06-zmsbwforschungsbericht131ergebnissebevlkerungsumfrage2021
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Beauftragte Meinungsumfragen des Bundes“
Tabelle 11.9: Determinanten der Bewertung der Attraktivität des Arbeitgebers Bundeswehr für die Befragten selbst, Gesamtbevölkerung Bewertung der Attraktivität des Arbeitgebers Bundeswehr Modell I Modell II Modell III Modell IV Modell V Ressourcen Frauen 0,68** 0,89n.s. Alter 0,93*** 0,91*** Niedrige Bildung 0,60* 0,59* Hohe Bildung 0,96n.s. 0,79n.s. Haushaltsnettoeinkommen (bis 2.000 Euro) 1,26n.s. 1,17n.s. Haushaltsnettoeinkommen (4.001 Euro und mehr) 0,93n.s. 1,19n.s. Ostdeutschland 2,06*** 1,71** Migrationshintergrund 0,84n.s. 0,84n.s. Ist/war bei der Bundeswehr 1,77* 1,70* Politische Einstellungen Politisches Interesse 1,57n.s. 2,84** Eigene wirtschaftliche Lage 0,67n.s. 0,32** Wahlabsicht CDU/CSU 0,82n.s. 1,28n.s. Wahlabsicht SPD 0,59* 1,06n.s. Wahlabsicht AfD 1,54n.s. 1,65n.s. Wahlabsicht FDP 1,17n.s. 1,12n.s. Wahlabsicht Die Linke 0,70n.s. 0,97n.s. Wahlabsicht Bündnis 90/Die Grünen 1,01n.s. 0,95n.s. Bundeswehrspezifische Einstellungen Einstellung zur Bundeswehr 3,16* 6,93*** Leistungen Bw im Inland 0,43* 0,41* 0,56n.s. Leistungen Bw im Ausland 1,35n.s. 1,13n.s. 1,14n.s. Ausrüstung und Bewaffnung Bw 4,45*** 4,26*** 4,80*** Einbindung Bw in Gesellschaft 1,80n.s. 1,54n.s. 1,94n.s. Auftreten der Soldaten 1,03n.s. 0,83n.s. 0,90n.s. Ausbildung der Soldaten 1,22n.s. 1,03n.s. 0,90n.s. Index persönliche Wahrnehmung Bw 1,39*** 1,37*** 1,16n.s. Index massenmediale Wahrnehmung Bw 0,95n.s. 0,93n.s. 0,88n.s. Konstante 4,90*** 0,23*** 0,08*** 0,07*** 1,65n.s. Nagelkerkes R2 0,29 0,02 0,08 0,08 0,39 n 1.862 2.028 1.742 1.712 1.610 Anmerkungen: Wertebereich der abhängigen Variablen [0 – eher nicht und überhaupt nicht attraktiv, weiß nicht, keine Angabe; 1 – sehr und eher attraktiv). Alle erklärenden Variablen außer Alter [16; 50], Index persönliche Wahrnehmung Bw und Index massenmediale Wahrnehmung Bw [0; 4] haben einen Wertebereich von [0; 1]. Analyseverfahren: Multiva- riate binär-logistische Regressionen; Effektkoeffizienten (Exp(b)). Signifikanzniveau: *** p < 0,001; ** p < 0,01; * p < 0,05; n.s. = nicht signifikant (p ≥ 0,05). Datenbasis: Bevölkerungsbefragung des ZMSBw 2021. 202
Tabelle 11.10: Determinanten der Bewertung der Attraktivität des Arbeitgebers Bundeswehr für die Befragten selbst, 16- bis 29-Jährige Bewertung der Attraktivität des Arbeitgebers Bundeswehr Modell I Modell II Modell III Modell IV Modell V Ressourcen Frauen 0,35*** 0,39** Alter 0,93n.s. 0,87* Niedrige Bildung 0,47n.s. 0,38n.s. Hohe Bildung 1,12n.s. 0,68n.s. Haushaltsnettoeinkommen (bis 2.000 Euro) 1,48n.s. 1,59n.s. Haushaltsnettoeinkommen (4.001 Euro und mehr) 1,04n.s. 1,09n.s. Ostdeutschland 1,95* 1,94n.s. Migrationshintergrund 1,20n.s. 1,00n.s. Ist/war bei der Bundeswehr 9,93n.s. 5,72n.s. Politische Einstellungen Politisches Interesse 4,84** 6,38* Eigene wirtschaftliche Lage 1,51n.s. 0,73n.s. Wahlabsicht CDU/CSU 0,87n.s. 0,41n.s. Wahlabsicht SPD 1,08n.s. 