Status quo der Vereinsamung von Senioren in Hamburg

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BÜRGERSCHAFT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG                                      Drucksache    22/2127 22. Wahlperiode                                                                               17.11.20 Schriftliche Kleine Anfrage der Abgeordneten Olga Petersen und Thomas Reich (AfD) vom 10.11.20 und   Antwort des Senats Betr.:    Status quo der Vereinsamung von Senioren in Hamburg Einleitung für die Fragen: In Deutschland leben der Studie zufolge etwa 38,7 Prozent der über 65-Jähri­ gen in Einpersonenhaushalten. Der Anteil allein lebender Menschen steigt demnach mit dem Alter stark an: Sind es bei den 65- bis 69-Jährigen ein Viertel der Menschen, steigt im Alter von 75 bis 79 Jahren der Anteil der Alleinleben­ den auf etwa 38 Prozent. Im Alter von 85 oder älter leben zwei Drittel der Men­ schen in einem Einpersonenhaushalt. Während etwa die Hälfte der älteren Menschen, die mit anderen Personen in einem Haushalt lebt, auch noch Kinder am selben Ort hat, ist bei den Alleinle­ benden dieser Anteil besonders niedrig (https://www.aerzteblatt.de/nachrich­ ten/113337/Studie-sieht-drohende-Vereinsamung-aelterer-Alleinstehender). Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat: Frage 1:           Wie viele der Hamburger Seniorinnen und Senioren erhalten eine ambulante Pflegeleistung (bitte die Angaben differenziert nach Alter und in absoluten und relativen Zahlen, gemessen an der Gesamtzahl der allein lebenden Seniorinnen und Senioren)? Frage 2:           Wie viele der oben genannten Seniorinnen und Senioren werden von Angehörigen gepflegt? Antwort zu Fragen 1 und 2: Siehe Anlage. Frage 3:           Wie viele der oben genannten Seniorinnen und Senioren haben nachweislich keine Angehörigen? Antwort zu Frage 3: Daten im Sinne der Fragestellung werden statistisch nicht erfasst. Frage 4:           Welche Angebote gegen Vereinsamung von Seniorinnen und Senio­ ren in Hamburg gibt es? Antwort zu Frage 4: Die für die Seniorinnen und Senioren vorgehaltenen vielfältigen Angebote in Hamburg zielen darauf ab, den Seniorinnen und Senioren eine aktive Mitgestaltung und die Teil­ habe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Bei den Angeboten stehen die gesellschaftliche Teilhabe und Partizipation im Vordergrund. Insbesondere folgende Angebote werden in Hamburg zur gesellschaftlichen Teilhabe beispielsweise vorgehalten: - Treffs und Kreise von Seniorinnen und Senioren,
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Drucksache 22/2127          Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg – 22. Wahlperiode -    Mehrgenerationenhäuser, Nachbarschaftstreffs, -    Stadtteilkulturzentren, -    Bürgerinnen- und Bürgervereine, -    Hamburger Sportvereine, -    Angebote der Hamburger Bücherhallen und der Hamburger Volkshochschulen, -    Projekte wie zum Beispiel die AWO „Aktion Augen auf!“, die Initiative KULTURIS­ TENHOCH2 der Stiftung Generationen-Zusammenhalt sowie Angebote des Vereins Wege aus der Einsamkeit e.V., -    ehrenamtliche Besuchs- und Begleitdienste, -    Helferinnen- und Helferkreise und Betreuungsgruppen im Rahmen der Entlastungs­ angebote im Alltag, -    Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige, -    Ambulante Hospizdienste, -    Hamburger Hausbesuch, -    Beratung durch die bezirkliche Seniorinnen- und Seniorenberatung. Frage 5:             Wie häufig werden die oben genannten Angebote wahrgenommen? Welche Angebote gegen Vereinsamung von Seniorinnen und Senio­ ren sind in Hamburg in Planung? Antwort zu Frage 5: Im Jahr 2019 konnten folgende Besuchszahlen in den Seniorinnen- und Seniorentreffs der jeweiligen sieben Hamburger Bezirke erhoben werden: Tabelle Besuchszahlen in den Senioren-/-innentreffs in Hamburg 2019 Hamburg-Mitte                    140.131 Hamburg-Nord                     141.944 Eimsbüttel                       104.015 Harburg                          51.267 Bergedorf                        22.278 Altona                           57.551 Wandsbek                         146.196 Gesamt                           663.382 Quelle: eigene Erhebungen der Bezirksämter Darüber hinaus würde die Beantwortung für die zuwendungsfinanzierten Angebote die Auswertung zahlreicher Verwendungsnachweise und für die nicht finanzierten Ange­ bote eine Befragung der Träger voraussetzen. Dies kann angesichts der Dauerbelas­ tung durch coronabedingte Aufgaben nicht geleistet werden. Die Planungen zur Weiterentwicklung der Seniorinnen- und Seniorenarbeit sind noch nicht abgeschlossen. Frage 6:             Wie viele Seniorinnen und Senioren in Hamburg sind nach Ein­ schätzung des Senats von Vereinsamung betroffen? Frage 7:             Welche statistischen Auswertungen (zum Beispiel Umfragen) zur Vereinsamung von Seniorinnen und Senioren in Hamburg gibt es? Antwort zu Fragen 6 und 7: Daten im Sinne der Fragestellung werden statistisch nicht erfasst. Einsamkeit ist eine individuelle und subjektiv empfundene Wahrnehmung. Das physische Alleinsein muss nicht mit einer tatsächlichen sozialen Isolation zusammenhängen. Die durch das Sta­ tistikamt Nord erhobenen Daten zu den Einpersonenhaushalten in Hamburg können keine Aussage über eine tatsächlich empfundene Einsamkeit geben. 2
