erbenermittlung wurden seit Bestehen der Förderlinie in Sachsen gestellt, bewilligt und abschlägig beschieden? (bitte nach Anzahl der Antragsteller/Einrichtung, Zeitraum und Bescheidung auflisten) Es wird auf die Antwort zu Frage 2, bezogen auf die Projektförderung für nichtstaatliche Museen auf der Grundlage der Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst zur Förderung der Kunst und Kultur im Freistaat Sachsen (Förderrichtlinie Kunst und Kultur - FördRL K/K) vom 18. März 2019, verwiesen. Frage 5: Welchen konkreten Maßnahmen unternimmt die Staatsregierung, den Stellenwert der Provenienzforschung in nichtstaatlichen/kommunalen Einrichtungen in Sachsen längerfristig zu stärken, die Beteiligung der Seite 3 von 4
STAATSMINISTERIUM Freistaat FÜR WISSENSCHAFT SACHSEIN KULTUR UND TOURISMUS Einrichtungen zu erhöhen bzw. fördern und die Provenienzforschung mit dazugehörigen erstellten Datenbanken zu institutionalisieren und somit als festen Bereich auch für nichtstaatliche kommunale Einrichtungen dauerhaft zu etablieren? Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden/Sächsische Landesfachsteile für Bibliotheken Im Doppelhaushalt 2021/2022 erhielt die SLUB eine Stelle der Wertigkeit E 13 im Stellensoll D mit einem kw-Vermerk im Jahr 2025. Diese befristete Stelle hat als Ziel die Unterstützung der Kommunen bei der wissenschaftlichen Suche nach NS-Raubgut und unterstützt daher die Sächsische Landesfachstelle für Bibliotheken. Zusätzlich wurden für die SLUB im Einzelplan 12, Kapitel 12 50 in der neu geschaffenen Titelgruppe 52 (Provenienzrecherche) Mittel eingestellt, welche der Unterstützung, Koordination und der Sicherung der Ergebnisse von Provenienzforschung in den sächsischen wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken dienen sollen. Die Sächsische Landesfachsteile für Bibliotheken ist seit dem 1. Januar 2022 der SLUB zugeordnet. Für die SLfM wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen. Des Weiteren weist die SLfM darauf hin, dass das DZK Magdeburg die zentrale Anlaufstelle für Förderung und Bereitstellung von Informationen zur Provenienzforschung ist. Diese werden aus allen Projekten dort zusammengeführt. Für die SKD wird auf die Antwort zu Frage 5 der Drs.-Nr.: 7/9741 verwiesen. Für den Bereich des Archivwesens wird auf die Antwort zu Frage 3 verwiesen. Mit freundlichen GrüC en arbar Seite 4 von 4