1,45n.s. Wahlabsicht AfD 1,31n.s. 0,31n.s. Wahlabsicht FDP 0,50n.s. 0,32n.s. Wahlabsicht Die Linke 1,62n.s. 1,26n.s. Wahlabsicht Bündnis 90/Die Grünen 0,46** 0,73n.s. Bundeswehrspezifische Einstellungen Einstellung zur Bundeswehr 63,58*** 190,38*** Leistungen Bw im Inland 0,30n.s. 0,21* 0,12* Leistungen Bw im Ausland 1,91n.s. 1,05n.s. 1,15n.s. Ausrüstung und Bewaffnung Bw 8,13*** 6,75** 3,36*** Einbindung Bw in Gesellschaft 4,85* 2,76n.s. 3,00n.s. Auftreten der Soldaten 0,77n.s. 0,55n.s. 0,85n.s. Ausbildung der Soldaten 2,95n.s. 1,55n.s. 0,98n.s. Index persönliche Wahrnehmung Bw 1,35* 1,24n.s. 1,26n.s. Index massenmediale Wahrnehmung Bw 1,20n.s. 1,15n.s. 1,04n.s. Konstante 3,42n.s. 0,27*** 0,05*** 0,02*** 0,60n.s. Nagelkerkes R2 0,16 0,07 0,24 0,32 0,46 n 327 379 322 310 269 Anmerkungen: Wertebereich der abhängigen Variablen [0 – eher nicht und überhaupt nicht attraktiv, weiß nicht, keine Angabe; 1 – sehr und eher attraktiv). Alle erklärenden Variablen außer Alter [16; 29], Index persönliche Wahrnehmung Bw und Index massenmediale Wahrnehmung Bw [0; 4] haben einen Wertebereich von [0; 1]. Analyseverfahren: Multiva- riate binär-logistische Regressionen; Effektkoeffizienten (Exp(b)). Signifikanzniveau: *** p < 0,001; ** p < 0,01; * p < 0,05; n.s. = nicht signifikant (p ≥ 0,05). Datenbasis: Bevölkerungsbefragung des ZMSBw 2021. 203
Tabelle 11.11: Marginale Effekte für Determinanten der Bewertung der Attraktivität des Arbeitgebers Bundeswehr für die Befragten selbst Bewertung der Attraktivität des Arbeitgebers Bundeswehr für junge Menschen Alle Befragten 16- bis 29-Jährige Ressourcen Frauen -1n.s. -21** Alter -58*** -42* n.s. Niedrige Bildung -3* -19 Hohe Bildung -2n.s. -10n.s. Haushaltsnettoeinkommen (bis 2.000 Euro) +1n.s. +12n.s. Haushaltsnettoeinkommen (4.001 Euro und mehr) +1n.s. +2n.s. n.s. Ostdeutschland +4** +17 Migrationshintergrund -1n.s. 0n.s. Ist/war bei der Bundeswehr +4* +38n.s. Politische Einstellungen Politisches Interesse +7* +26* Eigene wirtschaftliche Lage -7** -6n.s. Wahlabsicht CDU/CSU +2n.s. -20n.s. Wahlabsicht SPD 0n.s. +9n.s. n.s. n.s. Wahlabsicht AfD +4 -24 Wahlabsicht FDP +1n.s. -24n.s. Wahlabsicht Die Linke 0n.s. +6n.s. Wahlabsicht Bündnis 90/Die Grünen 0n.s. -7n.s. Bundeswehrspezifische Einstellungen Einstellung zur Bundeswehr +9*** +75*** Leistungen Bw im Inland -3n.s. -35* Leistungen Bw im Ausland +1n.s. +2n.s. n.s. Ausrüstung und Bewaffnung Bw +11*** +29 Einbindung Bw in Gesellschaft +4n.s. +24n.s. Auftreten der Soldaten -1n.s. -3n.s. Ausbildung der Soldaten -1n.s. 0n.s. n.s. n.s. Index persönliche Wahrnehmung Bw +2 +15 Index massenmediale Wahrnehmung Bw -3n.s. +3n.s Anmerkungen: Die marginalen Effekte geben (gerundete) Wahrscheinlichkeitsveränderungen (in Prozent) für die jeweilige Variable an, während die übrigen Faktoren im Modell konstant gehalten werden. Der Wert in der entsprechenden Zeile gibt die Wahrscheinlichkeitsdifferenz an, wenn die jeweilige Variable zwischen Mittelwert minus 2 Standardabweichungen und Mittelwert plus 2 Standardabweichungen variiert wird (metrische Variablen) bzw. das Merkmal vorliegt oder nicht vorliegt (dichotome Variablen). Die anderen Variablen werden auf den Modus (dichotome Variablen) oder Mittelwert ge- setzt. Die Werte basieren auf Modell V in den Tabellen 11.9 und 11.10. Signifikanzniveau: *** p < 0,001; ** p < 0,01; * p < 0,05; n.s. = nicht signifikant (p ≥ 0,05). Datenbasis: Bevölkerungsbefragung des ZMSBw 2021. 204
