WD 9 - 094/19 Gesundheitliche Auswirkungen von Laserdruckeremissionen. Informationen zu ausgewählten Studien

Gesundheit, Familie, Senioren, Frauen, Jugend

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Wissenschaftliche Dienste Sachstand Gesundheitliche Auswirkungen von Laserdruckeremissionen Informationen zu ausgewählten Studien © 2020 Deutscher Bundestag                           WD 9 - 3000 - 094/19
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Wissenschaftliche Dienste                Sachstand                                                              Seite 2 WD 9 - 3000 - 094/19 Gesundheitliche Auswirkungen von Laserdruckeremissionen Informationen zu ausgewählten Studien Aktenzeichen:                      WD 9 - 3000 - 094/19 Abschluss der Arbeit:              24. Januar 2020 Fachbereich:                       WD 9: Gesundheit, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages unterstützen die Mitglieder des Deutschen Bundestages bei ihrer mandatsbezogenen Tätigkeit. Ihre Arbeiten geben nicht die Auffassung des Deutschen Bundestages, eines sei- ner Organe oder der Bundestagsverwaltung wieder. Vielmehr liegen sie in der fachlichen Verantwortung der Verfasse- rinnen und Verfasser sowie der Fachbereichsleitung. Arbeiten der Wissenschaftlichen Dienste geben nur den zum Zeit- punkt der Erstellung des Textes aktuellen Stand wieder und stellen eine individuelle Auftragsarbeit für einen Abge- ordneten des Bundestages dar. Die Arbeiten können der Geheimschutzordnung des Bundestages unterliegende, ge- schützte oder andere nicht zur Veröffentlichung geeignete Informationen enthalten. Eine beabsichtigte Weitergabe oder Veröffentlichung ist vorab dem jeweiligen Fachbereich anzuzeigen und nur mit Angabe der Quelle zulässig. Der Fach- bereich berät über die dabei zu berücksichtigenden Fragen.
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Wissenschaftliche Dienste         Sachstand                          Seite 3 WD 9 - 3000 - 094/19 Inhaltsverzeichnis 1.          Einleitung                                             4 2.          Studien zur Ermittlung der Nanopartikelemission durch Laserdrucker                                           7 3.          Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen einer kurzzeitigen Exposition gegenüber Druckeremissionen    8 4.          Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen einer beruflichen Langzeitexposition gegenüber Druckeremissionen                                     11
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Wissenschaftliche Dienste                Sachstand                                                            Seite 4 WD 9 - 3000 - 094/19 1.    Einleitung Laserdrucker und Kopierer geben während des Druckvorgangs verschiedene Nanopartikel an die Raumluft ab. Seit Jahren wird diskutiert, ob die Emissionen dieser Geräte negative gesundheitli- che Auswirkungen auf den menschlichen Körper bis hin zu einer erhöhten Krebsgefahr haben und inwieweit mögliche Gefahren insbesondere im Bereich der Arbeitsmedizin und des Arbeits- 1 schutzes beachtet werden müssen . Eine ganze Reihe von Institutionen haben – teilweise schon vor einigen Jahren – das bestehende Gesundheitsrisiko von Laserdruckeremissionen eingeschätzt und es wurden entsprechende Empfehlungen veröffentlicht. So kam z. B. das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) in einer Risikoeinschätzung, der sog. 2 Toner-Studie , im Jahr 2008 zu dem Ergebnis, dass die Prävalenz für das Auftreten