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Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Gutachten des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen

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24   EINE FAIRE CO 2-BEPREISUNG MACHT ES VERBRAUCHER*INNEN LEICHT, SICH KLIMAFREUNDLICH ZU ENTSCHEIDEN




     Abbildung 5: CO2-Fußabdruck nach Einkommensquintil im Herbst 2020
     CO2-Fußabdruck: in Tonnen CO2-Äquivalenten (gewichtete und gerundet), die rote Linie stellt die durchschnittliche Größe aller gemessenen CO2-Fußabdrücke
     dar; Einkommensquintil (Nettoäquivalenzeinkommen): absolute ungewichtete Zahlen in Klammern; n = 1.103.




     CO2-Fußabdrucks ist allgemein als statistisch hochsig-                        Heizens, wie aus Tabelle 5 hervorgeht: Menschen mit
     nifikant bekannt (Oehlmann, Klaas, Nunes-Heinzmann,                           höherem Einkommen wohnen tendenziell auf grö-
     Kahlenborn & Ciroth, 2020).                                                   ßerem zu beheizenden Wohnraum als Menschen mit
                                                                                   niedrigerem Einkommen – allerdings wohnen Men-
     Interessant mit Blick auf die CO2-Emissionen durch                            schen mit höherem Einkommen im Schnitt tendenziell
     Heizen ist, dass sich diese nur unwesentlich zwischen                         in emissionsärmeren Gebäuden und auch der Anteil
     den Einkommensquintilen unterscheiden. Allerdings                             von emissionsärmeren Heizungsanlagen ist tendenziell
     variieren die Einflussfaktoren der CO2-Emissionen des                         höher bei Menschen mit höherem Einkommen.


     Tabelle 5: Dekomposition der Einflussfaktoren der CO2-Emissionen durch Heizen im Herbst 2020

                                                                Einkommensquintil

                                                                1. (ärmste          2.                3.                 4.                5. (reichste
                                                                20 Prozent)                                                                20 Prozent)

       Wohnfläche (in qm)                                       90                  101               106                117               127

       Energiebedarf beim Heizen aufgrund                       2,3                 2,1               2,3                2,4               2,5
       des Gebäudetyps (je höher die Zahl,
       desto geringer der damit verbundene
       Energiebedarf; z. B. 1 = unsanierter
       Altbau, 4 = Passivhaus)

       Heizart (Anteil emissionsarmer                           12 %                6%                10 %               10 %              17 %
       ­Heizarten an allen Heizarten)

       Anzahl der Personen im Haushalt                          2,5                 2,6               2,3                2,4               2,2

     Gewichtete und gerundete Werte (die jeweilige Maßeinheit ist je Tabellenzeile angegeben); Heizart: Zu den emissionsarmen Heizarten zählen hier Pellet-
     oder Holzheizung, Wärmepumpe, Solarthermie; n = 1.103.
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3. ERGEBNISSE DER REPRÄSENTATIVEN BEVÖLKERUNGSBEFRAGUNGEN 2020 UND 2022 …                                                                                   25




Diese Ergebnisse deuten an, dass Menschen mit höhe-
rem Einkommen – trotz höheren Heizbedarfs aufgrund                             3.4 Wo man wohnt, hat Einfluss
größeren Wohnraums – einen Teil ihrer Emissionen
durch emissionsärmere Heizungsanlagen sowie Ge-
                                                                               auf Größe und Zusammen­
bäude mit niedrigerem Energiebedarf vermeiden kön-                             setzung des CO2-Fußabdrucks
nen. Weitere Vermeidungsstrategien und Gründe für
deren Für und Wider werden in Abschnitt 3.9 diskutiert.
Vereinfacht dargestellt, berechnen sich die CO2-Emissi-                        Es gibt strukturelle Unterschiede beim CO2-Fußab-
onen durch Heizen pro Person wie folgt:                                        druck zwischen Personen, die in der Stadt oder auf
                                                                               dem Land oder in weiteren Siedlungstypen wohnen,
CO2-Emissionen durch Heizen =                                                  auch die Größe der Stadt spielt dabei eine Rolle. Dif-
(Wohnfläche x Energiebedarf des Gebäudetyps x                                  ferenziert man zusätzlich nach Kreistypen (Abbildung
CO2-Emissionen nach Heizungsart) / Haushaltsgröße                              6 und Abbildung 7), so zeigt sich, dass die Emissionen




