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Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Gutachten des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen

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16   NACHHALTIGEN KONSUM UND NACHHALTIGE PRODUKTION ERMÖGLICHEN




     2. Die Umsetzung des SDG 12 in die
     ­Indikatorik der DNS: Welche Ziele
      ­werden verfolgt? Wo gibt es Lücken?

     Das bereits skizzierte SDG 12 umfasst insgesamt elf                               Statt der in SDG 12 geforderten nachhaltigen Ge-
     Unterziele und zahlreiche damit verbundene SDG-Indi-                              schäftspraktiken und der geforderten Nachhaltigkeits-
     katoren.20 Betrachtet man, wie diese Ziele und Indika-                            berichte von Unternehmen wird national hilfsweise die
     toren in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie um-                               EMAS-Zertifizierung herangezogen.22 Damit wird der
     gesetzt wurden, so zeigen sich verschiedene Lücken.                       21
                                                                                       Anspruch verbunden, die Umweltleistung des Organi-
                                                                                       sationsstandortes stetig zu verbessern. Der Indikator
     Beispielsweise übersetzt die Deutsche Nachhaltigkeits-                            „Umweltmanagement EMAS“ bezieht sich allerdings
     strategie den Indikator „(Domestic) Material Footprint                            nahezu ausschließlich auf ökologische Kategorien und
     per capita and GDP“ (SDG 12.2) auf nationaler Ebene                               betrachtet bisher keine sozialen und ökonomischen
     in zwei Indikatoren. Zum einen ist dies der Indikator                             Aspekte.23
     „Marktanteil von Produkten mit staatlichen Umwelt-
     zeichen“ (perspektivisch: Marktanteil von Produkten                               Bereits diese beiden Beispiele verdeutlichen pars pro
     und Dienstleistungen, die mit glaubwürdigen und an-                               toto, dass es der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie
     spruchsvollen Umwelt- und Sozialsiegeln ausgezeich-                               an vielen Stellen noch an einer adäquaten Zielauflö-
     net sind), zum anderen der Indikator „Energieverbrauch                            sung und an adäquaten Indikatoren fehlt. Die damit an-
     und CO2-Emissionen des Konsums“. Wie diese Indikato­                              gesprochene Umsetzungslücke könnte Management-
     ren zueinander stehen, bleibt indes unklar. In Vorberei-                          probleme verursachen sowie Probleme im Bereich der
     tung ist allerdings die Ausweisung eines Gesamtwertes                             Steuerung und Zielkontrolle. Insbesondere im Hinblick
     für den Material-Footprint-Indikator im Bericht zur                               auf das SDG 12 ist diese Lücke zwischen Zielsetzung,
     DNS. Eine sozioökonomische Differenzierung, wie im                                Indikatorik und Zielerreichung, wie im Folgenden noch
     NPNK gefordert, ist jedoch noch nicht angelegt.                                   veranschaulicht werden soll (vgl. Kap. 3), ausgeprägt.
                                                                                       Der SVRV empfiehlt daher diese Umsetzungslücke
                                                                                       zu schließen und eine, den vielfältigen Vorgaben von
                                                                                       SDG 12 entsprechend differenzierte, konfliktfreie, kon-
                                                                                       sistente, effektive und effiziente Indikatorik zu entwi-
                                                                                       ckeln, die, wie im NPNK gefordert, auch der Informati-
                                                                                       on an andere Stakeholder dienen kann.24




