Bayerischer Landtag 14. Wahlperiode Drucksache 14/9637 24.06.2002 Schriftliche Anfrage Antwort der Abgeordneten Dr. Kronawitter SPD des Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, vom 27.03.2002 Familie und Frauen vom 15.05.2002 Lohnabstand von Frauen verringern Zu 1.: (Stellungnahme zu Forderungen des BayLFA) Frauen verdienen vor allem in Westdeutschland noch immer Das Schreiben vom 28.11.2001, in welchem dem Bayeri- im Durchschnitt deutlich weniger als ihre männlichen Kolle- schen Landesfrauenausschuss (BayLFA) auf seine Forderun- gen – und dies trotz Rechtsanspruch auf gleiche Bezahlung gen geantwortet wurde, liegt diesem Schreiben bei. bei gleicher und gleichwertiger Arbeit. So beträgt nach An- gaben des Statistischen Bundesamtes der Durchschnittsver- dienst voll beschäftigter Arbeitnehmerinnen in Industrie, Zu 2.: (Jährlicher Bericht zur Lohn- und Gehaltsentwicklung Handel sowie in der Kredit- und Versicherungswirtschaft von Frauenarbeit) 2.294 Euro und entspricht damit 79 Prozent des adäquaten Nein. Zur Begründung darf auf die Ausführungen auf Seite 4 Männerverdienstes (Stand Oktober 2001). Mit diesem fakti- unten bis Seite 5 oben des Schreibens vom 28.11.2001, die schen geschlechtsspezifischen Lohnabstand befasste sich vom Bayerischen Landesamt für Statistik und Datenverar- auch der Bayerische Landesfrauenausschuss und entwickel- beitung regelmäßig herausgegebenen Daten und im Übrigen te Strategien zur Aufwertung von Frauenarbeit. In seiner auf den Ende April 2002 vorgelegten Bericht des Bundes Stellungnahme vom Juli 2001 sowie in seiner Pressemittei- über die Berufs- und Einkommenssituation von Frauen und lung vom 17. Oktober 2001 legte er diese vor. Männern verwiesen werden. Ich frage die Staatsregierung: Zu 3.: (Forschungsprojekte zum Thema Neubewertung von 1. Wie lautet die Stellungnahme der Staatsregierung zu den personenbezogenen Dienstleistungen aus ökonomischer an sie gerichteten diesbezüglichen Forderungen? Sicht) Ausführungen dazu enthält das Schreiben vom 28.11.2001 2. Wird die Staatsregierung, wie gefordert, einen jährlichen auf Seite 4 Absatz 5. Bericht zur Lohn- und Gehaltsentwicklung von Frauen- Der Abbau bestehender Ungleichbehandlungen von Frauen arbeit erstellen? Wenn ja, wann ist mit dem ersten Bericht und Männern hat größte Bedeutung. Unterschiedliche Be- zu rechnen; wenn nein, was sind die Gründe dafür? zahlung typisch männlicher und typisch weiblicher Tätigkei- ten hat viel mit der gesellschaftlichen Wertschätzung der ein- 3. Beabsichtigt die Staatsregierung, die ebenfalls geforder- zelnen Tätigkeitsfelder zu tun. Personenbezogene Dienst- ten Forschungsprojekte zum Thema Neubewertung von leistungen erzielen am Markt nicht die wirtschaftliche Wert- personenbezogenen Dienstleistungen aus ökonomischer schätzung, die sie sozial und kulturell oft verdienen. Hier be- Sicht zu vergeben bzw. zu initiieren? steht noch großer gesellschaftspolitischer Handlungsbedarf, um Umdenkungsprozesse voranzubringen. Wie beispiels- 4. Wie bewertet die Staatsregierung die Forderung des Lan- weise am Bereich der Pflegedienstleistungen zu erkennen ist, desfrauenausschusses nach Schaffung eines Rechtsan- ist die Staatsregierung um eine Aufwertung und Imageförde- spruchs auf Weiterbildung? rung dieser Bereiche bemüht. 5. Sieht sie, wie ebenfalls gefordert, die Notwendigkeit für Nicht erforderlich sind jedoch Forschungsprojekte zur Neu- ein umfassendes Förderkonzept für Frauen in techni- bewertung von personenbezogenen Dienstleistungen, der schen und IT-Berufen, in das bisherige Aktivitäten und Sachverhalt als solcher ist hinreichend geklärt. Maßnahmen zu integrieren wären? Wegen der Tarifautonomie wäre es Aufgabe der Tarifver- tragsparteien, personenbezogene Dienstleistungen ökono- misch anders zu bewerten. Zu 4.: (Rechtsanspruch auf Weiterbildung) Zu diesem Punkt wurde im Schreiben vom 28.11.2001 eben- falls Stellung genommen (Seite 5 Absätze 2 und 3). Das Thema Weiterbildung ist ein zentrales arbeitsmarktpoli-
