Unfallursachen und Geschwindigkeitsmessungen in der Oberpfalz

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Bayerischer Landtag 16. Wahlperiode                                                                                                     Drucksache     16/4578 18.05.2010 Schriftliche Anfrage                                                          Antwort der Abgeordneten Maria Scharfenberg BÜNDNIS 90/DIE                            des Staatsministeriums des Innern GRÜNEN                                                                        vom 16.04.2010 vom 12.03.2010 Überhöhte Geschwindigkeit ist in Bayern nach wie vor die Unfallursachen und Geschwindigkeitsmessungen in der                           Hauptunfallursache im Straßenverkehr. Deshalb ist eine kon­ Oberpfalz                                                                     sequente Geschwindigkeitsüberwachung an Unfallschwer­ punkten und besonderen Gefahrenstellen wie Kindergärten, Ich frage die Staatsregierung:                                                Schulen und Altenheimen erforderlich. Daneben werden Ge­ schwindigkeitsmessungen auch an Stellen vorgenommen, an 1. Wie viele schwere und wie viele tödliche Unfälle im                        denen die zulässige Höchstgeschwindigkeit erfahrungs­ Straßenverkehr in der Oberpfalz (aufgeschlüsselt nach                     gemäß regelmäßig deutlich überschritten wird. Landkreisen und kreisfreien Städten) sind in den Jahren 2005 bis 2009 hauptursächlich auf überhöhte Geschwin­                     Wirtschaftliche Erwägungen spielen dabei keine Rolle. digkeit zurückzuführen? In welchem Verhältnis steht die­ se Unfallursache zu anderen Unfallgründen?                                Im Jahr 2009 ereigneten sich in der Oberpfalz insgesamt 30.184 Verkehrsunfälle. Davon wurden bei 72 Verkehrsun­ 2. Welche Fahrzeugarten (z. B. Lkws, Pkws, Motorräder,                        fällen 83 Personen getötet. Fahrräder) waren in welchem Umfang Verursacher die­ ser Unfälle, und wie verteilt sich die Zahl der Opfer auf                 Zu den Fragen im Einzelnen: die einzelnen Fahrzeugarten? Zu 1.: 3. Wie viele stationäre und wie viele mobile Überwa­                          Unfälle mit Getöteten und Schwerverletzten in der Oberpfalz chungsanlagen gab es in den Jahren 2005 bis 2009 (eben­                   in den Jahren 2005 bis 2009 mit der Hauptunfallursache Ge­ falls aufgeschlüsselt nach Landkreisen und kreisfreien                    schwindigkeit Städten)? Wie ist die Auslastung der stationären und der mobilen Verkehrsüberwachungssysteme, und in wel­                                                      2005     2006      2007       2008     2009 chem Umfang haben sich ihre Einsatzzeiten in den Jah­                     PP Opf.                      196      197        171        149     152 ren 2005 bis 2009 verändert?                                              Stadt Amberg                   2        2          2          1       3 Stadt Regensburg               7        7          4          2       2 Stadt Weiden i. d. Opf.        2        4          1          1       1 4. In welchem Verhältnis stehen Anschaffungskosten, Un­                       Lkrs. Amberg­Sulzbach         24       18         20         16      16 terhaltungskosten und durchschnittliche Einnahmen                         Lkrs. Cham i. d. Opf.         21       21         27         29      34 durch Bußgelder aufgrund der mobilen und stationären                      Lkrs. Neumarkt i. d. Opf. 28           26         29         20      15 Lkrs. Neustadt a. d. Waldnaab 29       28         23         20      22 Geräte (ebenfalls aufgeschlüsselt nach Landkreisen und                    Lkrs. Regensburg              24       29         20         19      22 kreisfreien Städten)?                                                     Lkrs. Schwandorf              43       47         33         37      24 Lkrs. Tirschenreuth           16       15         12          4      13 5. Teilt die Staatsregierung die Ansicht, dass diese Überwa­ chungsanlagen einen wesentlichen Beitrag leisten, um                      davon: Raserei und die mit ihr verbundenen Gefahren einzu­                       Unfälle mit Getöteten dämmen? Liegen der Staatsregierung Erkenntnisse vor, dass diese Art der Tempoüberwachung positive Verhal­                                                  2005     2006      2007       2008     2009 tensänderungen bewirkt?                                                   PP Opf.                       18       23         23          8      13 Stadt Amberg                   0        0          1          0       0 Stadt Regensburg               0        0          0          0       0 6. Hält es die Staatsregierung für erforderlich oder wün­                     Stadt Weiden i. d. Opf.        0        0          0          0       0 schenswert, die Maßnahmen zur Geschwindigkeitsüber­                       Lkrs. Amberg­Sulzbach          0        2          3          1       0 wachung auszudehnen? Wenn ja, in welchem Umfang?                          Lkrs. Cham i. d. Opf.          1        0         10          2       2 Und mit welchen Kosten für Personal, Ausstattung und                      Lkrs. Neumarkt i. d. Opf.      3        3          2          1       4 Lkrs. Neustadt a. d. Waldnaab 5         1          1          1       3 Betrieb wäre das verbunden?                                               Lkrs. Regensburg               1       10          4          2       0 Lkrs. Schwandorf               6        5          1          1       2 Lkrs. Tirschenreuth            2        2          1          0       2 ______ Drucksachen, Plenarprotokolle sowie die Tagesordnungen der Vollversammlung und der Ausschüsse sind im Internet unter www.bayern.landtag.de ­ Parlamentspapiere abrufbar. Die aktuelle Sitzungsübersicht steht unter www.bayern.landtag.de ­ Aktuelles/Sitzungen/Tagesübersicht zur Verfügung.
