Situation des Schulsports in Bayern - Basissportunterricht- Kürzungen bei der 3. und 4. Sportstunde
Bayerischer Landtag 14. Wahlperiode Drucksache 14/1636 wurden im Schuljahr 1997/98 und 1998/99 in den einzel- Schriftliche Anfrage nen Schularten gebildet? des Abgeordneten Egleder SPD vom 09. 04. 1999 b) Wie viele Lehrerstunden wurden für den Sportunter- richt in den einzelnen Schularten angesetzt? Situation des Schulsports in Bayern – Basissport- c) Wie wurden die Lehrpläne für den Sportunterricht in unterricht – Kürzungen bei der 3. und 4. Sportstunde den einzelnen Schularten erfüllt? 1. a) Wie beurteilt die Staatsregierung die durch zuneh- menden Bewegungsmangel verursachten Gesund- 5. a) Wie wirken sich die Kürzungen bei Umfang und Qua- heitsschäden wie Organschwächen, Haltungsschä- lität der verschiedenen Schulsportwettbewerbe auf den, Dickleibigkeit und psychosomatische Erkran- die Gestaltung des Schullebens aus? kungen auf die Schülerinnen und Schüler an bayeri- b) Wie viele Teilnehmer/innen der Wettbewerbe sind schen Schulen? gleichzeitig Mitglieder in Sportvereinen? b) Welche statistischen Erhebungen wurden in diesem c) Welche Sportarten werden in welchem Umfang in Zusammenhang in den letzten 5 Jahren durchgeführt den einzelnen Sportgruppen der 3. und 4. Sportstun- und veröffentlicht? den unterrichtet? 2. a) Wie viele Unterrichtsstunden des Basissportunter- 6. Wie stellt sich die Staatsregierung den Einsatz des Schul- richts sind an den einzelnen Schularten in den Jahren sports in den Bereichen Halbtagsgrundschule, Schulsozi- 1996/97 und 1997/98 ausgefallen bzw. mußten ver- alarbeit und an den Ganztagsangeboten vor? treten werden oder wurden nicht als Sportunterricht gehalten? 7. Wie wurden die für die Bezahlung der nebenamtlichen b) Wieviel Prozent der 3. und 4. Sportstunden konnten und nebenberuflichen Kräfte und der Übungsleiter aufge- im Schuljahr 1997/98 und 1998/99 in den einzelnen brachten „Sportzusatzmittel“ in den einzelnen Regie- Regierungsbezirken und den einzelnen Schularten rungsbezirken in den Jahren 1997/98 und 1998/99 ver- noch gehalten werden? wendet? c) Wie konnten die Vorgaben, die 3. und 4. Sportstunde nicht mehr von hauptamtlichen Lehrkräften, sondern 8. a) Wie sieht das Verhältnis Sportklassen und Sportgrup- zu je 40 % von nebenamtlichen und nebenberuflichen pen zur Sportstättenkapazität in den einzelnen Regie- sowie zu 20 % von Übungsleitern übernehmen zu las- rungsbezirken aus? sen, erfüllt werden? b) Welcher Bedarf an zusätzlichen Schulsporthallen ist angemeldet? 3. a) Wie viele Planstellen wurden durch die Maßgabe, die 3. und 4. Sportstunde nicht mehr von hauptamtlichen c) Welche Finanzmittel wurden für den Bau von Schul- Lehrkräften erteilen zu lassen, eingespart und wie sportanlagen für die einzelnen Schularten in den Jah- werden diese Sportlehrkräfte statt dessen eingesetzt? ren 1994, 1995, 1996, 1997 und 1998 aufgewendet? b) Wie sieht der derzeitige und zukünftige Bedarf an Sportlehrer/innen für die bayerischen Schulen aus? c) Was unternimmt die Staatsregierung zur Unterstüt- zung derjenigen Sportlehramtsstudenten/innen, die Antwort während ihres Studiums von der Kürzungsentschei- des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus dung der Staatsregierung überrascht wurden? vom 22. 07. 1999 d) Welche Auswirkungen wird die Kürzungsmaßnahme auf die Lehreraus- und -fortbildung der Sportlehrer- /innen haben? Zu 1. a): Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus bedauert 4. a) Wie viele die Tatsache, daß in unserer Gesellschaft zunehmende ge- sundheitliche Probleme als Folge des Bewegungsmangels aa) Sportklassen festzustellen sind. Die Gründe hierfür liegen jedoch sicher bb) klassenübergreifende Sportgruppen nicht in erster Linie in der Kürzung der Schulsportstunden, cc) jahrgangsübergreifende Sportgruppen sondern in der veränderten gesellschaftlichen Lebenssituati-
