Uran in oberfränkischem Trinkwasser - Nachfragen
Bayerischer Landtag 15. Wahlperiode Drucksache 15/6640 11.12.2006 Schriftliche Anfrage Antwort der Abgeordneten Susann Biedefeld SPD des Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und vom 12.09.2006 Verbraucherschutz vom 27.10.2006 Uran in oberfränkischem Trinkwasser – Nachfragen Zu 1.: In Bezug auf meine Schriftliche Anfrage vom 26. Juni 2006 Das damalige Landesuntersuchungsamt für das Gesundheits- („Uran in oberfränkischem Trinkwasser“) und die Antwort wesen Nordbayern (LUA-Nord) hat in eigener Regie im der Staatsregierung vom 18. August 2006 ergeben sich für Herbst 2000 ein Untersuchungsprogramm zur Verbesserung mich folgende Nachfragen zu der Thematik. der Datenlage von Uran im Trinkwasser in seinem Zustän- digkeitsbereich begonnen. Anlass waren Informationen über Ich frage die Staatsregierung: Uran in einem Brauereibrunnen. Darüber hinaus wurden auch vom damaligen Landesamt für Wasserwirtschaft (LfW) 1. Wer hat den Auftrag zur Messung von Uran in den ober- in Abstimmung mit dem LUA-Nord und von Versorgungs- fränkischen Wasserversorgungsanlagen erteilt? unternehmen selbst Untersuchungen durchgeführt. 2. Wer konkret hat den Auftrag zur Messung erhalten und Zu 2.: ausgeführt? Ein Auftrag zur Ausweitung des Untersuchungsprogramms auf ganz Bayern in Absprache mit dem LfW ist vom damali- 3. Kann bei den betroffenen 18 Entnahmestellen eine ge- gen Staatsministerium für Gesundheit, Ernährung und Ver- nauere örtliche Konkretisierung vorgenommen werden braucherschutz im Jahr 2002 an das Landesamt für Gesund- (z. B. wo genau im Ortsnetz wurde die Entnahme vor- heit und Lebensmittelsicherheit (LGL; ehemalige Landesun- genommen)? tersuchungsämter) ergangen. Die Probenahmen wurden von den örtlich zuständigen Gesundheitsämtern durchgeführt. 4. Seit wann wird bayernweit Wasser auf Urangehalt ge- Gleichzeitig erging ein Auftrag des damaligen Staatsminis- testet und warum? teriums für Landesentwicklung und Umweltfragen an das LfW, das staatliche Landesgrundwassermessnetz, in dem 5. Welche Informationsquellen weisen aus, dass Uran im auch Brunnen und Quellen der öffentlichen Wasserversor- Trinkwasser nicht gesundheitsgefährdend ist? gung zu finden sind, auf Uran zu untersuchen. Diese Probe- nahmen führten die Wasserwirtschaftsämter durch. 6. An welchen Messpunkten außerhalb Oberfrankens wur- de der „gesundheitliche Leitwert“ bzw. der „Maßnah- mewert“ überschritten? 7. Worauf führt die Bayerische Staatsregierung das Vor- kommen von Uran im Trinkwasser zurück (warum z. B. kein erhöhter Wert im granithaltigen Fichtelgebir- ge)? 8. a) Werden die betroffenen Kommunen von den Probeent- nahmen überhaupt in Kenntnis gesetzt? b) Setzen sich die zuständigen Wasserwirtschaftsämter mit den betroffenen Kommunen hinsichtlich gezielter Informationen und möglicher Unterstützungsmaßnah- men in Verbindung? ______ Drucksachen, Plenarprotokolle sowie die Tagesordnungen der Vollversammlung und der Ausschüsse sind im Internet unter www.bayern.landtag.de - Parlamentspapiere abrufbar. Die aktuelle Sitzungsübersicht steht unter www.bayern.landtag.de - Aktuelles/Sitzungen/Tagesübersicht zur Verfügung.
