Bayerischer Landtag 15. Wahlperiode Drucksache 15/4572 26.01.2006 Schriftliche Anfrage Bei der seitdem erfolgten kontinuierlichen Ausweitung der Maßnahmen zur präventiven Förderung der Lehrergesund- des Abgeordneten Hans-Ulrich Pfaffmann SPD heit orientierte sich die Staatsregierung auch an einschlägi- vom 28.11.2005 gen fachlichen Studien wie etwa der Potsdamer Lehrerstudie von Prof. Uwe Schaarschmidt oder der Freiburger Lehrer- Gesundheitliche Belastung von Lehrerinnen und Leh- studie von Prof. Joachim Bauer. rern in Bayern Zu 2.: Vor kurzem wurde in München das „Institut für Gesundheit Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus berief im in pädagogischen Berufen“ eröffnet, getragen vom Bayeri- Jahr 2001 drei Arbeitskreise ein, in denen ausgewiesene schen Lehrerinnen- und Lehrerverband und der Bayerischen Fachleute zu den folgenden Themenbereichen Handlungs- Beamtenkrankenkasse. Der Freistaat Bayern hingegen vorschläge erarbeitet haben: scheint beim Thema Lehrergesundheit außen vor zu sein, ob- wohl durch Erkrankungen und Frühpensionierungen jährli- – Möglichkeiten für präventive Maßnahmen zur Gesunder- che öffentliche Kosten von rund 250 Mio. Euro entstehen, haltung der Lehrkräfte und rund ein Drittel aller Lehrer aktuellen Studien zufolge – Maßnahmen zur Verbesserung der Kooperation von gesundheitlich akut gefährdet ist. Schule und Medizin – Empfehlungen zur Einrichtung von Kompetenznetzen Ich frage die Staatsregierung: für die Prävention und Intervention bei der Versorgung psychisch belasteter bzw. psychosomatisch erkrankter 1. Wie bewertet die Staatsregierung die besonderen gesund- Lehrkräfte sowie Empfehlungen zur Qualitätssicherung heitlichen Risiken und Belastungen des Lehrberufs? in der ambulanten und stationären Behandlung psychoso- matisch erkrankter Lehrkräfte. 2. Welchen Handlungsbedarf sieht die Staatsregierung bzgl. dieser besonderen gesundheitlichen Belastungen Die Abschlussberichte liegen dem Landtag vor1. Als Konse- und welche Schritte hat sie bereits unternommen? quenz daraus richtete das Staatsministerium für Unterricht und Kultus in den Regierungsbezirken Mittelfranken, Nie- 3. Welche Angebote zur Prävention und zur Behandlung derbayern und der Oberpfalz drei Modellprojekte zur Leh- stellt die Staatsregierung ihren Lehrerinnen und Lehrern rergesundheit ein, die seither mit großer Resonanz vielfälti- zur Verfügung? ge Angebote für die Lehrkräfte aller Schularten und Schulen bereitstellen. Dazu wurden sowohl finanzielle Mittel (€ 4. Welche Schritte unternimmt die Staatsregierung, die ge- 5000,- pro Jahr und Bezirk) als auch Anrechnungsstunden sundheitlichen Belastungen der bayerischen Lehrerinnen (30 pro Bezirk) für die beteiligten Schulpsychologen/innen und Lehrer zu reduzieren? und besonders qualifizierten Lehrkräfte bereitgestellt. 5. Wie will die Staatsregierung künftig verhindern, dass ei- Zu 3.: ne hohe Zahl an Lehrkräften aus gesundheitlichen Grün- Die Konzeption der Modellprojekte berücksichtigt die aktu- den vor Erreichen der Altersgrenze aus der aktiven Lehr- ellen Forschungsergebnisse und die daraus folgenden Kon- tätigkeit ausscheiden muss? sequenzen für das Handeln . Die Fortbildungsangebote in 2 vielfältigen Formen – von der Nachmittagsfortbildung über Pädagogische Tage bis zum Drei-Tage-Seminar, von der sin- Antwort gulären Fortbildung bis zu Sequenzveranstaltungen und re- gelmäßigen Supervisionsgruppen – finden in der Regel orts- des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus nah statt und werden von erfahrenen Schulpsychologinnen vom 29.12.2005 und Schulpsychologen bzw. von Lehrkräften mit Zusatzqua- lifikation angeboten. Hinzu kommen zentrale Veranstaltun- Zu 1.: gen in der Form von Fortbildungstagen für Lehrkräfte bzw. Die Staatsregierung nimmt die besonderen gesundheitlichen Führungskräfte im Regierungsbezirk. Risiken und Belastungen des Lehrerberufs sehr ernst. Dem- entsprechend wurden schon in den neunziger Jahren auf der Grundlage eines Berichts des Obersten Bayerischen Rech- ___________ 1 Vgl. Bericht des StMUK im Ausschuss für Fragen des Öffentlichen Diens- nungshofes zur Frühpensionierung der Lehrkräfte Maßnah- tes vom 22.06.2004 men eingeleitet, um den dienstälteren Lehrkräften den Über- 2 Stv. sei das Buch von A. Hiller/E. Schmitz: Psychosomatische Erkrankun- gang von der Arbeitsphase zur Pensionsphase zu erleichtern. gen bei Lehrerinnen und Lehrern, Stuttgart 2004 genannt.
