Kompetenzorientierung des neuen Lehrplans PLUS und Veränderungsbedarf an Schulen
Bayerischer Landtag 16. Wahlperiode Drucksache 16/16716 03.06.2013 Schriftliche Anfrage b) Welche neue Unterrichts- und Leistungskultur wird mit der Einführung des kompetenzorientierten Lehrplan des Abgeordneten Thomas Gehring PLUS an den Schulen implementiert? BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 26.03.2013 8. a) Wird das System der Leistungsbewertung (Noten) ver- ändert? Kompetenzorientierung des neuen Lehrplan PLUS und b) Wie kann der Widerspruch aufgelöst werden, dass mo- Veränderungsbedarf an Schulen derne kompetenzorientierte Unterrichtsformate und das gegenwärtige System der Leistungsmessung in der drit- Ich frage die Staatsregierung: ten und vierten Klasse der Grundschule mit der nach Ziffernote vorgenommenen Zuteilung der Schüler/ 1. Welcher Zeitraum ist für Fertigstellung, Diskussion mit -innen auf drei Schularten unvereinbar sind? Praktikern und Implementierung des neuen Lehrplans PLUS vorgesehen? 2. a) Wie ist der kompetenzorientierte Bildungsbegriff zu verstehen? b) Inwieweit wird er konkret im Lehrplan eines jeden Faches sichtbar? c) Wie wird sich konkret der Unterricht verändern? 3. a) Liegt dem neuen kompetenzorientierten Lehrplan Antwort PLUS ein neuer Lernbegriff zugrunde? des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus b) Wenn ja, wie wird dieser formuliert? vom 06.05.2013 c) Was bedeutet dies konkret für die Praxis des Unter- richts? Zu 1.: Die Entwicklung der Lehrpläne am Staatsinstitut für Schul- 4. a) Wie hoch ist der Konkretisierungsgrad von Kompe- qualität und Bildungsforschung erfolgt gemeinsam mit er- tenzstrukturmodellen, nachdem diese nach dem derzei- fahrenen Lehrkräften in Fachkommissionen. Damit sind tigen Stand der Lehrplanentwicklung mit dem Lehrplan von Beginn an Praktiker in die Lehrplanarbeit eingebunden. PLUS eingeführt werden sollen? Ebenso wurden die Erfahrungen der Praktiker durch die b) Werden zusätzlich dezidierte Lernziele im Lehrplan Auswertung der Ergebnisse der jeweiligen Lehrplanbefra- formuliert, die sich vom Charakter der Lernziele des gungen berücksichtigt. gegenwärtigen Lehrplans unterscheiden? c) Werden die Lehrkräfte zur weiteren Konkretisierung Die Erstellung des gesamten LehrplanPLUS einschließ- schulinterne Curricula zu entwickeln haben? lich des Anhörungs- und Implementierungsverfahrens wird voraussichtlich fünf Schuljahre umfassen (Schuljahre 5. a) Welche Kosten sind für die Einrichtung des Lehrplan- 2011/2012 bis einschließlich 2015/2016). In einer ersten informationssystems (LIS) vorgesehen? Phase wird der Lehrplan für die Grundschule entwickelt b) Sind die im LIS zur Verfügung gestellten Aufgaben- und in der Fortbildung implementiert (Schuljahre 2011/2012 pools mit Schüleraufgaben, entsprechend dem neuen bis einschließlich 2013/2014). Er soll mit dem Schuljahr Lehrplan, mit der Einführung des Lehrplans für die 2014/15 für die Jahrgangsstufen 1 und 2 in Kraft treten. Die Lehrerkollegien abrufbar? Lehrpläne für die allgemeinbildenden Schularten Mittel- schule, Realschule und Gymnasium sollen parallel (Schul- 6. a) Welche Maßnahmen zur Fortbildung der Lehrkräfte jahre 2012/2013 bis einschließlich 2015/2016) fertiggestellt über den neuen Lehrplan sind vorgesehen (bitte aufge- und implementiert werden. Danach wird jeweils schrittweise schlüsselt nach Format und Umfang)? die Inkraftsetzung beginnen. Die Inkraftsetzung des neuen b) Welche Mittel werden dafür zur Verfügung gestellt? Lehrplans für die Wirtschaftsschule ist ab dem Schuljahr 2014/2015 geplant. Die Erarbeitung und Implementierung 7. a) Werden mit der neuen Kompetenzorientierung die für die Berufliche Oberschule (FOS/BOS) sind für die Schul- Lernzeiten der Schüler/-innen erweitert oder werden jahre 2014/15 bis 2015/16 vorgesehen. Ab 2017/18 werden Inhalte reduziert? auch hier die Lehrpläne schrittweise eingeführt. Drucksachen, Plenarprotokolle sowie die Tagesordnungen der Vollversammlung und der Ausschüsse sind im Internet unter www.bayern.landtag.de – Dokumente abrufbar. Die aktuelle Sitzungsübersicht steht unter www.bayern.landtag.de – Aktuelles/Sitzungen/Tagesübersicht zur Verfügung.