Abbildung 6: Siedlungsstrukturelle Kreistypen in 2018
Kreisfreie Großstädte: Kreisfreie Städte mit mind. 100.000 Einwohnern; Städtische Kreise: Kreise mit einem Bevölkerungsanteil in Groß- und M
                                                                                                                                           ­ ittelstädten
von mind. 50 % und einer Einwohnerdichte von mind. 150 E./km²; sowie Kreise mit einer Einwohnerdichte ohne Groß- und Mittelstädte von mind. 150 E./km²;
Ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen: Kreise mit einem Bevölkerungsanteil in Groß- und Mittelstädten von mind. 50 %, aber einer ­Einwohnerdichte
­unter 150 E./km²; sowie Kreise mit einem Bevölkerungsanteil in Groß- und Mittelstädten unter 50 % mit einer Einwohnerdichte ohne Groß- und Mittel-
 städte von mind. 100 E./km²; dünn besiedelte ländliche Kreise: Kreise mit einem Bevölkerungsanteil in Groß- und Mittelstädten unter 50 % und Einwohner­
 dichte ohne Groß- und Mittelstädte unter 100 E./km²; Quelle: BBSR, 2018; die Darstellung wurde grafisch angepasst.
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26   EINE FAIRE CO 2-BEPREISUNG MACHT ES VERBRAUCHER*INNEN LEICHT, SICH KLIMAFREUNDLICH ZU ENTSCHEIDEN




     Abbildung 7: CO2-Fußabdruck nach siedlungsstrukturellem Kreistyp im Herbst 2020
     CO2-Fußabdruck: in Tonnen CO2-Äquivalenten (gewichtete und gerundet), die rote Linie stellt die durchschnittliche Größe aller gemessenen CO2-Fußabdrücke
     dar; Siedlungsstruktureller Typ: ungewichtete Zahlen in Klammern; n = 1.082 (für 21 befragte Personen liegen keine Daten vor).




     Abbildung 8: CO2-Fußabdruck nach Gemeindegröße im Herbst 2020
     CO2-Fußabdruck: in Tonnen CO2-Äquivalenten (gewichtete und gerundet), die rote Linie stellt die durchschnittliche Größe aller gemessenen CO2-Fußabdrücke
     dar; Gemeindegröße: ungewichtete Zahlen in Klammern; n = 1.082 (für 21 befragte Personen liegen keine Daten vor).
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3. ERGEBNISSE DER REPRÄSENTATIVEN BEVÖLKERUNGSBEFRAGUNGEN 2020 UND 2022 …                                                                             27




