Drohende Schließung des Jüdischen Museums in Braunschweig
Niedersächsischer Landtag — Zwölfte Wahlperiode Drucksache 12/5481 Antwort auf eine Kleine Anfrage — Drucksache 12/5241 — Wortlaut der Kleinen Anfrage der Abg. Horrmann, Frau Schliepack (CDU) — Dres 12/5241 Betr.: Drohende Schließung des Jüdischen Museums in Braunschweig Presseberichten der „Braunschweiger Zeitung‘ vom 24. Februar und 9. Juli 1993 zufol- ge droht die vollständige Schließung des Jüdischen Museums, einer Abteilung des Braunschweigischen Landesmuseums. Dem Museum stehen insgesamt nur drei Wissen- schaftler zur Verfügung, die umfangreichen Bestände des Jüdischen Museums können z.Z. weder fachgerecht betreut noch öffentlich gezeigt werden. Eine Erweiterung mit Themen des 20. Jahrhunderts wäre dringend wünschenswert, nicht zuletzt zum besse- ren Verständnis von Geschichte und Kultur der Juden in diesem Raum. Dazu führt der Museumsleiter aus, daß er „bisher in diesem Punkt ohne jegliche Unterstützung seitens des Niedersächsischen Wissenschaftsministeriums auskommen mußte‘. Von den Problemen des Jüdischen Museums, das zugleich auch Forschungsstelle zur Geschichte des Judentums in Norddeutschland ist, hat sich neben dem Vorstand des CDU-Landesverbandes Braunschweig jetzt auch der Vorsitzende des Zentralrates der Ju- den in Deutschland, Ignatz Bubis, überzeugen können. Wir fragen die Landesregierung: 1. Erkennt sie den bedeutenden Beitrag des Jüdischen Museums für die Vermittlung der jüdischen Kultur und Geschichte an? 2. Wenn sie den bedeutenden Beitrag des Jüdischen Museums für die Vermittlung der jüdischen Kultur und Geschichte anerkennt, warum hat sie es dann dazu kommen lassen, daß sogar eine Schließung nicht ausgeschlossen werden kann? 3. Wie verantwortet sie in diesem Zusammenhang die restriktive Vorgehensweise des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur? 4. Welche konkreten Maßnahmen hat sie ergriffen, um die mangelhafte Personalaus- stattung des Braunschweiger Landesmuseums und seiner jüdischen Abteilung im wissenschaftlichen Bereich nachhaltig zu verbessern, welche beabsichtigt sie zukünf- tig zu welchem konkreten Zeitpunkt zu ergreifen? 5. Welche konkreten Maßnahmen hat sie ergriffen, damit die umfangreichen Bestände des Jüdischen Museums öffentlich gezeigt werden können und eine Erweiterung mit Themen des 20. Jahrhunderts erfolgen kann, und wann werden diese wirksam?
Niedersächsischer Landtag — Zwölfte Wahlperiode Drucksache 12/5481 Antwort der Landesregierung Niedersächsisches Ministerium Hannover, den 30. 9. 1993 für Wissenschaft und Kultur — 401 — 01 420/5 — 12/5241 — Das Braunschweigische Landesmuseum hat im Jahr 1987 die Abteilung Jüdisches Mu- seum im Ausstellungszentrum Hinter Aegidien erstmals in angemessener Form präsen- tieren können. Möglich war dies durch Einsatz von Landesmitteln und einer privaten Spende. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die noch erhaltenen Teile der Inneneinrichtung der Hornburger Synagoge, ergänzt durch eine Dokumentation zur Geschichte der Ju- den in Norddeutschland, der jüdischen Gemeinde in Hornburg sowie der Synagoge und ihrer Rettung. Das Braunschweigische Landesmuseum möchte die Ausstellung erweitern durch Berei- che wie z.B. die Entwicklung des Reformjudentums im 18. Jahrhundert und die wirt- schaftliche, soziale und politische Entwicklung seit dem Mittelalter und besonders im 20. Jahrhundert. Es ist ferner daran gedacht, eine Ausstellung zum Thema „Judentum in Norddeutschland‘ vorzubereiten. Ein besonderes Gewicht soll dabei das Thema Judenverfolgung im Land Braunschweig während der nationalsozialistischen Zeit erhalten. Die Landesregierung unterstützt die Bestrebungen des Braunschweigischen Landesmu- seums. Eine zusätzliche Planstelle kann dem Museum jedoch gegenwärtig nicht zur Ver- fügung gestellt werden. Dieses vorausgeschickt, beantworte ich die einzelnen Fragen wie folgt: Zu l: Ja. Zu 2: Eine Schließung der Abteilung Judaica des Braunschweigischen Landesmuseums wird nicht erwogen. Bei entsprechender Prioritätensetzung des Museums selbst besteht hier- zu auch keine Notwendigkeit. Zu 3: Auf die Antwort zu Ziffer 2 wird verwiesen. Von einer „restriktiven Vorgehensweise‘ kann nicht die Rede sein. Zu 4: Das Braunschweigische Landesmuseum ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß für die Behebung von Forschungsdefiziten Drittmittel eingeworben werden können. Dies gilt auch für die Erforschung der Geschichte des Judentums im Braunschweiger Land. Darüber hinaus hält die Landestegierung die Vorbereitung und Durchführung einer Ausstellung zum Thema „Das Judentum in Norddeutschland“ für wichtig und würde die Vorlage eines realisierbaren Konzeptes durch das Braunschweigische Landesmuseum begrüßen.
Niedersächsischer Landtag — Zwölfte Wahlperiode Drucksache 12/5481 Zu 5: Die wichtigsten Bestände der Abteilung Jüdisches Museum werden öffentlich gezeigt. Eine Erweiterung des Ausstellungsbereichs kann nach Vorlage entsprechender Pla- nungsunterlagen und unter Berücksichtigung des Finanzbedarfs aller staatlichen Mu- seen des Landes Niedersachsen in Betracht gezogen werden. Schuchardt (Ausgegeben am 20. 10. 1993) 3