Seite 2 Bayerischer Landtag · 16. Wahlperiode Drucksache 16/16716 Zu 2. a): lehrpläne untergliedern sich in Lernbereiche und weisen die Grundlegend für den bayerischen Lehrplan war und ist ein Kompetenzerwartungen mit den dazugehörigen Inhalten aus. ganzheitliches Bildungsverständnis, das die umfassend gebil- dete Schülerpersönlichkeit zum Ziel hat und Bildung und Er- Die Kompetenzerwartungen beschreiben konkret die zu er- ziehung als Einheit betrachtet. Der Lehrplan folgt dabei der werbenden Kompetenzen. Sie sind in der Regel situations- Maxime der Bayerischen Verfassung, dass die Schule nicht bezogen formuliert und zielen, wo möglich, auf die Bewäl- nur Wissen und Können vermittelt, sondern auch Herz und tigung konkreter Anforderungssituationen im Unterricht, Charakter bildet. Dies gilt auch für das neue Lehrplanmodell. in denen die Schüler ihr Wissen und Können und ihre Ein- stellungen erweitern und unter Beweis stellen können. Sie Der Auftrag der Bayerischen Verfassung, in der Schule stehen zu den fachlichen Inhalten in direkter Beziehung. Wissen und Können zu vermitteln, findet im neuen Lehr- Wo möglich, wird in den Fachlehrplänen der Bezug zu den planmodell seinen zeitgemäßen Ausdruck in der kompetenz- KMK-Bildungsstandards hergestellt. orientierten Ausrichtung der fachlichen und überfachlichen Bildungsziele und in der Berücksichtigung der Bildungsstan- Über den gesamten Lehrplan hinweg wird somit ein zuneh- dards. Dem Lehrplanmodell liegt dabei ein pragmatisches mender Konkretisierungsgrad sichtbar. Unterstützt werden Verständnis von Kompetenz zugrunde, das in wesentlichen soll dies durch die in der Online-Version verfügbaren Zu- Punkten mit dem der KMK übereinstimmt und sich wie folgt satzinformationen zum Lehrplan, wie z. B. durch Materi- beschreiben lässt: Kompetenzen sind als fächerspezifische, alien oder Aufgaben, die das Niveau der zu erreichenden aber doch begrenzt verallgemeinerbare Fähigkeiten und Fer- Kompetenzen veranschaulichen. tigkeiten zu verstehen, die Wissen und Können miteinander verknüpfen. Sie beschreiben situations- und anforderungs- Zu 2. c): bezogen (und nicht kontextfrei und allgemein), über welches Die didaktische Leitidee ist der kompetenzorientierte Unter- Wissen und Können die Schülerinnen und Schüler verfügen richt mit dem Ziel, die Verbindung von Wissen und Können sollen. Fähigkeiten wie Reflexionsfähigkeit, Argumentati- in einer Vielfalt von variablen Anwendungssituationen her- onsfähigkeit, Urteilsfähigkeit, Problemlösefähigkeit werden zustellen und die Schülerinnen und Schüler zu verantwor- als Aspekte der fachspezifischen Kompetenz verstanden. tungsvollem Handeln zu befähigen. Somit wird der Unter- richt noch mehr als bisher auf den Erwerb von Kompetenzen Kompetenzen beschreiben einen wichtigen Teilbereich, aber ausgerichtet. Der Kompetenzaufbau erfolgt kumulativ über nicht das gesamte Spektrum des Bildungs- und Erziehungs- einen längeren Zeitraum. Der Unterricht ist konsequent vom auftrags der Schule. Der Unterricht muss so gestaltet sein, Lernergebnis der Schülerinnen und Schüler aus zu planen dass sich im wechselseitigen Prozess des Voneinander- und und zu