durch Automobilität in städtischen Kreisen (also Krei-
sen um Umfeld von kreisfreien Großstädten) sowie in                           3.5 Politische Präfenzen
dünn besiedelten ländlichen Kreisen am höchsten aus-
fallen. Mit Blick auf den gesamten CO2-Fußabdruck un-
                                                                              ­spielen eine ­untergeordnete
terscheiden sich dessen Niveaus nach siedlungsstruk-                           Rolle bezüglich der Größe
turellem Kreistyp allerdings nur um maximal rund eine
Tonne, da die Zusammensetzung des CO2-Fußabdrucks
                                                                               des CO2-Fußabdrucks
variiert und die Emissionen der jeweiligen Bereiche
sich teilweise aufwiegen.                                                     Fragen des umweltfreundlichen Konsums und der Be-
                                                                              preisung von CO2-Emissionen haben eine politische
Mit Blick auf die Gemeindegröße scheint es keinen ein-                        Dimension und werden von den politischen Parteien in
deutigen Trend zwischen Größe des CO2-Fußabdrucks                             Deutschland mit unterschiedlich stark ausgeprägter
und der Gemeindegröße zu geben, abgesehen von den-                            Intensität verfolgt und teilweise zu einem wesentlichen
jenigen Befragten, die in einer Gemeinde mit weniger                          politischen Schwerpunkt erklärt. Ebenso ist bekannt,
als 2.000 Einwohner*innen leben – hier ist die Größe                          dass Umwelteinstellungen, grundlegende politische
des CO2-Fußabdrucks weitaus geringer (Abbildung                               Einstellungen und letztlich auch das Wahlverhalten in
10).11 Deutlich unterschiedlich ist jedoch die Zusam-                         einem Zusammenhang stehen.
mensetzung der Fußabdrücke, welche aller Voraus-
sicht Ausdruck von infrastrukturellen Gegebenheiten                           Mit Blick auf umwelt- und klimapolitische Maßnah-
sowie Präferenzen bezüglich der eigenen Lebenswei-                            men im Bereich des umweltfreundlichen Konsums
se sind: Je höher die Einwohnerzahl einer Gemeinde,                           sowie der Bepreisung von CO2-Emissionen sollen hier
desto geringer fallen die Emissionen für Autofahren                           schwerpunktmäßig zwei Fragen näher untersucht wer-
aus – schließlich bestehen hier attraktivere Optionen,                        den, nämlich erstens die Akzeptanz einer CO2-Beprei-
auf den öffentlichen Nahverkehr und das Fahrrad als                           sung unter anderem nach Wahlverhalten der befragten
Verkehrsmittel auszuweichen. Allerdings fallen in grö-                        Personen (dazu vertieft Abschnitt 3.10) sowie zweitens
ßeren Gemeinden die Emissionen durch Konsum höher                             der Zusammenhang zwischen grundsätzlicher politi-
aus (aufgrund des allgemein höheren Einkommensni-                             scher Ausrichtung (hier konzeptualisiert als die Selbst-
veaus in Ballungszentren) und es gibt einen geringfü-                         einstufung der befragten Personen auf einer Skala von
gig höheren Hang zu Flugreisen.                                               0 („politisch links“) bis 10 („politisch rechts“)) und der
                                                                              Größe des individuellen CO2-Fußabdrucks. Aufgrund
                                                                              geringer Stichproben-Fallzahlen für die politischen
                                                                              Extreme wurde die politische Selbsteinordnung geclus-
                                                                              tert, und zwar in die Gruppen „eher links“, „Mitte“ und
                                                                              „eher rechts“: Als „eher links“ wurden die Werte 0 bis
                                                                              4 zusammengefasst, als „Mitte“ der Wert 5, als „eher
                                                                              rechts“ die Werte 6 bis 10. Diese gewählte Gruppierung
                                                                              wurde auf deren Robustheit hin mit variierender Grup-
                                                                              pierung (zum Beispiel 0 bis 3 als „eher links“, 4 bis 6
                                                                              als „Mitte“ und 7 bis 10 als „eher rechts“) geprüft. Die
                                                                              für Abbildung 9 benutzte Gruppierung wurde letztlich
                                                                              gewählt, da sie eine große Fallzahl im eher linken wie
                                                                              rechten Spektrum aufweist.




11   Es kann sich aber hierbei auch um statistische Outlier handeln, da nur rund zwei Prozent der Befragten in einer Gemeinde mit weniger als 2.000
     Einwohner*innen wohnen.
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28   EINE FAIRE CO 2-BEPREISUNG MACHT ES VERBRAUCHER*INNEN LEICHT, SICH KLIMAFREUNDLICH ZU ENTSCHEIDEN




     Abbildung 9: CO2-Fußabdruck nach politischer Selbsteinordnung im Herbst 2020
     CO2-Fußabdruck: in Tonnen CO2-Äquivalenten (gewichtete und gerundet), die rote Linie stellt die durchschnittliche Größe aller gemessenen CO2-Fußabdrücke
     dar; politische Selbsteinordnung (absolute ungewichtete Werte): die Fragestellung lautete: „Wenn von Politik die Rede ist, hört man immer wieder die
     Begriffe ,links‘ und ,rechts‘. Wir hätten gerne von Ihnen gewusst, ob Sie sich selbst politisch eher links oder eher rechts einstufen. 0 bedeutet sehr links,
     10 bedeutet sehr rechts. Mit den Werten dazwischen können Sie abstufen“, die Werte wurden gruppiert in „eher links“ (Werte von 0 bis 4), „Mitte“ (Wert 5)
     und „eher rechts“ (Werte 6 bis 10); n = 1.103.