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Seite 2                                  Bayerischer Landtag    · 16. Wahlperiode                            Drucksache 16/4578 davon:                                                               Zu 3.: Unfälle mit Schwerverletzten                                         Mobile Geschwindigkeitsüberwachungsgeräte bei der Poli­ zei in der Oberpfalz 2005     2006     2007    2008    2009                        2005      2006    2007     2008     2009 PP Opf.                      178      174      148     141     139   Polizeipräsidium Stadt Amberg                   2        2        1       1       3   Oberpfalz gesamt        7         7       7         7       7 Stadt Regensburg               7        7        4       2       2 Stadt Weiden i. d. Opf.        2        4        1       1       1 Lkrs. Amberg­Sulzbach         24       16       17      15      16 Laserhandmessgeräte bei der Polizei in der Oberpfalz Lkrs. Cham i. d. Opf.         20       21       17      27      32 Lkrs. Neumarkt i. d. Opf. 25           23       27      19      11                        2005      2006    2007     2008     2009 Lkrs. Neustadt a. d. Waldnaab 24       27       22      19      19   Polizeipräsidium Lkrs. Regensburg              23       19       16      17      22   Oberpfalz gesamt       20        24      25       26       26 Lkrs. Schwandorf              37       42       32      36      22 Lkrs. Tirschenreuth           14       13       11       4      11   Im Rahmen der kommunalen Verkehrsüberwachung führen 21 Gemeinden Geschwindigkeitsüberwachungen durch. Die Zu 1.1: meisten haben dazu eine Zweckvereinbarung mit der Stadt Prozentanteil der Hauptunfallursache Geschwindigkeit an al­ Regensburg getroffen. len Unfallursachen bezogen auf Unfälle mit Getöteten und Schwerverletzten Die Stadt Regensburg überwacht im Stadtgebiet sowie im 2005    2006    2007    2008    2009   Auftrag dieser Kommunen mit vier Radarfahrzeugen (be­ stückt mit jeweils zwei Radaranlagen) sowie zwei Laser­ PP Opf.                    14,80 % 14,91 % 13,04 % 12,79 % 13,62 %   handmessgeräten die Einhaltung der höchstzulässigen Ge­ Stadt Amberg                5,26 %  4,55 %  4,44 %  3,57 % 7,50 % Stadt Regensburg            9,86 %  7,29 %  3,77 %  2,30 % 2,08 % schwindigkeit. Stadt Weiden i. d. Opf.     3,64 %  8,51 %  2,27 %  1,64 % 1,85 % Lkrs. Amberg­Sulzbach      15,29 % 13,43 % 16,00 % 15,38 % 14,04 %   Stationäre Geschwindigkeitsmessanlagen werden derzeit in Lkrs. Cham i. d. Opf.      11,41 % 11,35 % 15,00 % 18,01 % 24,64 %   der Oberpfalz weder bei den Kommunen noch von der Poli­ Lkrs. Neumarkt i. d. Opf.  21,05 % 16,56 % 19,21 % 14,29 % 9,74 %    zei betrieben. Lkrs. Neustadt a. d. Waldnaab             21,48 % 19,86 % 16,20 % 17,70 % 18,49 % Lkrs. Regensburg           12,44 % 16,38 % 10,99 % 10,27 % 13,75 %   Zu 3.1: Lkrs. Schwandorf           17,27 % 20,35 % 14,41 % 17,37 % 15,69 %   Auslastung bei der Polizei: Lkrs. Tirschenreuth        14,68 % 13,76 % 11,21 %  5,48 % 14,77 %   Die mobilen Geschwindigkeitsüberwachungsgeräte im Poli­ zeipräsidium Oberpfalz wurden im Berichtszeitraum täglich Zu 2.:                                                               rund 5 Stunden (einschließlich Samstag und Sonntag) einge­ Anzahl der Verursacher von Unfällen mit Getöteten und                setzt. Schwerverletzten mit Hauptunfallursache Geschwindigkeit aufgeschlüsselt nach Fahrzeugart                                     Einsatzzeiten bei der Polizei: Die Einsatzzeiten der mobilen Geschwindigkeitsüberwa­ Fahrzeugart                 2005     2006     2007    2008    2009 chungsgeräte sowie der Laserhandmessgeräte der Polizei in Pkw                          123      142      114     100     105 Lkw                           14       10       12       4       3 der Oberpfalz betrugen im Berichtszeitraum