Hasselmann-Äußerung, Großeltern sollen Schulpsychologen ersetzen

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Niedersächsischer Landtag — Elfte Wahlperiode Drucksache 11/5015

 

Antwort auf eine Kleine Anfrage
— Drucksache 11/4815 —

Betr.: Hasselmann-Äußerung, Großeltern sollen Schulpsychologen ersetzen
Wortlaut der Kleinen Anfrage der Abg. Frau Schreiner (Grüne) vom 9. 1. 1990

Der Landesvorsitzende der CDU Niedersachsen, Wilfried Hasselmann, reist durch die
Lande und erklärt u.a.: „Wir müssen Oma und Opa neu entdecken, wir haben sie
nötig für die Enkel, dann könnten wir auf manchen Schulpsychologen verzichten“
(„Sonntagsreport‘‘ Leer, vom 29. 10. 1989).

Ich frage die Landesregierung:

1. Teilt sie die Auffassung von Hertn Hasselmann, daß Drei-Generationen-Beziehun-
gen hinreichende Bedingungen für eine problemfreie Schullaufbahn sind?

2. Ist der Landesregierung bekannt, daß ein häufiger Anlaß für Schulschwierigkeiten
gerade die fehlende Grenzziehung zwischen den Generationen ist und daß die Auf-
deckung und Bearbeitung solcher Problemlagen in der Regel nur mit Hilfe von
Schulpsychologen möglich ist?

3. Ist die Landesregierung bereit, Herrn Hasselmann und der Öffentlichkeit mitzutei-
len, daß

— das Herzstück der niedersächsischen Lehrerfortbildung, die sogenannte SCHILF,
in großen Teilen von Referenten- bzw. Moderatorentätigkeit der Schulpsycho-
logen und Schulpsychologinnen getragen wird,

— die großen Vorzeigeprojekte des MK wie „Jugendschutz in der Schule“, „Dro-
genprävention“ und „AIDS“ sowohl in der Konzeptualisierung als auch bei der
Durchführung der Fortbildungsprojekte ohne die Mitarbeit der Schulpsycholo-
gen und Schulpsychologinnen kaum denkbar gewesen wären bzw. sind,

x — auch im Bereich Schulleiterfortbildung die inhaltliche und methodische Kompe-
tenz der Schulpsychologen und Schulpsychologinnen von allen Beteiligten aner-
kannt wird?

Antwort der Landesregierung

Niedersächsisches Kultusministerium Hannover, den 31. 1. 1990
— 01 — 01 420/5 — 11/4815 —

Die Erzichungsanforderungen an die Schule haben sich in den vergangenen Jahren aus
verschiedenen Gründen ständig erhöht. Insgesamt kann festgestellt werden, daß erzie-
herische Probleme in dem Maße auf die Schule übergegangen sind, wie sie in den Fami-
lien nicht mehr bewältigt wurden.
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Niedersächsischer Landtag — Elfte Wahlperiode Drucksache 11/5015

 

Die von der Fragestellerin zitierte Äußerung des Landesvorsitzenden der CDU in Nie-
dersachsen, Wilfried Hasselmann, versteht die Landesregierung als einen Appell, die
Erziehungsfähigkeit der Familie zu stärken und damit die Schule zu entlasten; dieser
Appell wird von der Landesregierung daher begrüßt.

Dies vorausgeschickt, beantworte ich die einzelnen Fragen wie folgt:

Zu l:

Die von der Fragestellerin behauptete Auffassung von Herrn Hasselmann kann dessen
Äußerungen nicht entnommen werden.

Zu 2:

Nein.

Der Landesregierung ist bekannt, daß Erziehungsschwierigkeiten dann auftreten kön-
nen, wenn unterschiedliche Auffassungen über die Erziehung zwischen Eltern und
Großeltern nicht geklärt werden. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, daß die Mit-
hilfe der Großeltern bei der Erziehung der Kinder von den Eltern in der Regel gern ge-
sehen, als Entlastung dankbar angenommen und vor allem als natürlicher Teil des Zu-
sammenlebens der Generationen empfunden wird.

Zu 3:

Der dieser Anfrage zugrundeliegende Sachverhalt gibt keine Veranlassung zu Beleh-
tungen.

Horrmann

2 (Ausgegeben am 7. 3. 1990)
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