Ausbildungssituation für Altenpfleger in Niedersachsen

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Niedersächsischer Landtag — Elfte Wahlperiode Drucksache 11/2807

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Antwort auf eine Kleine Anfrage
— Drucksache 11/2705 —

Betr.: Ausbildungssituation für Altenpfleger in Niedersachsen
Wortlaut der Kleinen Anfrage des Abg. Dr. Hruska (FDP) vom 20. 6. 1988

Aufgrund der gegenwärtigen und der zu erwartenden demographischen Entwicklung
kommt dem Beruf des Altenpflegers/der Altenpflegerin eine immer größer werdende
Bedeutung zu; es ist davon auszugehen, daß die Nachfrage an qualifiziertem Personal
in diesem Berufsbereich steigen wird.

Ich frage daher die Landesregierung:

1. Wie groß ist das derzeitige Angebot an Ausbildungsplätzen für Altenpfleger/ Alten-
pflegerinnen in Niedersachsen (getrennt nach Regierungsbezirken)?

2. Wie viele Bewerber für diesen Ausbildungsgang sind derzeit bei den Arbeitsämtern
gemeldet?

a) Ist diese Zahl nach Meinung der Landesregierung ausreichend, wenn nicht, was
unternimmt die Landesregierung, um mehr Bewerber für den Beruf des Alten-
pflegers/ Altenpflegerin zu interessieren?

b) Mit welchen Bedarfszahlen ist in Zukunft zu rechnen unter Berücksichtigung
auch der psycho-sozialen Betreuung? °

3, In welcher Weise werden beide Pflegeaspekte (psycho-soziale und pflegerische) bei
der Ausbildung berücksichtigt?

4. Wie beurteilt die Landesregierung die Angleichung der Ausbildung zur Altenpflege
an die der Krankenpflegeausbildung?

5. Welche Organisationen /Institute bilden in Niedersachsen Altenpfleger/ Altenpfle-
gerinnen aus?

6. Wie ist die Altenpflegeausbildung in anderen Bundesländern geregelt?
7. Wie hoch sind die Kosten einer Altenpflegeausbildung? Wer ist der Kostenträger?

8. Welche Überlegungen hat die Landesregierung zur Kostenbeteiligung des Landes
bei der Ausbildung und zur eventuellen notwendigen Erweiterung der Ausbil-
dungsplatzkapazitäten?

Antwort der Landesregierung

Der Niedersächsische Kultusminister Hannover, den 11. 7. 1988
— 01 — 01 420/5 — 11/2705 —

Aufgrund der zunehmenden Bedeutung des Berufs des Altenpflegers hat die Landesre-
gierung ihre Anstrengungen für eine quantitativ ausreichende und qualitativ hochwer-
tige Ausbildung in den vergangenen Jahren immer weiter verstärkt; sie hat damit die
Voraussetzungen gefördert, daß die künftigen Altenpfleger den Anforderungen dieses
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Tätigkeitsbereichs gerecht werden können. Zur Verbesserung der finanziellen Situation
der Altenpflegeschüler hat die Landesregierung den Schulträgern zusätzlich zu den
schon bestehenden Finanzierungsmöglichkeiten seit 1979 freiwillige Zuwendungen ge-
währt; im Jahre 1987 betrugen diese insgesamt 735 DM pro Schüler. Derzeit wird ge-
prüft, ob und inwieweit dieser Betrag noch weiter erhöht werden kann.

Dies vorausgeschickt, beantworte ich die einzelnen Fragen wie folgt:

Zu 1:

Zum Stichtag 15. 11. 1987 wurden an den 33 Altenpflegeschulen in Niedersachsen
1380 Schüler ausgebildet, die sich auf die Regierungsbezirke wie folgt verteilen:

Regierungsbezirk

Braunschweig 202 Schüler,
Hannover 545 Schüler,
Lüneburg 213 Schüler und
Weser-Ems 420 Schüler.

Der Landesregierung ist nicht bekannt, ob die Schulen noch weitere Schüler hätten auf-
nehmen können.

Zu 2:

Bei den Arbeitsämtern werden die Bewerber für die nichtärztlichen Heilberufe stati-
stisch nicht geführt, weil hierzu kein gesetzlicher Auftrag besteht. Es kann daher auch
zu den Bewerbern für den Beruf des Altenpflegers keine Zahl genannt werden.

Zu 2a:

Ob die Zahl der Schüler an Altenpflegeschulen ausreichend ist, läßt sich derzeit nur
über einen Vergleich der arbeitslosen Fachkräfte mit den offenen Stellen abschätzen.

