Energiewende in Bayern - regenerative Energien und Energieeinsparungen

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Bayerischer Landtag 16. Wahlperiode								                                                                                       Drucksache      16/16329 02.05.2013 Schriftliche Anfrage                                                            b) dem möglichen Potenzial der derzeit in Planung befind- lichen Speicherseen? des Abgeordneten Florian Streibl FREIE WÄHLER vom 26.02.2013                                                               5.    Liegen der Bayerischen Staatsregierung Erkenntnisse vor, welchen Beitrag die bayerische Wirtschaft seit Energiewende in Bayern – regenerative Energien und                                 2008 erbrachte, um effektiv Energie einzusparen? Energieeinsparungen Ich frage die Staatsregierung: 1.    Liegen der Staatsregierung Erkenntnisse vor, in wel- chem Umfang seit dem Jahr 2008 regenerative Ener- giequellen (Strom, Heizenergie, Energie für Kfz etc.) in Bayern neu erschlossen wurden, aufgeschlüsselt nach: a) den einzelnen Jahren im Verhältnis zu den konventio- nellen Energieträgern, b) den einzelnen Jahren und den einzelnen Landkreisen und c) dem Potenzial der einzelnen regenerativen Energieträ- ger in den einzelnen Jahren? 2.    Liegen der Staatsregierung Erkenntnisse vor, in wel- chem Umfang seit 2008 Energieeinsparungen in Bay- ern realisiert wurden, aufgeschlüsselt nach: a) der Menge der eingesparten Energie in den einzelnen                    Antwort Jahren und im Bereich der einzelnen Energiearten                       des Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, (Heizenergie, Strom, Energie für Kfz etc.) und                         Verkehr und Technologie b) der eingesparten Energie in den einzelnen Landkreisen                  vom 08.04.2013 und Jahren? Die Schriftliche Anfrage wird im Einvernehmen mit dem 3.    Liegen der Staatsregierung Erkenntnisse vor, in wel-                   Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit sowie der chem Umfang der Freistaat bzw. die Behörden und                        Obersten Baubehörde im Staatsministerium des Innern wie Unternehmen des Freistaats seit 2008 effektiv Energie                  folgt beantwortet: eingespart haben, aufgeschlüsselt nach: a) der eingesparten Energie in den Geschäftsbereichen der                 Zu 1. a): einzelnen Ministerien und den nachgeordneten Behör-                    Im Rahmen der amtlichen Statistik wird der Verbrauch nach den und Unternehmen,                                                   Sektoren, nicht jedoch nach Energieverwendung erhoben. b) den einzelnen Jahren,                                                  Das StMWIVT hat daher das Leipziger Institut für Energie c) dem bislang nicht ausgeschöpften Energieeinsparpo-                     (IEL) damit beauftragt, regenerative Anteile an Stromerzeu- tenzial und                                                            gung, Wärme- und Kraftstoffbereitstellung für Bayern auf d) dem Umfang der nötigen Investitionen, um weitere Ener-                 wissenschaftlicher Basis zu berechnen. Die Zahlen für die gieeinsparungen in den Geschäftsbereichen der einzel-                  Jahre 2008 bis 2011 (Ergebnisse für 2012 liegen noch nicht nen Ministerien zu realisieren?                                        vor) finden sich in Anlage 1. Die gesamte Studie „Ermitt- lung aktueller Zahlen zur Energieversorgung in Bayern“ ist 4.    Liegen der Bayerischen Staatsregierung Erkenntnisse                    im Internet verfügbar unter:http://www.stmwivt.bayern.de/ vor, in welchem Umfang die jetzt schon vorhandenen                     energie-rohstoffe/daten-fakten/ bzw. in den nächsten Jahren geplanten Speicherseen (für die künstliche Beschneiung von Skigebieten) für                   Auch die Anteile der erneuerbaren Energien am Primärener- die Pumpspeichertechnik genutzt werden können, auf-                    gieverbrauch (PEV) haben sich in den vergangenen Jahren geschlüsselt nach:                                                     kontinuierlich erhöht. Gemäß den amtlichen Energiebi- a) dem Potenzial der bereits vorhandenen Speicherseen                     lanzen für die Jahre 2008 bis 2010 sowie o. g. Studie des IEL und                                                                    für das Jahr 2011 stellt sich die Entwicklung wie folgt dar: Drucksachen, Plenarprotokolle sowie die Tagesordnungen der Vollversammlung und der Ausschüsse sind im Internet unter www.bayern.landtag.de – Dokumente abrufbar. Die aktuelle Sitzungsübersicht steht unter www.bayern.landtag.de – Aktuelles/Sitzungen/Tagesübersicht zur Verfügung.