Seite 2 Bayerischer Landtag · 15. Wahlperiode Drucksache 15/6640 Zu 3.: Soweit möglich sind die konkreten Entnahmestellen in der Tabelle ergänzt: lfd. Entnahmeort Entnahmedatum konkrete Entnahmestelle Nr. 1 Baunach 17.01.2006 Hauptschule Baunach; Stagnationswasser Baunach 17.01.2006 Hauptschule Baunach; hinter Wasseruhr Baunach 17.01.2006 Hauptschule Baunach; Frischwasser 2 Burgebrach 14.02.2006 Ortsnetz Burgebrach 09.05.2006 Hoch-/Sammelbehälter 3 Erlach 12.04.2006 Ortsnetz 4 Gaustadt 12.04.2006 Ortsnetz 5 Reckendorf 17.01.2006 Gesamtschule; hinter Wasseruhr Reckendorf 17.01.2006 Gesamtschule; Frischwasser Reckendorf 17.01.2006 Gesamtschule; Stagnationswasser 6 Reichmannsdorf 07.03.2005 Hoch-/Sammelbehälter 7 Schrappach 07.03.2005 Quelle 8 Heilgersdorf 09.02.2006 Ortsnetz Heigersdorf 02.05.2006 Gastwirtschaft; Küche 9 Pülsdorf 21.09.2004 Tiefbrunnen; Brunnenkopf 10 Rothenberg 21.09.2004 Tiefbrunnen; Brunnenkopf 11 Peesten 14.02.2006 Hochbehälter 12 Schwarzach bei Kulmbach 14.02.2006 Fa. Geyer 13 Wolfsbach 10.03.2004 Brunnen 14 Burgkunstadt 04.05.2004 Ortsnetz Burgkunstadt 11.04.2005 Ortsnetz Burgkunstadt 11.04.2005 Ortsnetz 15 Kaltenreuth 04.05.2004 Ortsnetz Kaltenreuth 11.04.2005 Ortsnetz 16 Weidnitz 04.05.2004 Ortsnetz 17 Gärtenroth 11.04.2005 Ortsnetz Gärtenroth 30.01.2006 Ortsnetz 18 Horb am Main 04.08.2004 Bohrbrunnen Zu 4.: Daten gesichtet und bewertet. In der Arbeit wird ein um- Das seit Herbst 2000 bestehende Messprogramm in Nord- fangreiches Literaturverzeichnis zitiert. bayern wurde 2002 bayernweit ausgedehnt (vgl. Nr. 2), um Daten über die Belastung des Trinkwassers in ganz Bayern Wie in der Beantwortung der Landtagsanfrage vom zu erhalten sowie gegebenenfalls Abhilfemaßnahmen vorbe- 26.06.2006 angeführt, liegt die für den Menschen lebenslang reiten zu können. gesundheitlich duldbare Höchstkonzentration für Uran im Trinkwasser bei 0,010 mg/l. Nach den gegenwärtig in der Zu 5.: wissenschaftlichen Literatur verfügbaren Informationen ist Das Umweltbundesamt hat in der Fachzeitschrift „Umwelt- davon auszugehen, dass Urankonzentrationen im Trinkwas- medizin in Forschung und Praxis“ im Jahre 2005 eine wis- ser unterhalb des Leitwertes bei lebenslangem Genuss nicht senschaftliche Originalarbeit mit dem Titel „Vorschlag für gesundheitsgefährdend sind. einen gesundheitlichen Leitwert für Uran im Trinkwasser“ veröffentlicht (Umweltmed Forsch Prax 10(2) S. 133–143 Zu 6.: [2005]). In dieser Arbeit wurden zwecks Ableitung eines le- Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Messergebnisse an benslang gesundheitlich duldbaren Leitwertes für Uran im den einzelnen Entnahmestellen schwanken und dass jeder Trinkwasser die international verfügbaren toxikologischen Messwert eine Momentaufnahme darstellt. Aus einem ein-
Drucksache 15/6640 Bayerischer Landtag · 15. Wahlperiode Seite 3 zelnen erhöhten Wert kann nicht auf eine dauerhafte Er- Trinkwassernetz unmittelbar zuzuordnen sind (sog. Rein- höhung geschlossen werden. Die Leitwert- oder Maßnahme- wasserdaten), sind in folgenden Tabellen dargestellt: wertüberschreitungen bei Messpunkten, die dem örtlichen x Leitwert-Überschreitungen (> 0,010 mg/l) lfd. Gesund- Entnahmeort Wasserversorgungs- Entnahmestelle Entnahme- Uran Nr. heitsamt (Wasserversor- unternehnen datum mg/l gungsanlage) 1 Ansbach Hürbel am Ran- ZV Markt Lehrberg Hochbehälter 16.01.2006 0,0142 gen 2 Ansbach Mönchsroth Gde. Mönchsroth Hochbehälter 14.01.2004 0,0178 Ansbach Mönchsroth Gde. Mönchsroth Hochbehälter 14.01.2004 0,0171 Ansbach Mönchsroth Gde. Mönchsroth Hochbehälter 02.03.2004 0,0146 3 