     Diejenigen, die sich als politische Mitte einordnen, lie-                        Tabelle 6: Monatliches (Nettoäquivalenz-)Einkommen
     gen mit im Schnitt 11,4 t etwa auf dem Durchschnitt des                          nach politischer Selbsteinordnung im Herbst 2020
     gesamten Samples. Diejenigen, die sich eher politisch
                                                                                        Politische Selbst-                                     Standard­
     links einordnen, weisen einen leicht überdurchschnitt-                                                         Einkommen
                                                                                        einordnung                                             abweichung
     lichen Fußabdruck von im Schnitt 11,9 t auf, wohinge-
     gen diejenigen, die sich politisch eher rechts einord-                             Eher links                  2.074 Euro (439)           1.347
     nen, einen leicht unterdurchschnittlichen Fußabdruck
                                                                                        Mitte                       2.028 Euro (403)           1.534
     von im Schnitt 10,8 t aufweisen. Das Links-Rechts-Bild
     wird von dem höheren Bildungs- und Einkommensni-                                   Eher rechts                 1.727 Euro (179)           1.021
     veau im linken politischen Bereich im Vergleich zum                              Gewichtete und gerundete Werte, ungewichtete absolute Zahlen in Klam-
     rechten Bereich getragen.                                                        mern; politische Selbsteinordnung (absolute ungewichtete Werte): die Fra-
                                                                                      gestellung lautete: „Wenn von Politik die Rede ist, hört man immer wieder
                                                                                      die Begriffe ,links‘ und ,rechts‘. Wir hätten gerne von Ihnen gewusst, ob Sie
                                                                                      sich selbst politisch eher links oder eher rechts einstufen. 0 bedeutet sehr
                                                                                      links, 10 bedeutet sehr rechts. Mit den Werten dazwischen können Sie
                                                                                      abstufen“, die Werte wurden gruppiert in „eher links“ (Werte von 0 bis 4),
                                                                                      „Mitte“ (Wert 5) und „eher rechts“ (Werte 6 bis 10); n = 1.103 (die Antwort-
                                                                                      kategorien „weiß nicht“ und „verweigert“ sind nicht aufgeführt).




                                                                                      Mit Blick auf die Unterschiede im Detail fällt auf, dass
                                                                                      diejenigen, die sich als politisch eher links einordnen,
                                                                                      eine höhere Autonutzung angeben, außerdem wurden
                                                                                      für diese Gruppe höhere absolute Konsumausgaben er-
                                                                                      mittelt. Ursächlich hierfür ist vermutlich das für diese
                                                                                      Gruppe ermittelte höhere Einkommen (Tabelle 6).
28

3. ERGEBNISSE DER REPRÄSENTATIVEN BEVÖLKERUNGSBEFRAGUNGEN 2020 UND 2022 …                                                                                   29




3.6 Größe und Zusammen-                                                         ter von Mitte 60 haben – als Grund dafür werden die

setzung des CO2-Fußabdrucks                                                     hohen Konsumausgaben in diesem Alter in den USA
                                                                                angeführt. Trotz methodischer Unterschiede lässt sich
ändern sich mit dem Lebens­                                                     verallgemeinernd festhalten, dass der CO2-Fußabdruck

alter – erst ab dem 60. Lebens-                                                 bis zum Alter von etwa 60 Jahren im Schnitt tendenziell
                                                                                größer ausfällt als in den Altersklassen darüber.
jahr ist er deutlich kleiner
                                                                                Die Unterschiede hinsichtlich der Größe des CO2-Fuß-
                                                                                abdrucks liegen für die hier berichteten Altersgrup-
Die Entwickler des hier verwendeten CO2-Rechners                                pen im Wesentlichen darin, dass mit zunehmendem
gehen davon aus, dass der CO2-Fußabdruck im Al-                                 Alter die Mobilität abnimmt, während die Emissionen
tersbereich von 40 bis 60 Jahren im Schnitt am höchsten                         im „immobilen“ Bereich (Heizen, Strom) zunehmen:
ist (Schmidt, 2019), was sich auch in unseren Daten                             Jüngere Menschen weisen höhere Emissionen durch
zeigt. Sie zeigen zusätzlich hohe Werte im Altersbe-                            Flugzeugreisen und Autofahren auf, wohingegen ältere
reich von 24 bis 29 Jahren (Abbildung 10). Andere Studi-                        Menschen deutliche höhere Emissionen im Bereich des
en wie beispielsweise die Umweltbewusstseinsstudie                              Heizens (pro Kopf) aufweisen. Ein wesentlicher Grund
2020 (UBA, 2022) finden – ohne Berücksichtigung des                             für die höheren Emissionen durch Heizen (pro Kopf) ist
„sonstigen“ Konsumverhaltens – keinen eindeutigen                               die mit dem Alter abnehmende Anzahl von Haushalts-
Trend bezüglich des Zusammenhangs zwischen Al-                                  mitgliedern, so dass auf eine befragte Person mehr
ter und CO2-Fußabdruck – allerdings wurde hier eine                             Emissionen pro Kopf entfallen, je höher das Alter.
andere Altersklassifikation verwendet. Die Entwickler
des CO2-Rechners des Umweltbundesamts gehen vom                                 Inwieweit das Alter eine Rolle dabei spielt, dass sich die
größten CO2-Fußabdruck im Alter zwischen 40 und 60                              oft langlebigen Investitionen in klimaneutrale Anlagen oft
Jahren aus. Zagheni (2011) findet für die USA, dass die                         aus finanzieller Sicht nicht mehr amortisieren (tatsächlich
Pro-Kopf-Emissionen ihren Höhepunkt im Mittel im Al-                            oder wahrgenommen), dazu mehr in Abschnitt 3.9.




