schmidt-kessel-explorationsstudie-verbraucherschutzrecht
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Gutachten des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen“
Grunde empfehlen wir auch insoweit eine Regelung, die – soweit die
Ermächtigungsgrundlage in § 43 VSBG dieses trägt – durch Modifikation von § 4 VSBInfoV
bewirkt werden könnte. Über §§ 5, 6 VSBInfoV würden die so gesammelten Daten auch für
den Evaluationsbericht der Verbraucherschlichtungsstelle und den
Verbraucherschlichtungsbericht der zentralen Anlaufstelle nach § 35 I VSBG zur Verfügung
stehen. Eine solche gesetzliche Grundlage wäre auch für die Funktionsfähigkeit der
Schlichtungsaufsicht von entscheidender Bedeutung, weil diese ohne entsprechende
Ermächtigung die Anforderungen an die Tätigkeits- und Evaluationsberichte der einzelnen
Verbraucherschlichtungsstellen – im Hinblick auf das gegebenenfalls entgegenstehende
datenschutzrechtliche Verbot – nicht ohne weiteres konkretisieren kann.
Auch für die Datenerhebung durch die Schlichtungsstellen wäre besonders auf die
Übernahme der Struktur der Kommissionsempfehlung 2010/304/EU zu achten. Das gilt auch
für den Fall, als im Rahmen der Schlichtung zusätzlich Daten über vorherige Beratungen oder
anschließende Gerichtsverfahren erhoben werden sollten. Es geht insoweit nämlich nicht
nur um die Verknüpfbarkeit der Daten der verschiedenen Institutionen miteinander – soweit
diese politisch denn gewollt ist –, sondern auch um die Herstellung der europaweiten
Vergleichbarkeit.
Zusammenfassend empfehlen wir die Einführung einer normativen Grundlage für die
Datenerhebung durch Verbraucherschlichtungsstellen entsprechend den Standards der
Kommissionsempfehlung 2010/304/EU, die durch Modifikation vor allem des § 4 VSBInfoV
und hilfsweise durch Gesetz erfolgen sollte.
7. Datenerhebung durch die Justiz
Ferner empfehlen wir die Datenerhebung durch die Justiz, die im Rahmen der regelmäßigen
Justizstatistiken erfolgen könnte. Auch diese Datenerhebungen sollten der
Kommissionsempfehlung 2010/304/EU folgen, um Verknüpf- und Vergleichbarkeit der
erhobenen Daten sicherzustellen.
Zu beachten ist freilich die besondere Struktur der Justizstatistiken, die für eine
bundesrechtliche Regelung derzeit nicht geeignet erscheint. Eine bundeseinheitliche
Regelung könnte nur im Konsens der sechzehn Bundesländer gefunden werden, auf deren
Landesstatistikgesetzen die jeweiligen Teilerhebungen statistikrechtlich beruhen, wodurch
zugleich etwa erforderliche datenschutzrechtliche Rechtfertigungen gegeben sind.
Unabhängig von der richtigen Verortung sollten die Justizstatistiken künftig als
Verfahrensgegenstände zumindest die Klassifizierung als Verbraucherstreitigkeit einführen
und diese an den Verbraucherbegriff des § 13 BGB und seine Modifikationen, etwa im
Lauterkeitsrecht oder bei der Verbraucherinsolvenz, anknüpfen. Die offene Benennung
einzelner Kläger oder Antragsteller scheidet hingegen unseres Erachtens als unvereinbar mit
datenschutzrechtlichen Grundsätzen aus. Dabei wird nicht verkannt, dass andere
Rechtsordnungen hier völlig anders verfahren und ganz überwiegend auf eine
Anonymisierung der Namen der Prozessbeteiligten verzichten. Jedenfalls sollten aber in die
betreffenden Erhebungen auch diejenigen soziodemographischen Charakteristika
aufgenommen werden, die von der Kommissionsempfehlung 2010/304/EU empfohlen
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werden. Auch insoweit geht es um die Erzielung multivariater Daten, zur Ermöglichung
entsprechender Erkenntnisgewinne durch die Anwendung statistischer Erfahrung.
Zusammenfassend empfehlen wir eine Initiative zur Ergänzung der Landesjustizstatistiken
mit dem Ziel, die bundeseinheitliche Justizstatistik nicht nur mit dem Merkmal
„Ver rau herstreitigkeit“ zu ersehe , so der sä tli he o der Ko issio se pfehlu g
2010/304/EU benannten Merkmale zu erheben.
