Einstellung von männlichen Bewerbern in Kindertagesstätten und Grundschulen
THÜRINGERLandtag Thüringer LANDTAG - 4. Wahlperiode Drucksache 4/ 2305 4. Wahlperiode 21.09.2006 Kleine Anfrage der Abgeordneten Wolf (Die Linkspartei.PDS) und Antwort des Thüringer Kultusministeriums Einstellung von männlichen Bewerbern in Kindertagesstätten und Grundschulen Die Kleine Anfrage 951 vom 4. August 2006 hat folgenden Wortlaut: Im frühkindlichen Bildungsbereich in Krippen und Kindertagesstätten sind männliche Beschäftigte ebenso rar gesät wie in Grundschulen und Horten. Längst hat die Wissenschaft jedoch nachgewiesen, dass Män- ner für die Sozialisation von Jungen, aber auch von Mädchen, genauso wichtig sind wie Frauen. Diese Erkenntnis findet bislang keinen Niederschlag in der Beschäftigungsstruktur. Ich frage die Landesregierung: 1. Wie hoch ist der prozentuale Anteil der Männer in den Ausbildungs- und Studiengängen für Kindertages- stätten und Grundschulen? 2. Wie viele dieser Männer ergreifen anschließend einen Beruf in diesen Bereichen a) in Thüringen, b) außerhalb Thüringens? 3. Wie viele der Männer, die über den notwendigen Fachabschluss verfügen und eine Anstellung in Kinder- tagesstätten oder Grundschulen in Thüringen suchen, werden abgewiesen? 4. Wie viele der abgewiesenen Kandidaten fanden keine Stelle, weil a) keine freie Stelle vorhanden war, b) ihre Leistungen schlechter waren als die vergleichbarer Bewerberinnen und Bewerber? 5. Welche Gründe sieht die Landesregierung für den geringen Anteil der männlichen Bewerber für die Stellen in Kindertagesstätten und Grundschulen? 6. Glaubt die Landesregierung, dass durch a) eine gesellschaftliche Aufwertung aufgrund besserer Bildungsabschlüsse und die Aufwertung des frühkindlichen Bildungsbereiches, b) veränderte Rollenbilder, c) eine bessere Bezahlung, d) das Angebot an Vollzeitstellen mehr Männer für diese Berufe zu gewinnen wären? Druck: Thüringer Landtag, 10. Oktober 2006 1
Drucksache 4/ 2305 Thüringer Landtag - 4. Wahlperiode 7. Was unternimmt die Landesregierung, um a) die Ausbildung zum Erzieher, zur Erzieherin sowie zum Grundschullehrer und zur Grundschullehrerin aufzuwerten, b) über Lehrpläne und Öffentlichkeitsarbeit der heranwachsenden Generation neben den traditionellen Rollenbildern die vielfältigen modernen Lebensgestaltungen nahe zu bringen, c) den Erzieherinnen und Erziehern sowie Lehrerinnen und Lehrern ein Bewusstsein über ihr eigenes Rollenverhalten zu vermitteln und - z.B. durch weibliche Formen der Berufsbezeichnung - klar zu machen, dass Männer wie Frauen stolz auf ihre Berufe sein können, d) das Gehaltsgefüge so zu verbessern, e) das Angebot an Vollzeitstellen zu vermehren? Das Thüringer Kultusministerium hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 20. September 2006 wie folgt beantwortet: Zu 1.: Im Bereich der Erzieherausbildung betrug der Anteil an Männern im Schuljahr 2005/2006 13,6 Prozent. Im Wintersemester 2005/2006 betrug der Anteil männlicher Studierender - in dem bisherigen, auslaufenden Staatsexamens-Studiengang "Lehramt an Grundschulen" 9,1 Prozent und - im neuen BA-Studiengang "Pädagogik der Kindheit" 14,9 Prozent. Zu 2.: Diesbezügliche Daten liegen nicht vor, da die Absolventen frei entscheiden, in welchem Bundesland und in welcher Einrichtung eine Berufstätigkeit aufgenommen wird. Zu 3.: Im Bereich der Kindertagesstätten entscheiden die jeweiligen Träger über die Einstellungen von Erziehern. Hierüber liegen keine statistischen Angaben vor. Im Bereich der Grundschulen bewarben sich für das laufende Einstellungsverfahren zum Schuljahr 2006/ 2007 25 männliche Bewerber für eine Tätigkeit als Erzieher an einem Grundschulhort und 35 für den Ein- satz als Lehrer an einer Grundschule. Bis zum 21. August wurden sieben Bewerber als Erzieher und elf als Lehrer eingestellt. Da das Einstellungsverfahren noch nicht vollständig abgeschlossen ist, können Aussa- gen zur Zahl der abgewiesenen Bewerber nicht gemacht werden. Zu 4.: Diesbezügliche statistische Daten werden