Abbildung 10: CO2-Fußabdruck nach Lebensalter der befragten Personen im Herbst 2020
CO2-Fußabdruck: in Tonnen CO2-Äquivalenten (gewichtete und gerundet), die rote Linie stellt die durchschnittliche Größe aller gemessenen CO2-Fuß­
abdrücke dar; Lebensalter: Die Befragten wurden in einheitliche Altersgruppen eingruppiert; n = 1.087 (die Kategorie „weiß nicht“ und „verweigert“ ist in
der Abbildung nicht aufgeführt).
29

30   EINE FAIRE CO 2-BEPREISUNG MACHT ES VERBRAUCHER*INNEN LEICHT, SICH KLIMAFREUNDLICH ZU ENTSCHEIDEN




     Mit Blick auf die Ernährung zeigen sich nur geringe Un-   Zunächst wurden die Ausgaben für CO2, die für Ver-
     terschiede über die Altersgruppen hinweg. Menschen        braucher*innen im Rahmen des nationalen Emissi-
     im jüngeren Erwachsenenalter haben insgesamt einen        onshandels anfallen (Heiz- und Kraftstoffe), berechnet.
     höheren Kalorienbedarf als ältere Menschen (DGE,          Hierfür wurden die im Rahmen der Befragung ermittel-
     2015), wodurch der CO2-Fußabdruck ceteris paribus         ten Emissionswerte für Automobilität und Heizen mit
     grundsätzlich größer ausfällt.                            einem Preis von 55 Euro pro Tonne belegt, dem CO2-
                                                               Preis für das Jahr 2025. Die jährlichen Ausgaben einer
     Nachdem bis zu dieser Stelle einige grundlegende In-      Person für CO2-Emissionen im Bereich Automobilität
     formationen zum CO2-Fußabdruck dargestellt wurden,        und Heizen wurden dementsprechend berechnet als
     sollen im Folgenden einige damit verbundene ökono-
     mische Aspekte in den Blick genommen werden.              Ausgaben für CO2 für Automobilität und Heizen
                                                               (p. P. pro Jahr in €) =
                                                               (tCO2 Auto + tCO2 Heizen) × 55 €⁄t


                                                               Die relative finanzielle Belastung (das heißt der Anteil
     3.7 Untere und mittlere Ein-                              der CO2-Ausgaben am jährlichen Nettoäquivalenzein-

     kommen zahlen in Absolut­                                 kommen) wurde berechnet als


     beträgen weniger für CO2 als                              Finanzielle Belastung

     hohe Einkommen, sind im Ver-                              (p. P. in % des jährlichen Nettoäquivalenzeinkommens) =
                                                               (tCO2 Auto + tCO2 Heizen ) × 55 €⁄t
     hältnis zu ihrem Einkommen                                monatliches Nettoäquivalenzeinkommen (€)×12