11.7 Multivariate Analysen zur Verteidigungsbereitschaft Wie schon für die wahrgenommene Attraktivität des Arbeitgebers Bundeswehr sollen für die Verteidigungsbereitschaft multivariate Erklärungsmodelle berechnet werden. Dafür wird die abhängige Variable Verteidigungsbereitschaft dichotomisiert. Befragte, die auf die Frage nach ihrer persönlichen Verteidigungsbereitschaft mit „eher ja“ oder „ja“ ant- worten, werden mit 1 kodiert. Alle übrigen Befragten, also diejenigen, die „eher nein“, „nein“ oder „weiß nicht“ antworten oder die keine Angabe machen, werden mit 0 kodiert. Die vorliegende Literatur zur Verteidigungsbereitschaft nutzt in der Regel international- vergleichende Datensätze, insbesondere die World Value Surveys (z.B. Anderson et al. 2020; Inglehart et al. 2015; Jakobsen/Jakobsen 2019; Kim 2019; Puranen 2014). In den Publikationen werden Merkmale der Länder auf der Makroebene sowie individuelle Ei- genschaften und Einstellungen der Befragten auf der Mikroebene berücksichtigt. Da die folgenden Analysen lediglich für deutsche Befragte durchgeführt werden, können Merk- male auf der Makroebene, die für alle Befragten in Deutschland identisch sind und somit eine Variation der Verteidigungsbereitschaft zwischen verschiedenen Personen in Deutschland nicht erklären können, ausgeschlossen werden. Dazu zählen die Effekte von Ereignissen (Alderman 2015), von Gebietsforderungen bzw. -ansprüchen (Kim 2019), die Präsenz von US-Truppen (Jakobsen/Jakobsen 2019) oder gesellschaftliche Einkom- mensungleichheit (Anderson et al. 2020). Bestimmte, in den genannten Beiträgen ge- nutzte individuelle Merkmale oder Einstellungen wurden in der Bevölkerungsbefragung 2021 nicht erhoben und können daher ebenfalls nicht in den Analysen berücksichtigt wer- den. Dazu zählen Werteorientierungen (Inglehart 1990; Inglehart et al. 2015) und Religi- onszugehörigkeit bzw. Religiosität (Kim 2019). Es ist festzuhalten, dass es nur wenige Publikationen gibt, die sich mit der individuellen Verteidigungsbereitschaft in Deutsch- land oder gar der multivariaten Erklärung dieser Einstellung beschäftigen (z.B. Rattin- ger/Holst 1998: 216ff.). Wie in den vorangegangenen Analysen zur Arbeitgeberattraktivität erfolgt eine schritt- weise Vorgehensweise, d.h. zunächst werden die Wirkungen einzelner Determinanten- gruppen untersucht. Dies sind Ressourcen und soziodemografische Merkmale (Modell I), politische Einstellungen (Modell II), außen- und sicherheitspolitische Einstellungen (Mo- dell III) und bundeswehrspezifische Einstellungen (Modell IV). Die berücksichtigten Er- klärungsfaktoren unterscheiden sich etwas von den Analysen in Abschnitt 11.6. So wird in Modell I auch der Familienstand eingeschlossen, weil Anderson und Kolleginnen (2020) genauso wie Kim (2019) zeigen, dass in einer Partnerschaft befindliche Personen eher dazu bereit sind, ihr Land zu verteidigen. 205
