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Deutscher Bundestag 5. Wahlperiode                                                                    Drucksache     V/ 3138 Der Bundesminister für Wohnungswesen und Städtebau                                             Bad Godesberg, den 3. Juli 1968 I B 2 - 57 12 02 An den Herrn Präsidenten des Deutschen Bundestages Betr.:  Förderungsmaßnahmen für den Althausbesitz Bezug: Kleine Anfrage der Abgeordneten Fritsch (Deggendorf), Frau Berger-Heise, Hörauf, Höhne, Zebisch und der Fraktion der SPD — Drucksache V/2953 — Namens der Bundesregierung beantworte ich die Kleine An- frage wie folgt: 1. Wie hat sich das Konjunkturprogramm der Bundesregierung auf die Förderung der Modernisierung und Instandsetzung des Alt- hausbesitzes ausgewirkt? Im  ersten und zweiten Konjunkturprogramm der Bundesregie- rung sind für die Instandsetzung und Modernisierung des Alt- hausbesitzes 98,864 Millionen DM zur Verfügung gestellt wor- den. 39,305 Millionen DM waren Darlehen für einkommens- schwache Hauseigentümer zu einem Zinssatz von 1,5 0 /o und mit 15 Jahren Laufzeit. Die übrigen 59,559 Millionen DM waren Annuitätszuschüsse zur Verbilligung von Kapitalmarktdarle- hen; davon kamen 7,021 Millionen DM aus Mitteln des ordent- lichen Haushalts. Diese Annuitätszuschüsse mobilisierten Kapi- talmarktdarlehen in Höhe von 1,848 Milliarden DM. 40 % des Kapitals gingen in Strukturgebiete, in denen der Zuschußsatz nicht wie sonst 3 %, sondern 3,5 % beträgt. Im Zonenrandgebiet und in Berlin, in den Bundesausbaugebieten, den Bundesaus- bauorten und den Steinkohlengebieten nach dem Steinkohlen- anpassungsgesetz sind also die Förderungsmaßnahmen beson- ders wirksam gewesen. Wie sich die Mittel auf die einzelnen Bundesländer aufteilen, zeigen die beigefügten Übersichten I und II. Mit diesen Darlehen und Zuschüssen sind im Rahmen der bei- den Konjunkturprogramme in 128 438 Ein- und Zweifamilien- häusern und 79 317 Mehrfamilienhäusern insgesamt 348 383 Wohnungen instand gesetzt oder modernisiert worden.
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Drucksache V/3138                     Deutscher Bundestag — 5. Wahlperiode Diese Maßnahmen bringen Folgelasten für weitere vier Jahre mit sich. Die Annuitätszuschüsse, die aus dem Einzelplan des Bundesministers für Wohnungswesen und Städtebau aufzubrin- gen sind, betragen in dieser Zeit insgesamt 238 Millionen DM. 2. Ist ein Weg gefunden worden, die seinerzeit noch rechtzeitig gestellten, jedoch nicht mehr zum Zuge gekommenen Anträge auf Zuschüsse für die Modernisierung und Instandsetzung des Althausbesitzes nunmehr doch noch zu berücksichtigen? Die Mittel für Zuschüsse zur Verbilligung von Kapitalmarkt- krediten reichten nicht für alle Antragsteller aus. Etwa 20 % der Anträge, die bis zum Ablauf der Frist am 31. Dezember 1967 gestellt waren, konnten nicht mehr berücksichtigt werden. Darin zeigte sich einerseits der konjunktur- und wohnungspolitische Erfolg dieser Förderungsmaßnahme, andererseits bedeutete es für mich die Verpflichtung, mich nachhaltig um eine Aufstok- kung der Mittel zu bemühen. In mehreren Fragestunden des Deutschen Bundestages, insbesondere am 8. Februar 1968, be- richtete ich bereits, daß ich Verhandlungen mit dem Bundes- finanzminister und dem Bundeswirtschaftsminister deswegen aufgenommen hatte. Diese Verhandlungen hatten Erfolg. Be- reits im April wurden weitere 18 Millionen DM für Zuschüsse zur Verbilligung von Kapitalmarktdarlehen zur Verfügung gestellt. Diese Mittel setzen mich in die Lage, dafür zu sorgen, daß die Anträge, die bis zum 2. Januar 1968 bei den Kreditan- stalten gestellt worden sind, nachträglich berücksichtigt werden. Zunächst sah es so aus, als ob diese Mittel nicht für alle übrig gebliebenen Anträge ausreichen würden. Deshalb wurden vor- rangig nur die Zuschüsse für Ein- und Zweifamilienhäuser be- willigt. Diese Zuschußbewilligungen sind jetzt abgeschlossen. Eine seit wenigen Tagen vorliegende Ubersicht zeigt, daß die zusätzlich bereitgestellten Mittel von 18 Millionen DM auch für Mehrfamilienhäuser ausreichen. Damit können alle Anträge, die bis zum 2. Januar 1968 gestellt worden sind, berücksichtigt werden. Mit den zusätzlich bereitgestellten 18 Millionen DM werden nochmals weitere 570 Millionen DM Kapitalmarktkredite ver- billigt. Insgesamt sind damit dem Altwohnungsbestand im Rah- men der beiden Konjunkturprogramme der Bundesregierung durch niedrig verzinsliche Bundesdarlehen und durch Annui- tätszuschüsse fast 2,5 Milliarden DM zugeflossen. Wie sich auf Grund der vorliegenden Unterlagen schätzen läßt, haben die Hauseigentümer darüber hinaus rund 0,5 Milliarden DM an weiteren Darlehen und Eigenmitteln in die Modernisierung und Instandsetzung ihrer Häuser investiert. Das Auftragsvolumen für die Bauwirtschaft im Bereich der Altbauförderung auf Grund der beiden Konjunkturprogramme der Bundesregierung er- reichte also insgesamt 3 Milliarden DM.