     aber f­ inanziell stärker belastet                        Im Mittel gibt eine befragte Person unter Annahme ei-
                                                               nes Preises von 55 Euro pro Tonne CO2 rund 204 Euro
     3.7.1 Ausgaben für und finanzielle Belastung durch        im Bereich Automobilität und Heizen aus, wovon rund
     CO2-Bepreisung im Bereich Automobilität und Heizen        117 Euro auf Automobilität und rund 87 Euro auf Heizen
     („nationaler Emissionshandel“)                            entfallen (ohne Tabelle). Die Belastungsquote durch die
                                                               CO2-Bepreisung beträgt im Schnitt rund 1,2 Prozent
     Der Preispfad des nationalen Emissionshandels sieht       des Nettoäquivalenzeinkommens. Aus Abbildung 11
     prospektiv für das Jahr 2025 einen CO2-Preis in Höhe      wird jedoch deutlich, dass die Ausgaben des obersten
     von 55 Euro pro Tonne CO2 vor. Dieser Preis wurde bei     Einkommensquintils knapp doppelt so hoch liegen wie
     der Durchführung der folgenden Berechnungen ange-         die Ausgaben des ersten Einkommensquintils, auch
     nommen.                                                   wenn die finanzielle Belastung relativ zum Einkom-
                                                               men im untersten Quintil gut drei Mal so hoch ausfällt
                                                               wie diejenige im höchsten Quintil. Zunächst wirkt die
                                                               CO2-Bepreisung bekanntermaßen regressiv, das heißt,
                                                               Personen mit niedrigem Einkommen werden prozentu-
                                                               al höher belastet als Personen mit hohem Einkommen
                                                               (Öko-Institut, 2021). Für eine Entlastung niedriger und
                                                               mittlerer Einkommen stünden durch die Einnahmen
                                                               der CO2-Bepreisung insbesondere aufgrund der Zah-
                                                               lungen hoher Einkommen finanzielle Mittel bereit, um
                                                               die Ausgaben niedriger Einkommen in hohem Maße zu
                                                               entlasten (dazu mehr in Abschnitt 3.8).
30

3. ERGEBNISSE DER REPRÄSENTATIVEN BEVÖLKERUNGSBEFRAGUNGEN 2020 UND 2022 …                                                                                 31




Abbildung 11: Ausgaben für und finanzielle Belastung durch CO2-Bepreisung im Bereich Automobilität und
­Heizen („nationaler Emissionshandel“) bei einem Preis von 55 Euro pro Tonne CO2 nach Einkommensquintil
Werte sind gewichtet und gerundet; Ausgaben für CO2-Bepreisung in Euro, Finanzielle Belastung durch CO2-Bepreisung in Prozent entspricht den Ausgaben
für CO2-Bepreisung (in Euro) im Verhältnis zum Nettoäquivalenzeinkommen (in Euro); der rote Balken gibt die Standardabweichung (einfach) an; n = 1.103.




3.7.2 Ausgaben für und finanzielle Belastung durch                             Die relative finanzielle Belastung wurde berechnet als
Bepreisung sämtlicher Emissionen entsprechend dem
individuellen CO2-Fußabdruck                                                   Finanzielle Belastung
                                                                               (p. P. in % des jährlichen N
                                                                                                          ­ ettoäquivalenzeinkommens) =
Für die folgende Darstellung wurde nun angenommen,                             (tCO2 gesamt × 55 €⁄t)
dass der gesamte Fußabdruck einer Person einheitlich                           monatliches Nettoäquivalenzeinkommen (€) × 12
mit einem Preis von 55 Euro pro Tonne CO2 belegt wird.12
Damit soll dem Umstand Rechnung getragen werden,                               Die durchschnittliche finanzielle Belastung beträgt
dass der Emissionshandel in den Bereichen Energiewirt-                         rund 3,4 Prozent des jährlichen Nettoäquivalenzein-
schaft, energieintensive Industrie und innereuropäischer                       kommens bei vollständiger Bepreisung sämtlicher
Luftverkehr bereits auf europäischer Ebene besteht und                         Emissionen entsprechend dem individuellen CO2-Fuß-
kontinuierlich auf weitere Sektoren ausgeweitet wird –                         abdruck. Die durchschnittlichen jährlichen Ausgaben
mit dem theoretischen Maximum einer Bepreisung des                             pro Person würden dann rund 620 Euro betragen.
gesamten CO2-Fußabdrucks, den eine Person hat (siehe
hierzu die Ausführungen zu derzeitigen und geplanten                           Auch hier wird deutlich, dass die relative finanzielle
Umfang des Emissionshandels in Kapitel 1).                                     Belastung im ersten Einkommensquintil zwar um das
                                                                               2,3-Fache über der relativen finanziellen Belastung des
Die jährlichen Ausgaben einer Person für CO2-Emissio-                          fünften Einkommensquintils liegt – in Absolutwerten
nen wurden dementsprechend berechnet als                                       würden Menschen mit geringem Einkommen aller-
                                                                               dings deutlich weniger zahlen als Menschen mit ho-
Ausgaben für CO2 bei vollständiger Bepreisung                                  hem Einkommen. Ohne Rückverteilung der Einnahmen
(p. P. pro Jahr in €) = tCO2 gesamt × 55 €⁄t                                   aus der CO2-Bepreisung zeigt sich dieselbe regressive