gesundheitli- cher Beeinträchtigungen durch Laserdruckeremissionen gering sei. Auch seien nach den dem BfR vorliegenden Daten schwerwiegende Gesundheitsschäden von Ärzten nicht beobachtet worden. Zwar könne aufgrund der vorliegenden Befunde zur gesundheitlichen Beeinträchtigung von Ex- ponierten nicht ausgeschlossen werden, dass es durch die Exposition gegenüber Emissionen aus Büromaschinen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen könne. Allerdings sei ein kla- rer Zusammenhang aufgrund der unzureichenden Datenlage nicht herzustellen. Auch seien die gesundheitlichen Beeinträchtigungen in den dokumentierten Fällen nicht schwerwiegend. Das 3 BfR hat den zuständigen Ministerien die Durchführung von Studien empfohlen, die die Aufklä- rung der physikalischen und chemischen Identität der gemessenen Partikel zum Ziel haben. Die Ergebnisse der Untersuchungen zu den Partikeln sollten nach Ansicht des BfR ausgewertet wer- den, bevor weitere Studien mit kontrollierter humaner Exposition oder epidemiologische Studien erwogen werden. Die Bewertung des BfR zu den Gesundheitsgefahren durch Laserdruckeremissionen ist nach An- sicht des Bundesumweltministeriums (BMU) nach wie vor eine der wichtigen Grundlagen für die 4 Einschätzung. Die sog. Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK) des Umweltbundesamtes hat 1     Vergleiche zur Diskussion etwa den Beitrag von Witte, Julia/Balasko, Die Gefahr aus dem Laserdrucker, in: Die Welt vom 28. Dezember 2012, abrufbar unter https://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/ar- ticle112265173/Die-Gefahr-aus-dem-Laserdrucker.html oder auch: Die Wissenschaft ist uneins, Krebsgefahr durch Drucker?, in: ntv vom 11. Februar 2012, abrufbar unter https://www.n-tv.de/technik/Krebsgefahr-durch- Drucker-article95517.html. 2     BfR (2008), BfR schließt Arbeiten zur „Toner“-Problematik mit einer gesundheitlichen Bewertung möglicher Risiken durch Druckeremissionen ab – Gesundheitliche Bewertung Nr. 014/2008 des BfR vom 31. März 2008, abrufbar unter https://www.bfr.bund.de/cm/343/bfr_schliesst_arbeiten_zur_toner_problematik_ab.pdf. Die Stel- lungnahme des BfR enthält eine Darstellung der bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vorliegenden Daten bzw. Studien zum Gefährdungspotential und der Exposition durch Druckeremissionen sowie Vorschläge zu risi- komindernden Maßnahmen. 3     Hierbei handelte es sich um die Bundesministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie für Arbeit und Soziales. 4     Vergleiche die Informationen auf der aktuellen Internetseite des BMU zum Thema Druckeremission, abrufbar unter https://www.bmu.de/themen/gesundheit-chemikalien/gesundheit-und-umwelt/innenraumluft/emissio- nen-aus-laserdruckern/ (Stand 15. April 2019, zuletzt abgerufen am 20. Januar 2020).
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Wissenschaftliche Dienste                Sachstand                                                            Seite 5 WD 9 - 3000 - 094/19 sich in der Vergangenheit, letztmalig im Jahr 2017, ebenfalls wiederholt mit den Forschungser- gebnissen zu Laserdruckeremissionen befasst. Laserdrucker sind nach Ansicht der IRK eine von vielen Quellen für Innenraumluftbelastungen, stellen aber keine spezifische Gesundheitsgefahr 5 dar. Auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua) teilt die Einschätzung, dass keine Hinweise vorlägen, dass Laserdrucker und Kopiergerate grundsätzlich eine relevante 6 Rolle für Erkrankungen spielen würden. Dennoch gibt es Empfehlungen, die