konzipieren. Miteinanderlernens die Persönlichkeit entfalten und die ei- gene Identität bilden kann. Der Unterricht muss Raum geben Kompetenzorientierter Unterricht erfordert, dass Situati- dafür, dass sich Überzeugungen und Werthaltungen ent- onen geschaffen werden, in denen Schülerinnen und Schüler wickeln können, der Einzelne Verantwortung übernehmen selbst aktiv sind und Kompetenzen anhand von Aufgaben kann, er als Mitmensch sein Angewiesensein auf andere und und Problemstellungen durch eigenständiges Handeln in un- das der anderen auf ihn erleben und erfahren kann, oder, um terschiedlichen Anwendungssituationen im Austausch mit es mit den Worten der Verfassung zu sagen: dass sich Herz anderen erwerben und konsolidieren. Im Sinne des Kons- und Charakter bilden können. Auch der neue Lehrplan geht truktivismus sind die Schülerinnen und Schüler also „Ko- von diesem umfassenden Bildungs- und Erziehungsauftrag Konstrukteure“ ihres Wissens und ihrer Kompetenzen. aus und nimmt die Entwicklung der gesamten Schülerper- sönlichkeit in den Blick. Kompetenzorientierter Unterricht setzt über das Handeln hi- naus an der Kognition der Schülerinnen und Schüler an. Erst Zu 2. b): das Bewusstmachen der einzelnen Handlungsschritte und das Bayerische Lehrpläne beschreiben auch zukünftig hinrei- wiederholte Reflektieren ihrer Ausführung führen zum Erwerb chend konkret, welches Wissen und Können erworben wer- bereichsspezifischer und letztlich allgemeiner Kompetenz. den soll, und ordnen dieses in den Gesamtzusammenhang des Bildungsgangs ein. Insoweit wird der kompetenzorien- Kompetenzorientierter Unterricht berücksichtigt die Hete- tierte Bildungsbegriff in allen Teilen des neuen Lehrplans rogenität der Schülerschaft und knüpft an unterschiedliches konsequent umgesetzt. Vorwissen und unterschiedliche Vorerfahrungen der Schüle- rinnen und Schüler durch verschiedene und offene Lehr- und Ausgehend vom Bildungs- und Erziehungsauftrag der ein- Lernsituationen an. Durch Aufgaben, die unterschiedliche zelnen Schulart werden die Fachprofile der einzelnen Fä- Zugangsweisen ermöglichen und unterschiedliche Anfor- cher erläutert. Darin wird z. B. der Beitrag des Faches zur derungen stellen, wird eine positive Leistungsmotivation Bildung aufgezeigt und seine fachspezifische Kompetenz- gefördert. Indem die Schülerinnen und Schüler mit ihren In- orientierung dargestellt (z. B. durch das jeweilige Kompe- teressen individuell angesprochen werden, können sie sich tenzstrukturmodell). Außerdem werden die Bezüge zu den die Sinnhaftigkeit der Fachinhalte erschließen und Zusam- fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen (z. B. menhänge zwischen einzelnen Fächern oder Themengebie- Sprachliche Bildung, Wertebildung, Umwelterziehung ...) ten herstellen. und zu den Kompetenzen und Inhalten anderer Fächer ausge- wiesen. In den grundlegenden Kompetenzen und in den Fach- Zu 3. a) und b): lehrplänen erfolgt eine weitere Konkretisierung. Die Fach- Wie bereits in der Antwort zu Frage 2 c formuliert, geht der
Drucksache 16/16716 Bayerischer Landtag · 16. Wahlperiode Seite 3 Lehrplan von einem konstruktivistisch geprägten Lernbe- Konkretisierung durch schulinterne Curricula ist nicht er- griff aus, der – unabhängig von der Kompetenzorientierung – forderlich. Unabhängig davon sind gemeinsame fächerüber- wesentlich durch die Eigenaktivität der Lernenden im Aus- greifende Planungen und Absprachen zum Unterricht inner- tausch mit anderen (Ko-Konstruktion), durch Strukturierung halb des Kollegiums wie bisher auch notwendig. und Vernetzung von Wissen und durch die Auseinanderset- zung mit dem eigenen Lernen (Selbstreflexion, Lernkompe- Zu 