Zum Stichtag 30. 9. 1987 waren beim Landesarbeitsamt Niedersachsen-Bremen 378 ar-
beitslose Altenpfleger registriert. Ihnen standen 179 offene Stellen gegenüber.

Zu 2b:

Die künftigen Bedarfszahlen sind nur schwer abzuschätzen. Die Landesregierung hofft,
mit dem seit Jahren zu verzeichnenden Anstieg der Zahl an Altenpflegeschülern von
mehr als 10% jährlich den jeweils bestehenden Bedarf abdecken zu können — auch
unter Berücksichtigung der psycho-sozialen Betreuung der älteren und alten Menschen.

Zu 3:

Seit 1986 arbeiten die Altenpflegeschulen nach Lehrplänen des Niedersächsischen Kul-
tusministeriums. Sie enthalten neben den pflegerischen auch Lerninhalte zur psycho-
sozialen Betreuung älterer Menschen.

Derzeit werden Gespräche mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrts-
pflege in Niedersachsen geführt, ob eine Überarbeitung oder Ergänzung der derzeit
gültigen Lehrpläne für erforderlich gehalten wird. Das Ergebnis der fachlichen Diskus-
sion hierzu bleibt abzuwarten.

Zu 4:

Die Krankenpflegeausbildung ist mit der Ausbildung zum Altenpfleger nicht zu ver-
gleichen. Bei der Krankenpflegeausbildung handelt es sich um eine solche besonderer
Art. Das bedeutet, daß die jeweiligen Schulen Einrichtungen der Erstausbildung sind,
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die zwischen der dual-betrieblichen Ausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz einer-
seits und den schulischen Ausbildungsgängen andererseits liegen. Gemäß $ 13 Ab-
satz 2 Nr. 1 des Krankenpflegegesetzes (KrPflG) wurde eine Finanzierung der Ausbil-
dungskosten etwa über Schulgeld ausdrücklich ausgeschlossen. Darüber hinaus wurde
für die Krankenpflegeschüler nach $ 16 Abs. 1 KrPflG eine Ausbildungsvergütung fest-
gesetzt. Die Ausbildungskosten und die Ausbildungsvergütungen im Krankenpflege-
bereich können über die Pflegesätze abgerechnet werden, die von der Solidargemein-
schaft der Versicherten getragen werden.

Eine Solidargemeinschaft, wie sie für die Krankenpflege existiert, gibt es für den Be-
reich der Sozialpflege nicht. In der Altenpflege müssen die Pflegesätze von den Heim-
bewohnern selbst oder den Sozialhilfeträgern aufgebracht werden. Deshalb wurde die
Ausbildung an einer Fachschule in das Niedersächsische Schulgesetz einbezogen. Die
Zahlung einer Ausbildungsvergütung wurde damit ausgeschlossen, die Erhebung von
Schulgeld durch die Schulträger zur Finanzierung der Ausbildungskosten ermöglicht.
Im übrigen setzt eine Fachschulausbildung den Abschluß einer Berufsausbildung vor-
aus, ist also keine Erstausbildung wie die Ausbildung in der Krankenpflege.

Zu 5:

Die Träger der Altenpflegeschulen in Niedersachsen sind der als Anlage 1 beigefügten
Aufstellung zu entnehmen.

Zu 6:

Die landestechtlichen Regelungen zur Ausbildung von Altenpflegekräften können aus
der als Anlage 2 beigefügten Aufstellung ersehen werden.

Zu 7:

Über die Höhe der Ausbildungskosten an den einzelnen Altenpflegeschulen liegen der
Landesregierung keine Zahlen vor, auch zur Finanzierung der einzelnen Schule ist
nichts bekannt.

Insgesamt jedoch stehen den Schulen die folgenden Finanzierungsmöglichkeiten zur
Verfügung:

a) Leistungen der Arbeitsverwaltung für die berufliche Umschulung; nach dem Stand
vom 15. 11. 1987 werden von den 1380 Schülern allein schon 718 ım Rahmen von
Umschulungsmaßnahmen nach den Vorschriften des Arbeitsförderungsgesetzes ge-
fördert,

b) Schulgeld der Schüler,
c) eigene Mittel des Schulträgers, Spenden, Beihilfen von Fördervereinen,

d) freiwillige Zuwendungen des Landes als Finanzierungshilfe zu den Kosten der Lehr-
kräfte entsprechend der Schülerzahl,

e) Zuschüsse aus Toto- und Lottomitteln an die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege,
die auch für ihre Schulen — zusätzlich zu den freiwilligen Zuwendungen des
MK — verwendet werden können, und

f) Berücksichtigung von Teilen der Kosten im Pflegesatz, soweit die Altenpflegeschüler
im Rahmen des praktischen Unterrichts in Alteneinrichtungen beschäftigt werden.
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Zu 8:

Die Landesregierung ist derzeit darum bemüht, die finanzielle Situation der Altenpfle-
geschüler zu verbessern. Sie prüft gegenwärtig, in welcher Form und in welcher Höhe
die Zuwendungen des Landes erhöht werden können.