12   Die Preise, die sich für eine Tonne CO2, die im Rahmen des europäischen Emissionshandels ergeben, sind nicht fix, sondern unterliegen Schwankun-
     gen durch den Handel mit Emissionszertifikaten. Für die Darstellung in diesem Kapitel wurde daher zum Zwecke einer einheitlichen Darstellung ein
     fixer Preis von 55 Euro pro Tonne für sämtliche auf eine Person entfallenden CO2-Emissionen angenommen.
31

32   EINE FAIRE CO 2-BEPREISUNG MACHT ES VERBRAUCHER*INNEN LEICHT, SICH KLIMAFREUNDLICH ZU ENTSCHEIDEN




     Abbildung 12: Ausgaben für und finanzielle Belastung durch CO2-Bepreisung sämtlicher Emissionen entsprechend
     dem individuellen CO2-Fußabdruck bei einem Preis von 55 Euro pro Tonne CO2 nach Einkommensquintil
     Werte sind gewichtet und gerundet; Ausgaben für CO2-Bepreisung in Euro, Finanzielle Belastung durch CO2-Bepreisung in Prozent entspricht den Ausgaben
     für CO2-Bepreisung (in Euro) im Verhältnis zum Nettoäquivalenzeinkommen (in Euro); der rote Balken gibt die Standardabweichung (einfach) an; n = 1.103.



     Verteilungswirkung durch die Bepreisung. Allerdings                           In der wissenschaftlichen und öffentlichen Debatte
     stünden durch die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung                            werden derzeit unterschiedliche Ansätze diskutiert,
     umfangreiche finanzielle Mittel bereit, um niedrige und                       in welcher Form eine Rückverteilung der Einnahmen
     mittlere Einkommen gezielt zu entlasten (dazu mehr in                         an Personen mit geringen und mittleren Einkommen
     Abschnitt 3.8).                                                               („Klimageld“) ausgestaltet werden könnte. Eine faire
                                                                                   Bepreisung von CO2-Emissionen muss für die meisten
                                                                                   Menschen keine spürbare finanzielle Last darstel-
                                                                                   len, sondern sie könnte für einkommensschwache
                                                                                   Haushalte sogar eine finanzielle Entlastung mit sich
     3.8 Bei CO2-Bepreisung mit                                                    bringen (Kalkuhl, Knopf, Edenhofer, 2021). Und selbst

     Rückverteilung können untere                                                  Haushalte mit mittlerem Einkommen würden nach
                                                                                   Rückverteilung mit einer „schwarzen Null“ aus der
     Einkommensgruppen vollständig                                                 Bepreisung gehen.

     entlastet werden – insbesondere                                               Häufig in die Diskussion eingebracht wird eine
     bei gezielter Rückverteilung an                                               Pro-Kopf-Rückverteilung (Zerzawy & Fischle, 2021),

     untere und mittlere Einkommen                                                 welche eine pauschale Rückerstattung in Höhe der
                                                                                   durchschnittlichen Einnahmen aus der CO2-Bepreisung
     wäre eine weitgehende Abfede-                                                 pro Kopf an alle Verbraucher*innen vorsieht (vgl. auch