Hassberge Untermerzbach Gde. Untermerzbach Ortsnetz 13.03.2006 0,0117 Hassberge Untermerzbach Gde. Untermerzbach Ortsnetz 02.05.2006 0,0116 4 Weißenburg/Gunzenh. Theilenhofen ZV Pfofelder Gruppe Wasserwerk 04.02.2004 0,0118 5 Weißenburg/Gunzenh. Weiboldshausen ZV Rohrberg-Gruppe Ortsnetz 04.02.2004 0,0134 6 Weißenburg/Gunzenh. Ettenstadt Gde. Ettenstadt Wasserwerk 17.01.2006 0,0194 Weißenburg/Gunzenh. Ettenstadt Gde. Ettenstadt Wasserwerk 03.05.2006 0,0197 x Maßnahmewert-Überschreitungen (> 0,020 mg/l) lfd. Gesund- Entnahmeort Wasserversorgungs- Entnahmestelle Entnahme- Uran Nr. heitsamt (Wasserversor- unternehnen datum mg/l gungsanlage) 1 Hassberge Aidhausen Gde. Aidhausen Ortsnetz, Kindergarten 13.03.2006 0,0280 Hassberge Aidhausen Gde. Aidhausen Ortsnetz, Kindergarten 02.05.2006 0,0290 2 Hassberge Maroldsweisach Gde. Maroldsweisach Ortsnetz, Bauhof 13.03.2006 0,0400 Hassberge Maroldsweisach Gde. Maroldsweisach Ortsnetz, Bauhof 02.05.2006 0,0380 3 Weißenburg/Gunzenh. Alesheim Gde. Alesheim Wasserwerk 04.02.2004 0,0240 Weißenburg/Gunzenh. Alesheim Gde. Alesheim Wasserwerk 05.05.2004 0,0236 Weißenburg/Gunzenh. Alesheim Gde. Alesheim Wasserwerk 13.04.2005 0,0210 Weitere Messergebnisse liegen bayernweit beispielsweise chen, sogenannten „sekundären Vererzungen“ anzutreffen von Brunnen oder Quellen vor (sog. Rohwasserdaten). Die- ist. Wasserlöslichkeit ist auch in einigen Grundwasserleitern ses Rohwasser wird ggf. aufbereitet oder mit Wasser anderer des Tertiärs und Quartärs in Südbayern zu finden, wo erhöh- Erschließungen gemischt, sodass die ursprünglichen Messer- te Uranwerte vorwiegend in Bereichen mit organischen An- gebnisse in diesen Fällen nicht repräsentativ für das tatsäch- reicherungen auftreten. lich über das Ortsnetz an die Verbraucher abgegebene Trink- wasser sind. Eine diesbezügliche Bewertung der Messergeb- Dagegen kommt Uran im Fichtelgebirge und anderen bayeri- nisse erfolgt – im Gegensatz zur Beantwortung der früheren schen kristallinen Grundgebirgen lediglich im Gestein selbst Landtagsanfrage vom 26.06.2006 – in einem zusammenfas- mit erhöhten Gehalten vor, da es dort in weitgehend wasser- senden Bericht, der derzeit bearbeitet wird (siehe Nr. 8). unlöslichen Bindungsformen wie zum Beispiel der Uran- pechblende oder anderen „primären“ Uranerzen vorliegt. Zu 7.: Uran kommt natürlicherweise weit verbreitet in Böden und Zu 8. a) und b): Gesteinen Bayerns vor und ist – sofern wasserlöslich – dort Die Wasserversorgungsunternehmen wurden über Probe- Bestandteil des Grundwassers. nahmen und Messergebnisse informiert, soweit der Leit- oder Maßnahmewert im Trinkwasser überschritten war. Eine Hohe Urankonzentrationen im Grund- und Trinkwasser fin- kurzfristig zu besorgende, unmittelbare gesundheitliche Ge- den sich in Bereichen Nordbayerns mit Vorkommen von fährdung ist daher nicht zu erwarten. Das LGL wurde beauf- Buntsandstein und Keuper, weil hier Uran in wasserlösli-
Seite 4 Bayerischer Landtag · 15. Wahlperiode Drucksache 15/6640 tragt, in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Umwelt Selbstverständlich werden betroffene Unternehmensträger (LfU; vormals LfW) die gesammelten Ergebnisse des For- auf Wunsch gemeinsam von den zuständigen Landratsäm- schungsvorhabens „Uran im Trinkwasser“ zu bewerten so- tern (Gesundheitsämtern), den Wasserwirtschaftsämtern so- wie einen Bericht mit Empfehlungen für das weitere Vorge- wie dem LGL und LfU beraten (u. a. über Aufbereitungs- hen zu erarbeiten. möglichkeiten). Bei einigen Versorgern wurden bereits ab- gestimmte Maßnahmen durchgeführt oder eingeleitet.