Niedersächsischer Landtag — Zwölfte Wahlperiode Drucksache 12/3869
Antwort auf eine Kleine Anfrage
— Drucksache 12/3459 —
Betr.: Das strahlende Umweltministerium
Wortlaut der Kleinen Anfrage des Abg. Thümler (CDU) vom 25. 6. 1992
Nach mir zugegangenen Informationen beabsichtigt die Nds. Umweltministerin Grie-
fahn ihr Ministerium ins rechte Licht zu setzen. Eine Beleuchtung des Umweltministeri-
ums würde jährlich zwischen 3000 bis 5000 Kilowattstunden verbrauchen. Bei der dafür
notwendigen Stromerzeugung aus Kohle würden ca. 3000 bis 5000 Kilogramm klima-
schädigendes Kohlendioxyd erzeugt werden.
Ich frage die Landesregierung:
ı. Treffen die Informationen über die beabsichtigte nächtliche Anstrahlung des Um-
weltministeriums zu?
2. Falls ja: Hält die Landesregierung dies für vereinbar mit ihrem Ziel der 25 %igen Re-
duzierung der CO,-Emissionen in Niedersachsen?
3. Falls nein: Welche Gründe haben dazu geführt, daß von der Absicht der Bestrah-
tung des Umweltministeriums abgesehen worden ist?
Für den Fall, daß die Antwort der Landesregierung die für die Beantwortung Kleiner
Anfragen vorgesehene Vierwochenfrist überschreitet und eine Bestrahlung im Zeit-
punkt der Antwort bereits stattfinden sollte, frage ich:
4. Welche Art von Bestrahlung wird durchgeführt und worin bestehen ihre ökologi-
schen Vorteile?
5. Beabsichtigt die Landesregierung, diese Art der ökologisch verträglichen Bestrahlung
für das Umweltministerium auch bei anderen staatlichen Gebäuden bzw. Dienststel-
len durchzuführen bzw. Umrüstungen vorzunehmen?
Antwort der Landesregierung
Niedersächsisches Umweltministerium Hannover, den 7. 10. 1992
— 604 — 01425/7/11 — 36 —
In der Landeshauptstadt Hannover werden zahlreiche Bauten während der Dunkelheit
angestrahlt, z.B. Landtagsgebäude, Leibniz-Haus, Hauptstaatsaschiv, Wangenheim-
Palais. Diese Gebäude werden wegen ihrer besonderen baulichen Ausdrucksformen
„ins rechte Licht gerückt‘‘. Den Bewohnerinnen und Bewohnern und den Besucherin-
nen und Besuchern der Landeshauptstadt soll so die Schönheit dieser Stadt „vor Augen
geführt‘ werden. Der Wunsch, das Nieders. Umweltministerium bzw. die zur Calen-
Niedersächsischer Landtag — Zwölfte Wahlperiode Drucksache 12/3869
berger Straße hin renovierte Fassade des Gebäudes anzustrahlen, wurde von der Denk-
malpflege und dem Staatshochbauamt Hannover geäußert. Begründung: Das Gebäude
wurde zwischen 1837 und 1879 im Rundbogenstil von Hermann Hunaeus erbaut. Es
war seinerzeit das größte Gebäude dieser deutschen Stilart des Historismus in Hanno-
ver. Der hannoversche Rundbogenstil war im gesamten Königreich bis Mitte 1860 vor-
herrschend. Er enthält romanische Stilelemente sowie Gesamtproportionen der Renais-
sance.
Die Prüfung, ob die Anstrahlung durch den Einsatz von Solarenergie zu bewerkstelli-
gen ist, hat ergeben, daß die Investitionskosten derzeit noch unvertretbar hoch sind.
Außerdem sind die zur Verfügung stehenden technischen Lösungen für den angestreb-
ten Einsatz von Solarenergie für diesen spezifischen Bereich (Anstrahlung eines großen
Gebäudekomplexes bei Dunkelheit) derzeit noch unbefriedigend.
Der Anregung der Denkmalpflege zur Anstrahlung des Gebäudes des Nieders. Um-
weltministeriums soll so lange nicht entsprochen werden wie befriedigende energiepoli-
tische und -technische Lösungen nicht zur Verfügung stehen.
Dies vorausgeschickt nehme ich zu den einzelnen Fragen wie folgt Stellung:
Zul:
Die Ihnen zugegangenen Informationen treffen nicht zu.
Zu 2:
Enrfällt.
Zu 3:
Siehe Vorbemerkung.
Zu 4 und 5:
Entfällt.
In Vertretung
Horn
‘2 (Ausgegeben am 2. 11. 1992)