Bayerischer Landtag 15. Wahlperiode Drucksache 15/4901 06.04.2006 Schriftliche Anfrage mit unterschiedlichen Eignungsvermerken bzw. Über- trittsempfehlungen. Alle Schülerinnen und Schüler mit der Abgeordneten Simone Tolle BÜNDNIS 90 DIE GRÜ- einem Notendurchschnitt von besser oder gleich 2,33 aus NEN Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachunterricht vom 25.01.2006 (HSU) erhalten von der Grundschule den Eignungsver- merk „geeignet für den Bildungsweg des Gymnasiums“ Aktuelle Zahlen zur Ausschöpfung der Übertrittsoptio- bzw. „bedingt geeignet für den Bildungsweg des Gymna- nen an das Gymnasium siums“. Letzteres wird dann festgestellt, wenn zwar der erforder- 1. Wie viele SchülerInnen der Jahrgangsstufe 4 haben in liche Gesamtschnitt vorliegt, der Durchschnitt aus den Schuljahren 1994/1995 bis 2004/2005 einen Noten- Deutsch und Mathematik jedoch schlechter als 2,0 ist (al- durchschnitt von besser oder gleich 2,33 erreicht (diffe- so z.B. bei der Notenkonstellation Deutsch 3, Mathema- renziert nach Regionen und Geschlecht)? tik 2, HSU 2). Wird einem Kind bedingte Eignung für das Gymnasium attestiert, dann müssen dessen Eltern an ei- 2. Wie viele SchülerInnen der Jahrgangstufe 4 haben inden nem Beratungsgespräch an der abgebenden Grundschule Schuljahren 1994/1995 bis 2004/2005 eine Empfehlung teilnehmen, bevor sie ihr Kind an einem Gymnasium an- für einen Übertritt auf ein Gymnasium erhalten (differen- melden können. Die Unterscheidung zwischen Eignung ziert nach Regionen und Geschlecht)? und bedingter Eignung wird seit dem Schuljahr 2000/2001 getroffen; davor wurden alle Kinder bis zu ei- 2.1 Wie viele dieser SchülerInnen, die eine Empfehlung nem Notendurchschnitt von besser oder gleich 2,33 als für das Gymnasium bekommen haben, haben einen geeignet für das Gymnasium eingestuft. Die Übertritts- Notendurchschnitt von besser oder gleich 2,33 (dif- option an das Gymnasium blieb trotz der damals be- ferenziert nach Schuljahren, Regionen und Ge- schlossenen Änderung jedoch erhalten. schlecht)? • Die in den folgenden Tabellen jeweils in Spalte 3 ge- nannten Zahlen beziehen sich, wie bereits ausgeführt, auf 2.2 Wie viele der SchülerInnen mit einer Empfehlung die ausgestellten Übertrittszeugnisse. Schülerinnen und für den Übertritt auf ein Gymnasium sind tatsäch- Schüler, deren Leistungen einen Übertritt an das Gymna- lich auf ein Gymnasium gewechselt (differenziert sium gerechtfertigt hätten, deren Eltern aber – aus wel- nach Schuljahren, Regionen und Geschlecht)? chen Gründen auch immer – kein Übertrittszeugnis bean- tragt haben, sind darin folglich nicht erfasst. Dass im hier 3. Welche Daten liegen zur sozialen Herkunft und der be- betrachteten Notenbereich (also 2,33 oder besser) ruflichen Stellung der Eltern zu den SchülerInnen mit ei- Schüler in größerer Zahl davon betroffen sind, ist zwar ner Empfehlung zum Gymnasium und von den tatsäch- unwahrscheinlich; gesicherte Erkenntnisse darüber lie- lich übergetretenen vor (differenziert nach Schuljahren, gen dem Staatsministerium aber nicht vor. Regionen und Geschlecht)? • Die Erhebung über die ausgestellten Übertrittszeugnisse wird nicht nach Geschlechtern differenziert durchge- 4. Wie groß ist die Ausschöpfung (in Zahlen und Prozent) führt. Eine Darstellung der Erhebungsergebnisse nach der Übertrittsoptionen an das Gymnasium in Abhängig- Regierungsbezirken ist außerdem erst für den