Niedersächsischer Landtag — Zehnte Wahlperiode Drucksache 10/2936
Antwort auf eine Kleine Anfrage
— Drucksache 10/2647 —
Betr.: Fremdenverkehr und Umwelt
Wortlaut der Kleinen Anfrage des Abg. Swieter (SPD) vom 26. 4. 1984
In Zusammenhang mit der fremdenverkehrspolitischen Debatte des Landtages im Som-
mer 1983 ist darüber informiert worden, daß das Niedersächsische Ministerium für
Wirtschaft und Verkehr ein Gutachten in Auftrag gegeben habe, das die Belastbarkeit
von Erholungslandschaften untersuchen soll.
Ich frage die Landesregierung:
1. Liegt das Gutachten nunmehr vor?
2. Wenn ja: Welches sind die wesentlichen Ergebnisse des Gutachtens?
Antwort der Landesregierung
Der Niedersächsische Minister Hannover, den 22. 6. 1984
für Wirtschaft und Verkehr
— 01.2 — 57.00 —
Das Nieders. Ministerium für Wirtschaft und Verkehr hat im August 1981 eine Pilot-
studie zu dem Arbeitstitel „Fremdenverkehrsbedingte Umweltbelastungen“ in Auftrag
gegeben, um festzustellen, ob und ggf. in welcher Form durch Infrastrukturhilfen Um-
weltbelastungen im Fremdenverkehr gemildert oder vermieden werden können.
Dies vorausgeschickt, beantworte ich die Anfrage wie folgt:
Zul.
Ja.
Zu 2.
a) Belastungsgrenzen der Landschaft durch den Tourismus lassen sich nur im Ausnah-
mefall abstrakt ermitteln. In der Regel kann der Grad der Belastung der Erholungs-
landschaft durch Touristen nur durch konkrete Erhebungen vor Ort festgesteltt wer-
den.
b) Im Rahmen des „technischen“ Umweltschutzes zeigt das Gutachten beispielhaft
bautechnische Maßnahmen zur Umlenkung von Besuchern in Erholungsgebieten
auf.
Niedersächsischer Landtag — Zehnte Wahlperiode Drucksache 10/2936
c) Hauptinstrument, auf Umweltbelastungen Einfluß zu nehmen, ist die Regionalpla-
nung der Landkreise und kreisfreien Städte sowie die Bauleitplanung der Gemein-
den.
d) Zwischen der Größe eines Fremdenverkehrsortes und seiner Bedeutung als Standort
von Fremdenverkehrseinrichtungen besteht ein enger Zusammenhang.
e) Die Studie gibt zahlreiche konkrete Anregungen, in welcher Weise der Fremdenver-
kehr ohne Beeinträchtigung seiner natürlichen Grundlagen weiterentwickelt werden
kann.
f} Die mit dem Verlust an landschaftlicher Substanz und Eigenart verbundenen
Stagnations- und Rezessionserscheinungen in der touristischen Entwicklung frem-
denverkehrlicher Zentren können zwar zur Zeit noch durch die Sogwirkung immer
neuer touristischer „Attraktionen“ kompensiert werden, doch mehren sich Anzei-
chen dafür, daß sich der Verlust an landschaftlicher und baulicher Identität auf die
Fremdenverkehrsnachfrage negativ auszuwirken beginnt.
Breuel
2 (Ausgegeben am 16. 7. 1984)