Tabelle 11.12: Determinanten der Verteidigungsbereitschaft, Gesamtbevölkerung Verteidigungsbereitschaft Modell I Modell II Modell III Modell IV Modell V Ressourcen Frauen 0,14*** 0,15*** Alter 0,98n.s. 0,97* Niedrige Bildung 0,91n.s. 0,86n.s. Hohe Bildung 0,93n.s. 0,64n.s. Haushaltsnettoeinkommen (bis 2.000 Euro) 0,92n.s. 0,92n.s. Haushaltsnettoeinkommen (4.001 Euro und mehr) 1,06n.s. 1,66* Ostdeutschland 1,38n.s. 1,10n.s. Migrationshintergrund 1,57n.s. 1,94* Ist/war bei der Bundeswehr 5,00*** 8,29*** Partnerschaft 1,45n.s. 1,35n.s. Politische Einstellungen Verbundenheit Deutschland 1,31n.s. 0,73n.s. Institutionenvertrauen Bund 1,48n.s. 1,10n.s. Politisches Interesse 7,00*** 1,01n.s. Eigene wirtschaftliche Lage 0,36** 0,13*** Wahlabsicht CDU/CSU 2,05*** 1,53n.s. Wahlabsicht SPD 1,10n.s. 0,86n.s. Wahlabsicht AfD 4,12*** 2,55** Wahlabsicht FDP 3,10*** 3,24*** Wahlabsicht Die Linke 0,51n.s. 1,17n.s. Wahlabsicht Bündnis 90/Die Grünen 0,46** 0,69n.s. Außen- und sicherheitspolitische Einstellungen Militarismus 11,80*** 6,71*** Multilateralismus 0,80n.s. 0,50n.s. Internationalismus 1,02n.s. 1,06n.s. Atlantizismus 1,01n.s. 0,87n.s. Kritische Einstellungen zu Russland 1,02n.s. 1,92n.s. Bedrohungswahrnehmungen Russland 0,98n.s. 0,68n.s. Bundeswehrspezifische Einstellungen Einstellung zur Bundeswehr 15,94*** 33,45*** Ausrüstung und Bewaffnung Bw 1,69n.s. 2,09n.s. Index persönliche Wahrnehmung Bw 1,24** 1,26* Index massenmediale Wahrnehmung Bw 1,23** 1,28** Konstante 1,10n.s. 0,18*** 0,15*** 0,04*** 0,13** Nagelkerkes R2 0,31 0,17 0,12 0,14 0,48 n 922 1.009 928 928 809 Anmerkungen: Wertebereich der abhängigen Variablen [0 – Verteidigungsbereitschaft eher nein, Verteidigungsbereit- schaft nein, weiß nicht, keine Angabe; 1 – Verteidigungsbereitschaft eher ja, Verteidigungsbereitschaft ja). Alle erklären- den Variablen außer Alter [16; 99], Index persönliche Wahrnehmung Bw und Index massenmediale Wahrnehmung Bw [0; 4] haben einen Wertebereich von [0; 1]. Analyseverfahren: Multivariate binär-logistische Regressionen; Effektkoeffi- zienten (Exp(b)). Signifikanzniveau: *** p < 0,001; ** p < 0,01; * p < 0,05; n.s. = nicht signifikant (p ≥ 0,05). Datenbasis: Bevölkerungsbefragung des ZMSBw 2021. 206
In Modell II finden sich zusätzlich die Verbundenheit mit Deutschland und das Instituti- onenvertrauen in Einrichtungen des Bundes. Für Nationalstolz bzw. Verbundenheit ist auf Basis vorangegangener Analysen ein positiver Effekt auf die Verteidigungsbereit- schaft zu erwarten (Anderson et al. 2020; Puranen 2014). Institutionenvertrauen ist ein Index, der Mittelwerte des Vertrauens in die Bundesregierung, den Bundestag und das Bundesverfassungsgericht abbildet (Cronbachs alpha = 0,78). Vertrauen sollte sich eben- falls positiv auf die