Belastung durch Druckeremissionen zu verringern. So emp- fiehlt das BfR zur Risikominimierung die Verwendung von Geräten, die den Standard des Um- weltzeichens „Blauer Engel“ einhalten. Geräte, die dieses Umweltzeichen tragen, müssten Min- deststandards einhalten, wodurch hohe und gesundheitlich bedenkliche Benzolgehalte, wie sie 7 in einzelnen Studien beim Druck- und Kopiervorgang gemessen wurden, vermieden würden. Das BfR verweist in diesem Zusammenhang auf die Empfehlungen die baua zum Umgang mit Druckern, inklusive ihrer Wartung, sowie zur Anschaffung neuer Geräte, zur nachträglichen Aus- rüstung vorhandener Geräte und zu den Anforderungen an den Aufstellort. Die aktuellsten Emp- 8 fehlungen stammen dabei aus dem Jahr 2017. Zur Vermeidung möglicher negativer Auswirkungen auf die Gesundheit wird teilweise ein Um- stieg von Laserdruckern auf Tintenstrahldrucker vorgenommen bzw. angestrebt. So hat z. B. das niedersächsische Justizministerium im Jahr 2012 angekündigt, die bis dahin verwendeten Laser- drucker durch Tintenstrahldrucker zu ersetzen. Grund für diese Maßnahme sei, dass die Gesund- 9 heitsgefährdung durch Laserdruckeremissionen nicht vollständig ausgeschlossen werden könne. Der Austausch von Laserdrucker durch emissionsarme Tintenstrahldrucker wurde von der 5     Siehe die Ausführungen auf der Internetseite des BMU hierzu, abrufbar unter https://www.bmu.de/themen/ge- sundheit-chemikalien/gesundheit-und-umwelt/innenraumluft/emissionen-aus-laserdruckern/. 6     Baua (Hrsg.) (2015), Tonerstaub und Emissionen von Druckern und Kopierern am Arbeitsplatz, abrufbar unter https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Fokus/artikel17.pdf?__blob=publicationFile&v=3 (zuletzt abgerufen am 20. Januar 2020). 7     BfR (2008), BfR schließt Arbeiten zur „Toner“-Problematik mit einer gesundheitlichen Bewertung möglicher Risiken durch Druckeremissionen ab – Gesundheitliche Bewertung Nr. 014/2008 des BfR vom 31. März 2008, abrufbar unter https://www.bfr.bund.de/cm/343/bfr_schliesst_arbeiten_zur_toner_problematik_ab.pdf. 8     Baua (2017), Drucker und Kopierer – Sicher bei der Arbeit nutzen, baua Praxis kompakt, 2. Aktualisierte Auf- lage, Mai 2017, abrufbar unter https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Praxis-kompakt/F43.pdf?__- blob=publicationFile&v=7. 9     Vergleiche hierzu Presseartikel vom 17. November 2012, abrufbar unter https://www.haz.de/Nachrichten/Der- Norden/Uebersicht/Justizministerium-laesst-4033-Drucker-verschrotten (zuletzt abgerufen am 20. Januar 2020).
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Wissenschaftliche Dienste                Sachstand                                                              Seite 6 WD 9 - 3000 - 094/19 Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Jahr 2017 auch für die Bundesministerien und ihre 10 nachgeordneten Behörden gefordert. Der entsprechende Antrag ist jedoch im Februar 2017 ab- 11 gelehnt worden. In den letzten Jahren wurden verschiedene Studien zur Frage, ob und inwieweit die bei der Be- dienung von Druckern oder Kopierern entstehenden Emissionen gesundheitliche Auswirkungen auf die exponierten Personen haben, durchgeführt und veröffentlicht. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass es grundsätzlich problematisch ist, die konkreten gesundheitlichen Auswir- kungen eines einzelnen Einflussfaktors – und damit auch von Druckeremissionen – auf den Men- schen zu ermitteln. Insbesondere die Herstellung einer Kausalität zwischen einzelnen Einfluss- faktoren und auftretenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen ist im Einzelfall kaum nachweis- bar. Die körperliche Reaktion auf das Vorliegen einzelner Faktoren und damit auch das Auftreten von bestimmten Symptomen bzw. Erkrankungen ist individuell zum Teil sehr verschieden. Inso- fern können bestimmte Einflussfaktoren lediglich als Risikofaktoren eingestuft werden. Um eine derartige Einschätzung vornehmen zu können, müssten entweder (gesunde) Testpersonen gezielt dem jeweiligen Risikofaktor ausgesetzt werden und die Folgen dieser Exposition mit Hilfe geeig- neter Methoden auf bestimmte Lungenfunktionsparameter bzw. Biomarker anschließend unter- sucht werden oder der Gesundheitszustand von Personen, die dem entsprechenden Faktor ohne- hin ausgesetzt sind, über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Dabei müsste jedoch der Einfluss anderer Risikofaktoren auf diese Parameter (wie z. B. Rauchen, Belastung der Innen- raumluft durch andere Faktoren wie verbaute Materialien, Qualität der Lüftungsanlagen) soweit 12 wie möglich ausgeschlossen werden. Die Gewinnung von Studienteilnehmern zur Ermittlung der unmittelbaren gesundheitlichen Fol- gen einer Exposition gegenüber Laserdruckeremissionen gestaltet sich aufgrund der möglichen negativen Auswirkungen jedoch insgesamt schwierig und wirft – jedenfalls bei einer längeren Ex- position – nicht zuletzt ethische Fragen auf. Gleichwohl gibt es durchaus einzelne Untersuchun- gen, die Probanden gezielt gegenüber Laserdruckeremissionen exponiert und körperliche Reakti- onen darauf gemessen haben. Diese Studien beziehen sich dabei ausschließlich auf die Ermitt- lung möglicher Veränderungen in Bezug auf verschiedene Parameter bzw. Biomarker aufgrund einer kurzzeitigen Exposition gegenüber Laserdruckeremissionen. Die gesundheitlichen Folgen einer länger anhaltenden Exposition wurden im Rahmen anderer Studien an beruflich exponier- ten Personen, die unabhängig von der Studie ohnehin einer (hohen) Nanopartikelkonzentration durch Laserdrucker ausgesetzt gewesen wären, untersucht. 10    BT-Drs. 18/10874, Innenraumluft sauber halten – Partikelfreisetzung aus Laserdruckern beenden, Antrag vom 18. Januar 2017, abrufbar unter http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/18/108/1810874.pdf. 11    BT-Drs. 18/11071, Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reak- torsicherheit zu dem Antrag BT-Drs. 18/10874, 2. Februar 2017, abrufbar unter http://dipbt.bundes- tag.de/dip21/btd/18/110/1811071.pdf. 12    Zu den Schwierigkeiten bei der Konzipierung und Auswertung von Beobachtungsstudien vergleiche Hammer, Gaël P. (u. a.) (2009), Vermeidung verzerrter Ergebnisse in Beobachtungsstudien, in: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 106, Heft 41 vom 9. Oktober 2009, abrufbar unter https://www.aerzteblatt.de/archiv/66222/Vermeidung-verzerr- ter-Ergebnisse-in-Beobachtungsstudien (zuletzt abgerufen am 20. Januar 2020).
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Wissenschaftliche Dienste                   Sachstand                                                                  Seite 7 WD 9 - 3000 - 094/19 Nachfolgend werden auftragsgemäß die Ergebnisse ausgewählter aktueller Studien vorgestellt. Dabei werden zunächst einige Studien zur Ermittlung der Nanopartikelemission durch Laserdru- cker und zur Abschätzung der Aufnahme von Nanopartikel durch die menschliche Lunge be- trachtet. Anschließend werden Studien dargestellt, die sich mit den gesundheitlichen Auswir- kungen von Laserdruckeremissionen auseinandergesetzt haben. Unterschieden wird dabei zwi- schen Studien, die sich mit den Folgen einer kurzzeitigen Exposition auseinandergesetzt haben und Studien, bei denen die Folgen einer Langzeitexposition im Mittelpunkt standen. 