Seite 2 Bayerischer Landtag · 15. Wahlperiode Drucksache 15/4572 Unterstützt wird dieses Fortbildungsangebot, das mit Unfall- zudem berufsbegleitend durch Schulpsychologen etwa in der schutz ausgestattet und für die teilnehmenden Lehrkräfte Form von Supervisionsgruppen betreut werden; zusätzlich kostenlos ist, durch eingerichtete Webseiten, mit Hilfe derer laufen Modellversuche zur Entwicklung und Ausweitung der sowohl die Organisation als auch die Information der Adres- sog. kollegialen Intervision und Fallberatung. Die Akademie saten geleistet wird: für Lehrerfortbildung und Personalführung hat z.B. im Fe- • für Mittelfranken: www.lehrergesundheit-mittelfran- bruar 2003 in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Allge- ken.de meine Pädagogik der Universität Augsburg ein schulartüber- • für Niederbayern: www.lehrergesundheit-niederbay- greifendes Modellprojekt „Kollegiale Beratung“ gestartet. ern.de Dabei geht man davon aus, dass Lehrkräfte in ihrer Unter- • für die Oberpfalz: www.top-lehrergesundheit.de richtstätigkeit besonders wirksam unterstützt werden, wenn ihnen ein systematischer Austausch von Wissen und Erfah- Die zahlenmäßige Übersicht für das Schuljahr 2004/05 zeigt, rung innerhalb von Kollegenteams gelingt. dass allein in der Oberpfalz durch die angebotenen Maßnah- men in den o.g. Strukturen über 1.400 Lehrkräfte erreicht wurden. Zu 5.: Der Maßnahmenkatalog zur Lehrergesundheit wird im Rah- Zu 4.: men der verfügbaren Haushaltsmittel ständig ausgebaut und Die Staatsregierung unterstützt die Verbesserung der Ar- erweitert. Die Koordination der Maßnahmen wird durch ei- beitsbedingungen der Lehrerinnen und Lehrer seit den neun- nen im Oktober 2005 neu ernannten Beauftragten für Leh- ziger Jahren durch ein Bündel von Maßnahmen in den Schu- rergesundheit gewährleistet, der an die Dienststelle des Mi- len und innerhalb der Schulaufsicht, insbesondere auch sol- nisterialbeauftragten für die Gymnasien in der Oberpfalz an- che der inneren Schulentwicklung. In diesem Zusammen- gebunden ist. Ihm ist u.a. die Aufgabe übertragen, bei der hang sind einschlägige Änderungen im Dienstrecht zu nen- Knüpfung von Netzwerken zwischen staatlichen und nicht- nen, wie die Eröffnung eines Freistellungsjahrs oder die Ein- staatlichen Trägern (z.B. Lehrerverbänden und Kassen) zur führung des Mitarbeitergesprächs. Die Lehrkräfte können Unterstützung der Lehrergesundheit mitzuwirken.