Provenienzforschung des Freistaates Sachsen

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STAATSMINISTERIUM                Freistaat FÜR WISSENSCHAFT                SACHSEINI KULTUR UND TOURISMUS Die Staatsministerin für Kultur und Tourismus STAATSMINISTERIUM FÜR WISSENSCHAFT, KULTUR UND TOURISMUS                             Aktenzeichen Postfach 10 09 20 I 01079 Dresden                                                   (bitte bei Antwort angeben) KT-L-1053/20/26-2022/25912 Präsidenten des Sächsischen Landtages                                                Dresden, Herrn Dr. Matthias Rößler                                                                        2022 Bernhard-von-Lindenau-Piatz 1 01067 Dresden Kleine Anfrage des Abgeordneten Franz Sodann (DIE LINKE) Drs.-Nr.: 7/9741 Thema: Provenienzforschung des Freistaates Sachsen Sehr geehrter Herr Präsident, namens und im Auftrag der Sächsischen Staatsregierung beantworte ich die Kleine Anfrage wie folgt:                                                           ^Kultur. Tourismus. Frage 1: Wie ist der aktuelle Stand der Inventarisierung der                                     Sachsen. Sammlungen/Objekte in Depots in Archiven und Sammlungen in Sachsen und wie viel Prozent der Bestände sind analog und digital erfasst? (bitte nach Gesamtanzahl Inventarisierung, Gesamtanzahl Erfassung analog und digital in Prozent und nach Bereichen wie Bibliotheken, Museen,Sammlungen, etc. aufschlüsseln)                                                      Sorbisch? Na klar. Frage 2: Wieviel Prozent der Bestände der staatlichen und nicht staatlichen Einrichtungen in Sachsen wurden auf ihre Provenienz geprüft? (bitte nach Gesamtanzahl in Prozent, nach Bereichen wie Bibliotheken, Museen, Sammlungen, etc. und nach einzelnen Projekten auflisten) Zertifikat seit 2007 audit berufundfamilie Zusammenfassende Antwort auf die Fragen 1 und 2: Die Provenienzforschung und die Inventarisierung in nichtstaatlichen Museen obliegen den Trägern der Museen (und damit größtenteils der kommunalen Selbstverwaltung). Eine Melde- oder Auskunftspflicht gibt es nicht. Daher ist       Besucheradresse: eine Auskunft zum aktuellen Stand an nichtstaatlichen Museen nicht möglich.         Staatsminlsterrn für Kultur und Tourismus St. Petersburger Straße 2 Zum allgemeinen Stand der Digitalisierung in Sachsens Museen wird auf die           01069 Dresden (Straßenbahnlinien 3, 7) im Jahr 2020 von der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen (SLfM) im Rahmen des Projekts Digitales Sammlungsmanagement veröffentlichte                www.smkt.sachsen.de Umfrage                    verwiesen:        https://saechsische-landesstelle-fuer- Informationen zum Datenschutz sowie museu mswesen.skd.m useu m/vernetzen/umfragen/#c29848                               zum Empfang elektronisch signierter und verschlüsselter Nachrichten finden Sie auf unserer Website. Das Sächsische Staatsministerium des Innern (SMI) macht deutlich, dass in der als Anlage beigefügten Tabelle die Anzahl des durch archivfachliche Erschließung analog und digital erfassten Archivgutes im Sächsischen Staatsarchiv (Stand: 31. Dezember 2021) angegeben wird.