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Deutscher Bundestag — 5. Wahlperiode                    Drucksache V/3138 Diese Zahlen beleuchten, welche Breitenwirkung die Maßnah- men zur Sanierung des Althausbesitzes hatten und in wie star- kem Maße sie zur Wiederbelebung der Konjunktur beigetragen haben. Die konjunkturbelebende Wirkung der Aufträge er- streckte sich auf fast alle Zweige des Bauhandwerks. Wegen der Art der durchzuführenden Arbeiten war der Beschäftigungs- effekt bei kleinen und mittleren Betrieben besonders groß. 3. Wie fördert die Bundesregierung über den Rahmen des zweiten Konjunkturprogrammes hinaus die Modernisierung des Althaus- besitzes? Die Bundesregierung wird die Modernisierung des Althaus- besitzes auch über das zweite Konjunkturprogramm hinaus för- dern. Sie stellt Darlehen für einkommensschwache Hauseigen- tümer zu einem Zinssatz von 1,5 % und mit einer Laufzeit von 15 Jahren bereit. Im Haushalt 1968 sind dafür 15 Millionen DM eingesetzt. Diese Mittel werden durch die Länder in eigener Zuständigkeit verteilt. Die mittelfristige Finanzplanung sieht eine Fortsetzung dieser Förderungsmaßnahmen vor. Ich bin mir ihrer Bedeutung be- wußt und werde mich dafür einsetzen, daß auch in den folgen- den Jahren in angemessenem Umfang Mittel zur Verfügung stehen. Neben den unmittelbaren Finanzierungshilfen bleiben die bis- herigen mittelbaren Hilfen bestehen: Auch zukünftig sind die Aufwendungen für Instandsetzung und Modernisierung von Althausbesitz steuerlich absetzbar, werden Bausparverträge zur Finanzierung solcher Vorhaben begünstigt und können Leistungen auf die Hypothekengewinnabgabe nach § 131 des Lastenausgleichsgesetzes wegen wirtschaftlicher Bedrängnis er- lassen werden. Dr. Lauritzen
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Dru ck s ach eV/3 138 Bundesdarlehen für einkommenschwache Hauseigentümer zur                                      Übersicht I Förderung der Instandsetzung und Modernisierung von Wohn gebäuden im Rahmen der Konjunkturprogramme des Bundes L Konjunkturprogramm                                                   II. Konjunkturprogramm Geförderte Objekte                                           Geförderte Objekte Bewilligungen                           mit insgesamt   Bewilligungen                                mit insgesamt Land                                   Ein- und      Mehr                                          Ein- und       Mehr DM          Zweifami     familien                        DM             Zweifami      familien lienhäuser    häuser    Wohnungen                           lienhäuser     häuser    Wohnungen DeutscherBundest ag—5 . W ahl peri od e Baden-Württemberg         786 000        109            6           180          2 642 000           257           38            534 Bayern                    984 000         98          32            261          6 356 000            382         172          1481 Berlin                     —             —            —             —             200 000               4            9           119 Bremen                     84 000         11            3            25           435 000              57           16           160 Hamburg                   210 000         22            8            99          1 325 500            105          33            335 Hessen                    540 000         71            5           111          2 864 000            234          75            741 Niedersachsen             678 000        130          23            274          2 512 000            406         111          1067 Nordrhein-Westfalen     1 884 000        196           72           564         12 424 000           1008         328          2830 Rheinland-Pfalz           432 000         71            4           108          2 209 000            315          36            555 Saarland                  120 000         16            1            26           269 000              24            3            53 Schleswig-Holstein        282 000         59            1            67          2 068 500            306          29            560 Insgesamt:     6 000 000        783         155          1715          33 305 000          3098          850         8435