11.

12.
13.

14.
15.

In Vertretung

‚Schaede

Anlagei

Faschschulen — Altenpflege — in Niedersachsen
Stand: Juni 1988

. Berufsfortbildungswerk des DGB

. Caritasverband Osnabrück

— Haus $t. Marien —

. Deutsches Rotes Kreuz

. Ev.-luth. Diakonissenanstalt

Mariensuift

. Fachschule — Altenpflege — Achim

des Instituts für Berufs- und
Sozialpädagogik e.V.

. Loberalarbeit e.V.
. $t.-Pius-Stift

. Fachschule für Altenpflege

„Stephanusstift“

‚ Ev. Krankenhausverein

Emlichheim e.V.

. Altenpflegeschule Emmerthal e.V.

GFBA Gesellschaft zur Förderung
berufsspezifischer Ausbildung

Erkeröder Anstalten ‚Theresienhof“ .

Helenenistift Hage des Landkreises
Aurich

Julius-Tönebön-Stiftung

Birkenhof

Popenser Str. 136, 2960 Aurich,
Astruper Weg 51, 4513 Belm

Korfestraße 36, 3300 Braunschweig

Helmstedter Str. 35,
3300 Braunschweig

Horner Straße 97, 2800 Bremen

Fuhrberger Straße 219, 3100 Celle

Friesoyther Straße 7,
4590 Cloppenburg

Kantstraße 39, 2670 Delmenhorst

Volzeler Mühlenweg 8
4459 Emlichheim

An der Rischmühle 2,
3254 Emmerthal 1

Zimmermannstraße 4, 3400 Göttingen

3380 Goslar 1
Hauptstraße 23, 2984 Hage_

Fischbecker Straße 31, 3250 Hameln 1
Bleekstraße 20, 3000 Hannover
4

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32.

33.

Henriettenstiftung

Fachschule — Altenpflege — des
Landkreises Hannover

Fachschule — Altenpflege — der
Landeshauptstadt Hannover

Berufsfortbildungswerk des DGB
Ev. Hospital Lilienthal e.V.

Berufsfach- und Fachschulen
der Missionsschwestern Mariens

Stiemerling e.V.

Caritasstiftung St. Josef
Ev. Altenpflegeschule e.V.
Diakonisches Werk Osnabrück

Gesellschaft zur Förderung
berufsspezifischer Ausbildung e.V.

Altenpflegeschule Sanderbusch e.V.

Institut für Ausbildung, Fortbildung,
Umschulung — AFU —

Dr. W. Blindow GmbH & Co. KG
Verein für Altenwohnstätten der
Inneren Mission Uchte e.V.
Diakonisches Werk Wolfsburg e.V.

Diakonissenmutterhaus Rotenburg

Altenpflegeschule Celle

Schwemannstraße 23, 3000 Hannover

Thiestraße 20, 3014 Laatzen-Rethen

Walsroder Straße 115,
3012 Langenhagen

Kobusweg 6, 2950 Leer

Moorhauser Landstr. 3
2804 Lilienthal/Krs.Osterholz

Friedrichstr. 19, 4470 Meppen

Sudheimer Straße 29a, 3410
Northeim

Kolpingstraße 15, 2900 Oldenburg
Philosophenweg 17, 2900 Oldenburg
Rehmstraße 79—83, 4500 Osnabrück
Langestraße 25, 3070 Nienburg

2945 Sande II
Altländer Straße 31, 2160 Stade

Hüttenstraße 15, 3060 Stadthagen
Kirchstraße 2, 3079 Uchte

Nordsteinker Straße 1, .
3180 Wolfsburg 1 '

. Else-Averdieck-Str. 17,

2720 Rotenburg
Am Wasserturm 35, 3100 Celle
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Niedersächsischer Landtag — Elfte Wahlperiode

(Ausgegeben am 10. 8. 1988)
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