Bereitschaft auswirken, Deutschland zu verteidigen (Jakobsen/Jakob- sen 2019; Puranen 2014). Modell III enthält neben den bereits bekannten außen- und si- cherheitspolitischen Grundorientierungen (vgl. Abschnitt 5) zwei Indizes, die Einstellun- gen zu Russland abbilden sollen, „Kritische Einstellungen zu Russland“ und „Bedro- 68 hungswahrnehmungen Russland“. Hier ist zu erwarten, dass kritischere Einstellungen zu Russland allgemein sowie eine größere wahrgenommene Bedrohung zu einer größeren Verteidigungsbereitschaft führen. Modell IV besteht aus einigen bundeswehrspezifischen Einstellungen, die alle aus den vorherigen Analysen zur Arbeitgeberattraktivität bekannt sind. Die Ergebnisse der multivariaten Analysen sind in Tabelle 11.12 dargestellt. Wie in den bivariaten Analysen in Tabelle 11.5 zeigen die Resultate für Modell I, dass Männer in deutlich größerem Maße zur Verteidigung Deutschlands bereit sind als Frauen. Stark wir- ken sich frühere und aktuelle Erfahrungen bei der Bundeswehr aus. Kann jemand solche Erfahrungen vorweisen, erhöht sich die Verteidigungsbereitschaft beträchtlich. Obwohl nur diese beiden Merkmale statistisch signifikante Effekte haben, hat Modell I mit einem 2 Nagelkerkes R von 0,31 eine hohe Erklärungsleistung. In Modell II sind eine Vielzahl an Faktoren relevant für die Erklärung der Verteidigungs- bereitschaft: Befragte, die sich stärker für Politik interessieren, sind deutlich stärker zur Verteidigung des Landes bereit. Gleiches gilt für Befragte, welche die eigene wirtschaft- liche Lage schlechter bewerten. Unter den Parteianhängern sind die Unterstützer von CDU/CSU, der AfD und der FDP (im Vergleich zu den Personen ohne Wahlabsicht) in 68 „Kritische Einstellungen zu Russland“ fasst die Haltungen der Befragten zu folgenden Fragen zusam- men: „Russland ist ein zuverlässiger Partner Deutschlands“, „Deutschland sollte seine wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland einschränken“ und „Russland und Deutschland teilen gemeinsame Werte“. Die Fragen wurden vor der Indexerstellung so kodiert, dass höhere Werte eine kritischere Haltung ge- genüber Russland repräsentieren (Cronbachs alpha = 0,65). „Bedrohungswahrnehmungen Russland“ führt die folgenden Fragen in einem Index zusammen: „Die Außen- und Sicherheitspolitik Russlands ist eine Bedrohung für die Sicherheit Deutschlands“, „Die Aufrüstung der russischen Streitkräfte ist eine Bedrohung für die Sicherheit Deutschlands“, „Cyberangriffe aus Russland sind eine Bedrohung für die Sicherheit Deutschlands“ und „Das militärische Vorgehen Russlands in der Ukraine bedroht die Sicherheit Deutschlands“ Cronbachs alpha = 0,82). Für mehr Informationen über die Haltungen zu den bilateralen Beziehungen zu Russland vgl. Abschnitt 6. 207