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Mit den verbilligten Darlehen geförderte Objekte: Wohngebäude natürlicher Personen      Wohngebäude sonstiger Hauseigentümer                  Insgesamt mit insgesamt                           mit insgesamt                             mit insgesamt Land                   Ein- und      Mehr                      Ein- und      Mehr                      Ein- und      Mehr Zweifami     familien                   Zweifami     familien                   Zweifami-    familien lienhäuser    häuser    Wohnungen       lienhäuser    häuser    Wohnungen       lienhäuser    häuser      Wohnungen D eut s ch e rB und est ag—5 . W ahl pe ri ode Baden-Württemberg       15 879       4 632       33 150           371        1 950         4 440        16 250       6 582         37 590 Bayern                  13 440       3 631       26 072           406        3 881         8 868        13 846       7 512         34 940 Berlin                     349       1 181        2 812              2       1 403         4 211           351       2 584          7 023 Bremen                     833         428        2 030              6       1 121        3 652            839       1 549          5 682 Hamburg                  2 004       2 012        6 648              5       2 842        5 690          2 009       4 854         12 338 Hessen                  12 505      2 932        23 159             95       3 814         8 755        12 600       6 746         31 914 Niedersachsen           15 529      3 891        29 073           363        2 084         4 950        15 892       5 975         34 023 Nordrhein-Westfalen     31 605     14 139        73 347         9 565      17 299        47 955         41 170     31 438         121 302 Rheinland-Pfalz          7 203       1 858       13 184             34         446         1 947         7 237       2 304         15 131 Saarland                 5 017         644        8 303           276         381          1 746         5 293       1 025         10 049 Drucksach eV/3138 Schleswig-Holstein       8 961       2 473       16 516           109       5 270        11 725          9 070       7 743         28 241 Insgesamt:   113 325      37 821       234 294        11 232      40 491       103 939        124 557     78 312         338 233
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Drucksa che V /31 38 Annuitätszuschüsse für die Verbilligung von Kapitalmarktkre-                                            Übersicht II diten zur Förderung der Instandsetzung und Modernisierung von Wohngebäuden im Rahmen des 2. Konjunkturprogrammes des Bundes Zugesagte Darlehen (in Millionen DM)                                       Bewilligte Zuschüsse (1. Jahresrate) Insgesamt zugesagte                               b) aus Mitteln mit 3 %   Zuschuß         mit 3,5 % Zuschuß                        a) aus Mitteln des Land                                                                                Darlehen                                  des ordentli 2. Konjunktur                              c) insgesamt: (Millionen DM)                               chen Haushai N. P.          So.        N. P.            So.                         haushaltes des BMWo Baden-Württemberg           204,781         27,437       1,487           1,248      234,953          6 097 344,82            966 338,70        7 063 683,52 7 261 293,30 Deut sch er B und est a g— 5 . W ahl pe ri od e Bayern                       105,740        32,093      77,998       11,323         227,154          7 261 293,30                - Berlin                                       -          36,515       18,822          55,337          1 632 840,19            304 226,00        1 937 066,19 Bremen                        11,189         7,982       -               -            19,171          575 066,66                 -                  575 066,66 Hamburg                       54,037        28,410       -               --          82,447          1 315 660,14          1 160 013,57        2 475 673,71 Hessen                        86,216        19,829      6038         10,573         181,556         5 377 914,74             446 738,20        5 824 652,94 Niedersachsen                 77,127        12,816     99,482        15,164         204,589         5 277 600,42           1 432 477,78        6 710 078,20 Nordrhein-Westfalen         318,190         47,543    123,123       83,376          572,232        18 199 902,94                -             18 199 902,94 Rheinland-Pfalz               56,458         8,412      22,762        2,228          89,860         2 820 802,74                 -             2 820 802,74 Saarland                       2,131         0,040      48,774        4,630          55,575           834 765,45           1 099 884,46        1 934 649,91 Schleswig-Holstein            12,677         2,110      80,547      29,923          125,257         2 750 766,07           1 559 317,39        4 310 083,46 446 309,00 2) Insgesamt:         928,546        186,672    555,626      177,287         1848,131 1 )    52 143 957,47           6 968 996,10       59 559 262,57 Anmerkung: N. P. = natürliche Personen So.   = sonstige Hauseigentümer (wie Wohnungsbaugesellschaften und andere juristische Personen) 1) 213,5 Millionen DM mit Mitteln des ordentlichen Haushaltes des BMWo (vgl. b) verbilligt 2) Verwaltungskosten, die bei den mit der Abwicklung beauftragten Kreditinstituten entstanden
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