Seite 2 Bayerischer Landtag · 14. Wahlperiode Drucksache 14/9637 tisches Thema. Insbesondere die Betriebe müssen ihre An- Insbesondere Mädchen und Frauen den IT-Bereich näher zu strengungen im Bereich der betrieblichen Weiterbildung in- bringen, ihnen Schwellenängste zu nehmen sowie sie „fit for tensivieren. Ausgedehnt werden sollten vordringlich die Ak- bits and bytes“ zu machen, ist weiterhin Ziel zahlreicher tivitäten für Niedrigqualifizierte, ältere Arbeitnehmer, Teil- Bemühungen: Angefangen bei den Schulen, über Schnup- zeitkräfte und Beschäftigte kleiner und mittlerer Betriebe. perkurse, Mädchencomputertage, überregionale Netzwerke Als Ergebnis eines Spitzengespräches im Rahmen des Be- für Computerfachfrauen und Multiplikatorinnen, bis hin zu schäftigungspaktes am 02.11.2001 haben die Staatsregie- e-learning-Trainingscentern, der Verknüpfung von Schu- rung und Tarifparteien sich dahingehend geeinigt, dass in lungsmaßnahmen mit Familienaufgaben, Expertinnen-Bera- Bayern die berufliche Weiterbildung von Arbeitnehmern tungsnetzen, landesweiten Koordinierungsstellen, gezielten künftig entsprechend einem Maßstäbegesetz erfolgen soll. Qualifizierungsmaßnahmen für Frauen, Projekten wie Dies kann besonders Frauen helfen. „KommIT“ und „Girls just do IT“ usw. Es obliegt jedoch nach wie vor den Tarifvertragsparteien, spezifische Regelungen über Arbeitsbedingungen und Löh- Die in regelmäßigen Abständen stattfindenden Berufsbil- ne und somit auch hinsichtlich der Weiterbildung zu schaf- dungskongresse der Staatsregierung dienen ebenso der um- fen. fassenden Berufswahlorientierung von Mädchen. Dabei wer- den konkrete Veranstaltungen für Mädchen angeboten. Auch Zu 5.: (Förderkonzept für Frauen in technischen und IT-Be- auf dem vom 2.– 5.12.2002 stattfindenden 6. Bayerischen rufen) Berufsbildungskongress in Nürnberg sind zum Beispiel wie- Auch auf diese Frage wurde im Schreiben vom 28.11.2001 der Fachvorträge speziell für Mädchen geplant, wie „it-Aka- eingegangen (Seite 5 Absatz 4). demie Bayern – Zukunftschancen für junge Frauen“ oder zum Projekt „Girls just do IT“. Ein weiteres Förderkonzept für Frauen für den technischen und den IT-Bereich wird mit Blick auf die bereits laufenden Die Erweiterung des Berufswahlspektrums der Jugendli- vielfältigen Maßnahmen sowie die beschränkten personellen chen, insbesondere der Mädchen, ist eine der im Rahmen des und finanziellen Ressourcen zum jetzigen Zeitpunkt als nicht Beschäftigungspakts Bayerns beschlossenen 27 Maßnahmen notwendig erachtet. Bereits heute befassen sich die dafür zu- der Ausbildungsinitiative 2006. Für diese Maßnahme ist die ständigen Institutionen (unter anderem: Arbeitsverwaltung) Arbeitsverwaltung federführend tätig. engagiert mit der Unterstützung von Frauen in der Berufso- rientierung hin zu technischen und IT-Berufen. Auch auf Bundes- und Landesebene gibt es entsprechende unterstüt- Auf Bundesebene wurden ebenfalls einige Bemühungen zur zende Programme und Maßnahmen. Erweiterung des Berufswahlspektrums, der verstärkten Be- teiligung von Mädchen und Frauen am Internet und der Stei- Die Problematik des eingeschränkten Berufswahlverhaltens gerung des Interesses an IT-Berufen und damit einer Ver- von Frauen ist bekannt. In Bayern befanden sich Ende 2000 besserung der beruflichen Chancen von Frauen unternom- insgesamt 60,4% aller weiblichen Auszubildenden in einem men. Eine weitere Initiative mit führenden Betrieben der In- Ausbildungsverhältnis in nur 10 Berufen, darunter kein so formationsbranche ist „D 21“. Bis zum Jahre 2005 soll der genannter technischer Beruf. Einen Sinneswandel bei den Frauenanteil an IT-Berufsausbildungen und in Informa- Mädchen und ihren Eltern herbeizuführen, ist jedoch keine tikstudiengängen auf 40 v.H. steigen. Aufgabe, die kurzfristig gelöst werden kann. Die Staatsregierung bemüht sich schon seit Jahren durch un- Dass Frauen sich den IT-Berufen nur zögerlich zuwenden, terschiedlichste Maßnahmen, das vom traditionellen Rollen- liegt jedoch nicht nur an äußeren Umständen, sondern auch verständnis geprägte Berufswahlverhalten zu ändern. Dies an Interessenlagen, die zu respektieren sind. Und mitunter gelingt nur bedingt und ist von der allgemeinen Lage auf dem sind es auch Anforderungen, Inhalte und Verhältnisse im je- Ausbildungsstellenmarkt abhängig: Je ungünstiger aus Sicht weiligen Tätigkeitsfeld des Berufes sowie die individuelle der Mädchen die Situation in den traditionellen Bereichen Lebensplanung, die beim Schritt in den IT-Bereich zögern ist, desto eher sind sie bereit, männerdominierte Berufe zu lassen. ergreifen. Bereits in früheren Jahren wurden in regelmäßi- gem Turnus an Schulen zum Beispiel entsprechende Infor- mationsschriften an Schülerinnen und Schüler sowie das Die Staatsregierung wird die Situation der Frauen weiterhin Lehrpersonal verteilt. Auch Betriebe wurden schriftlich und beobachten und im Rahmen der vorhandenen Haushaltsmit- in Info-Seminaren für die Thematik sensibilisiert. Unter- tel dort weitere Initiativen ergreifen, wo die Notwendigkeit stützt wurden auch Orientierungsseminare für Schülerinnen dazu besteht. Ein Beispiel dafür ist die Verbesserung der im Rahmen der Projekte „Mädchen in gewerblich-technische Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit durch den Berufe.“ wirkungsvollen Ausbau der Kinderbetreuung.