2.    Studien zur Ermittlung der Nanopartikelemission durch Laserdrucker 13 Im Jahr 2018 wurde eine Studie , die in Griechenland durchgeführt wurde, veröffentlicht, deren Ziel es zum einen war, die Emissionen von Laserprintern zu ermitteln, und zum anderen die Pro- zesse, die zu einer Erhöhung der Nanopartikelkonzentration führen, zu charakterisieren. Hierzu wurden die beim Druckvorgang entstehenden Emissionen in einer speziell angefertigten Ver- suchskammer sowie in einem Druckerraum gemessen und miteinander verglichen. Nach Angabe der Autoren sei dabei eine Vervielfachung der Partikeldosis durch den Druckvorgang im Ver- gleich zur ermittelten Hintergrundbelastung zu verzeichnen gewesen. Insbesondere bei dem ers- ten Druckvorgang des Tages sei jeweils ein starker Anstieg der Partikelkonzentration gemessen worden. Darüber hinaus sollte im Rahmen der Studie das Ausmaß der Belastung des menschli- chen Körpers durch von Laserdruckern abgegebene Nanopartikel abgeschätzt werden. Zur Ab- schätzung dieser Expositionslast wurde mit dem ExDoM2 ein spezielles Modell der Dosimetrie (Dosismessung) angewendet. Unter Anwendung dieses Modells ergab die Kalkulation bezogen auf einen einzelnen männlichen Erwachsenen einen Anstieg der Partikelkonzentration in den Atemwegen beim Start des Druckvorgangs um das 14,6 bis 24,1fache und während des Druckvor- gangs um das 1,2 bis 5,2fache. Die Abschätzung der Konzentration von Nanopartikeln, die von Laserdruckern während des Druckvorgangs abgegeben wurden, in der menschlichen Lunge stand 14 auch im Mittelpunkt einer weiteren in Griechenland durchgeführten Studie , die im Jahr 2016 veröffentlicht wurde. Anwendung fand hier das sog. Multiple-Path Particle Dosimetry Modell v.2.1 (MPPD V 2.1), das die Kalkulation von Partikelkonzentrationen in verschiedenen Teilen des 15 Atemsystems für Partikel unterschiedlicher Größe ermöglicht. 16 Die Ergebnisse einer weiteren Studie zur Frage, ob und in welchem Ausmaß Drucker Nanoparti- kel abgeben, wurden bereits im Jahr 2015 veröffentlicht. Im Rahmen der in China durchgeführten 13    Serfozo, Norbert (u. a.) (2018), Evaluation of nanoparticle emissions from a laser printer in an experimental chamber and estimation of the human particle dose, in: Environmental Science and Pollution Research (2018) 25, S. 13103–13117, in englischer Sprache abrufbar unter https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11356- 018-1448-x (Stand 20. Januar 2020). 14    Voliotis, Aristeidis (u. a.) (2016), Fine and ultrafine particle doses in the respiratory tract from digital printing operations, in: Environ Sci Pollut Res (2017) 24:3027-3037, abrufbar unter https://link.springer.com/con- tent/pdf/10.1007%2Fs11356-016-8047-5.pdf. 15    Vergleiche hierzu auch https://www.ara.com/products/multiple-path-particle-dosimetry-model-mppd-v-211 (zuletzt aufgerufen am 20. Januar 2020). 16    Xiaofei, Shi (u. a.) (2015), Evaluation of Nanoparticles Emitted from Printers in a lean Chamber, a Copy Center and Office Rooms: Health Risks of Indoor Air Quality, in: Journal of Nanoscience and Nanotechnology, Vol. 15, Nr, 12, 2015, Abstract in englischer Sprache abrufbar unter https://www.ingentaconnect.com/content/asp/- jnn/2015/00000015/00000012/art00026%3bjsessionid=3im0o5foxvfgd.x-ic-live-02.