     20   Vgl. die Tabelle in der Anlage: UN SDG 12 Zielbeschreibung – UN-Indikatorik und Stand der Indikatorik der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie im Abgleich.
     21   Vgl. hierzu auch Bundesrechnungshof (2019). Abschließende Mitteilung an das Bundeskanzleramt über die Prüfung der nationalen Umsetzung der
          Ziele für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen – Agenda 2030, Bonn, S. 16 f., S. 20.
     22   Bei EMAS handelt es sich um ein Konzept für einen systematischen betrieblichen Umweltschutz.
     23   Unter https://sustainabledevelopment-germany.github.io/12/ wird ausgewiesen, wie der Status Quo der Datenerhebung zu den SDG in Deutschland
          ist (vgl. auch Tabelle in der Anlage unter Status Quo DNS) – diese weist für einige Indikatoren der UN SDG-Daten als verfügbar aus.
     24   Büttgen, A., Kühlert, M., Liedtke, C., Teubler, J. (2018). Konsum nachhaltig gestalten – Anforderungen an einen Konsumindikator im SDG 12. Teilbericht
          zum Forschungsmodul B1 im Forschungsprojekt „Umsetzungserfahrungen mit Landesnachhaltigkeitsstrategien – Fallstudie Nachhaltigkeitsstra-
          tegie NRW“. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (Hrsg.). Kleinhückelkotten, S., Neitzke, H., Moser, S. (2016). Repräsentative Erhebung von
          Pro-Kopf-Verbräuchen natürlicher Ressourcen in Deutschland (nach Bevölkerungsgruppen). Umweltbundesamt (Hrsg.). Lukas, M., Rohn, H., L­ ettenmeier,
          M., Liedtke, C., Wiesen, K. (2016). The Nutritional Footprint – integrated methodology using environmental and health indicators to indicate potential for
          absolute reduction of natural resource use in the field of food and nutrition, in Journal Cleaner Production, 2016, Volume 132, S. 161–170.
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Welche Ziele ­werden verfolgt? Wo gibt es Lücken?                                                                                                            17




Empfehlung 1

Die Verbraucherpolitik sollte die im
Hinblick auf die SDG-12-Indikatorik
bestehenden konzeptionellen Schwä-
chen beheben. Sie sollte darüber
hinaus die bestehenden Lücken in der
DNS-Indikatorik schließen. Hierzu
sollte sie eine den vielfältigen Vorga-
ben des SDG 12 entsprechend diffe-
renzierte, konflikt­freie, konsistente,
effektive und effiziente Indikatorik
entwickeln und etablieren, die auch
die Interdependenzen mit anderen
SDGs beachtet. Hierzu ist eine ent-
sprechende Methodik25 seitens der
Bundesregierung und der jeweiligen
Ressorts zu entwickeln.




     https://tinyurl.com/ybkdvfn6, letzter Zugriff 17.02.2020. Schoenheit, I. (2016). Indikatoren für den Nachhaltigen Konsum. Kurzstudie für den Rat für
     Nachhaltige Entwicklung (RNE). Steinemann, M., Schwegler, R., Spescha, G., Iten, R. (2015). Marktbeobachtung Nachhaltiger Konsum: Entwicklung
     eines Instrumentes zur Langzeit-Erfassung von Marktanteilen, Trends und Treibern nachhaltigen Konsums. Umweltbundesamt (Hrsg.).
25   Die Methodik könnte integrativ mit der Gemeinwohlbilanzierung in Unternehmen bezogen auf die SDGs entwickelt werden (vgl. 4.1 zu GWÖ).
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18   NACHHALTIGEN KONSUM UND NACHHALTIGE PRODUKTION ERMÖGLICHEN




