WD 9 - 094/19 Gesundheitliche Auswirkungen von Laserdruckeremissionen. Informationen zu ausgewählten Studien
Gesundheit, Familie, Senioren, Frauen, Jugend
Wissenschaftliche Dienste Sachstand Seite 11 WD 9 - 3000 - 094/19 Proteine wurde nach der Exposition mit Tonerstäuben eine zwei- bis zehnmal erhöhte Konzent- ration gemessen, die nach Angabe der Autoren bis zu 36 Stunden angehalten habe. Aus diesen Messwerten schlussfolgern die Autoren, dass Kopierer Entzündungen der oberen Atemwege und oxidativen Stress induzieren. Diese Reaktionen hielten circa 24 Stunden an. Die Autoren halten es insgesamt für unwahrscheinlich, dass eine derartige kurzzeitige Störung des Systems signifikante negative Auswirkungen auf gesunde Individuen habe. Sie werfen jedoch die Frage auf, welche Auswirkungen eine chronische Exposition auf die menschliche Gesundheit bzw. welche Auswirkungen eine Exposition auf Personen, die bereits an Atemwegserkrankungen wie Asthma oder andere chronische Erkrankungen leiden, haben könnten. Unter Berücksichti- gung der Studienergebnisse gehen sie davon aus, dass sich die Personen bei einer chronischen Exposition im Zustand einer chronischen Entzündung befinden müssten. 4. Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen einer beruflichen Langzeitexposition ge- genüber Druckeremissionen 29 Im Rahmen einer im Jahr 2019 veröffentlichten Studie wurden die Auswirkungen einer berufli- chen Exposition gegenüber Druckeremissionen auf die Funktion der Lunge untersucht. In die Un- tersuchung wurden insgesamt 100 in Kopierläden beschäftigte Personen sowie weitere 100 Perso- nen einer Vergleichsgruppe einbezogen. Durchgeführt wurde die Studie in Pakistan im Zeitraum von Januar bis September 2017. Dabei wurden neben der Auswertung von Fragebögen verschie- dene Lungenfunktionsparameter, die üblicherweise zur Diagnose und Beobachtung des Verlaufs bestimmter Lungenerkrankungen herangezogen werden, mit Hilfe eines Spirometers getestet. Darüber hinaus fanden Blutuntersuchungen statt, mit denen der Level der im Blut befindlichen thiobarbitursäure-reaktiven Substanzen (TBARS) ermittelt wurde. Im Hinblick auf die Lungen- funktionsparameter wurde eine deutliche Reduzierung bei den exponierten Arbeitskräften im Vergleich zur Vergleichsgruppe festgestellt. Auch wurde bei ihnen eine signifikant erhöhte Kon- zentration von TBARS im Blut ermittelt. Die Autoren schließen daraus, dass die berufliche Expo- sition mit Druckeremissionen einen signifikanten Effekt auf die normale Lungenfunktion und das Ausmaß des oxidativen Stresses haben kann. 30 Eine andere prospektive Kohortenstudie , die ebenfalls im Jahr 2019 veröffentlicht wurde und sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen einer beruflichen Exposition gegenüber Dru- ckeremissionen auseinandergesetzt hat, kam hingegen zum einem anderen Ergebnis. So habe die berufliche Exposition gegenüber Druckeremissionen nur einen geringen negativen Einfluss auf die Lungenfunktion – sofern das Arbeitsumfeld über ein ausreichend kontrolliertes Ventilations- system verfüge. Die Studie wurde über einen Zeitraum von insgesamt zehn Jahren von 2003 bis 29 Javed, Houda (u. a.) (2019), Occupational health surveillance: pulmonary function testing and oxidative stress among photocopying workers in Pakistan, in: Medycyna Pracy 2019, 70(4), S. 403–410, in englischer Sprache abrufbar unter http://medpr.imp.lodz.pl/Occupational-Health-Surveillance-Pulmonary-function-testing-and- oxidative-stress,100619,0,2.html (zuletzt aufgerufen am 20. Januar 2020). 30 Terunuma, Niina (u. a.) (2019), A Cohort Study on Respiratory Symptoms and Diseases Caused by Toner-Hand- ling Work: Longitudinal Analyses from 2003 to 2013, in: Atmosphere 2019, 10(11), 647, in englischer Sprache abrufbar unter https://www.researchgate.net/publication/336822971_A_Cohort_Study_on_Respiratory_Symp- toms_and_Diseases_Caused_by_Toner-Handling_Work_Longitudinal_Analyses_from_2003_to_2013 (zuletzt aufgerufen am 20. Januar 2020).
