Niedersächsischer Landtag — Eifte Wahlperiode
Antwort auf eine Kleine Anfrage
— Drucksache 11/4197 —
Betr.: PCB-Belastung der Raumluft
Wortlaut der Kleinen Anfrage des Abg. Dr. Hruska (FDP) vom 31. 7. 1989
Verschiedene Hochschulgruppen der Universität Hannover haben auf Emission von
polychlorierten Biphenylen (PCB) durch Starterkondensatoren in Leuchtstoffanlagen
hingewiesen. Bis 1983 wurden diese Kondensatoren in öffentlichen Einrichtungen wie
Universitäten, Schulen, Krankenhäusern etc. eingebaut. Presseberichten der Hoch-
schulgruppen zufolge soll die Universitätsverwaltung, an die das Problem herangetra-
gen worden ist, keine Reaktion gezeigt haben.
Ich frage die Landesregierung:
1.
2.
Seit wann ist ihr das Problem bekannt?
Hat sie die ihr nachgeordneten Behörden und Einrichtungen auf die Gefahrenquelle
hingewiesen?
. Wie stark ist die Raumluft in Gebäuden der Universität Hannover, insbesondere in
stark frequentierten Räumen, mit PCB aus o.g. Kondensatoren belastet?
a) Müssen die Kondensatoren ausgetauscht werden, oder welche anderen Sanie-
tungsmaßnahmen strebt die Landesregierung an?
b) Wie hoch schätzt sie die Kosten der Überprüfung und der Sanierungsmaß-
nahmen?
. Ist ihr bekannt, daß außer den defekten Kondensatoren auch die Umkleidungen
(Wannen) ausgetauscht werden müssen, da sich PCB dort ansammeln kann? Ist die-
ser Austausch bei bereits ersetzten Kondensatoren vorgenommen worden?
. Welche Werte wurden in anderen, möglicherweise belasteten Gebäuden gemessen?
. Welche Schritte hat die Landesregierung unternommen bzw. wird sie unternehmen,
um private Einrichtungen auf die Gefahrenquelle aufmerksam zu machen?
Drucksache 11/4434
Niedersächsischer Landtag — Elfte Wahlperiode Drucksache 11/4434
Antwort der Landesregierung
Niedersächsisches Ministerium Hannover, den 6. 10. 1989
für Wirtschaft, Technologie und Verkehr
— Z12 — 57.00 —
Zu i:
Das Problem der PCB-haltigen Kompensations-Kondensatoren in Beleuchtungsanlagen
und die Gefahr, daß im fortgeschrittenen Alter diese hermetisch verschlossenen Kon-
densatoren undicht werden, ist seit den Vorfällen in Marburger Schulen und Kindergär-
ten etwa im März 1988 bekannt. Die Antwort auf die Kleine Anfrage des Herrn Abg.
Mönninghoff (Grüne) vom 16. 6. 1988 (Drs 11/2683) ist bereits ausführlich auf dieses
Problem eingegangen.
Zu 2:
Mit RdErl. des MW. vom 10. 1. 1989 (Nds. MBl. $. 131) sind die hausverwaltenden
Dienststellen auf die Gefahrenquelle hingewiesen worden. Zugleich ist mit diesem
RdErl. an die Dienststellen der StHBV und die hausverwaltenden Dienststellen die
Weisung ergangen, in welcher Art und Weise die Beleuchtungsanlagen zu kontrollieren
und defekte Kondensatoren, abet auch die quecksilberhaltigen Leuchtstofflampen, zu
entsorgen sind.
Zu 3:
Die PCB-Belastung der Raumluft in Räumen, in denen undichte Kondensatoren ent-
deckt worden sind, ist auf Veranlassung der StHBV nicht gemessen worden. Derartige
Messungen sind aufwendig und kostspielig und in ihrer Aussagekraft umstritten, ins-
besondere wenn Vergleichsmessungen vor der Kontaminierung mit PCB nicht vor-
liegen.
Zu 3a und 3b:
Dazu ist in der o.g. Antwort auf die Kleine Anfrage des Herrn Abg. Mönninghoff
(Grüne) vom 16. 6. 1988 — Drs 11/2683 — ausführlich Stellung genommen worden.
Zu 4:
Im bereits erwähnten RdEtl. des MW vom 10. 1. 1989 (Nds. MBi. $. 131) ist die Wei-
sung erteilt worden, im Falle ausgelaufener Kondensatoren die komplette Leuchte aus-
zutauschen und zu entsorgen.
Zu 5:
Siehe Antwort zu 3.
Zu 6:
Der Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI), die einschlägige In-
dustrie, das Bundesgesundheitsamt, der Bundesminister für Jugend, Familie, Frauen
und Gesundheit und das Nieders. Sozialministerium haben auf das Problem ausrei-
chend aufmerksam gemacht. Die Landesregierung sieht deshalb keinen weiteren Bedarf
zur Unterrichtung der Öffentlichkeit.
Hirche
(Ausgegeben am 19. 10. 1989)