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Wissenschaftliche Dienste               Sachstand                                                            Seite 8 WD 9 - 3000 - 094/19 Untersuchung wurde anhand von insgesamt 55 verschiedenen Druckern – bei fünf dieser Drucker handelte es sich um Tintenstrahldrucker, die übrigen 50 waren Laserdrucker – ermittelt, wie hoch die Belastung der Innenraumluft mit Nanopartikeln durch den jeweiligen Druckvorgang war. Der überwiegende Teil der Messungen fand in Büroräumen statt, in drei Fällen wurden die Messungen in Kopierzentren durchgeführt. Darüber hinaus wurde die Freisetzung von Nanopar- tikeln während des gesamten Druckvorgangs in einer Versuchskammer untersucht. Die Auswer- tung der gewonnenen Daten habe nach Angabe der Autoren ergeben, dass die meisten der unter- suchten Laserdrucker in mehr oder weniger hoher Konzentration während des Druckvorgangs Partikel an die Raumluft abgeben, denen die Benutzer der jeweiligen Geräte ausgesetzt seien. Sie stellten darüber hinaus fest, dass die abgegebenen Nanopartikel über einen längeren Zeitraum in der Innenraumluft verbleiben. So seien 2,5 Stunden nach dem Druckvorgang noch mindestens zehn Prozent der Partikel in der Raumluft enthalten. Wichtige Faktoren zur Einschätzung des Ex- positionsrisikos seien das jeweilige Druckermodell, die Qualität des verwendeten Toners sowie die Anzahl bzw. die Dauer der Druckvorgänge. 3.     Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen einer kurzzeitigen Exposition gegenüber Druckeremissionen Im Auftrag des Spitzenverbandes der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) wurde im Zeitraum Februar 2011 bis November 2013 ein Forschungsvorhaben zur Untersuchung mögli- cher Gesundheitsgefährdungen durch Drucker- und Kopiereremissionen durchgeführt, dessen 17 Ergebnisse im Jahr 2014 veröffentlicht wurden. Die Studie bestand aus zwei Teilvorhaben: Zum einen aus der Charakterisierung der Emissionen in einer Versuchskammer und zum anderen aus der Exposition von Probanden in einer Expositionskammer. Im Rahmen des zweiten Teilvorha- bens wurden insgesamt 52 Probanden in einer Klimakammer für insgesamt jeweils effektiv 75 Minuten, aufgeteilt auf zwei Expositionen, gegenüber Laserdruckeremissionen entweder in sehr niedriger oder sehr hoher Partikelkonzentration exponiert. Die Teilnehmer stammten dabei aus drei verschiedenen Gruppen. So nahmen insgesamt 23 gesunde Personen, 14 Personen mit leich- tem, stabilem Asthma sowie 15 Personen mit anamnestischen Beschwerden im Umgang mit La- serdruckern (Betroffene) an der Studie teil. Zur Feststellung möglicher gesundheitlicher Auswir- 17     DGUV (2014), Untersuchung möglicher gesundheitlicher Gefährdungen durch Drucker- und Kopiereremissio- nen – Abschlussbericht der Projektpartner, Mai 2014, abrufbar unter https://www.dguv.de/projektdaten- bank/0294a/dguv_druckerprojekt_abschlussbericht_050514_ehret.pdf. Zum Teilvorhaben einer Exposition von Probanden in einer Klimakammer, Projekt-Nr. FF-FP 0294A, vergleiche auch https://www.dguv.de/ifa/for- schung/projektverzeichnis/ff-fpa_0294.jsp (zuletzt aufgerufen am 20. Januar 2020).