größerem Maße zur Verteidigung Deutschlands bereit. Eine geringere Bereitschaft ergibt sich für die Befürworter von Bündnis 90/Die Grünen. In Modell III hat nur eine der außen- und sicherheitspolitischen Einstellungen einen sta- tistisch signifikanten Einfluss: Personen, welche die Anwendung militärischer Gewalt in größerem Maße unterstützen, sind eher zur Verteidigung Deutschlands mit Waffengewalt bereit. Modell IV zeigt ein weiteres Mal die große Relevanz der generellen Haltung zu den Streitkräften: Bewertet jemand die Bundeswehr besser, ist auch seine Verteidigungsbe- reitschaft höher. Ebenfalls positive Effekte gehen von der persönlichen und massenme- dialen Wahrnehmung der Bundeswehr aus. Wer die Streitkräfte in diesen Bereichen stär- ker wahrgenommen hat, ist eher verteidigungsbereit. Modell V führt alle Einzelmodelle zu einem Gesamtmodell zusammen. Tabelle 11.13 zeigt die leichter zu interpretierenden marginalen Effekte. Das Modell hat insgesamt eine 2 sehr gute Erklärungsleistung mit einem Nagelkerkes R von 0,48. Eine Vielzahl von Er- klärungsfaktoren hat statistisch signifikante Effekte auf die Verteidigungsbereitschaft. Am stärksten wirken sich die generelle Einstellung zur Bundeswehr und persönliche Er- fahrungen in der Bundeswehr aus. Personen, welche die Bundeswehr sehr positiv bewer- ten, haben eine um 48 Prozentpunkte höhere Bereitschaft, Deutschland zu verteidigen, als Befragte mit sehr negativen Bewertungen der Streitkräfte. War oder ist jemand bei der Bundeswehr, erhöht sich die Verteidigungsbereitschaft ebenfalls um 48 Prozentpunkte. Stark wirkt sich ebenfalls die Haltung zum Einsatz militärischer Gewalt (Militarismus) aus (+36 Prozentpunkte). Befragte, welche die eigene wirtschaftliche Lage schlechter ein- schätzen, sind eher zur Verteidigung Deutschlands bereit (-32 Prozentpunkte). Zwischen 20 und 30 Prozentpunkten liegen die marginalen Effekte für die folgenden Variablen oder Merkmale: Geschlecht, Alter, Wahlabsicht FDP und Wahlabsicht AfD. Männer (+24 Pro- zentpunkte), Jüngere (+22 Prozentpunkte), sowie Anhänger von AfD (+22 Prozent- punkte) und FDP (+28 Prozentpunkte) sind eher verteidigungsbereit. Personen mit einem Migrationshintergrund (+16 Prozentpunkte) und Befragte mit einem hohen Haushaltsein- kommen (+12 Prozentpunkte) neigen ebenfalls eher zur Verteidigung Deutschlands mit der Waffe. Auch die verstärkte persönliche (+11 Prozentpunkte) und massenmediale Wahrnehmung (+14 Prozentpunkte) erhöhen den Verteidigungswillen. 208
Tabelle 11.13: Marginale Effekte für Determinanten der Verteidigungsbereitschaft Verteidigungsbereitschaft Ressourcen Frauen -24*** Alter -22* Niedrige Bildung -3n.s. Hohe Bildung -10n.s. Haushaltsnettoeinkommen (bis 2.000 Euro) -2n.s. Haushaltsnettoeinkommen (4.001 Euro und mehr) +12* Ostdeutschland +2n.s. Migrationshintergrund +16* Ist/war bei der Bundeswehr +48*** Partnerschaft +6n.s. Politische Einstellungen Verbundenheit Deutschland -4n.s. Institutionenvertrauen Bund +2n.s. Politisches Interesse 0n.s. Eigene wirtschaftliche Lage -32*** Wahlabsicht CDU/CSU +9n.s. Wahlabsicht SPD -3n.s. Wahlabsicht AfD +22** Wahlabsicht FDP +28*** Wahlabsicht Die Linke -3n.s. Wahlabsicht Bündnis 90/Die Grünen -7n.s. Außen- und sicherheitspolitische Einstellungen Militarismus +36*** Multilateralismus -10n.s. Internationalismus +2n.s. Atlantizismus -3n.s. Kritische Einstellungen zu Russland +11n.s. Bedrohungswahrnehmungen Russland -7n.s. Bundeswehrspezifische Einstellungen Einstellung zur Bundeswehr +48*** Ausrüstung und Bewaffnung Bw +15n.s. Index persönliche Wahrnehmung Bw +11* Index massenmediale Wahrnehmung Bw +14** Anmerkungen: Die marginalen Effekte geben (gerundete) Wahrscheinlichkeitsveränderungen (in Prozent) für die jeweilige Variable an, während die übrigen Faktoren im Modell konstant gehalten werden. Der Wert in der entsprechenden Zeile gibt die Wahrscheinlichkeitsdifferenz an, wenn die jeweilige Variable zwischen Mittelwert minus 2 Standardabweichungen und Mittelwert plus 2 Standardabweichungen variiert wird (metrische Variablen) bzw. das Merkmal vorliegt oder nicht vorliegt (dichotome Variablen). Die anderen Variablen werden auf den Modus (dichotome Variablen) oder Mittelwert ge- setzt. Die Werte basieren auf Modell V in Tabelle 11.12. Signifikanzniveau: *** p < 0,001; ** p < 0,01; * p < 0,05; n.s. = nicht signifikant (p ≥ 0,05). Datenbasis: Bevölkerungsbefragung des ZMSBw 2021. 209
11.8 Fazit In der Gesamtschau der Ergebnisse wird deutlich: Die Bundeswehr wird von den meisten Bürgerinnen und Bürgern als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen. Insgesamt zeigen die Analysen die große Bedeutung der Soldatinnen und Soldaten als Botschafter der Bun- deswehr und die Relevanz der generellen affektiven Haltung zu den Streitkräften. Inso- fern verdeutlichen auch diese Ergebnisse, dass es die Streitkräfte genauso wie einzelne Soldatinnen und Soldaten selbst in der Hand haben, Bürgerinnen und Bürger für den Dienst in der Bundeswehr zu begeistern. Dass dafür die Grundlagen durch die Maßnah- men der Agenda Attraktivität gelegt sind, geht aus den Ergebnissen der Personalbefra- gung 2020 hervor: Im Vergleich zu den Personalbefragungen 2013 und 2016 bewerten deutlich mehr Angehörige der Bundeswehr ihren Arbeitgeber als attraktiv (2013: 39 Pro- zent, 2016: 59 Prozent, 2020: 68 Prozent) und deutlich mehr würden wieder bei der Bun- deswehr anfangen (2013: 43 Prozent, 2016: 56 Prozent, 2020: 63 Prozent) oder Freunden und Bekannten empfehlen, bei der Bundeswehr zu arbeiten (2013: 23 Prozent, 2016: 36 Prozent, 2020: 42 Prozent) (Richter 2020). Die Indikatoren für eine Multiplikatorwirkung der Bundeswehrangehörigen gehen daher in die richtige Richtung. Erstmals seit Langem wurde in der Bevölkerungsbefragung 2021 nach der Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger (bis 50 Jahre) gefragt, Deutschland mit der Waffe zu vertei- digen. Etwa ein Drittel der Befragten sind im Fall eines militärischen Angriffs zur Ver- teidigung des Landes bereit. Damit liegen die Werte im internationalen Vergleich relativ niedrig, was sich vor allem historisch erklären lässt. Besonders große Unterschiede in der Verteidigungsbereitschaft bestehen zwischen Männern und Frauen. Ansonsten ergeben sich in den multivariaten Analysen statistisch signifikante Effekte für eine Vielzahl an