5. a): tenz, Eigenverantwortung) gekennzeichnet ist. Die Entwicklung und Inbetriebnahme des Lehrplaninforma- tionssystems (LIS) durch die Firma SIX Offene Systeme kos- An diesem Lernbegriff orientiert sich der Unterricht bereits tet 190.400 Euro, die jährlichen Wartungskosten betragen bisher. Insoweit propagiert der LehrplanPLUS keinen neuen derzeit 52.050,60 Euro. Hinzu kommen jährliche Betriebs- Lernbegriff, sondern trägt den Erkenntnissen der Lerntheo- kosten im Rechenzentrum-Süd, die derzeit mit 2.400 Euro rie Rechnung. angesetzt sind. Zu 3. c): Zu 5. b): Unterricht vor dem Hintergrund des in der Antwort zu den Kompetenzorientierte Aufgabenbeispiele sollen die Kompe- Fragen 3 a und b skizzierten Lernbegriffs setzt auf der fach- tenzerwartungen veranschaulichen und das Anforderungs- lichen und überfachlichen Ebene auf Systematisierung (z. B. niveau verdeutlichen. Es kann sich um Lernaufgaben oder Strukturierungshilfen), auf Anknüpfung an vorhandenes um ehemalige Prüfungs- oder Testaufgaben handeln. Die Wissen (Vernetzung) und auf die Einordnung von Lernin- Aufgabenbeispiele im Lehrplaninformationssystem haben halten in Zusammenhänge. Unterricht, der das aktive Lernen exemplarischen Charakter und werden möglichst in Verbin- fördert, thematisiert auch explizit den Lernprozess selbst. dung mit der Lehrplanerarbeitung von den Kommissionen Hierzu gehört, dass die Lehrkraft in ihrer Rückmeldung an entwickelt bzw. gesichtet und in das Lehrplaninformations- die Schülerinnen und Schüler nicht nur deren fachliche Leis- system eingestellt. tungen in den Blick nimmt, sondern auch ihr Lernverhalten und ihren individuellen Lernerfolg. Im Falle des Grundschullehrplans werden sich die Kommis- sionen bis zum Ende des Schuljahres schwerpunktmäßig mit Zu 4. a): der Bereitstellung derartiger Aufgaben befassen. Zur wei- Kompetenzstrukturmodelle bilden den didaktischen Kern teren Gewinnung von Aufgaben werden am Staatsinstitut eines Faches ab. Soweit vorhanden, orientieren sie sich an im Jahresprogramm für das Schuljahr 2013/2014 weitere denen der Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz. Grundschularbeitskreise eingerichtet, die didaktische Ma- Sie sind grundsätzlich abschlussbezogen angelegt. Sie legen terialien und Aufgaben entwickeln bzw. sammeln. Es ist die Kompetenzbereiche fest, in die sich ein Fach unterglie- deshalb davon auszugehen, dass bis zur geplanten Inkraft- dert, und werden im Fachprofil abgebildet und beschrieben. setzung zum Schuljahr 2014/2015 eine ausreichende Anzahl Ihre Konkretisierung erfolgt durch die „Grundlegenden von Aufgaben im Lehrplaninformationssystem LIS einge- Kompetenzen“ sowie die Kompetenzerwartungen und In- stellt ist. Unabhängig davon sollen die Zusatzinformationen halte im Fachlehrplan, die sich jeweils auf einen oder meh- auch nach Inkraftsetzung laufend ergänzt bzw. aktualisiert rere Kompetenzbereiche des Modells beziehen. Die Kom- werden. petenzstrukturmodelle sind somit systematisch mit dem Ergänzend wird darauf hingewiesen, dass zur Zeit im Projekt Fachlehrplan vernetzt. „mebis“ des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus eine umfangreiche Sammlung von Prüfungsaufgaben ange- Zu 4. b) und c): legt wird, die von Lehrkräften genutzt werden kann. Ebenso Der Unterschied zwischen den bisher im Lehrplan formu- sollen in dem jetzt beginnenden Projekt „lernreich 2.0“ der lierten Lernzielen und den im LehrplanPLUS enthaltenen Stiftung Bildungspakt Lernaufgaben entwickelt werden, die Kompetenzformulierungen liegt in erster Linie darin, dass zukünftig in das Lehrplaninformationssystem LIS einbezo- Kompetenzen im Vergleich zu Lernzielen deutlicher auf die gen werden können. Lösung