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STAATSMINISTERIUM               Freistaat FÜR WISSENSCHAFT               SACHSEN KULTUR UND TOURISMUS Eine Inventarisierung in dem Sinne, wie sie von Museen durchgeführt wird, erfolgt im Archivwesen nicht. Archive übernehmen archivwürdige Unterlagen - anders als Museen, Sammlungen und Bibliotheken - ganz überwiegend auf der Grundlage der in den Archivgesetzen der Länder geregelten Zuständigkeiten von anbietungspflichtigen Behörden, Gerichten und sonstigen öffentlichen Stellen. Der weitaus größte Teil des im Sächsischen Staatsarchiv aufbewahrten Archivgutes ist deshalb von Anbeginn der Verwahrung an staatlicher Provenienz. Die Bestandsbildung erfolgt nach dem Provenienzprinzip, so dass die Herkunft des Archivgutes im Zuge der Übernahme der staatlichen Unterlagen geklärt wird. Zum Stand der Inventarisierung bzw. Erschließung des Archivgutes in kommunalen und anderen nichtstaatlichen Archiven im Freistaat Sachsen liegen dem Sächsischen Staatsministerium des Innern keine Erkenntnisse vor. Die Unterhaltung kommunaler Archive auf der Grundlage des Archivgesetzes für den Freistaat Sachsen stellt eine weisungsfreie Pflichtaufgabe dar, die die Kommunen im Rahmen ihrer Selbstverwaltung erfüllen. Als solche unterliegt sie lediglich der Rechtsaufsicht und nicht der Fachaufsicht. Auf die Tabelle in der Anlage wird verwiesen. Frage 3: Welche konkreten Planungen bzw. Projekte gibt es für die weitere Erfassung zur Inventarisierung und Digitalisierung sächsischer Bestände? (bitte nach Einrichtungen/Sammlungen, Projekten und Zeiträumen angeben) Seit Herbst 2019 hat das Projektteam Digitales Sammlungsmanagement an der SLfM für zunächst sechs Jahre seine Arbeit aufgenommen. Das Team berät insbesondere nichtstaatliche Museen gemeinsam mit der zuständigen Museumsberaterin für Sammlungsdokumentation zu Grundlagen der Inventarisierung, zur museumsfachlichen Erschließung von Museumsobjekten und der Online-Publikation. Neben der Beratung wurden zahlreiche Fortbildungsangebote und Handreichungen entwickelt. Auf der bundesweiten Plattform für Museumsobjekte - Sachsen hat hier ein eigenes Landesportal https;//sachsen.museum-digital.de/ - sind derzeit knapp 100 Museen mit mehr als 27.000 Objekten frei zugänglich. Zum Beratungsangebot gehört die Unterstützung und Begleitung digitaler Wandlungsprozesse in den Organisationsstrukturen. Schwerpunkt des Teams ist die Unterstützung der Museen in ihren eigenen Museumssammlungen in Form von individuellen Beratungen, Schulungen, Workshops und Handreichungen zum Thema. Im Jahr 2022 hat das Projektteam ein Coaching-Programm gestartet, in dem vor Ort praktische Unterstützung insbesondere an kleinere und mittlere Häuser gegeben wird. Die konkrete Zeitplanung sowie die öffentliche Auskunft über einzelne Projekte und Zeitplanungen obliegen den Museen und ihren Trägern. Der SLfM liegt keine Berechtigung zur Veröffentlichung der Daten vor. Die Erschließung und Digitalisierung von Archivgut wird im Sächsischen Staatsarchiv nach Angabe des SMI als archivarische Kernaufgabe kontinuierlich fortgesetzt. Die Ergebnisse dienen auch dazu, Provenienzforschung in anderen staatlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen zu ermöglichen, indem der Zugang zu hierfür einschlägigem Archivgut geschaffen wird. Seite 2 von 5
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STAATSMINISTERIUM              Freistaat FÜR WISSENSCHAFT              SACHSEM KULTUR UND TOURISMUS Die Sächsische Landesbibllothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) arbeitet seit Jahren konsequent daran, ihre Bestände zu digitalisieren und wird dies kontinuierlich fortsetzen. Zur Digitalisierung zählt auch, dass die SLUB mehr als 6.000 Bilder von Provenienzmerkmalen in der Bilddatenbank der Deutschen Fotothek online gestellt hat, wo sie weltweit recherchierbar und zudem referenzierbar sind. Gleichzeitig wurden mehrere tausend Normdatensätze in der Gemeinsamen Normdatei (GND) für Vorbesitzer (Personen und Institutionen) sowie für die Provenienzmerkmale angelegt und mit den Bildern verknüpft. Diese Daten dokumentieren die Ergebnisse der Provenienzforschung an der SLUB und stehen der Nachnutzung für andere Projekte z. B. in Bibliotheken, Museen oder Archiven weltweit frei zur Verfügung. Insgesamt sind in der SLUB derzeit etwa 20.000 Bilder von Provenienzmerkmalen erfasst, deren Online- Stellung noch andauert. Auf die Tabelle in der Anlage wird verwiesen. Frage 4: An welchen               Einrichtungen       in Sachsen       wurden      bisher Provenienzforschungen mit welchen Ergebnissen durchgeführt, an welchen Einrichtungen wurden solche dauerhaft etabliert (evtl. mittels einer Stelle/Fachkraft) bzw. an welchen ist eine solche wofür geplant? (bitte nach Einrichtung bzw. Fachrichtung, Sammlungen etc., Anzahl Einrichtungen gesamt und Ergebnissen aufschlüsseln) Aufgrund der im Archivgesetz für den Freistaat Sachsen geregelten Anbietungspflicht von Behörden, Gerichten und sonstigen öffentlichen