Auswirkungen von Almbestoßung bzw. Nicht-Bestoßung von Almen

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Bayerischer Landtag 14. Wahlperiode                                                                           Drucksache   14/10135 24.09.2002 Schriftliche Anfrage                                        gen Wald das Endstadium einer durch Boden- und Klima- verhältnisse bedingten Entwicklung der Vegetation bilden des Abgeordneten Wörner SPD                                 würde, zu einer Förderung von Arten geführt, die an offene vom 27.06.2002                                              Standorte gebunden sind bzw. hier einen Konkurrenzvorteil gegenüber waldtypischen Arten haben. Da diese Offenland- Auswirkungen von Almbestoßung bzw. Nicht-Bestoßung          Arten innerhalb des Waldgürtels natürlicherweise nicht oder von Almen                                                   nur selten vorkommen, bedingen Almen hier eine Erhöhung der Artenvielfalt. Bei der traditionellen Almnutzung sind sie 1. Welche Auswirkungen hat die Bestoßung bzw. Nichtbe-      wertvoller Lebensraum für zahlreiche an magere und offene stoßung von Almen auf die dortige Pflanzen- und Arten-  Standorte angepasste und aufgrund ihrer Bindung an Mager- vielfalt?                                               standorte seltene Tier- und Pflanzenarten. 2. Führt die Almbestoßung bzw. Nichtbestoßung zu einer      Werden Almen unterhalb der natürlichen Baumgrenze auf- größeren oder kleineren Pflanzen- und Artenvielfalt?    gelassen, also nicht mehr bestoßen, entwickeln sich die Flächen über verschiedene Sukzessionsstadien (z.B. Grün- 3. Welche weiteren Auswirkungen hat die Bestoßung bzw.      landbrachen, Zwergstrauchheiden) zu Gehölzbeständen Nichtbestoßung von Almen auf Boden, Pflanzen und Tie-   (z.B. subalpine Fichtenwälder, Grünerlengebüsche, Lat- re sowie Mikroorganismen?                               schengebüsche). Allerdings sind die frühen Sukzessionssta- dien häufig sehr stabil, so dass bis zur Entwicklung des End- 4. Welche natürlich auftretenden Wechselwirkungen wer-      stadiums der Vegetation in vielen Fällen Jahrzehnte verge- den in welcher Weise durch Bestoßung bzw. Nichtbe-      hen können. stoßung von Almen verändert, beeinträchtigt oder geför- dert?                                                   Zu 2. bis 4.: Oberhalb der Baumgrenze hat die Aufgabe der Almnutzung 5. Gibt es wissenschaftlich fundierte Gutachten und/oder    (Bestoßung) im Regelfall keine negativen Auswirkungen auf Literatur zu den oben genannten Fragen?                 die Artenvielfalt. Unterhalb der natürlichen Baumgrenze führt die Aufgabe der Nutzung bei den Tierarten, z.B. bei 6. Wenn ja, zu welchen Schlüssen und Ergebnissen kom-       Schmetterlingen, zunächst zu einer Erhöhung der Artenviel- men die Autoren?                                        falt, da die Nichtbestoßung in der ersten Zeit zu einer Er- höhung der Strukturdiversität führt. Auch bodenbewohnende 7. Was ist die Meinung der Staatsregierung zur Bestoßung    Tierarten werden zunächst gefördert, da die Beeinträchtigun- bzw. Nichtbestoßung von Almen?                          gen durch Trittbelastung u.ä. wegfallen. Mit der zunehmen- den Sukzession verschwinden jedoch mittel- bis langfristig 8. Ist im Interesse des Natur- und Umweltschutzes nach An-  die Offenland-Arten. sicht der Staatsregierung eher die Bestoßung oder die   Bei den Pflanzen ist die Entwicklung schon in frühen Suk- Nichtbestoßung von Almen empfehlenswert?                zessionsstadien uneinheitlich: In vielen Fällen nimmt die Ar- tenvielfalt durch den Ausfall speziell an die Beweidung an- gepasster Arten schon bald nach der Aufgabe der Beweidung ab. In späteren Stadien der Sukzession ist von einer deutli- Antwort                                                     chen Abnahme der Offenlandstandorte und damit der Arten- des Staatsministeriums für Landesentwicklung und Um-        vielfalt auszugehen. weltfragen vom 29.08.2002                                              Rutschungsgefährdete Böden insbesondere an Hängen kön- nen durch die Bestoßung und die damit verbundenen ange- Die schriftliche Anfrage beantworte ich in Abstimmung mit   passten Bewirtschaftungsweisen bzw. Pflegearbeiten stabili- dem Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten wie    siert werden. In Höhenlagen über 1.200 m und bei Hangnei- folgt:                                                      gungen von mehr als 58 % kann die Auflassung der Almen zu einer Zunahme von Blaiken (vegetationslose Erosions- Zu 1.:                                                      flächen) führen. Die Auswirkungen der Bestoßung / Nichtbestoßung von Al- men hängen von verschiedenen Faktoren ab (u.a. ursprüngli-  Zu 5.: che Vegetation, Geomorphologie, Böden, Höhenlage, Inten-    Zu den Auswirkungen der Almwirtschaft auf Vegetation, sität der Beweidung). Grundsätzlich hat die Einrichtung von Tierwelt und Boden gibt es zahlreiche wissenschaftliche Un- Almen in Höhenlagen, in denen unter natürlichen Bedingun-   tersuchungen. Nachstehend ist eine kleine Auswahl entspre-
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Seite 2                        Bayerischer Landtag    ·  14. Wahlperiode                           Drucksache 14/10135 chender Gutachten und Literatur aufgeführt:                  bensgemeinschaften durch die Almbewirtschaftung. – Lau- Ammer 1995: Blaiken- und Waldentwicklung auf Alm-            fener Seminarbeiträge 4/84: 24-84. flächen unterschiedlicher Nutzung                            Franz 1979: Ökologie der Hochgebirge. – Stuttgart. Sachteleben 1995: Waldweide und Naturschutz – Vorschlä- ge für die naturschutzfachliche Beurteilung der Trennung     Zu 6.: von Wald und Weide im bayerischen Alpenraum. – Forstw.       Die Autoren haben im Wesentlichen Ergebnisse festgestellt, Cbl. 114: 375-387.                                           die den Antworten der Fragen 2–4 entsprechen. Topp 1986: Veränderungen der Bodenfauna von Almflächen unter dem Einfluss der Beweidung. – Laufener Seminar-        Zu 7. und 8.: beiträge 7/86: 57-63.                                        Die Staatsregierung spricht sich eindeutig für eine standort- Ringler 1984: Beeinflussung von Lebensräumen und Le-         angepasste Bestoßung von Almen aus.
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