Zeitraum keit des Notendurchschnitts von besser oder gleich 2,33 ab dem Schuljahr 1998/1999 möglich. Für die Jahre da- für die Schuljahre 1994/1995 bis 2004/2005 (differen- vor verfügt das Staatsministerium nur über Zahlen, die ziert nach Regionen und Geschlecht). sich auf Bayern insgesamt beziehen. • Wenn es darum geht, die Ausschöpfung der Übertrittsop- tionen zu bestimmen, können sinnvollerweise diejenigen Antwort Kinder nicht einberechnet werden, denen von der Grund- schule keine Eignung für das Gymnasium bescheinigt des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus wurde, denen der Übertritt dann aber über die erfolgrei- vom 06.03.2006 che Teilnahme am Probeunterricht (PU) gelungen ist. Daher wird von der absoluten Übertrittszahl (Spalte 4) je- Zu 1., 2., 2.1, 2.2 und 4.: weils die Zahl der erfolgreichen Probeunterrichtsteilneh- Dem zur Beantwortung dieser Fragen im Folgenden vorge- mer abgezogen, um einen „bereinigten“ Wert (Übertritte legten Zahlenmaterial sind mehrere Erläuterungen vorauszu- aufgrund der Grundschulempfehlung; Spalte 5) zu erhal- schicken: ten, auf den die Zahl in Spalte 3 bezogen werden kann. • Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus erfasst • Die Zahlen in Spalte 3 beruhen auf Meldungen der abge- jährlich die Zahl der ausgestellten Übertrittszeugnisse benden Grundschulen, die Zahlen in den Spalten 4 und 5
Seite 2 Bayerischer Landtag · 15. Wahlperiode Drucksache 15/4901 auf Meldungen der aufnehmenden Gymnasien. Wechselt fert werden kann, ist der Vergleich der möglichen mit den ein Schüler, der nahe einer Bezirksgrenze wohnt, beim tatsächlichen Übertritten zwar nicht auf gesamtbayeri- Übertritt von einer Grundschule im Bezirk A an ein scher, wohl aber auf regionaler Ebene mit einer gewissen Gymnasium im Bezirk B, ist er somit in der folgenden Einschränkung versehen. Statistik in den Spalten 4 und 5 einem anderen Regie- rungsbezirk zugeordnet als in Spalte 3. Durch dieses Phä- nomen, das vom Staatsministerium nicht genauer bezif- Im Einzelnen werden folgende Zahlen mitgeteilt:
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Drucksache 15/4901 Bayerischer Landtag · 15. Wahlperiode Seite 5 Aus den vorgelegten Zahlen lassen sich v.a. zwei Tendenzen das Gymnasium auch die Eignung für die Realschule attes- ablesen: tiert. Immer mehr Eltern haben in den vergangenen Jahren • Seit Ende der neunziger Jahre steigt die Quote der Schü- diesen Bildungsgang als attraktiv und qualitativ hochwertig lerinnen und Schüler, denen eine Eignung bzw. bedingte erkannt und deswegen ganz bewusst auf einen – aufgrund der Eignung für das Gymnasium bescheinigt wird, stetig an. Leistungen möglichen – Übertritt ihrer Kinder an das Gym- • Demgegenüber ist die Ausschöpfungsquote dieser nasium verzichtet. Grundschulempfehlungen bezogen auf das Gymnasium im selben Zeitraum insgesamt deutlich zurückgegangen. Zu 3.: Diese Entwicklung liegt im Wesentlichen in der Einführung Bei den Erhebungen zum Übertritt wurden bislang aus da- und dem Erfolg der sechsstufigen Realschule begründet. tenschutzrechtlichen Gründen keine Hintergrundmerkmale Schülern mit einem Notendurchschnitt von besser oder wie soziale Herkunft oder berufliche Stellung der Eltern er- gleich 2,33 im Übertrittszeugnis wird seit dem Schuljahr fasst. Daher liegen dem Staatsministerium hierzu keine Da- 2000/2001 neben der Eignung bzw. bedingten Eignung für ten vor.