Stellen ist der ganz üben/viegende Teil des vom Sächsischen Staatsarchiv verwahrten Archivgutes staatlicher Provenienz, so das zuständige SMI. Soweit das Sächsische Staatsarchiv über Archivgut nichtstaatlicher Herkunft verfügt, wurde dieses überwiegend als Schenkung oder Depositum erworben. Es wurde nur übernommen, wenn die schenkende oder depositalgebende Person vertraglich das Eigentum an den zu übergebenden Unterlagen zusichert. Zahlreiche Archive sächsischer Rittergüter gelangten dagegen während der sogenannten ,Schlossbergung'(Beschlagnahme auf besatzungshoheitlicher Grundlage) in den Bestand des Sächsischen Staatsarchivs. Hier wurden die Provenienzen im Zuge von bereits in den 1950er Jahren begonnenen Erschließungsarbeiten ermittelt. Soweit auf der Grundlage des Ausgleichsleistungsgesetzes begründete Restitutionsansprüche früherer Eigentümer bestanden, wurden diese durch Restitution, in den meisten Fällen jedoch durch gütliche Einigung, geregelt. Für den Bereich Bibliotheken wird auf die Tabelle in der Anlage und die Antwort zur Frage 5 dieser Kleinen Anfrage verwiesen. Alle für die SLUB in der Anlage genannten Projekte betreffen Druckschriftenbestände. Aktuell läuft ein weiteres Projekt mit Förderung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste zur Suche nach NS-Raubgut in den Beständen, die auf die ehemalige Universitätsbibliothek zurückgehen. Dieses Projekt umfasst die Prüfung von ca. 80.000 Bänden. Seite 3 von 5
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STAATSMINISTERIUM            Freistaat FÜR WISSENSCHAFT            SACHSETSi KULTUR UND TOURISMUS Frage 5: Welche konkreten Maßnahmen unternimmt die Staatsregierung, den Stellenwert der Provenienzforschung in Sachsen längerfristig zu stärken, die Beteiiigung     der    Einrichtungen     zu    erhöhen      bzw.   fördern   und    die Provenienzforschung         mit     dazugehörigen      erstellten   Datenbanken     zu institutionalisieren und somit ais festen Bereich dauerhaft zu etabiieren? Seit 15. September 2021 finanziert der Freistaat Sachsen zwei Stellen an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) für die Koordination und Beratung der Provenienzforschung an nichtstaatlichen Museen in Sachsen. Dadurch wird es möglich, die seit 2008 im Daphne-Projekt der SKD erarbeiteten Kompetenzen auch für andere sächsische Museen synergetisch zu nutzen. Dabei arbeitet das Daphne-Team eng mit der ebenfalls den SKD zugeordneten SLfM zusammen. Für die Provenienzforschung an nichtstaatlichen Museen wurde gemeinsam ein Faltblatt zur Information über Forschungsprinzipien und Fördermöglichkeiten erarbeitet. Aktuell wird ein Forschungsantrag beim DZK Magdeburg vorbereitet, über den ein sogenannter Erstcheck an ausgewählten (kleineren) nichtstaatlichen Museen Sachsens finanziell gefördert werden kann. Für Anfang 2023 ist darüber hinaus eine Fachtagung zur Provenienzforschung geplant, die sich speziell an nichtstaatliche Museen richtet und an der von den SKD die SLfM und das Daphne-Projekt gemeinsam federführend beteiligt sein werden. Das Sächsische Staatsarchiv unterstützt die Provenienzforschung im Freistaat Sachsen in mehrfacher Hinsicht. Das im Sächsischen Staatsarchiv archivierte unikale Archivgut ist eine wichtige Quelle zur Klärung unklarer Provenienzen in den Sammlungen und Beständen anderer Einrichtungen. Durch die Erschließung und Bereitstellung der Archivalien schafft das Sächsische Staatsarchiv für unterschiedliche Nutzungszwecke und Nutzergruppen einen im Archivgesetz für den Freistaat Sachsen geregelten Zugang zu     forschungsrelevanten     Informationen.  Außerdem      nehmen    Bedienstete  des Sächsischen Staatsarchivs aktiv an Veranstaltungen zur Provenienzforschung teil und stehen mit Provenienzforschern über den „Arbeitskreis Provenienzforschung und Restitution - Bibliotheken" und die „Arbeitsgemeinschaft Provenienzforschung in Sachsen" im Austausch. Sie führen selbst Workshops und Schulungen zu der Thematik durch, unter anderem in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste (DZK) in Magdeburg. Im Doppelhaushalt 2021/2022 erhielt die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) eine Stelle der Wertigkeit E 13 im Stellensoll D mit einem kw-Vermerk im Jahr 2025. Diese befristete Stelle dient der Unterstützung der Kommunen bei der wissenschaftlichen Suche nach NS-Raubgut und unterstützt daher die Sächsische Landesfachsteile für Bibliotheken. Zusätzlich wurden für die SLUB im Einzelplan 12, Kapitel 12 50 in der neu geschaffenen Titelgruppe 52 (Provenienzrecherche) Mittel eingestellt, welche der Unterstützung, Koordination und der Sicherung der Ergebnisse von Provenienzforschung in den sächsischen wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken dienen sollen. Seite 4 von 5
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STAATSMINISTERIUM Freistaat FÜR WISSENSCHAFT SACHSETM KULTUR UND TOURISMUS Mit freundlichen (Srüßen P arbara Klepsch Anlage Seite 5 von 5
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