Schimmelbefall in Schulräumen

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Bayerischer Landtag 16. Wahlperiode                                                                                                       Drucksache 16/7204 31.03.2011 Schriftliche Anfrage                                                            gleichende Außenluftmessungen durchgeführt werden. Das Schimmelpilzwachstum in Innenräumen wird hauptsächlich des Abgeordneten Günther Felbinger FW                                           durch Feuchtigkeit, Nährstoffangebot und Temperatur be- vom 20. Dezember 2010                                                           stimmt. Schimmelbefall in Schulräumen                                                   Telefon: 089 2186 0 E-Mail: poststelle@stmuk.bayern.de Salvatorstraße 2 · 80333 München Telefax: 089 2186 2800 Ich frage die Staatsregierung:                                                  Internet: www.stmuk.bayern.de U3, U4, U5, U6 – Haltestel- le Odeonsplatz 1. Ist die Nutzung von Schulräumen mit Schimmelbefall grundsätzlich zulässig?                                                      Das Feststellen einer Schimmelpilzquelle ist nicht gleichzu- a)	Wenn ja, welche Grenzwerte müssen dabei eingehal-                       setzen mit einer gesundheitlichen Gefährdung der Raumnut- ten werden?                                                             zer. Eine Nutzung von Schulräumen mit Schimmelpilzbefall ist daher nicht notwendigerweise unzuläs­sig. Aus Gründen b)	Welche Maßnahmen werden ergriffen, wenn diese                           des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sollten Schim­ Grenzwerte überschritten werden?                                        melpilzquellen in Innenräumen jedoch entfernt bzw. saniert werden. c) Wer hat diese Maßnahmen zu veranlassen? 2. Inwiefern besteht bei einer in Schulräumen nachgewie-                        Zu 1. a): senen Belastung mit den Schimmelarten Penicillium ex-                       Einzelne Richt- oder Grenzwerte für eine Schimmelpilzbe- pansum, Cladosporium sphaerospermum und Aspergil-                           lastung in Luft- oder Staubproben können nicht angegeben lus versicolor eine Gesundheitsgefährdung für Kinder                        werden. Bislang ist es nicht möglich, die Expositionen ge- und Lehrpersonal?                                                           genüber bestimmten Schimmelpilzbestandtei­len in der In- nenraumluft quantitativ im Sinne einer Dosis-Wirkungs- 3. Ist der Staatsregierung bekannt, dass in der zur Verband-                    Betrachtung mit gesundheitlichen Wirkungen zu korrelie- schule Bischbrunn-Oberndorf im Landkreis Main-                              ren. Daher ist eine quantitative Risikoabschätzung durch Spessart gehörenden Oberndorfer Schule mehrere Klas-                        Messung von Schimmelpilzkonzent­            rationen oder deren senräume mit den aufgeführten Schimmelarten belastet                        Stoffwechselprodukte im Innenraum nicht möglich. Schim- sind, die sich bei Laboruntersuchungen als Toxin bil-                       melpilze unterliegen großen räumlichen und zeitlichen dend, potenziell allergen und infektiös herausgestellt ha-                  Schwankun­gen. Weiterhin ist unklar, welches Medium (z. B. ben?                                                                        Luft, Baumaterialien, Hausstaub) und welcher Parameter (z. B. Sporenzahl, Toxine) eine ge­sundheitlich relevante Ex- a)	Wenn ja, was hat die Staatsregierung gegen den                          position des Menschen am besten charakterisiert. Auch ist Schimmelbefall unternommen?                                             eine Abgrenzung schimmelpilzspezifischer Wirkungen problema­tisch, da Schimmelpilze oft gleichzeitig mit ande- b)	Wenn nein, was gedenkt die Staatsregierung in die-                      ren Allergenen vorkommen (http://www.rki.de/cln_178/ sem Fall zu unternehmen?                                                nn_196980/DE/Content/Institut/Kommissionen/Umwelt- Kommission/Schimmelpilze,templateId=raw,property=publ icationFile. pdf/Schimmelpilze.pdf). Antwort                                                                         Zu 1. b): des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus                               Voraussetzung für Maßnahmen, die aufgrund der fehlenden vom 2. Februar 2011                                                             gesundheit­   lich ableitbaren Grenzwerte insbesondere aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes durchge- Zu 1.:                                                                         führt werden sollen, ist zunächst die Ermitt­lung der Ursache Pilze sind praktisch in allen natürlichen Lebensräumen und                      des Schimmelpilzbefalls. Daher müssen Entfernung oder daher auch in Innenräumen vorhanden. In der Innenraumluft                       Sanierung bei Befall immer einzelfallspezifisch behandelt nachgewiesene Schimmel­pilze können entweder durch Lüf-                         werden. Grundla­ge für weitere Maßnahmen bei Schimmel- tungsvorgänge aus der Außenluft einge­tragen werden oder                        pilzbefall sind die bundesweit ein­heitlichen Empfehlungen sie stammen aus Quellen im Innenraum. Daher müs­sen bei                         des Umweltbundesamtes für die Erfassung und Bewertung Schimmelpilzmessungen im Innenraum auch immer ver-                              von Schimmelpilzwachstum (Leitfaden zur Ursachensuche Drucksachen, Plenarprotokolle sowie die Tagesordnungen der Vollversammlung und der Ausschüsse sind im Internet unter www.bayern.landtag.de – Dokumente abrufbar. Die aktuelle Sitzungsübersicht steht unter www.bayern.landtag.de – Aktuelles/Sitzungen zur Verfügung.