     rung von Härten bis hin zu einer                                              die dahingehende Interpretation des Ampel-Koalitions-
                                                                                   vertrags durch die FDP, zum Beispiel Stratmann und
     Nettoentlastung möglich                                                       Greive, 2022). Ansätze, die auf eine Pro-Kopf-Rückver-
                                                                                   teilung setzen, werden aber auch kritisch diskutiert,
                                                                                   unter anderem weil sie Haushalte mit hohem Einkom-
     3.8.1 Beispiele für Rückverteilung im nationalen                              men ebenso begünstigen wie Haushalte mit geringen
     Emissionshandel: Pro-Kopf-Rückerstattung vs.                                  und mittleren Einkommen (Barckhausen et al., 2022;
     einkommensorientierte Rückerstattung                                          Matthes, 2020). Dennoch ist eine Pro-Kopf-Rückvertei-
                                                                                   lung anschaulich (und vergleichsweise einfach admi-
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3. ERGEBNISSE DER REPRÄSENTATIVEN BEVÖLKERUNGSBEFRAGUNGEN 2020 UND 2022 …                                                                      33




nistrativ zu implementieren) und zeigt die fiskalische                       Die Einkommensquintile lassen sich demnach in „Net-
Dimension einer potenziellen Rückverteilung auf. Aus                         toprofitierende“ (Netto-Entlastung nach Rückvertei-
diesem Grund wird sie hier näher betrachtet.                                 lung) und (klar) „Nettozahlende“ (Netto-Zahlung auch
                                                                             nach Rückverteilung) einteilen, wobei die ersten beiden
In Abschnitt 3.7.1 wurde gezeigt, dass niedrige Ein-                         Quintile unter Nettoprofitierende fallen und die Quintile
kommen durch den nationalen Emissionshandel zwar                             vier und fünf unter Nettozahlende (aufgrund der insge-
relativ zu ihrem Einkommen deutlich stärker finanziell                       samt kleinen Fallzahl unserer Erhebung sind die Kon-
belastet werden – andererseits zahlen höhere Einkom-                         fidenzintervalle alle überlappend, das heißt, die Stich-
men deutlich höhere Absolutbeträge, woraus sich bei                          probe lässt keine robusten Ergebnisse im Detail zu). Das
einer aufkommensneutralen Ausgestaltung des nati-                            3. Quintil wird für die weitere Darstellung als neutral
onalen Emissionshandels Gestaltungsmöglichkeiten                             bezüglich der Rückverteilung angenommen (auch weil
für eine Umverteilung der Einnahmen hin zu niedrigen                         das 3. Quintil bei voller Bepreisung leicht in die Gruppe
Einkommen ergeben.                                                           der Nettoprofitierenden rutscht). Das Rechenbeispiel
                                                                             mit einer einheitlichen Rückerstattung aus dem natio-
Wie aus Abbildung 13 hervorgeht, ist bei einer bei-                          nalen Emissionshandel pro Kopf soll zeigen, dass eine
spielhaften Pro-Kopf-Erstattung der Einnahmen aus                            grundsätzlich soziale Ausgestaltung – unter den hier
der Bepreisung von CO2-Emissionen in den Bereichen                           getroffenen Annahmen – innerhalb des Systems der
Heiz- und Kraftstoffe i. H. v. 204 Euro im Rechenbei-                        CO2-Bepreisung selbst dann möglich ist, wenn die Rück-
spiel eine Nettoentlastung der untersten beiden Ein-                         erstattung nicht einkommensabhängig erfolgt.
kommensquintile möglich. Von eventuell anfallenden
Transaktionskosten bei der Rückverteilung (zum Bei-                          Zielgerichtete weitere Maßnahmen erfordern darüber
spiel bürokratischer Aufwand) wurde hier allerdings                          hinaus Kenntnisse über die Situation der Personen, die
abstrahiert (für eine Vertiefung dieses Aspekts siehe                        unter diejenigen fallen, die über ein geringes Einkom-
Kellner et al., 2022).                                                       men verfügen und trotz Umverteilung in die Gruppe der
                                                                             Nettozahlenden fallen. Die Eigenschaften dieser Grup-
                                                                             pe sind im Abgleich mit den anderen hier diskutierten
                                                                             Gruppen in Tabelle 7 dargestellt.




Abbildung 13: Ausgaben für CO2-Bepreisung im Bereich Automobilität und Heizen („nationaler Emissionshandel“)
nach Pro-Kopf-Rückverteilung bei einem Preis von 55 Euro pro Tonne CO2 nach Einkommensquintil
Werte sind gewichtet und gerundet; Ausgaben für CO2-Bepreisung in Euro; der rote Balken gibt die Standardabweichung (einfach) an; n = 1.103.
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