Wissenschaftliche Dienste Sachstand Seite 12 WD 9 - 3000 - 094/19 2013 in Japan durchgeführt. Einbezogen wurden dabei insgesamt 1.468 Beschäftigte eines Toner- und Kopierherstellungsunternehmens. Davon arbeiteten 887 Arbeiter mit Tonern, die übrigen in die Studie einbezogenen 581 Arbeiter nicht. Die Gruppe der Arbeiter, die mit Tonern arbeiteten, wurden wiederum in zwei verschiedene Gruppen unterteilt: Eine Gruppe, die einer hohen Emis- sion, und eine Gruppe, die einer niedrigen Konzentration an Tonerstäuben ausgesetzt war. Mit Beginn der Studie im Jahr 2003 seien die Teilnehmer jährlich zu ihrem Gesundheitszustand be- fragt und einem Gesundheitscheck unterzogen worden; dabei wurde offenbar jeweils ein Lungen- funktionstest durchgeführt und es wurden verschiedene Blutwerte ermittelt. Die festgestellte In- zidenz für Atemwegserkrankungen sowie Veränderungen in der Prävalenz von subjektiven Atem- wegssymptomen waren dabei nach Angabe der Autoren sowohl bei den Arbeitern, die mit To- nern arbeiteten, als auch bei den Arbeitern, die nicht mit Toner arbeiteten, ähnlich. Das Odds- Ratio für jährliche Veränderungen in der Prävalenz von Keuchen ohne Asthma sei in der Gruppe der Arbeiter, die mit Toner arbeiteten und der hohen Tonerstaubemission ausgesetzt waren, sig- nifikant niedriger als in der Vergleichsgruppe. Nach Ansicht der Autoren habe die berufliche Tä- tigkeit mit Tonern keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, an Pneumonie, Pneumokoniose 31 (durch anorganische Staube verursachte Lungenkrankheit ) und Lungenkrebs zu erkranken. 32 Eine weitere Veröffentlichung zu den möglichen gesundheitlichen Auswirkungen einer berufli- chen Tonerstaubexposition aus dem Jahr 2018 bezieht sich ebenfalls auf Arbeiter, die in einem Unternehmen zur Herstellung von Tonern und Kopiergeräten beschäftigt waren. Auch diese Kohortenstudie wurde im Zeitraum 2003 bis 2013 in Japan durchgeführt. Im Rahmen der Studie wurden die Teilnehmer regelmäßig untersucht (Röntgenuntersuchung der Lunge, Spirometrie, Ermittlung verschiedener Biomarker) und nach subjektiven Symptomen befragt. Die Autoren ka- men bei der Auswertung zu dem Ergebnis, dass in Bezug auf bestimmte Biomarker keine Unter- schiede zwischen den exponierten Arbeitern und der Vergleichsgruppe feststellbar seien. Auch seien keine typischen Anzeichen einer Pneumokoniose bei den Röntgenuntersuchungen beo- bachtet worden. Dennoch zeigte sich die Tendenz, dass bei den exponierten Teilnehmer im Ver- laufe der Studie Anstiege in der Häufigkeit von Symptomen von Atemwegserkrankungen sowie geringere Werte bei der Spirometrie zu verzeichnen waren als bei der Vergleichsgruppe. Die Un- terschiede seien jedoch lediglich im Hinblick auf chronischen Husten signifikant. Nach Ansicht der Autoren seien Veränderungen der Lunge aufgrund einer beruflichen Exposition gegenüber Druckeremissionen relativ ungewöhnlich. Unabhängig davon könnten nach Ansicht der Autoren jedoch Symptome durch eine zeitweilige Irritation der Atemwege und Entzündungsreaktionen 33 auftreten. *** 31 Vergleiche hierzu https://www.pschyrembel.de/pneumoconiosis/K0HBG/doc/ (zuletzt aufgerufen am 20. Januar 2020). 32 Nakadate, Toshio (u. a.) (2018), Assessing the chronic respiratory health risk associated with inhalation expo- sure to powdered toner for printing in actual working conditions: a cohort study on occupationally exposed workers over 10 years, in: BMJ Open 2018, 8:e022049, in englischer Sprache abrufbar unter https://bmjo- pen.bmj.com/content/8/10/e022049 (zuletzt aufgerufen am 20. Januar 2020). 33 Anmerkung: Beide japanische Studien wurden offenbar zumindest teilweise durch Zuwendungen von Photoko- pierunternehmen aus Japan finanziert.