konkreter lebensweltlicher Anforderungssituationen ausgerichtet sind und immer wieder thematisieren, warum Zu 6. a): die Schülerinnen und Schüler etwas wissen und können sol- Das Multiplikations- und Implementierungskonzept für den len. LehrplanPLUS Grundschule sieht zwei Phasen vor: Wo möglich, wird in den Fachlehrplänen der Bezug zu den Phase 1: Fortbildung der Lehrkräfte auf Schulamtsebene KMK-Bildungsstandards hergestellt, indem die dort be- durch Multiplikatorentandems schriebenen Einzelstandards für die Jahrgangsstufe konkre- Die Lehrkräfte und Schulleitungen werden zunächst von tisiert werden. geschulten Lehrplanmultiplikatorentandems auf Schulamts- ebene fortgebildet. In sechs Fortbildungsnachmittagen er- Die Kompetenzerwartungen bilden zusammen mit den fach- halten die Lehrkräfte bis Oktober 2014 Informationen zum lichen Inhalten die Grundlage für die Unterrichtsplanung, die Aufbau des LehrplanPLUS, zu den Kompetenzerwartungen Gestaltung von Lehr-/Lernsituationen und Leistungserhe- und Inhalten des Lehrplans in den Fächern Deutsch, Deutsch bungen sowie für weitere unterrichtsbezogene Maßnahmen als Zweitsprache, Mathematik, Heimat- und Sachunterricht, (z. B. Zulassung und Auswahl der Schulbücher, fachliche Kunst, Musik und Ethik sowie zum Lehrplaninformationssys- Fortbildung). Insoweit ist der LehrplanPLUS hinreichend tem. Weiterhin sind jeweils ein Fortbildungsnachmittag für konkret, um den Unterricht planen zu können. Eine weitere Lehrkräfte mit der Lehrbefähigung für die Fächer Englisch,
Seite 4 Bayerischer Landtag · 16. Wahlperiode Drucksache 16/16716 Deutsch als Zweitsprache (Lehrkräfte in Übergangsklassen), sind hier auch das für den Lernprozess notwendige Üben Katholische/Evangelische Religionslehre und Sport vorge- und Wiederholen. Bei insgesamt 37 bis 38 Schulwochen pro sehen. Fachlehrkräfte für Ernährung und Gestaltung werden Schuljahr steht damit ein pädagogischer Freiraum zur Ver- von Fachberatern fortgebildet. Die Koordination dieser Ver- fügung, der von den einzelnen Schulen bzw. Lehrkräften in- anstaltungen obliegt den Staatlichen Schulämtern. haltlich gestaltet wird. Phase 2: Prozessbegleitende Implementierung durch Lehr- Unter Berücksichtigung dieser Vorgaben können sich in planbeauftragte der Schulen den jeweiligen Fächern inhaltliche Veränderungen (Erwei- Mit Inkrafttreten des LehrplanPLUS Grundschule für die terungen und Reduzierungen) in einzelnen Lernbereichen Jahrgangsstufen 1 und 2 zum Schuljahr 2014/2015 beginnt ergeben, die z. B. aus den Vorgaben der Bildungsstandards die prozessbegleitende Implementierung an der jeweiligen resultieren. Die Entscheidung darüber erfolgt unter Beach- Schule. Diese erfolgt durch ein vom Lehrplanbeauftragten tung der zur Verfügung stehenden Unterrichtszeit in den der Schule – ggf. von einem Lehrplanbeauftragten für meh- einzelnen Fächern und unter Wahrung des pädagogischen rere kleine Schulen – in Absprache mit der Schulleitung er- Freiraums (s. o.). stelltes Implementierungskonzept, das auf die Bedürfnisse der jeweiligen Schule abgestimmt ist und in schulinternen Zu 7. b): Arbeitskreisen umgesetzt wird. Unterstützung, Beratung so- Für den Unterricht nach den neuen Lehrplänen gelten wei- wie fachlichen Input erhalten die schulischen Lehrplanbe- terhin die Qualitätsmerkmale des guten Unterrichts wie zum auftragten durch die Multiplikatoren auf Schulamtsebene im Beispiel klare Strukturierung, lernförderliches Klima, inhalt- Rahmen von Reflexionstreffen, die von den Fortbildungs- liche Klarheit, Methodenvielfalt, individuelles Fördern oder schulräten an den Staatlichen Schulämtern koordiniert wer- klare Leistungserwartungen, die auch in der