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Seite 2                          Bayerischer Landtag  ·  16. Wahlperiode                          Drucksache 16/16329 Primärenergie-    davon          davon       disch nicht möglich, alle für Bayern vorliegenden Zahlen verbrauch (PEV) konventionell  regenerativ    räumlich zuzuordnen. Zudem treten mit zunehmendem De- 2008              2.040 PJ      1.833 PJ       207 PJ       taillierungsgrad Konflikte mit dem Datenschutz auf, sodass (89,9 %)      (10,1 %)      Werte, selbst wenn sie verfügbar wären, nicht veröffentlicht 2009              2.004 PJ      1.789 PJ       215 PJ       werden dürften. (89,3 %)      (10,7 %) 2010              2.081 PJ      1.812 PJ       269 PJ (87,1 %)      (12,9 %) Zu 1. c): 2011*             1.998 PJ      1.718 PJ       280 PJ Potenziale sind hypothetische Größen. Sie weisen abhän- (86,0 %)      (14,0 %)      gig von den jeweils zugrunde gelegten Randbedingungen *vorläufige Zahlen und Annahmen eine große Bandbreite auf. Dies zeigt auch die nachfolgende Tabelle „Mögliche technische Potenziale Zu 1. b):                                                    (ohne Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkt) in Bayern“ aus dem Derartige Zahlen liegen nicht vor. Die bayerische Energie-   Bericht der Enquete-Kommission des Bayerischen Landtags bilanz weist landesweite Zahlen, nicht jedoch Werte auf      „Mit neuer Energie in das neue Jahrtausend“ (Drucksache Regierungsbezirks- oder Landkreisebene aus. Es ist metho-    14/12260, S. 27).
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Drucksache 16/16329                              Bayerischer Landtag  ·  16. Wahlperiode                             Seite 3 Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass sich          gieintensität oder die Energieproduktivität herangezogen, die ausgewiesenen technischen Potenziale in den vergange-       welche mittelbar Rückschlüsse auf die Energieeffizienz ei- nen Jahren aufgrund technologischen Fortschritts tendenzi-      ner Volkswirtschaft zulassen. Mit Energieproduktivität ist ell erhöht haben. Zu berücksichtigen ist hier insbesondere      dabei der Quotient aus Bruttoinlandsprodukt und Energie- auch, dass es sich hierbei lediglich um technische Potenziale   verbrauch gemeint. Die Energieintensität ist der Kehrwert handelt. Die wirtschaftlichen Potenziale unterscheiden sich     der Energieproduktivität, also der Energieverbrauch bezo- hiervon je nach Energiequelle deutlich.                         gen auf das Bruttoinlandsprodukt. Zu 2. a) und b):                                                Die Entwicklung der Primärenergieproduktivität in Bayern ist Statistisch können Energieverbräuche, nicht jedoch Energie-     in der nachfolgenden Abbildung dargestellt. Die Abbildung einsparungen erfasst werden.                                    zeigt, dass in den vergangenen Jahren Wirtschaftswachstum und Primärenergieverbrauch zunehmend entkoppelt werden Um Einspareffekte gleichwohl qualitativ beschreiben zu          konnten. Dies ist auch ein Ergebnis eines effizienteren Ein- können, werden üblicherweise Kennziffern wie die Ener-          satzes von Energie in allen Verbrauchssektoren. Quelle: „Ermittlung aktueller Zahlen zur Energieversorgung in Bayern“ , IE Leipzig, 2012 Zu 3. a) und b):                                                 Bei der Verbrauchsentwicklung ist der stetige Kubaturzu- Die Energieverbrauchsdaten von mehr als 5.700 staatli-           wachs durch Neubauten zu beachten. Dabei ist der spezi- chen Gebäuden werden von einer Zentralstelle der Staats-         fische Wärmeverbrauch aufgrund der höheren energetischen bauverwaltung regelmäßig erhoben und ausgewertet. Diese          Qualität bei Neubauten und durch die energetischen Sanie- Daten sind u. a. Grundlage für die Ausschreibung des Ener-       rungsmaßnahmen in den letzten 10 Jahren um ca. 10 kWh/ giebezugs und können zur Durchführung energetischer              m³ Bruttorauminhalt von 44 kWh/m³ auf ca. 34 kWh/m³ ge- Sanierungen herangezogen werden. Die Entwicklung des             sunken. Energieverbrauchs und der Kosten werden dabei im tur- nusmäßig erscheinenden Energiebericht der Staatsbauver-          Mithilfe der erhobenen Daten ist es möglich, die absolute waltung veröffentlicht. Der aktuelle, 6. Energiebericht ist      Entwicklung des Strom- und Wärmeverbrauchs für den Zeit- über die Internetseite des StMI über folgenden Link erhältlich:  raum 2008 bis 2011 ressortweise aufgegliedert darzustellen. http://www.innenministerium.bayern.de/bauen/hochbau/             Entsprechende Tabellen für Strom und Wärme sind in der veroeffentlichungen/                                             Anlage 2 beigefügt. Größere Verbrauchsänderungen zwi- schen den einzelnen Kalenderjahren sind auf Umressortie- Bei der Erhebung der Verbrauchsdaten erfolgen die Mel-           rungen von Liegenschaften zurückzuführen. Beispielhaft ist dungen durch die Dienststellen und Energieversorgungsun-         der starke Rückgang des Jahresverbrauchs im Bereich des ternehmen jeweils bis Ende Juni des dem Verbrauchsjahr           StMAS von 2009 auf 2010 auf eine Umressortierung des folgenden Kalenderjahres. Verfahrensbedingt liegen deshalb       Deutschen Herzzentrums vom Epl. 10 zum Epl. 15 zurück- die Daten für das Jahr 2012 noch nicht vor.                      zuführen.
