Deutscher Bundestag Drucksache 19/20833 19. Wahlperiode 06.07.2020 Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg, Michael Theurer, Grigorios Aggelidis, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP – Drucksache 19/20316 – Entwicklungen der Verfügbarkeit und des Konsums illegaler Substanzen während der Corona-Krise Vorbemerkung der Fragesteller Nach Auffassung der Fragesteller ist davon auszugehen, dass die Covid-19- Pandemie einen erheblichen Einfluss auf die Verfügbarkeit und den Konsum illegaler Substanzen hat. Nach Angaben der deutschen Aidshilfe kann die aktuelle Schwarzmarktveränderung zu bedrohlich verlaufenden und unbeglei- teten Entzugssituationen führen (https://www.aidshilfe.de/sites/default/files/do cuments/2020-03-20_hilferuf_corona_suchthilfe_dah_akzept_jes.pdf). Grenz- schließungen und Ausgangssperren scheinen Drogenpreise weltweit zu beein- flussen (https://www.mdr.de/nachrichten/panorama/drogen-grenzen-coronavir us-100.html). Drogenhilfeeinrichtungen befürchten daher, dass mehr Konsu- menten auf gestreckte und verunreinigte Stoffe zurückgreifen. Nach einem Bericht der Funke-Mediengruppe hingegen geht aus einem inter- nen BKA-Bericht hervor, dass im März 2020 die Drogenangebote im Darknet gegenüber Februar um 18 Prozent gestiegen seien (https://www.n-tv.de/panora ma/Immer-mehr-Drogen-im-Netz-erhaeltlich-article21707348.html). Nach Auffassung der Fragesteller ist es von besonderem Interesse, wie sich der Drogenkonsum und Drogenhandel in Deutschland unter der Corona-Krise entwickelt hat. Ein Überblick ist notwendig, um lebensbedrohlichen Risiken durch unbegleitete Entzüge und gestreckte Substanzen rechtzeitig zu begegnen und Präventionsstrategien der aktuellen Situation anzupassen. 1. Wie viele Fälle von Rauschgiftkriminalität wurden jeweils in den Monaten Januar bis Mai 2020 in Deutschland registriert (bitte nach Suchtstoff und Verstoß auflisten)? Die Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik für die Monate Januar bis Mai 2020 liegen der Bundesregierung noch nicht vor. Bei der Polizeilichen Krimi- nalstatistik handelt es sich um eine jährliche Statistik. Die darin enthaltene Tabelle 08 „Tatzeitstatistik“, die die innerhalb eines Jahres begangene Anzahl von Straftaten auch nach dem Monat der Tatzeit aufschlüsselt, wird jeweils im Mai des Folgejahres erstellt. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat vom 2. Juli 2020 übermittelt. Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 19/20833 –2– Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode Die folgende Tabelle gibt die Anzahl der durch die Zollverwaltung eingeleite- ten Ermittlungsfälle an. Nach Drogenarten wird in der Statistik nicht differen- ziert. Anzahl der eingeleiteten Ermittlungsfälle 2020 Januar 1859 Februar 1871 März 1398 April 982 Mai 1452 2. Wie viele Fälle von Rauschgiftkriminalität wurden jeweils in den Monaten Januar bis Mai der Jahre 2017, 2018 und 2019 in Deutschland registriert (bitte nach Suchtstoff und Verstoß auflisten)? Hinsichtlich der polizeilichen Daten wird auf die Polizeiliche Kriminalstatistik für die Jahre 2017, 2018 und 2019 verwiesen, in der die jeweiligen Daten in der Tabelle 08 „Tatzeitstatistik“ abgebildet sind. Die Polizeiliche Kriminalstatistik ist abrufbar unter: www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKri minalstatistik/pks_node.html. Die folgende Tabelle gibt die Anzahl der durch die Zollverwaltung eingeleite- ten Ermittlungsfälle an. Nach Drogenarten wird in der Statistik nicht differen- ziert. Anzahl der eingeleiteten Ermittlungsfälle 2019 2018 2017 Januar 2267 1541 1360 Februar 2323 1506 1240 März 2315 1744 1505 April 1998 1438 1328 Mai 1925 3032 1517 3. Welcher Umfang welcher illegalen Substanz wurde jeweils in den Mona- ten Januar bis Mai 2020 durch Zoll und Polizei sichergestellt? Durch den Zoll erfolgten folgende Sicherstellungen: Sicherstellungen 2020 Januar Februar März April Mai Heroin (kg) 4,344 26,069 245,828 4,263 8,466 Opium (kg) 1,000 0,054 0 0 0,015 Kokain (kg) 791,570 61,722 2026,428 24,935 618,201 Amfetamin (kg) 54,427 41,154 118,957 27,309 254,739 Ecstasy (Stück) 48750 171291 123742 89289 27946 LSD (Trips) 800 2911 1787 571 22402 Crystal (kg) 9,959 21,681 3,788 1,311 1,089 Haschisch (kg) 177,883 45,437 1487,080 9,021 423,486 Marihuana (kg) 294,237 263,850 195,531 212,624 405,071 Khat (kg) 33,057 507,920 111,740 60,950 0,000 Cannabispflanzen (Stück) 99 411 73 202 14 Meskalin (kg) 0 0 0 4,939 0 Subutex (Stück) 9 700 112 267 1400 NPS (g) 3,135 10,535 0,269 781,573 0,466
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode –3– Drucksache 19/20833 Belastbare polizeiliche Zahlen zu der Gesamtzahl der Rauschgiftsicherstel- lungsfälle und Gesamtsicherstellungsmengen einzelner Rauschgiftarten können aufgrund der Umstellung auf ein neues polizeiliches Datensystem nicht ausge- wiesen werden. 4. Welcher Umfang welcher illegalen Substanz wurde jeweils in den Mona- ten Januar bis Mai der Jahre 2017, 2018 und 2019 durch Zoll und Polizei sichergestellt? Durch den Zoll erfolgten folgende Sicherstellungen: Sicherstellungen 2017 Januar Februar März April Mai Heroin (kg) 1,997 10,524 4,362 14,400 10,260 Opium (kg) 4,646 0 0,114 0,025 0,177 Kokain (kg) 1252,700 55,825 3012,188 3316,913 1647,593 Amfetamin (kg) 49,366 15,259 29,647 19,449 25,238 Ecstasy (Stück) 13354 13329 20786 12055 26330 LSD (Trips) 18 8127 83 1343 11266 Crystal (kg) 4,221 1,660 3,946 0,774 12,761 Haschisch (kg) 16,802 5,076 287,187 2,134 89,714 Marihuana (kg) 211,654 286,569 637,057 348,596 442,327 Khat (kg) 350,370 251,040 190,690 380,100 681,150 Cannabispflanzen (Stück) 1067 201 5530 357 1741 Meskalin (kg) 0 0 0 0 0 Subutex (Stück) 0 0 0 53 67 NPS (g) 15,729 0,018 6,165 0,355 0,342 Sicherstellungen 2018 Januar Februar März April Mai Heroin (kg) 7,483 4,106 9,013 29,503 37,484 Opium (kg) 6,055 0,025 2,000 2,000 0 Kokain (kg) 55,729 414,329 236,554 275,813 419,172 Amfetamin (kg) 55,397 47,238 66,107 55,081 77,715 Ecstasy (Stück) 26875 23162 72500 12892 59687 LSD (Trips) 475 166 667 444 5255 Crystal (kg) 20,193 3,022 21,894 7,995 4,418 Haschisch (kg) 324,531 5,795 17,469 21,365 236,049 Marihuana (kg) 222,866 192,047 660,137 151,950 232,424 Khat (kg) 179,300 306,130 160,520 222,400 206,000 Cannabispflanzen (Stück) 489 523 393 46 7667 Meskalin (kg) 0,408 0 0 0 0 Subutex (Stück) 378 0 209 0 0 NPS (g) 0,945 0,670 0,685 312,394 11,174
