Niedersächsischer Landtag — Zwölfte Wahlperiode Drucksache 12/5035
Antwort auf eine Kleine Anfrage
— Drucksache 12/4806 —
Wortlaut der Kleinen Anfrage der Abg. Frau Vockert (CDU) — Drs 12/4806
Betr.: Hochschule Bremerhaven
Die Hochschule Bremerhaven ist mit ihren fast 1800 Studenten, von denen ca. 35 Pro-
zent aus dem niedersächsischen Umland kommen, in den letzten Jahren zu einem wich-
tigen Wirtschaftsfaktor der Seestadt Bremerhaven und des niedersächsischen Umlandes
geworden. Im Hinblick auf eine Kooperation über Ländergrenzen hinweg schlug der
jetzige Ministerpräsident bei einem Besuch der Hochschule im April 1990 spontan ei-
nen von einer Niedersachsen-Uni verliehenen Lehrstuhl vor. „Schröder: ‚Das könnte
Modellcharakter für die Zusammenarbeit von Niedersachsen und Bremen haben. ...
hier scheint mir noch’ne Menge machbar zu sein, vor allem beim Technologietransfer.
Dabei stur in Länderkategorien zu denken, wäre Blödsinn.‘ („Nordsee-Zeitung‘ vom
12./13. April 1990)
Ich frage die Landesregierung:
1. Welche konkreten Maßnahmen hat sie zu welchem Zeitpunkt unternommen, um
die Zusammenarbeit mit der Hochschule Bremerhaven zu beginnen?
2. Wird sie Maßnahmen einleiten, um die Zusammenarbeit mit der Hochschule Bre-
merhaven zu intensivieren? Wenn ja: Welche und zu welchem Zeitpunkt? Wenn
nein: Warum nicht?
3. Wird sie den Vorschlag des jetzigen Ministerpräsidenten vom April 1990 umsetzen
und einen von einer Niedersachsen-Uni verliehenen Lehrstuhl einrichten? Wenn ja:
Zu welchem Zeitpunkt und in welcher Form? Wenn nein: Warum nicht? Fühlt sie
sich nicht der Aussage des jetzigen Ministerpräsidenten zur Einrichtung eines Lehr-
stuhls verpflichtet?
Antwort der Landesregierung
Niedersächsisches Ministerium Hannover, den 7. 6. 1993
für Wissenschaft und Kultur
— 401 — 01 420/5 —
Der Niedersächsische Ministerpräsident hat im April 1990 keine Zusage abgegeben,
eine Stiftungsprofessur des Landes Niedersachsen an der Hochschule Bremerhaven zu
finanzieren. Entsprechende Überlegungen des damaligen Rektors der Hochschule Bre-
Niedersächsischer Landtag — Zwölfte Wahlperiode Drucksache 12/5035
merhaven wurden jedoch auf Anregung des Ministerpräsidenten geprüft. Diese Überle-
gungen konnten jedoch nicht weiterverfolgt werden, weil die haushaltsrechtliche Über-
prüfung ergeben hat, daß der Finanzierungsweg einer Stiftungsprofessur ausgeschlossen
ist.
Darüber hinaus wird angemerkt, daß nicht nur Studierende aus Niedersachsen an Bre-
mer Hochschulen studieren sondern auch umgekehrt. Hierbei ist zu bedenken, daß in
Bremen besonders kostenintensive Studiengänge wie Medizin, Zahnmedizin und Tier-
medizin nicht angeboten werden. Studierende aus Bremen absolvieren diese Fächer zu
einem erheblichen Anteil in Niedersachsen.
Zudem macht die Hochschulplanung nicht an den Ländergrenzen halt. Als Beispiel ist
die Kooperation zwischen Niedersachsen und Bremen im Bereich Wissenschaft und
Hochschulen zu nennen. Die Zusammenarbeit der Universitäten Oldenburg und Bre-
men kann auch nach Feststellung der beiden Hochschulleitungen als hervorragend be-
zeichnet werden.
Die Landesregierung wird die weitere Zusammenarbeit zwischen Universitäten und
Fachhochschulen der Länder Bremen und Niedersachsen weiterhin unterstützen.
Zur Beantwortung der Fragen 1 bis 3 wird auf die vorstehenden Ausführungen ver-
wiesen.
In Vertretung
Dr. Reinhardt
2 (Ausgegeben am 1. 7. 1993)