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Seite 4                          Bayerischer Landtag  ·  16. Wahlperiode                              Drucksache 16/16329 Zu 3. c):                                                    im Bereich der Wärmeenergie, von rund 1 Mio. Euro erzielt Belastbare und über allgemeine Schätzungen hinausge-         werden. hende quantitative Aussagen zum Einsparpotenzial einzelner Liegenschaften können nicht getroffen werden. Unter Be-      Zu 4. a) und b): rücksichtigung der Baualtersklassen von Gebäuden könnte      Daten zu bereits bestehenden oder in den nächsten Jahren näherungsweise eine Einschätzung bzw. Kategorisierung im     geplanten Speicherseen für die künstliche Beschneiung von Hinblick auf ein mögliches auszuschöpfendes Energieein-      Skigebieten werden nicht systematisch in Datenbanken er- sparpotenzial getroffen werden. Genauere Aussagen können     hoben. auf den Einzelfall bezogen erst nach konkreten Erhebungen und Untersuchungen gemacht werden. Der Einbau von            Nach Auskunft des Verbands Deutscher Seilbahnen und Messstellen je Gebäude stellt dabei eine wichtige Vorausset- Schlepplifte e. V. gibt es rund 15 größere Beschneiungsteiche zung für die Grundlagenerhebung dar.                         mit einem Gesamtvolumen von rund 570.000 m³ (Stand 08/2011). Voraussichtlich ab Sommer 2013 wird außerdem Zu 3. d):                                                    der Speichersee am Brauneck mit einem Volumen von ca. Im Rahmen des Sonderprogramms zur energetischen Sanie-       100.000 m³ sein Stauziel erreicht haben. rung staatlicher Gebäude wurden in den Jahren 2008 bis 2011 zusätzlich 150 Mio. € für die energetische Verbesserung des  Potenzialerhebungen zur Pumpspeichernutzung der für die staatlichen Gebäudebestandes bereitgestellt. Insgesamt wur-  Beschneiung von Skipisten errichteten Speicherseen liegen den im Zuge des Programms Energiesparmaßnahmen an ca.        in Bayern nicht vor. Mögliche Potenziale sind aber aufgrund 450 Gebäuden durchgeführt. Dabei wurden Optimierungen        des in der Regel geringen Volumens der Speicherseen allen- der Gebäudehülle und der Betriebstechnik sowie der verstärk- falls von lokaler Bedeutung. te Einsatz regenerativer Energien realisiert. Mit Durchfüh- rung der vorgenannten energetischen Maßnahmen konnte         Bereits heute werden einige Beschneiungsanlagen z. B. im eine Energiekostenreduzierung von rund 9 Mio. Euro pro       bayerischen Alpenraum am Nebelhorn oder im Bayerischen Jahr erzielt werden.                                         Wald im Arbergebiet energiewirtschaftlich genutzt, jedoch bisher ausschließlich zur Stromerzeugung, nicht für den Im Jahr 2012 wurden weitere 20 Mio. Euro zur energe-         Pumpspeicherbetrieb. Einige bayerische Bergbahnbetriebe tischen Sanierung staatlicher Gebäude im Rahmen des Son-     haben zudem geäußert, die energetische Nutzung von Spei- derprogramms eingesetzt und im Haushaltsplan 2013/2014       cherseen in Betracht zu ziehen, unter der Voraussetzung, sind ebenso jeweils 20 Mio. Euro dafür vorgesehen.           dass diese wirtschaftlich darstellbar ist. Bei einem steten zusätzlichen Volumen an energetischen       Zu 5.: Sanierungen von durchschnittlich 20 Mio. Euro pro Jahr       Derartige Zahlen liegen nicht vor. Im Übrigen wird auf die kann eine jährliche Energiekosteneinsparung, überwiegend     Antwort zu Frage 2 verwiesen.
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