Drucksache 19/20833 –4– Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode Sicherstellungen 2019 Januar Februar März April Mai Heroin (kg) 127,965 11,630 31,262 18,868 821,824 Opium (kg) 34,120 10,000 0 0,010 0,500 Kokain (kg) 190,849 98,780 2046,388 1270,452 109,114 Amfetamin (kg) 39,274 177,100 31,990 437,662 127,278 Ecstasy (Stück) 220094 105074 127431 227998 78061 LSD (Trips) 3910 1394 4074 3346 3624 Crystal (kg) 7,812 9,904 2,914 104,898 18,439 Haschisch (kg) 36,490 22,262 28,643 2,361 25,961 Marihuana (kg) 355,597 253,215 273,954 203,935 264,684 Khat (kg) 420,230 528,020 363,650 118,100 125,830 Cannabispflanzen (Stück) 2100 20008 16076 68 1010 Meskalin (kg) 0 0 0 7,313 0 Subutex (Stück) 56 28 700 392 0 NPS (g) 0,830 20,916 10001,588 85,558 13,785 Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 3 verwiesen. 5. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über gestiegene Schwarz- marktpreise, eine veränderte Angebotslage von illegalen Drogen und über Veränderungen des Drogenschmuggels im Zusammenhang mit Covid-19 und den nationalen und internationalen Schutzmaßnahmen? Eine Aussage zur Entwicklung der Schwarzmarktpreise im Zusammenhang mit COVID-19 kann nicht getroffen werden, da diesbezüglich keine Statistiken ge- führt werden. Bezüglich der Angebotslage von Rauschgift liegen derzeit keine Informationen vor, dass sich an der hohen Verfügbarkeit von Drogen jeglicher Art in Deutschland seit dem Beginn der COVID-19-Pandemie etwas verändert hat. Es lässt sich jedoch ein Anstieg des Rauschgifthandels im digitalen Raum und beim Postversand von Rauschgift feststellen. Der international organisierte Handel von Rauschgift wird trotz Grenzkontrol- len weiter betrieben, vor allem unter Nutzung der bestehenden Lieferketten für legale Güter (bspw. Lieferungen in Seecontainern, LKW-Frachtverkehr). Die Sicherstellungszahlen von Kokain in Seecontainern an europäischen Häfen sind mit den Vorjahreszahlen aus demselben Zeitraum vergleichbar. Die Sicherstel- lungsmengen im Luftfrachtbereich sind hingegen gestiegen. 6. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung das Drogenangebot im Darknet in den Monaten Januar bis Mai 2020 im Vergleich zu den jeweili- gen Monaten des Vorjahres 2019 entwickelt? Mangels statistischer Daten können keine Aussagen zur Entwicklung getroffen werden. 7. Wie viele Substitutionspatienten gab es laut Substitutionsregister in den Monaten Januar bis Mai 2020 im Vergleich zu den jeweiligen Monaten des Vorjahres 2019 in Deutschland? Eine auf einzelne Monate bezogene vergleichende Darstellung von Patienten- zahlen aus den Jahren 2019 und 2020 ist grundsätzlich ausgeschlossen, da ge- mäß § 5b Absatz 3 der Verordnung über das Verschreiben, die Abgabe und den Nachweis des Verbleibs von Betäubungsmitteln (BtMVV) die Kryptogramme (verschlüsselte Patientencodes) zusammen mit den Angaben nach § 5b Ab-
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode –5– Drucksache 19/20833 satz 2 Satz 1 Nummer 2 bis 6 BtMVV spätestens sechs Monate nach Bekannt- werden der Beendigung des Verschreibens aus dem Datenbestand des Substitu- tionsregisters zu löschen sind. Daten aus dem Jahr 2019 stehen aus diesem Grund nicht mehr zur Verfügung. In den Monaten Januar bis Mai 2020 waren zum jeweiligen 1. des Monats nachfolgende Patientenzahlen gemeldet: 01.01.2020: 78900 01.02.2020: 79372 01.03.2020: 79377 01.04.2020: 79761 01.05.2020: 80339 Bei der Bewertung der Daten ist zu beachten, dass sich durch Aufklärung ein- zelner Meldesachverhalte im Nachhinein noch Aktualisierungen ergeben kön- nen. Das betrifft insbesondere die Zahlen aus den letzten beiden genannten Mo- naten. 