Geplanter Abbau der Bundesbahnstrecke Ocholt-Sedelsberg

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Niedersächsischer Landtag — Elfte Wahlperiode Drucksache 11/4657

 

Antwort auf eine Kleine Anfrage
— Drucksache 11/4231 —

Betr.: Geplanter Abbau der Bundesbahnstrecke Ocholt—Sedeisberg

Wortlaut der Kleinen Anfrage des Abg. Dr. Hansen (Grüne) vom 9. 8. 1989

In der Münsterländischen Tageszeitung vom 29. 7. 1989 wurde berichtet, daß die Bun-
desbahndirektion Hannover für die Strecke Ocholt—Sedelsberg eine Wirtschaftlich-
keitsüberprüfung beabsichtigt, um danach über den Abbau dieser Strecke zu entschei-
den, die z.Z. nur noch für den Güterverkehr benutzt wird.

Ich frage die Landesregierung:

1. Ist ihr der angegebene Sachverhalt bekannt, und war er auch Gegenstand von Ver-
handlungen und Vereinbarungen der Landesregierung mit der Bundesbahn?

2. Wie beurteilt sie die mögliche Einstellung des Güterverkehrs und den Abbau aller
Anlagen der Bahnlinie Ocholt—Sedelsberg im Hinblick auf strukturelle Auswirkun-
gen für Wirtschaft und Verkehr in dem betroffenen, ohnehin strukturschwachen
Gebiet?

3. Wird sie sich mit den betroffenen Bürgern der Region gegen die Pläne der Bundes-
bahn zur Stillegung der Strecke Ocholt—Sedelsberg wenden?

Antwort der Landesregierung

Niedersächsisches Ministerium Hannover, den 21. il. 1989
für Wirtschaft, Technologie und Verkehr
— Z 1.2 — 57.00 —

Zur Zeit bedient die Deutsche Bundesbahn in Niedersachsen ım Güterverkehr noch ein
umfangreiches Netz im Wagenladungsverkehr.

Aufgrund der aktuellen finanziellen Situation der Deutschen Bundesbahn und der sich
im Rahmen der bevorstehenden Liberalisierung verschärfenden Wettbewerbssituation
zum Straßengüterfernverkehr strebt die Deutsche Bundesbahn aus unternehmenspoliti-
schen Gründen eine tiefgreifende Rationalisierung ihres Angebotes im Güterverkehr
an. Nach den strategischen Grundüberlegungen der Bahn liegt ihr Erfolgspotential im
direkten, gebündelten Transport von Gütern zwischen aufkommenstarken Wirtschafts-
räumen. Zur Bedienung des Nahbereichs in der Sammlung und Verteilung strebt sie
eine Kooperation mit dem Lkw an. Dieses Konzept läuft auf einen weiteren Rückzug
der DB aus der Fläche im Güterschienenverkehr hinaus.
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Niedersächsischer Landtag — Eifte Wahlperiode Drucksache 11/4657

 

Dies vorausgeschickt, beantworte ich im Namen der Landesregierung die Fragen wie
folgt:

Zu 1:

Der Landesregierung ist bekannt, daß die Bundesbahndirektion Hannover vor dem
Hintergrund der oben angeführten Grundüberlegungen einzelne DB-Güterverkehrs-
strecken auf ihre Rentabilität untersucht. So hat sie auch den Streckenabschnitt
Ocholt—Sedelsberg überprüft, auf dem seit 1984 das Verkehrsaufkommen um 43 %
zurückgegangen ist und 1990 Investitionen in Höhe von 1,2 Mio. DM anstehen.

Zu 2 und 3:

Die Landesregierung hat in Gesprächen mit der Deutschen Bundesbahn über die Zu-
kunft dieser Strecke darauf hingewiesen, daß die Verbindung zwischen Ocholt und Se-
delsberg nicht nur im Hinblick auf den verkehrspolitischen, sondern auch auf den ge-
samtwirtschaftlichen Wert des Schienenverkehrs und im Hinblick auf die Standortqua-
lität des dortigen Raumes erhalten werden sollte. Nach einer Umfrage der Industrie-
und Handelskammer seien außerdem einzelne DB-Kunden bereit, das Angebot der
Deutschen Bundesbahn stärker in Anspruch zu nehmen.

Die Bundesbahndirektion Hannover hat jetzt entschieden, daß die notwendigen Inve-
stitionen zur Aufrechterhaltung dieses Abschnittes getätigt werden. Eine über fünf Jah-
re dauernde Betriebsgarantie will die Bundesbahn jedoch nur abgeben, wenn sich das
Verkehrsaufkommen nicht weiter rückläufig entwickelt.

Hirche

2 (Ausgegeben am 12. 12. 1989)
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