rund 11.000 Kleintransporter               5        3        3       0       2   Stunden jährlich. Bus                            3        1        1       0       2 Motorräder, ­roller und                                              Die Stadt Regensburg führt in ihrem Zuständigkeitsbereich Leichtkrafträder              40       28       33      34      31   mit den vorhandenen Messgeräten Geschwindigkeitskont­ Fahrräder                      8        9        8       6       9 rollen im Schichtbetrieb durch. Angaben zu den Einsatzzei­ ten bzw. zur Auslastung liegen uns nicht vor. Anzahl Getötete bei Unfällen mit Getöteten und Schwerver­ letzten mit Hauptunfallursache Geschwindigkeit aufge­ Zu 4.: schlüsselt nach Beteiligungsart Ein mobiles Geschwindigkeits­Großgerät kostet in der An­ Beteiligungsart             2005     2006     2007    2008    2009   schaffung rund 70.000 Euro. Ein Laserhandmessgerät kostet Pkw­Fahrer                     9       12       13       7       8 ca. 5.000 Euro. Pkw­Mitfahrer                  3        7        6       0       4 Lkw                            0        1        3       0       0   Verwarnungs­ und Bußgelder der Polizei in der Oberpfalz Bus                            0        0        0       0       0   mit mobilen Geschwindigkeitsmessgeräten in € Motorräder, ­roller und Leichtkrafträder               3        4        2       0       2                        2005      2006    2007    2008      2009 Fahrräder                      1        0        0       0       1 Fußgänger                      4        2        2       1       0   Polizeipräsidium Kleintransporter               0        1        1       0       0   Oberpfalz gesamt  2565900 2303905   2311305 1624390   2024855 Getötete gesamt               20       26       27       8      15
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Drucksache 16/4578                            Bayerischer Landtag    ·  16. Wahlperiode                            Seite 3 Verwarnungs­ und Bußgelder            der    Polizei    mit  Insgesamt belegt die Unfallentwicklung der letzten Jahre, Laserhandmessgeräten in €                                    dass sich die langfristig angelegte Verkehrssicherheitsarbeit auszahlt. Ziel der bayerischen Verkehrssicherheitskampagne 2005     2006    2007     2008    2009  „Sicher und Fair im Straßenverkehr“ ist es, die Zahl der bei Polizeipräsidium                                             Verkehrsunfällen getöteten Menschen bis 2012 um ein Fünf­ Oberpfalz gesamt  414215   391155  318155   293300   437350  tel zu reduzieren. Bezüglich der kommunalen Verkehrsüberwachung hat die         Zu 6.: Regierung der Oberpfalz mitgeteilt, dass die Anschaffungs­   Nein. Eine lückenlose Verkehrsüberwachung ist weder mög­ und Unterhaltungskosten durch die Einnahmen gedeckt wer­     lich noch wünschenswert. Die Polizei richtet deshalb Maß­ den.                                                         nahmen der Verkehrsüberwachung nach Zahl, Art, Umfang, Einsatzort und Einsatzzeit vorrangig an dem Ziel aus, die Zu 5.:                                                       Anzahl der schweren Verkehrsunfälle zu verringern bzw. an Ja.                                                          Stellen Geschwindigkeitsmessungen durchzuführen, an de­ nen die zulässige Höchstgeschwindigkeit erfahrungsgemäß deutlich überschritten wird. Zu 5.1: Nach der Jahresunfallstatistik 2009 verunglückten im Jahr    Zu 6.1: 2009 auf Bayerns Straßen bei 52.913 Unfällen mit Personen­   Siehe Antwort zu Frage 6. schaden (–882 bzw. –1,60 %) 70.810 Personen. Von diesen wurden 70.026 verletzt und 784 getötet. Die Zahl der Ver­    Zu 6.2: letzten ging gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,52 %       Siehe Antwort zu Frage 6. zurück, die der Getöteten um 0,38 %.
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