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3. Gegenüberstellung der Daten zu erledigten gerichtlichen Verfahren und
erledigten Fällen vor Schlichtungsstellen – Im Bereich der Arzthaftungssachen
und der Reisevertragssachen
Justizstatistiken – Fachserie 10 Statistische Erhebung der
Reihe 2.11 Gutachterkommissionen und
Schlichtungsstellen für das
Statistikjahr 20142 der
Landesärztekammern
1708 – 0,2 % Deutschland 11 787 Erledigte Anträge
Vor dem Art der Erledigung Deutschland
Amtsgericht Verfahrensart (12 053 Gestellte Anträge
Einleitungsform
erledigte (Vorausgegangene Schlichtung nach §
bundesweit)
Arzthaftungssach 15 a EGZPO: 1) Davon 7 751
en nach Ländern Anwaltliche Vertretung Sachentscheidungen (65,8 %)
(Kläger/Beklagter) (nicht lediglich Formale
und OLG- Erledigung)
Bezirken Prozesserfolg/Kostentragung
Dauer des Verfahrens Davon 5 499
Behandlungsfehler/
Bundesländer:
Risikoaufklärungsmangel
163 0,1 % Baden-
verneint
Württemberg
Risikoaufklärungsmangel 46
(OLG Bezirke)
Kausalität verneint 398
202 0,1 % Bayern(OLG
Behandlungsfehler 2 206
Bezirke)
Risikoaufklärungsmangel/ 1 854
126 0,1 % Berlin
Behandlungsfehler und
85 0,3 % Brandenburg
Kausalität bejaht
13 0,1 % Bremen
davon im Praxisbereich, 661
20 0,0 % Hamburg im Krankenhausbereich 1 634
180 0,2 % Hessen Schwere des Schadens,
41 0,2 % Mecklenburg- Diagnose die zur
Vorpommern Antragsstellung führten
176 0,2 % Niedersachsen
(OLG Bezirke)
Antragsgegner 8 696
446 0,2 % Nordrhein-
davon 6 334
Westfalen
Krankenhausbereich:,
(OLG Bezirke)
Praxisbereich: 2 362
65 0,1 % Rheinland- Fachgebiet des
Pfalz (OLG Antragsgegner, Art des
Bezirke) Fehlers, Art der
35 0,3 % Saarland fehlbehandelten
47 0,1 % Sachsen Krankheit
41 0,2 % Sachsen-
Anhalt
36 0,1 % Schleswig-
Holstein
32 0, 1 % Thüringen
1
https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Rechtspflege/GerichtePersonal/Zivilgerichte
2100210147004.pdf?__blob=publicationFile.
2
http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Behandlungs
fehler/Behandlungsfehlerstatistik.pdf.
Vor dem 9 116 – 2,7 % Deutschland
Landgericht in Bundesländer:
erster Instanz 1 137 2,9 % Baden-
erledigte Württemberg
(OLG Bezirke)
Arzthaftungssach
1 352 2,3 % Bayern (OLG
en nach Ländern Bezirke)
und OLG- 588 3,1 % Berlin
Bezirken 200 2,6 % Brandenburg
80 3,1 % Bremen
256 1,8 % Hamburg
612 2,2 % Hessen
126 2,5 % Mecklenburg-
Vorpommern
834 3,2 % Niedersachsen
(OLG Bezirke)
2 522 3,1 % Nordrhein-
Westfalen
(OLG Bezirke)
463 3,2 % Rheinland-
Pfalz (OLG
Bezirke)
147 3,8 % Saarland
250 2,1 % Sachsen
125 2,3 % Sachsen-
Anhalt
277 2,7 % Schleswig-
Holstein
147 2,6 % Thüringen
Vor dem 351 – 0,6 % Deutschland
Landgericht in der Bundesländer:
Berufungsinstanz 20 0,4 % Baden-
erledigte Württemberg
(OLG Bezirke)
Arzthaftungssach
40 0,6 % Bayern (OLG
en nach Ländern Bezirke)
und OLG Bezirken 48 1,0 % Berlin
2 0,1 % Brandenburg
11 2,8 % Bremen
7 0,4 % Hamburg
18 0,4 % Hessen
2 0,2 % Mecklenburg-
Vorpommern
45 0,9 % Niedersachsen
(OLG Bezirke)
102 0,7 % Nordrhein-
Westfalen
(OLG Bezirke)
37 0,2 % Rheinland-
Pfalz (OLG
Bezirke)