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Seite 2                                  Bayerischer Landtag  · 16. Wahlperiode                      Drucksache 16/7204 und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen:           tung dieser Wirkungen bei Schimmelpilz­wachstum in In- http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/2951.pdf)         nenräumen ist noch unklar. sowie der Leitfa­den zur Vorbeugung, Untersuchung, Bewer- tung und Sanierung von Schimmelpilzwachstum in Innen-         • Infektionen der Lunge durch Schimmelpilze (pulmonale räumen („Schimmelpilz-Leitfaden“): http://www.umwelt-            Mykosen): Diese kommen nur sehr selten und nur bei be- daten.de/publikationen/fpdf-l/2199.pdf).                         sonders immunge­schwächten Personen vor. Zu 1. c):                                                    Zu 3.: Die Gesundheitsbehörden empfehlen im Rahmen des               Dem zuständigen Staatliche Schulamt im Landkreis Main- GDVG (Gesetz über den öffentlichen Gesundheits- und Ve-       Spessart wurde im Rahmen einer Begehung der Räumlich- terinärdienst, die Ernährung und den Verbraucherschutz so-    keiten an der Volksschule Obern­dorf im Sommer 2010 leich- wie die Lebensmittelüberwachung [Gesundheits­dienst- und      ter Schimmelbefall in zwei Räumen des Haupt­gebäudes im Verbraucherschutzgesetz]), Maßnahmen zum Schutz der           Untergeschossbereich bekannt. Die beiden Räume waren im Be­völkerung vor schädlichen Umwelteinwirkungen zu tref-      Zuge einer Neuverteilung der Schulräumlichkeiten für die fen. Hierunter fallen auch Maßnahmen zum Schutz vor bio-      Mittagsbetreuung vorgesehen. logischen Einwirkungen (beispiels­   weise Schimmelpilze). Die Veranlassung der erforderlichen Maßnahmen obliegt         Nach Feststellung des Schimmelbefalls veranlasste die der als Sachaufwandsträger zuständigen Kommune.               Schulleitung umge­hend eine gemeinsame Begehung der be- troffenen Räumlichkeiten im Bei­     sein der Schulleitung Zu 2.:                                                       selbst, des Hausmeisters, des Schulverbandsvorsit­   zenden Eine eindeutige ätiologische Zuordnung gesundheitlicher       Bürgermeister Krebs als Vertreter des zuständigen Beschwerden als Folge einer Schimmelpilzbelastung im In-      Sachaufwands­trägers, des Elternbeiratsvorsitzenden sowie nenraum ist sehr schwierig und in vielen Fällen auch nicht    eines Vertreters des Staatli­chen Gesundheitsamtes. Bei die- möglich                                                      ser Begehung wurde eine Putzprobe ent­nommen, die Ergeb- (http://www.rki.de/cln_169/nn_196980/DE/Content/Insti-        nisse der darauffolgenden Laboruntersuchung erbrach­     ten tut/Kommissionen/UmweltKommission/Schimmelpilze,te            bei einer Schimmelpilzart eine leicht toxin bildende Wir- mplateId=raw,property=publicationFile.pdf/Schimmelpilze.      kung. pdf). Wissenschaftliche Studien geben Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Schimmelpilzexposition und              Das zuständige Staatliche Gesundheitsamt empfahl darauf- Atemwegsbe­schwerden. Es ist jedoch nicht möglich anzu-       hin eine Be­handlung der Wände. Daher wurde ein spezielles geben, ab welchen Konzentra­tionen von Schimmelpilzen,        Mittel gegen Schimmel­befall aufgetragen, nach der Behand- insbesondere einzelnen Arten, im Innenraum mit welchen        lung wurden die von der Auftragung betroffenen Stellen ge- Erkrankungshäufigkeiten zu rechnen ist.                       strichen. Der Hausmeister wurde seitens der Schul­leitung beauftragt, die Räumlichkeiten wöchentlich zu kontrollie- Im Allgemeinen können von Schimmelpilzen folgende Wir-        ren. Nach Ablauf eines halben Jahres seit der erstmaligen kungen ausge­hen:                                             Feststellung des Schim­   melbefalls konnte kein weiterer • Reizwirkung auf die Schleimhäute, Verschlechterung von     Schimmelbefall festgestellt werden. asthmati­schen Erkrankungen. Die von dem Schimmelbefall betroffenen Räumlichkeiten • Auslösung allergischer Reaktionen an den Atemwegen werden derzeit nicht für den regelmäßigen Unterrichtsbe- ,insbesonde­re bei entsprechend sensibilisierten Personen. trieb oder die Mittagsbetreuung benutzt. Im Übrigen weisen • Toxische Wirkungen: Diese wurden bisher – fast aus-        wir darauf hin, dass die ordnungsgemäße In­standhaltung der schließlich – an belasteten Arbeitsplätzen mit hohen       Räumlichkeiten in den Verantwortungsbereich des Schimmelpilzkonzentrationen nachgewiesen. Die Bedeu-       kommuna­len Schulaufwandsträgers fällt.
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