Seite 2 Bayerischer Landtag · 14. Wahlperiode Drucksache 14/1636 on. Die Technologisierung oder die zunehmende Verstädte- Sportlehrkräfte wurden verstärkt in ihren weiteren studierten rung werden hier als Beispiele genannt. Fächern eingesetzt. Zu 1. b): Zu 3. b): Die Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung von haltungs- An den staatlichen Realschulen befanden sich im Schuljahr und bewegungsauffälligen Kindern und Jugendlichen hat 1998/99 unter den insgesamt 240 neu eingestellten Lehrkräf- hinsichtlich des Gesundheitszustandes unserer Kinder und ten 28 mit der Fächerverbindung Sport (11,7 %). Eine höhe- Jugendlichen eine Untersuchung durchgeführt. Demnach re Einstellungsquote war unter Berücksichtigung des Lehrer- weisen 25–60 % der Schulkinder Haltungsschwächen, bedarfs nicht möglich. 25–30 % Übergewicht, 20–30 % Herz-Kreislauf-Schwächen und 30–40 % Koordinationsschwächen auf. Im Bereich der staatlichen Gymnasien befanden sich zum Schuljahresbeginn 1998/99 unter den insgesamt 323 neu ein- Diese Statistik wurde z.B. in der Broschüre „Bewegte gestellten Lehrkräften 37 mit dem Fach Sport. Dies ent- Grundschule“, die auf Initiative des Staatsministeriums für spricht einer Einstellungsquote von 11,5 %. Unterricht und Kultus und weiterer Partner erstellt wurde, veröffentlicht. Darüber hinaus können ähnliche Statistiken in Damit die Einstellungschancen für Lehramtsbewerber mit Broschüren nachgelesen werden, die anläßlich der zahlreich einer Fächerverbindung mit Sport im Bereich der Realschu- stattfindenden Lehrerfortbildungen erstellt werden. len und Gymnasien unter Berücksichtigung des Zweitfaches soweit wie möglich erhalten bleiben und damit eine „gesun- Zu 2. a): de“ Altersstruktur der Sportlehrerschaft gewährleistet wer- Es gibt keine bayernweite Erhebung über die Zahl der aus- den kann, wird auch künftig versucht, eine Einstellungsquo- gefallenen Unterrichtsstunden im Basissportunterricht te im Rahmen der bisherigen Bandbreite im Sport beizube- (1. und 2. Sportstunde) in den verschiedenen Schularten. Da halten. Hierbei muß jedoch angemerkt werden, daß eine der Basisportunterricht jedoch Pflichtunterricht ist, kann da- nicht am Bedarf für das Fach Sport orientierte Einstellungs- von ausgegangen werden, daß es nur in Ausnahmefällen und quote zur Folge hat, daß entweder die jungen Sportlehrer vorübergehend zu einem Stundenausfall kommen kann. überwiegend in ihrem anderen Fach eingesetzt werden müß- ten, was in einigen Fächern, wie z.B. Deutsch kaum zumut- Zu 2. b): bar, in anderen, wie z.B. Wirtschafts- und Rechtslehre sowie Für den Bereich der Realschulen und Gymnasien können Latein am Gymnasium wegen des zu geringen Stundenbe- hinsichtlich des erteilten EBSU/DSU in den Schuljahren darfs an der Schule nicht möglich ist, oder die älteren Sport- 1997/98 und 1998/99 nur bayernweite Zahlen genannt wer- lehrer zur Verbesserung der Altersstruktur im Fach Sport den. An den staatlichen Realschulen wurden im Schuljahr (Basissportunterricht) vermehrt in ihren anderen Fächern un- 1998/99 820 der 8.582 Sollstunden EBSU/DSU (laut Stun- terrichten müßten. dentafel) erteilt, dies entspricht einem Wert von 9,6 % (Schuljahr 1997/98: 1.096 Sportstunden EBSU/DSU – 13 % Im Bereich der Volksschulen erfolgt die Einstellung der der Sollstunden). An den staatlichen Gymnasien wurden im Lehrkräfte nicht fächerbezogen, sondern ausschließlich Schuljahr 1998/99 5.974 der 18.504 Sollstunden EBSU/DSU gemäß der in beiden Staatsexamina erzielten Anstellungsno- (32,3 %) gehalten (Schuljahr 1997/98: 7.407 Sportstunden te. EBSU/DSU – 40,4 % der Sollstunden). Zu 3. c): Im Bereich