Kita-Notstand in Hamburg? – Zur Infrastruktur und Personalausstattung der Kindertageseinrichtungen im Stadtteil „Borgfelde“

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BÜRGERSCHAFT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG                                     Drucksache   22/1726 22. Wahlperiode                                                                             20.10.20 Schriftliche Kleine Anfrage der Abgeordneten Olga Petersen (AfD) vom 12.10.20 und   Antwort des Senats Betr.:   Kita-Notstand in Hamburg? – Zur Infrastruktur und Personalausstattung der Kindertageseinrichtungen im Stadtteil „Borgfelde“ Einleitung für die Fragen: Nach zwei wissenschaftlichen Untersuchungen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zur Betreuungssituation in Kindertageseinrichtungen im Bundeslän­ dervergleich („Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme“ sowie einer zeitgleich veröffentlichten qualitativen Studie der FernUniversität in Hagen) vom 25.08.2020 sind die Bedingungen für die pädagogische Arbeit vielerorts noch immer unzureichend. In einem Großteil der Kitas seien die Personal­ schlüssel und die Gruppengrößen nicht kindgerecht; auch das Qualifikations­ niveau des Personals unterscheide sich noch stark. Für 74 Prozent der Kinder in amtlich erfassten Kita-Gruppen stand am 1. März 2019 demzufolge nicht genügend Fachpersonal zur Verfügung. In Ostdeutsch­ land betraf dies 93 Prozent der Kinder, in Westdeutschland 69 Prozent. Im bundesweiten Durchschnitt bedeutet dies, dass 2019 rein rechnerisch in Krip­ pengruppen eine Fachkraft auf 4,2 Kinder kam. In Kindergartengruppen waren es 8,8 Kinder. Hamburg schneidet nach den Daten des Monitorings insbesondere beim Per­ sonalschlüssel in Krippengruppen schlecht ab. Im Vergleich aller westdeut­ schen Bundesländer belegt Hamburg mit einem Personalschlüssel von 4,5 Kindern in dieser Statistik den letzten Rang und bundesweit unter Einbe­ ziehung der östlichen Bundesländer Rang 10 von 16. Der Anteil der Kinder in Krippengruppen mit nicht kindgerechtem Personalschlüssel betrage in Ham­ burg hohe 72,7 Prozent. Die Auswirkungen für die betroffenen Kinder können dramatisch ausfallen. So beschreiben die bundesweit befragten Kita-Teams in der qualitativen Studie, dass sie bei Personalmangel weniger auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen können und deren individuelle Förderung in den Hintergrund treten muss. Unzureichende Qualifikationen des Personals würden eine gute Bildungsar­ beit zusätzlich erschweren. Insgesamt sehen die Befragten die Umsetzung des Bildungsauftrags der Kitas oftmals gefährdet. Die im Entwicklungsverlauf seit 2013 zwar stark verbesserte, aber immer noch prekäre Betreuungssitua­ tion dürfte die Bildungs- und Entwicklungschancen für Kinder aus bildungsfer­ nen und sozial ärmeren Familien zusätzlich verschlechtern. Nach den wissenschaftlichen Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung sollten in Krippengruppen rechnerisch drei Kinder auf eine Fachkraft kommen und in Kindergartengruppen maximal 7,5. Das Kita-Personal müsse durch Hauswirt­ schafts- und Verwaltungskräfte entlastet werden. Zudem sei es unausweich­ lich, Kitas als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge ausreichend zu finanzie­ ren.
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Drucksache 22/1726         Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg – 22. Wahlperiode Die folgenden Fragen beziehen sich auf den in der Überschrift genannten Stadtteil. Ich frage den Senat: Frage 1:            Wie viele Krippeneinrichtungen für Kinder bis circa drei Jahre gibt es derzeit im Stadtteil? Frage 2:            Wie viele Kindergarteneinrichtungen für Kinder ab circa drei Jahren gibt es derzeit im Stadtteil? Frage 3:            Welche Personalschlüssel bestehen derzeit in den Krippen- und in den Kindergarteneinrichtungen im Stadtteil? Frage 4:            Wie hoch ist der derzeitige Anteil an ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern am Gesamtpersonal in den Krippen- und Kindergartenein­ richtungen des Stadtteils? Frage 5:            Wie lauten die Träger der Krippen- und Kindergarteneinrichtungen des Stadtteils? Antwort zu Fragen 1 bis 5: Siehe Drs. 22/1651. 2
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