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Wissenschaftliche Dienste                 Sachstand                                                                Seite 9 WD 9 - 3000 - 094/19 kungen wurden bei den Teilnehmern verschiedene Lungenfunktionsparameter mit Hilfe der Spi- 18                                                   19 rometrie sowie der Ganzkörperplethysmographie sowie Verfahren des Entzündungsmonito- rings in der Ausatemluft, dem Nasensekret sowie im Blut durchgeführt. Darüber hinaus wurden verschiedene psychologische und psychometrische Methoden zur Feststellung der Reaktion der Probanden auf die Exposition angewendet. Nach Angabe der Autoren wurden zwar eine Reihe von Änderungen nach der Exposition gegen- über Laserdruckeremissionen beobachtet. Allerdings seien diese in der Regel sowohl nach der sehr hohen als auch der sehr geringen Exposition aufgetreten und ließen nicht auf eine spezifi- 20 sche Sensitivität der Gruppen der Betroffenen oder der Asthmatiker schließen. Nach Ansicht der Autoren sei eine hohe Kurzzeitexposition aus klinischer Perspektive nicht als besorgniserre- gend einzustufen. Die beobachteten sehr geringen Effekte und nicht statistisch signifikanten Un- terschiede zwischen den Expositionen seien zwar teils physiologisch und methodologisch von 21 Interesse, könnten aber nicht mit gutem Grund als klinisch relevant bezeichnet werden. Die Er- gebnisse der Studie sprächen nicht dafür, dass die Exposition gegenüber hohen Laserdru- ckeremissionen einen objektivierbaren, den berichteten Erkrankungen entsprechenden Krank- 22 heitsprozess auf den Weg bringen könnte. Die Autoren weisen in ihrem Bericht auch auf Limi- tationen der Studie hin. So seien die Teilnehmer lediglich einer kurzen Exposition ausgesetzt ge- wesen. Auch seien zeitverzögerte Reaktionen auf eine Exposition möglich, die im Rahmen der direkt nach der jeweiligen Exposition durchgeführten Untersuchungen bzw. Messungen ggf. nicht feststellbar gewesen seien. Gleichwohl sei dieses Risiko durch die Auswahl von entspre- chenden Parametern minimiert worden. Auf der Grundlage dieses Forschungsvorhabens wurden in den Folgejahren weitere Beiträge zu einzelnen betrachteten Fragestellungen veröffentlicht. So konzentriert sich eine Veröffentli- 23 chung aus dem Jahr 2018 auf die psychologischen und kognitiven Effekte der Emissionen. Die akuten psychologischen und kognitiven Effekte einer Laserdruckeremission seien gering und nur 18    Hierbei handelt es sich um ein diagnostisches Verfahren der Pneumologie zur Beurteilung der Lungenfunktion, bei dem Lungen- bzw. Atemvolumina und Luftflussgeschwindigkeiten gemessen und aufgezeichnet werden. Vergleiche hierzu https://www.pschyrembel.de/spirometrie/K0LBT/doc/ (zuletzt aufgerufen am 20. Januar 2020). 19    Hierbei handelt es sich um ein Verfahren der Lungenfunktionsprüfung zur Bestimmung des Atemwegswider- stands und intrathorakalen Gasvolumens. Dabei werden Atemstromstärke sowie die atemabhängigen Luftdruck- schwankungen am Mund des Patienten gemessen und aufgezeichnet, während dieser in einer luftdicht ver- schlossenen Kammer sitzt und durch einen Pneumotachografen atmet. Vergleiche hierzu https://www.pschy- rembel.de/Bodyplethysmographie/K08FQ/doc/ (zuletzt aufgerufen am 20. Januar 2020). 20    Die einzelnen Ergebnisse sind ausführlich im Abschlussbericht des Projekts dargestellt. Eine Zusammenfassung der wesentlichen Messergebnisse sowie eine kurze Einordnung derselben findet sich in einem gesonderten Ka- pitel des Berichts, vgl. hierzu DGUV (2014), S. 207 ff. 21    DGUV (2014), S. 210 ff. 22    DGUV (2014), S. 212. 23    Herbig, B. (u. a.) (2018), Psychological and cognitive effects of laser printer emissions: A controlled exposure study, in: Indoor Air. 2018, 28, S. 112-124, in englischer Sprache abrufbar unter https://onlinelibrary.wiley.- com/doi/epdf/10.1111/ina.12429.