der Hauptschulen verteilt sich die Zahl der erteil- Die Umschichtungsmaßnahmen im Differenzierten Sportun- ten Stunden EBSU/DSU auf die Regierungsbezirke wie in terricht führen nicht dazu, daß künftig keine Sportlehrer Tabelle 1 dargestellt. mehr in den Staatsdienst eingestellt werden. Vielmehr hat das Staatsministerium sichergestellt, daß unabhängig von Zu 2. c): den Sparmaßnahmen jährlich in allen Schularten Sportlehr- Anstelle der ursprünglich von Kienbaum angedachten Antei- kräfte eingestellt werden. Auf Grund des relativ hohen le von 40 % (nebenamtliche Sportlehrer): 40 % (nebenberuf- Durchschnittsalters der Sportlehrkräfte wird in den nächsten liche Sportlehrer): 20 % (Fachübungsleiter) des aus Son- Jahren der Ersatzbedarf an Sportlehrkräften steigen und sich dermitteln finanzierten nebenamtlichen/nebenberuflichen die Einstellungssituation generell verbessern. EBSU/DSU betrugen die Anteile 7,5 % : 86,5 % : 6 %. Die Verteilung der von hauptamtlichen bzw. nebenamt- Zu 3. d): lich/nebenberuflichen Lehrkräfte erteilten Wochenstunden Die Sportarten des Basissportunterrichts und des Differen- im EBSU/DSU in den einzelnen Schularten sieht wie in Ta- zierten Sportunterrichts werden weiterhin fester Bestandteil belle 2 dargestellt aus. der Sportlehrerausbildung an den Hochschulen bleiben. In der staatlichen Lehrerfortbildung werden vorübergehend die Zu 3. a): Sportarten, die nur im Differenzierten Sportunterricht ange- Durch die Veränderung beim Lehrereinsatz im Sportunter- boten werden, zugunsten verstärkter Lehrerfortbildung in richt wurden 900 Stellenäquivalente Sport (= 90 Mio DM den Sportarten des Basissportunterrichts und (entsprechend jährlich) für andere Zwecke gewonnen. Damit konnte der dem Beschluß des Landtags) verstärkte Fortbildung des durch den Schüleranstieg bedingte Mehrbedarf an Lehrer- Schulaufsichtspersonals nur in eingeschränktem Maße ange- stunden in den übrigen Schulfächern abgedeckt werden. Die boten.
Drucksache 14/1636 Bayerischer Landtag · 14. Wahlperiode Seite 3 Zu 4. a): Zu 5. c): Siehe Tabelle 3. Das Angebot des Differenzierten Sportunterrichts umfaßt derzeit 44 Sportarten. Welche Sportarten von den einzelnen Die Anzahl der klassen- und jahrgangsübergreifenden Sport- Schulen angeboten werden, wird statistisch nicht erfaßt. gruppen in den verschiedenen Schularten wurde nicht erho- ben. Zu 6.: Ob und in welchem Umfang sportliche Betätigung in das Zu 4. b): pädagogische Konzept der jeweiligen Betreuung einfließt, Die Zahl der Lehrerstunden für den Sportunterricht ent- hängt in entscheidendem Maße von der inhaltlichen Gestal- spricht der Anzahl der erteilten Wochenstunden Sport pro tung der Projekte, von den Betreuungspersonen und den ört- Sportklasse (siehe Tabelle 4). lichen Gegebenheiten ab. Die Einbindung sportlicher Betäti- gung in die außerunterrichtliche Betreuung oder in die Zu 4. c): Schulsozialarbeit wird jedoch vom Staatsministerium sehr Die Lehrpläne im Fach Sport wurden im Umfang des erteil- begrüßt. So hat das Staatsinstitut für Schulpädagogik und ten Sportunterrichts erfüllt. Bildungsforschung im Jahre 1996 ein pädagogisches Kon- zept zur Gestaltung der Mittagsbetreuung erarbeitet, in dem Zu 5. a): auch der Bereich der Bewegungserziehung berücksichtigt Beim Bundeswettbewerb der Schulen JUGEND TRAI- wurde. Weiterhin sind für das Betreuungspersonal im Rah- NIERT FÜR OLYMPIA ging die Zahl der teilnehmenden men der kind- und familiengerechten Halbtagsgrundschule Mannschaften und Schulen in den verschiedenen Wettbe- Fortbildungen vorgesehen, die auch den Bereich der sportli- werben im Schuljahr 1997/98 im Vergleich zum Vorjahr chen Betätigung beinhalten. Zu berücksichtigen gilt jedoch, 1996/97 leicht zurück (Siehe Tabelle 5). daß für den Einsatz von