Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre - Globale Herausforderung der Menschheit

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Niedersächsischer Landtag — Elfte Wahlperiode

Daneben sollen aber auch diejenigen Klimaforschungsbereiche, in denen niedersächsi-
sche Forschungseinrichtungen national führend sind — so die Bioklimatologie — be-
sondere Arbeitsschwerpunkte der Koordinierungsgruppe sein.

Auf Initiative des niedersächsischen Ministerpräsidenten hat die Konferenz Nord-
deutschland am 18. Mai 1989 die grundsätzliche Bereitschaft der Bundesregierung be-
grüßt, in einem Forschungsprogramm globale Aspekte der Auswirkungen eines Klima-
wechsels zu untersuchen und dabei die Folgen möglicher Klimaveränderungen für die
norddeutsche Region besonders zu berücksichtigen.

Die Regierungschefs der norddeutschen Länder haben deshalb die zuständigen Minister
und Senatoren beauftragt, dem Bundesminister für Forschung und Technologie die re-
gionalspezifischen Forschungsschwerpunkte zu benennen, hierzu Sachverständige bzw.
Institute vorzuschlagen sowie die vorbereitenden Arbeiten von einem Koordinierungs-
gremium der zuständigen Fachressorts begleiten zu lassen.

Von der Koordinierungsgruppe „Klimaforschung Niedersachsen‘, die in engem Kon-
takt mit nationalen Gremien, wie dem wissenschaftlichen Klimabeirat der Bundestegie-
rung, und internationalen wissenschaftlichen Gremien tätig werden wird, werden in
diesern Zusammenhang wertvolle Beiträge und Hinweise erwartet.

Zu 8:

Folgende Maßnahmen zur Eindämmung des Treibhauseffektes und Instrumente zu ih-
rer Durchsetzung werden vorgeschlagen:

1. Stärkere Förderung der erneuerbaren Energien im Rahmen eines nationalen Ent-
wicklungsprogramms

Diese Energien stellen eine echte langfristige Alternative für die Energieversorgung
der Welt dar. Ihre Potentiale und Nutzungsmöglichkeiten sind außerordentlich
groß. Die politischen Entscheidungen von heute bestimmen darüber, in welchem
Umfang uns diese Energien künftig zur Verfügung stehen werden.

2. Verstärkter Einsatz von Kerntechnologien, die weltweit dem in der Bundesrepublik
Deutschland erreichten und auch weiterhin fortzuentwickelnden Sicherheitsniveau
entsprechen (vgl. Frage 5 f).

3. Sicherung des Waldes als wichtigen CO,-Aufnehmer aus der Atmosphäre (Photo-
synthese)

Weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Schäden heimischer Wälder durch ra-
schen Einbau von Rückhaltetechniken für NO,-, CO- und Kohlenwasserstoffemis-
sionen in Verbrennungsanlagen für fossile Energieträger wie Diesel- und Ottomo-
toren, Heizungen, Kraftwerke. Geeignete Instrumente wären hier z.B. eine emis-
sionsbezogene Kfz-Steuer und notfalls ein nationaler Alleingang bei der Festset-
zung von Grenzwerten für Kfz-Motor-Emissionen.

Erarbeitung eines Konzeptes zum Schutz der Tropenwälder

Der tropische Regenwald wird seit einiger Zeit in immer größerem Umfang ver-
nichtet. Dadurch sollen Flächen für Acker- und Weideland gewonnen werden. Der
Holzverkauf ist nachrangig, da nur wenige Edelhölzer genutzt werden können. Die
Nutzholzwerbung ermöglicht aber vielfach erst das Vordringen der bäuerlichen Be-
völkerung in die Regenwälder und damit die Brandrodung. Der größte Teil des ab-
geholzten Waldes sind Weichhölzer, die meist sofort verbrannt werden und die
heute zusätzlich 10 bis 30% des gegenwärtigen CO,-Ausstoßes aus fossilen
Brennstoffen liefern. Hier muß ein Waldschutz- und -nutzungskonzept entwickelt
werden, das u.a. beinhalten sollte:

— selektiver Holzeinschlag mit geordneter Holz- und Forstwirtschaft

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— Ausnutzung des Tropenwaldes als Produzent für Latex (Kautschuk) und andere
Naturprodukte durch langfristig angelegte Bewirtschaftung

— Verzicht auf Wanderrodungen durch Intensivierung der Landwirtschaft auf den
bereits gerodeten Flächen,

. Verschärfung des Montrealer Protokolls

(vgl. Frage 4).

. Umweltbewußteres Verhalten und Konsumverzicht

Hier sind u.a. zu erwähnen eine energiesparende Fahrweise im Verkehr, das Aus-
schalten von Heizanlagen und Beleuchtungen außerhalb der Bedarfszeiten, um-
weltbewußterer Konsum, teilweiser Verzicht auf energiebezogene Dienstleistungen.

. Austichtung der Entwicklungshilfe der Bundesrepublik Deutschland insbesondere

auf eine effiziente, sozial und ökologisch optimierte Energieversorgung der
Entwicklungs- und Schwellenländer.

. Unterstützung der DDR und der osteuropäischen Staaten bei der Bewältigung ih-

ter Umweltprobleme.

. Schaffung eines Umweltrates der Vereinten Nationen, der die bereits vorhandenen

Aktivitäten (z.B. UNEP) koordiniert und mit einem Fonds ausgestattet ist, aus
dem Sofortmaßnahmen finanziert und Anreize für eine langfristige Umweltvorsor-
ge geschaffen werden können.

. Schaffung eines internationalen Umweltpreises der Nobel-Stiftung.

Schaffung eines europäischen Umweltamtes, dessen Schwerpunkte denen des Um-
weltbundesamtes ähnlich sein könnten.

Einberufung einer Weltklimakonferenz zwecks Vorbereitung einer internationalen
Konvention zur Reduktion der Emission von Treibhausgasen.

Besteuerung der FCKW bei Produktion oder Verbrauch.

Einführung einer CO,-Abgabe als Lenkungsinstrument.

Dr. Remmers

(Ausgegeben am 15. 9. 1989

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