8. Wie viele Take-Home-Verschreibungen wurden in den Monaten Januar bis Mai 2020 im Vergleich zu den jeweiligen Monaten des Vorjahres 2019 in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung ausgestellt? Der Bundesregierung liegen Daten bis April 2020 vor. Im ersten Quartal 2019 wurden ca. 110.000 Fertigarzneimittelpackungen und Rezepturen an Substitu- tionsmitteln zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) von der Apotheke abgegeben. Im ersten Quartal 2020 wurden ca. 128.000 Fertigarznei- mittelpackungen und Rezepturen abgegeben. Der Bundesregierung liegen keine differenzierten Daten über Take-Home-Verordnungen vor. 9. Wie viele opioidabhängige Insassen wurden aufgrund der Covid-19-Pan- demie nach Kenntnis der Bundesregierung frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen, und wie wurde eine Anschlusssubstitution sichergestellt? Die Bundesregierung verfügt über keine Statistik, die frühzeitige Entlassungen von opioidabhängigen Insassen aufgrund der Covid-19-Pandemie ausweist. Die Durchführung des Justizvollzuges und die Gesetzgebung sind nach der ver- fassungsmäßigen Ordnung der Bundesrepublik Deutschland ausschließlich eine Angelegenheit der Länder (Artikel 30, 70 Absatz 1 des Grundgesetzes). Die ge- sundheitliche Versorgung von Inhaftierten obliegt daher ebenfalls den Ländern. 10. Wie viele Substitutionspatienten wurden in den Monaten Januar bis Mai 2020 im Vergleich zu den jeweiligen Monaten des Vorjahres 2019 nach Kenntnis der Bundesregierung pro Arztpraxis gemeldet? Eine monatsbezogene Darstellung von Patientenzahlen je Arztpraxis ist tech- nisch ausgeschlossen. Darüber hinaus stehen Daten aus dem Jahr 2019 aus den in der Antwort zu Frage 7 aufgeführten Gründen nicht mehr zur Verfügung.
Drucksache 19/20833 –6– Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode 11. Wie viele Kassenrezepte für Naloxon-Nasenspray wurden seit September 2019 nach Kenntnis der Bundesregierung monatlich ausgestellt? Nach Kenntnis der Bundesregierung wurde für die Monate September 2019 bis Mai 2020 jeweils eine niedrige zweistellige Zahl an Packungen des Arznei- mittels Naloxon-Nasenspray (Nyxoid®) zu Lasten der GKV in der Apotheke abgegeben. 12. Wie viele Drogentote wurden in den Monaten Januar bis Mai 2020 im Vergleich zu den jeweiligen Monaten des Vorjahres 2019 in Deutschland registriert (bitte nach Monat und Todesursache auflisten)? Der Bundesregierung liegen keine monatlichen Zahlen der Rauschgifttoten nach Todesursachen vor. Die Erhebung zu Rauschgifttoten nach Todesursachen durch das Bundeskriminalamt erfolgt jeweils zum Jahresbeginn für das Vorjahr. Darüber hinaus ist zu beachten, dass den Polizeidienststellen der Bundesländer Informationen zu den Todesursachen anhand von toxikologischen Gutachten oftmals erst mit einem großen Zeitverzug vorliegen. 13. Wie viele Drogenentzüge wurden in Deutschland jeweils in den Monaten Januar bis Mai nach Kenntnis der Bundesregierung 2020 begonnen und durchgeführt? Hierzu liegen der Bundesregierung keine Daten vor. 14. Wie viele Drogenentzüge wurden in Deutschland in den Monaten Januar bis Mai jeweils in den Jahren 2017, 2018 und 2019 nach Kenntnis der Bundesregierung durchgeführt? Hierzu liegen der Bundesregierung keine Daten vor.
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