Betreuungspersonen und die Art der Betreuung der jeweilige Sachaufwandsträger zuständig ist. Beim Sportabzeichen-Schulwettbewerb konnte mit 101.088 abgelegten Sportabzeichen im Vergleich zum Vorjahr Zu 7.: (99.583) eine Steigerung erzielt werden. Die finanziellen Mittel für den nebenamtlichen/nebenberuf- Die Beteiligung in den „Zusätzlichen Schulsportwettbewer- lichen Sportunterricht wurden in allen Regierungsbezirken ben“ (Klassenschwimmwettbewerb, alpiner Skilauf in der voll aufgebraucht. Dabei wurden für den Einsatz arbeitsloser Grundschule, Fußball in der Grundschule, Handball in der Lehrkräfte im nebenberuflichen Unterricht ca. 86 % der Fi- Grundschule, Eishockey, Faustball, Fechten, Golf, Hallen- nanzmittel verwendet. hockey, Stockschießen, Zweikampf im Schwimmen und Laufen) sieht wie folgt aus: Zu 8. a): Die Sportstätten in Schulen sind so ausgelegt, daß pro Sport- 1996/97: 23.159 Schülerinnen und Schüler in 1.634 Mann- stätteneinheit 15 Sportklassen 2 Stunden Sportunterricht pro schaften Woche am Vormittag erhalten können. An den gleichen 1997/98: 21.917 Schülerinnen und Schüler in 1.569 Mann- Sportstätten ist die Kapazität für den Differenzierten Sport- schaften unterricht gegeben. Die Gestaltung des Schullebens wird durch die Kürzungen Zu 8. b): des Sportunterrichts nicht allzu sehr beeinflußt, da ein Groß- Bedarf an zusätzlichen Schulsporthallen wird dem Staatsmi- teil des Sportunterrichts nach wie vor in der Hand der haupt- nisterium nicht gemeldet. amtlichen Sportlehrkräfte liegt und sich auch die nebenamt- lichen/nebenberuflichen Lehrkräfte für den außerunterricht- Zu 8. c): lichen Schulsport (Sportfeste, Schulsportwettbewerbe, Die für den Bau von Schulsporthallen aufgewendeten Fi- Schulskikurse ...) engagieren. nanzmittel können nur für alle Schularten gemeinsam ange- geben werden. Im Jahre 1994 wurden einschließlich der För- Zu 5. b): derung von Sporthallen an Privatschulen 53,9 Millionen Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die an den Schul- DM, 1995 50,2 Millionen DM, 1996 41,6 Millionen DM, sportwettbewerben teilnehmen und zugleich Mitglieder in 1997 48,5 Millionen DM und 1998 47,1 Millionen DM auf- Sportvereinen sind, wird nicht erhoben. gewendet.
Seite 4 Bayerischer Landtag · 14. Wahlperiode Drucksache 14/1636 Tabelle 1: Regierungsbezirk OBB NDB OPF OFR MFR UFR SCHW BY Gesamtzahl der erteilten Stunden EBSU/DSU im Schuljahr 1997/98 3.338 782 1.324 1.340 1.182 1.051 2.023 11.0401) Gesamtzahl der erteilten Stunden EBSU und DSU im Schuljahr 1998/99 in Jgst. 5–10 1.551 450 530 876 617 741 1.004 5.7692) 1) 36 % der Sollstunden 2) 19 % der Sollstunden Tabelle 2: hauptamtlich erteilte Wochenstunden nebenamtlich/nebenberuflich erteilte Wochenstunden 1998/99 1997/98 1998/99 1997/98 Stunden % Stunden % Stunden % Stunden % Hauptschule 2.861 49,6 9.330 84,5 2.908 50,4 1.710 15,5 Realschule (staatlich) 597 72,8 1.096 100 223 27,2 – – Gymnasien (staatlich) 3.842 64,3 6.467 87,3 2.133 35,7 940 12,7 Tabelle 3: Zahl der Sportklassen in den verschiedenen Schularten in den Schuljahren 1997/98 und 1998/99 Schulart/Jahrgangsstufen Zahl der Sportklassen 1997/98 1998/99 Grundschule 21.870 21.894 Hauptschule 15.321 15.000 Realschule (staatlich) 7.–10. Jgst. 4.181 4.291 Gymnasium (staatlich) 5.–11. Jgst. 9.150 9.252 Tabelle 4: Schulart/Jahrgangsstufe tatsächlich erteilter Sportunterricht absolut (Wstd.) Grundschule (1.–4. Jgst.) 57 796 Hauptschule (5.–10. Jgst.) 35.418 Realschule (staatlich) (7.–10. Jgst). 9.402 Gymnasium (staatlich) (5.–11. Jgst.) 24.478 Tabelle 5: Beteiligung an den Mannschaftswettbewerben JUGEND TRAINIERT FÜR OLYMPIA Schuljahr Zahl der teilnehmenden Schüler Zahl der teilnehmenden Mannschaften 1996/97 153.878 15.511 1997/98 131.170 13.947 Minderung 22.708 1.564