wissenschaftli- den. chen Literatur gut beschrieben sind. Der LehrplanPLUS baut auf einer derart geprägten Unterrichtskultur auf und verste- Zu 6. b): tigt sie. Die Fortbildungsmittel für die verpflichtenden Fortbil- dungen sind in den Haushaltsmitteln enthalten, die den Re- Ähnliches gilt auch für die Leistungskultur, die durch den gierungen für die Fortbildungsplanung zugewiesen werden. neuen Lehrplan nicht außer Kraft gesetzt wird. Neben die Die Regierungen setzen diese Mittel sowohl für regionale als bekannten Formen der Rückmeldung über den Lernerfolg, auch für lokale und schulhausinterne Fortbildungen ein. Die die weiterhin ihre Gültigkeit haben, können zunehmend auch Gewichtung der Veranstaltungen zum neuen Lehrplan inner- alternative Instrumente zur Dokumentation des Lernstandes halb der Gesamtplanung der Fortbildung wird im Einzelnen treten, z. B. Portfolios und Lerntagebücher, wie sie in der von der jeweiligen Regierung vorgenommen. Daher wird Grundschule bereits mehr und mehr Anwendung finden. ein Gesamtbudget für den gesamten Fortbildungsbereich Im Modellversuch „Flexible Grundschule“ sind sie Teil des vergeben, innerhalb dessen die Implementierung des Lehr- Konzeptes und dienen in Lerngesprächen als Grundlage für planPLUS vorgesehen ist. Dabei ist die verbindlich vorge- die Würdigung von Leistungen und die Feststellung des wei- schriebene Zahl an Fortbildungstagen zum neuen Lehrplan teren Lernbedarfs. sichergestellt. Zu 8. a): Zu berücksichtigen ist, dass entsprechende fachdidaktische Das an bayerischen Grundschulen praktizierte differenzierte Fortbildungen, die generell in den Jahren zwischen der Im- System der Leistungsbewertung und -dokumentation, das ab plementierung neuer Lehrpläne als Vertiefung eingeplant dem zweiten Halbjahr der Jgst. 2 auch die Erteilung von No- werden, in den Jahren 2013 und 2014 durch die Fortbil- ten vorsieht, wird beibehalten. dungen zum neuen Lehrplan ersetzt werden. Dies ist fach- lich gerechtfertigt, da der neue Lehrplan auf aktuellen didak- Zu 8. b): tischen Erkenntnissen aufsetzt. Kompetenzorientierung und Leistungsbewertung durch Zif- fernnoten stellen keinen Widerspruch dar. Ein kompetenz- Zu 7. a): orientierter Unterricht, der im Sinne eines erweiterten Lern- Die Frage, ob Inhalte reduziert oder erweitert werden, muss begriffs auf den Erwerb vielfältiger Kompetenzen durch die im Zusammenhang mit der zur Verfügung stehenden Unter- Schülerinnen und Schüler ausgelegt ist, führt zu einer größe- richtszeit beantwortet werden. Alle Lehrplankommissionen ren Unterrichtsvielfalt. Die Forderung nach einem Verzicht sind gehalten, den Zeitbedarf für den angestrebten Kompe- auf die Vergabe von Ziffernnoten kann aus dieser Tatsache tenzerwerb und die dazugehörigen Inhalte so zu kalkulieren, nicht abgeleitet werden. Vielmehr erfordert eine größere dass dies unter Berücksichtigung der jeweiligen Wochen- Unterrichtsvielfalt eine entsprechende Ergänzung im Sinne stundenzahl sowie des festgelegten Freiraums der Schulen einer größeren Beurteilungsvielfalt. erfolgreich möglich ist. Die mit den neuen Beurteilungsformen einhergehende grö- Bei der Erarbeitung der Lehrpläne gilt, dass neben den Wo- ßere Beurteilungsvielfalt lässt erwarten, dass der Übertritts- chenstunden, die für den Aufbau der Kompetenzen und In- empfehlung künftig ein noch differenzierteres Leistungsbild halte zur Verfügung stehen, ein angemessener pädagogischer der Schülerinnen und Schüler zugrunde liegt, sodass die Freiraum berücksichtigt wird. So ist z. B. der Fachlehrplan Qualität und Prognosesicherheit der Grundschulgutachten für die Grundschule auf 26 Wochen ausgelegt. Inbegriffen erneut gesteigert werden kann.