nicht erhoben. Im Übrigen siehe auch Antwort auf Frage 3. Zu 5.: Der geringe Anteil von Bewerbern für diese Stellen liegt an der geringen Anzahl der hierfür ausgebildeten Fachkräfte. Zu 6.: a) Das wäre möglich. b) Das wäre möglich. c) ja d) ja Zu 7.: a) Die Ausbildung zum Erzieher hat bei Frauen bereits eine sehr hohe Wertschätzung, was sich auch an der Anzahl der Bewerbungen für eine solche Ausbildung zeigt. Die Ausbildung für das Lehramt an Grundschulen in Thüringen erfolgt in Verbindung mit dem Bologna- Prozess seit dem Wintersemester 2003/2004 in lehramtsbezogenen Studiengängen (zuvor im Lehr- amtsstudiengang). Die Anzahl der Studierenden stieg in den zurückliegenden Jahren stetig an, so dass ein Numerus clausus eingeführt werden musste. Mit der Umgestaltung der Lehrerausbildung in das BA- 2
Thüringer Landtag - 4. Wahlperiode Drucksache 4/ 2305 /MA-Studienmodell gingen zahlreiche Veränderungen einher. Durch die veränderte Studienstruktur wer- den eine breitere Verwendbarkeit für Absolventen dieser Studiengänge sowie eine praxisnähere Ausbil- dung erreicht. b) Die seit 1999 gültigen Lehrpläne greifen die Thematik in vielfältiger Weise auf. Bereits im Vorwort zu den Thüringer Lehrplänen ist u. a. verankert, dass sich die weiterentwickelten Lehrpläne der einzelnen Fächer an Fragen der Gleichstellung zwischen Frauen, Männern, Jungen und Mädchen in Familie, Beruf und Gesellschaft als einer zentralen gesellschaftlichen Aufgabe orientieren. In der Grundschule bietet beispielsweise das Fach Heimat- und Sachkunde mit den Lernbereichen "Sich selbst finden - in Gemeinschaften leben" und "Einblick in die Arbeitswelt gewinnen - Arbeit achten" Mög- lichkeiten, diesen Schwerpunkt zu thematisieren. Ethik mit dem Lernbereich "Das Kind in zwischen- menschlichen Beziehungen - Familie - Schule - Freunde" sowie Katholische Religionslehre mit "In Be- ziehungen leben" sind weitere Fächer, in denen sich die Grundschüler mit den Formen des menschli- chen Lebens auseinandersetzen. Diese Lernbereiche durchziehen alle Klassenstufen der Grundschule. In den Lehrplänen der weiterführenden Schularten wird die Thematik ebenso aufgegriffen. Hier leisten besonders die Fächer Ethik und Katholische bzw. Evangelische Religionslehre einen wichtigen Beitrag. Der Thüringer Bildungsplan bis zehn Jahre, der sich zurzeit in der Erprobungsphase befindet, beachtet ebenfalls eine geschlechtssensible Pädagogik. Im Rahmen der erziehungswissenschaftlichen Grundla- gen, speziell im Abschnitt "Individuelle Unterschiede und soziokulturelle Vielfalt", wird die Geschlechts- rollenspezifik bezogen auf ganzheitliche Bildungsprozesse dargestellt. Der Bildungsbereich "Soziokulturelle und moralische Bildung" zeigt die Geschlechtsrollenidentitätsent- wicklung auf. Es wird davon ausgegangen, dass es für die kindliche Rollenübernahme notwendig ist, generell Kontakt zu Personen beider Geschlechter zu haben. Wissen über Berufe in Verbindung mit der Entwicklung von Interessen wird im Bildungsbereich "Sozio- kulturelle und moralische Bildung" als ebenfalls wichtiger Lehr- und Lerninhalt aufgeführt. Die traditionellen Rollenbilder sollen u. a. auch durch die Strategie des Gender-Mainstreamings durch- brochen werden. Diese ist im Arbeitsplan der Landesregierung festgeschrieben und wirkt auf allen Ebe- nen der Landesverwaltung. Daher werden die Thüringer Lehrpläne im Zuge der anstehenden Revision auch unter diesen Aspekten geprüft und fortentwickelt. c) Stolz auf den Beruf zu sein, kann nicht von außen verordnet werden, sondern ist eine Haltung, die von jedem Einzelnen zu entwickeln ist. d) Im Bereich der Kindertagesstätten liegt die Zuständigkeit bei den jeweiligen Trägern. Im Schulbereich sind hierzu derzeit keine weiteren Initiativen geplant. e) Im Bereich der Kindertagesstätten liegt die Zuständigkeit bei den jeweiligen Trägern. Im Schulbereich richtet sich das Angebot der Vollzeitstellen nach der Entwicklung der Schülerzahlen sowie der dafür benötigten und vorhandenen Lehrkräfte. Prof. Dr. Goebel Minister 3