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Wissenschaftliche Dienste                    Sachstand                                                           Seite 10 WD 9 - 3000 - 094/19 bestimmten Teilnehmergruppen, nicht aber verschiedenen Emissionskonzentrationen zuzuord- 24 nen. Eine weitere Darstellung der Studienergebnisse wurde im Jahr 2017 veröffentlicht. Die Au- toren kommen auch hier zu dem Ergebnis, dass die experimentellen akuten Reaktionen auf eine kurze, aber sehr hohe Exposition gegenüber Laserdruckeremissionen gering gewesen seien und kein klinisch relevanter Effekt im Vergleich zu einer Exposition gegenüber einer geringen Parti- kelkonzentration feststellbar sei. Gleichwohl sei bei verschiedenen Parametern ein Anstieg nach der Exposition festgestellt worden, der jedoch sowohl bei der sehr hohen als auch der niedrigen Partikelkonzentration aufgetreten sei. 25 Eine im Jahr 2013 veröffentlichte Studie , in deren Rahmen ebenfalls Probanden gezielt den Emissionen von Fotokopierern ausgesetzt wurden, kam hingegen zu anderen Ergebnissen als die Projektgruppe des DGUV. Zur Ermittlung möglicher gesundheitlicher Auswirkungen verbrachten neun gesunde Personen im Alter von 19 bis 40 Jahren an zwei bis drei zufällig ausgewählten Ta- 26 gen jeweils sechs Stunden in gut besuchten Kopierzentren; hierbei waren die Teilnehmer einer stark variablen Nanopartikelbelastung ausgesetzt, da im Rahmen der Studie kein Einfluss auf die Anzahl der Kopiervorgänge genommen wurde. Die Exposition fand insofern nicht in einer Ver- suchskammer, sondern unter realen Bedingungen und über einen längeren Zeitraum als im Rah- men des DGUV-Forschungsprojektes statt. Zum Vergleich verbrachten die Teilnehmer jeweils ei- nen Tag in einer druckerfreien Büroumgebung und damit in einer Umgebung mit relativ konstan- ter Hintergrundbelastung mit Nanopartikeln. Die Nanopartikelkonzentration war nach Angaben der Autoren fünfmal so hoch wie die Hintergrundbelastung. Vor und direkt nach dem Aufenthalt in den emissionsbelasteten Räumlichkeiten sowie 24 und 30 Stunden später wurden von den Testpersonen Proben der Nasenschleimhaut sowie Urinproben entnommen und auf das Vorhan- 27 densein verschiedener Zytokine und Biomarker (insbesondere 8-hydroxydeoxyguanosine (8- 28 OH-dG) ) untersucht. Im Hinblick auf 8-OH-dG sowie verschiedener entzündungsfördernder 24     Karrasch, S. (u. a.) (2017), Health effects of laser printer emissions: a controlled exposure study, in: Indoor Air. 2017, Vol. 27, Nr. 4, S. 753-765, in englischer Sprache abrufbar unter https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/ina.12366 (zuletzt aufgerufen am 20. Januar 2020). 25     Kathri, M. (u. a.) (2013), Nanoparticles from photocopiers induce oxidative stress and upper respiratory tract inflammation in healthy volunteers., in: Nanotoxicology, August 2013, 7(5), S. 1024-1027, Abstract in englischer Sprache abrufbar unter https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22632457 (zuletzt aufgerufen am 20. Januar 2020). 26     Im Rahmen der Studie war geplant, dass die Teilnehmer jeweils drei Tage im Kopierzentrum verbringen. Vier der neun Probanden waren dazu jedoch lediglich für zwei Tage bereit. Die Veröffentlichung gibt keine Auskunft darüber, aus welchen Gründen sich diese Teilnehmer in geringerem Umfang als geplant den Emissionen ausge- setzt haben. Möglicherweise sollte dadurch das mögliche Gesundheitsrisiko reduziert werden; dies würde die Schwierigkeit, Probanden für entsprechende experimentelle Studien zu finden, widerspiegeln. 27     Zytokine sind körpereigene Signalmoleküle, die von vielen Zellarten im Rahmen der natürlichen und spezifi- schen Immunantwort gebildet werden. Sie beeinflussen u. a. das Wachstum sowie proinflammatorische, im- munregulatorische und hämatopoetische Eigenschaften von Entzündungszellen. Vergleiche hierzu https://www.pschyrembel.de/zytokine/K0PJ0/doc/ (zuletzt aufgerufen am 20. Januar 2020). 28     Hierbei handelt es sich um einen leicht messbaren Biomarker für oxidativen Stress, vergleiche hierzu https://de.wikipedia.org/wiki/8-Hydroxydesoxyguanosin (zuletzt aufgerufen am 20. Januar 2020).
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