THÜRINGERLandtag Thüringer LANDTAG - 4. Wahlperiode Drucksache 4/ 1053 4. Wahlperiode 11.07.2005 Kleine Anfrage der Abgeordneten Thierbach (PDS) und Antwort des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Technologie und Arbeit Nutzbringende Arbeit des Arbeitskreises "Frauen und Arbeitsmarktpolitik in Thü- ringen" Die Kleine Anfrage 367 vom 23. Mai 2005 hat folgenden Wortlaut: Der Arbeitskreis "Frauen und Arbeitsmarktpolitik in Thüringen" hat zahlreiche Projekte initiiert, die die Be- rufstätigkeit für Frauen ermöglichen und verbessern helfen soll. Ich frage die Landesregierung: 1. Wie ist die personelle Zusammensetzung des oben genannten Arbeitskreises? 2. Welche Bedeutung kommt dabei dem Frauennetzwerk mit den kommunalen Gleichstellungsbeauftrag- ten und dem Landesfrauenrat zu? 3. Wie viele Projekte zur Untersuchung flexibler Arbeitszeiten wurden seit der Tätigkeit des Arbeitskreises initiiert, in welchen Branchen der Thüringer Wirtschaft und mit welchen Ergebnissen? 4. Wie viele Maßnahmen zur beruflichen Qualifizierung für Berufsrückkehrerinnen wurden im Zeitraum von 2000 bis 2004 für welche Berufsgruppen in Thüringen vorrangig durchgeführt und mit welchem Ergeb- nis? 5. Welchen messbaren Beitrag konnte der Arbeitskreis im Zeitraum von 2000 bis 2004 für die Förderung von Frauen für Führungspositionen in den verschiedenen Branchen der Thüringer Wirtschaft und im Dienstleistungsbereich leisten? 6. Welche konkreten Zahlenangaben können für die Organisation der Fachkräfterekrutierung für die Metall- und Elektrobranche für ehemalige Technikerinnen für den Zeitraum von 2000 bis 2004 gemacht werden? 7. In welchem Umfang haben in den letzten vier Jahren Betriebe und Tarifpartner die Aufgabe der Flexibili- sierung von Arbeitszeiten zu Gunsten der elterlichen Kinderbetreuung gelöst? Druck: Thüringer Landtag, 21. Juli 2005 1
Drucksache 4/ 1053 Thüringer Landtag - 4. Wahlperiode Das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Arbeit hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 8. Juli 2005 wie folgt beantwortet: Der Arbeitskreis Frauen und Arbeitsmarktpolitik in Thüringen (AFAT) wurde 1995 auf Initiative des (damali- gen) Präsidenten des Landesarbeitsamtes Sachsen-Anhalt-Thüringen (LAA SAT) Dr. Martin Heß ins Leben gerufen und bis 2004 von der damaligen Leiterin des Referats Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des LAA SAT geleitet. Aufgrund der Umstrukturierungen innerhalb der Arbeitsverwaltung steht sie dem Arbeitskreis nicht mehr zur Verfügung. Daher hat derzeit das Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Arbeit die Federführung für den Arbeitskreis übernommen. Zu 1.: Der Arbeitskreis setzt sich zusammen aus jeweils einer Vertreterin/einem Vertreter von: • der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen, • dem Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft e.V., • der Beauftragten für die Gleichstellung von Frau und Mann beim Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit, • der Arbeitsagentur Erfurt, • der Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung (GFAW), • der Koordinierungsstelle Naturwissenschaft und Technik der Technischen Universität Ilmenau. • dem Thüringer Kultusministerium, • der Kommunalen Gleichstellungsbeauftragten und • dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Arbeit. Zu 2.: Eine Vertreterin der Gruppe der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten ist Mitglied im Arbeitskreis, ver- gleiche Antwort zu Frage 1. Der Arbeitskreis ist mit vielen Gremien und Institutionen, die sich mit Frauenfragen beschäftigen, so auch mit dem Landesfrauenrat, eng vernetzt. Zu 3.: Der Arbeitskreis führt keine eigenen Projekte oder Untersuchungen durch, sondern nutzt vorhandene Infor- mationen und Daten. Er nimmt eine aktuelle, arbeitsmarktpolitisch besonders für Frauen relevante Problematik auf und erörtert Lösungsmöglichkeiten, auch unter Einbeziehung von externem Wissen. Zu 4.: Insgesamt wurden für Berufsrückkehrer und Berufsrückkehrerinnen im Zeitraum 2000 bis 2004 22 Maßnah- men zur beruflichen Qualifizierung mit insgesamt 527 Teilnehmern durchgeführt. Die Anzahl der Frauen beträgt dabei 511. Die Mehrzahl der Maßnahmen fand im Dienstleistungssektor statt. Die Berufsrückkehrer und Berufsrückkehrerinnen konnten mit Hilfe der Qualifizierung die während der Ab- wesenheit vom Arbeitsprozess entstandenen Defizite vor der Fortführung bzw. Wiederaufnahme einer be- ruflichen Tätigkeit ausgleichen. Damit erhöhten insbesondere Arbeitslose ihre Wiedereingliederungschan- cen ins Erwerbsleben erheblich bzw. machten die Wiedereingliederung erst möglich. Eine Verbleibsstatistik wird nicht geführt, eine Quantifizierung der Ergebnisse ist daher nicht möglich. Die Wirksamkeit der Programme wird jedoch im Rahmen der regelmäßigen Evaluierung des Operationellen Programms des Freistaats Thüringen überprüft. Zu 5.: Es wird auf die Antwort zu Frage 3 verwiesen. Da der Arbeitskreis nicht selbst Projekte durchführt, sondern diese initiiert, unterstützt bzw. als Impulsgeber wirkt, ist es nicht möglich, seinen Beitrag konkret zu messen. Zu 6.: Die Frage kann nicht beantwortet werden, da die dazu erforderlichen Kennziffern "vorhandene 'ehemalige' Qualifikation" und "Maßnahmen zur Fachkräfterekrutierung" nicht erfasst werden. 2
Thüringer Landtag - 4. Wahlperiode Drucksache 4/ 1053 Zu 7.: Es ist davon auszugehen, dass sich sowohl die Unternehmen als auch die Tarifpartner mit der Problematik "Arbeitszeitflexibilisierung" auch zugunsten der familiären Betreuungssituation beschäftigen. Dies wird je- doch nicht erfasst. Ein Ausdruck für Familienfreundlichkeit sind z. B. die Audits für Familie und Beruf und Total E-Quality und der Preis für Familienfreundlichkeit des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die auch Thüringer Unternehmer erworben bzw. verliehen bekommen haben. Reinholz Minister 3