Variablen, insbesondere aber für bundeswehrbezogene Einstellungen. Damit gilt auch für die Bereitschaft, Deutschland mit der Waffe zu verteidigen, dass diese durch die Streit- kräfte zum Teil selbst direkt und indirekt beeinflusst werden kann. Dies zeigt sich beson- ders an der deutlich höheren Verteidigungsbereitschaft unter denjenigen Befragten, die aktuell bei der Bundeswehr sind oder in der Bundeswehr gedient haben. Die Gruppe der aktiven und ehemaligen Soldatinnen und Soldaten ist ein entscheidender Multiplikator für das Außenbild der Streitkräfte und ihre Attraktivität. 210
12 Einstellungen zur Höhe der Verteidigungs- ausgaben und zum Personalumfang der Bundeswehr Markus Steinbrecher und Joel Scherzer Zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung sind die deutschen Verteidigungsausgaben ab dem Jahr 2017 substanziell gestiegen. Wurden 2016 noch 35,1 Milliarden Euro für Verteidigung ausgegeben, erhöhten sich diese Ausgaben im Einzelplan 14 im Bundes- haushalt 2017 auf etwas mehr als 37 Milliarden Euro. 2018 erfolgte eine Erhöhung auf 38,5 Milliarden Euro, 2019 ein Anstieg auf 43,2 Milliarden Euro, und 2020 wurde ein Verteidigungsetat in Höhe von 45,6 Milliarden Euro erreicht (BMF 2021). 2021 liegt der Verteidigungshaushalt bei etwa 46,9 Milliarden Euro (BMVg 2021b). Diese sogenannte Trendwende Finanzen ist vor dem Hintergrund des 2014 auf dem NATO-Gipfel in Wales durch die Regierungen der Mitgliedstaaten beschlossenen politischen Ziels der Steige- rung der Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und der langjährigen Unterfinanzierung der Bundeswehr zu sehen. Den Wert von zwei Pro- zent des BIP haben die deutschen Verteidigungsausgaben zuletzt 1992 erreicht (SIPRI 2018). 2021 lag der Verteidigungsetat Deutschlands bei einer Höhe von 1,53 Prozent des BIP (NATO Public Diplomacy Division 2021). In der Berichterstattung über die Bundes- wehr und außen- und sicherheitspolitische Fragen werden die Höhe der Verteidigungs- ausgaben und die Einhaltung des NATO-Ziels regelmäßig thematisiert. Dies gilt auch für das zeitliche Umfeld der Bevölkerungsbefragung 2021. Daher ist davon auszugehen, dass die Bevölkerung zumindest in den Grundzügen mit der Thematik und den entsprechenden politischen Argumenten vertraut ist. Neben dem Umschwung in der Entwicklung der Verteidigungsausgaben wächst auch zum ersten Mal seit dem Ende des Kalten Krieges der angestrebte Personalumfang der Bundeswehr. Im Juli 2021 umfasste die Bundeswehr 184.507 Soldatinnen und Soldaten (BMVg 2021a) bei einer Sollstärke von 185.000. Im Rahmen der „Trendwende Personal“ soll die Bundeswehr bis zum Jahr 2024 auf 198.000 Soldatinnen und Soldaten anwachsen und 2025 eine Personalstärke von 203.000 erreichen. Zudem wurde die strenge Personal- obergrenze abgeschafft und ein „atmender Personalkörper“ geschaffen (BMVg 2017; Personalboard 2017). Vor dem Hintergrund dieser veränderten Rahmenbedingungen der Verteidigungsausga- ben und der Personalstärke der Bundeswehr, aber auch wegen möglicher Auswirkungen 211