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Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg – 22. Wahlperiode      Drucksache 22/2127 Frage 8:           Wie können, nach Einschätzung des Senats, bestehende Barrieren für Seniorinnen und Senioren abgebaut werden, sodass diese schneller selbstständig Maßnahmen gegen Vereinsamung wahrneh­ men? Antwort zu Frage 8: Zahlreiche der unter der Antwort zu 4 genannten Angebote werden auf Wunsch im Haushalt der Seniorinnen und Senioren erbracht, sodass Mobilitätseinschränkungen oder Hemmungen, andere Orte oder Gruppen aufzusuchen, zunächst keine Rolle spie­ len. Darüber hinaus hat der Senat den sukzessiven barrierefreien Ausbau der U-Bahn- und S-Bahn-Haltestellen in Hamburg vorangetrieben, um die Mobilität innerhalb Hamburgs für alle Menschen zu erleichtern. Um über das vorhandene Angebot zu informieren, gibt es insbesondere bezirkliche Informationsmaterialien für Seniorinnen und Senioren, die bezirklichen Seniorinnen- und Seniorenberatungen sowie den Hamburger Hausbesuch für Seniorinnen und Senioren. Frage 9:           Wie definiert der Senat „Einsamkeit“? Antwort zu Frage 9: Siehe Antwort zu 6 und 7. Frage 10:          Welche Faktoren sind, nach Einschätzung des Senats, ausschlagge­ bend für die Vereinsamung von Seniorinnen und Senioren in Ham­ burg (beispielsweise: ehemaliger Beruf, sozialer Status, Wohnort, abnehmende Mobilität et cetera)? Antwort zu Frage 10: Die Faktoren sind nicht eindeutig definierbar. Oft spielen viele unterschiedliche Fakto­ ren eine Rolle. Geringe Einkünfte im Alter, zunehmende Immobilität, abnehmende Sin­ neswahrnehmungen oder kognitive Einschränkungen im Alter können ebenso zur Abnahme sozialer Kontakte führen, wie der Tod des Lebenspartners beziehungsweise der -partnerin oder anderer nahestehender Personen. Frage 11:          Welche Maßnahmen setzt der Senat um, um die soziale Teilhabe von Seniorinnen und Senioren in jedem Alter, unabhängig vom körperli­ chen Zustand, zu gewährleisten? Antwort zu Frage 11: Siehe Antwort zu 4. Frage 12:          Wie unterstützt der Senat Initiativen gegen Einsamkeit von Seniorin­ nen und Senioren in Hamburg? Antwort zu Frage 12: Der Senat stellt Haushaltsmittel für verschiedene Projekte und Angebote zur Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe und Partizipation der Seniorinnen und Senioren in Ham­ burg bereit. Zum Teil werden Angebote auch durch die Stadt erbracht. Frage 13:          Wie informiert der Senat Seniorinnen und Senioren über das Thema Einsamkeit? Frage 14:          Welche Maßnahmen trifft der Senat, um die Thematik in der Gesell­ schaft besser öffentlich zu verankern? Antwort zu Fragen 13 und 14: Im Vordergrund steht die Information über Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teil­ habe. Über die oben genannten Angebote wird insbesondere durch beratende Stellen, im Bürgerinnen- und Bürgerservice des Internetangebots oder in Broschüren informiert. 3
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Drucksache 22/2127        Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg – 22. Wahlperiode Anlage Ambulant Pflegebedürftige und Einpersonenhaushalte in Hamburg am 31.12.2019 nach Altersgruppen Alter von … bis unter    Anzahl der Einpersonen­ Ambulante Pflegebe­ in % … Jahren                  haushalte                dürftige Insgesamt                           565 577                  22402         3,96 darunter 65 - 70                            31 377                  1 419         4,52 70 - 75                            27 693                  1 940         7,00 75 - 80                            30 652                  3 096        10,10 80 - 85                            27 402                  4 640        16,93 85 - 90                            13 846                  4 043        29,20 90 - 95                             6 855                  2 720        39,68 95 und mehr                            2 299                    942        40,97 Quelle: Pflegestatistik über die Pflegeversicherung in Hamburg mit Stand 15. Dezember 2019, Statisti­ sches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein Quelle: Melderegister 31.Dezember 2019 ergänzt um Schätzungen mit HHGen (Programm zur Haus­ haltegenerierung) durch das Statistische Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein Pflegedürftige in Hamburg am 31.12.2019 nach Altersgruppen mit Be­ zug von Pflegegeld Alter von … bis Anzahl der Pflegegeldempfänger / -empfängerinnen unter … Jahren Insgesamt                                                             34591 darunter 65 - 70                                                               2 269 70 - 75                                                               2 916 75 - 80                                                               4 384 85 - 85                                                               5 882 85 - 90                                                               4 142 90 - 95                                                               2 518 95 und mehr                                                             660 Quelle: Pflegestatistik über die Pflegeversicherung in Hamburg 2019, Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein 4
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