     3. Zur Zielerreichung im Hinblick
     auf die aktuell erfassten SDG-12-
     Indika­toren: Wo stehen wir derzeit?

     Blendet man die Kritik an der aktuellen Zielumsetzung                       einem Umsatz von insgesamt 25,7 Milliarden Euro. Im
     und Indikatorik aus und fokussiert die bereits vorhan-                      Ergebnis bedeutet dies ein Wachstum von etwa einem
     denen Subziele und Indikatoren, werden zwei weitere                         Prozentpunkt pro Jahr. Schreibt sich diese Entwick-
     Problembereiche deutlich, an denen die nationale Ver-                       lung linear fort, so wird der Wert 2030 bei etwa 20 %
     braucherpolitik ansetzen könnte:                                            liegen – der angestrebte Zielwert von 34 % würde damit
                                                                                 deutlich verfehlt werden.27
     1. Zum einen setzt die DNS, wie noch geschildert wird,
          die SDG-12-Ziele und Indikatoren nicht umfassend                       2.	Der Energieverbrauch des Konsums verharrt
          um (vgl. auch Sustainable Development Goals Re-                             auf hohem Niveau.
          port   26
                      ). Die beiden flankierenden Programme –
          ProgRess und NPNK – beinhalten zwar beide um-                          Ein weiteres Ziel der Bundesregierung ist es, den
          fangreiche Maßnahmenkataloge, diese sollten aber                       Energieverbrauch des Konsums kontinuierlich abzu-
          durch eine ambitionierte Rechtsetzung und Anreiz-                      senken. Der Blick auf die veröffentlichten Daten zeigt
          systeme für eine erfolgreiche Umsetzung weiter                         eine dieser Zielstellung nicht entsprechende wellen-
          flankiert werden.                                                      förmige Entwicklung des Energieverbrauchs durch
                                                                                 Konsumaktivitäten der privaten Haushalte mit einem
     2. Zum anderen verfehlt die Bundesrepublik Deutsch-                         leichten Anstieg um 1,9 % vom Jahr 2005 bis 2010. Zwi-
          land die in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie                     schen 2010 und 2012 sank der Energieverbrauch der
          im SDG 12 definierten Ziele derzeit recht deutlich.                    privaten Haushalte stetig um insgesamt 5,3 %. Im Jahr
                                                                                 2013 hingegen stieg der Verbrauch gegenüber dem
     Diese beiden Problembereiche sollen im Folgenden                            Vorjahr wieder um 1,9 % an, während er im Jahr 2014
     kurz erörtert werden:                                                       gegenüber dem Vorjahr um 6,2 % sank. Nach vorläufi-
                                                                                 gen Ergebnissen für 2015 stieg der Energieverbrauch
     1.	Der Marktanteil von Produkten mit staatlichen                           gegenüber dem Vorjahr wieder um 2,0 % an. Eine kon-
          Umweltzeichen wächst kaum.                                             tinuierliche Abnahme ist nicht zu beobachten, auch
                                                                                 wenn der Wert im Jahr 2015 gegenüber 2005 insge-
     Explizites Ziel der Bundesregierung ist es, den Markt-                      samt um 5,7 % abgenommen hat.28
     anteil von Produkten mit staatlichen Umweltzeichen
     bis 2030 auf 34 % zu erhöhen. Tatsächlich stieg zwi-
     schen 2012 und 2016 der entsprechende Wert von
     3,6 % auf 8,6 %. Das entsprach im Berichtsjahr 2016




     26   United Nations (2016). Sustainable Development Report. Zugriff am 09.03.2020. Verfügbar unter: https://ec.europa.eu/info/sites/info/files/
          european-green-deal-communication_de.pdf
     27   Die Bundesregierung (2016). Die Bundesregierung (2016). Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie. Zugriff am 17.02.2020. Verfügbar unter:
          https://www.bundesregierung.de/resource/blob/975292/730844/3d30c6c2875a9a08d364620ab7916af6/deutsche-nachhaltigkeitsstrategie-
          neuauflage-2016-download-bpa-data.pdf?
     28   Die Bundesregierung (2016).
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Wo stehen wir derzeit?                                                                                                                               19




        Marktanteil von Produkten mit staatlichen Umweltzeichen
        in %

       40

       35                                                                                                                 Ziel: 34

       30

       25

       20

       15

       10                                                                                8,6

         5         3,6

         0
                  2012             2013             2014               2015             2016                                 2030
       Alle Daten vorläufig; Quellen: Gesellschaft für Konsumforschung, Kraftfahrt-Bundesamt, Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH,
       Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e. V., Verkehrsclub Deutschland e. V., Umweltbundesamt


Abb 2: Entwicklung des Marktanteils von Produkten mit staatlichen Umweltkennzeichen (Quelle: Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung,
Umsetzung der Ziele der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, Beschluss vom 16. Dezember 2019, S. 35) (Das Layout wurde angepasst.)




        Einsatz des Umweltmanagementsystems EMAS in Deutschland
        Anzahl der in Deutschland registrierten Organisationsstandorte sowie deren Beschäftigte

        6 000

                                                                                                                           Ziel: 5 000
        5 000


        4 000


        3 000

                 1 958     EMAS-Organisationsstandorte                                                               2 176
        2 000

                  961      Beschäftigte in Tausend                                                                     985
        1 000


             0
                 2005     06      07      08      09       10     11      12      13       14     15      16      17              2030

        EMAS = Eco-Management and Audit Scheme; Quelle: Deutscher Industrie- und Handelskammertag e. V.



Abb 3: Entwicklung des Umweltmanagementsystems EMAS (Quelle: Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung, Umsetzung der Ziele der
Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, Beschluss vom 16. Dezember 2019, S. 37) (Das Layout wurde angepasst.)
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20   NACHHALTIGEN KONSUM UND NACHHALTIGE PRODUKTION ERMÖGLICHEN




     3.	Deutlich zu wenige Unternehmen engagieren sich
          im und für das Umweltmanagementsystem EMAS.


     Ein drittes Ziel der Bundesregierung ist es, insgesamt
     5.000 Organisationsstandorte für das Umweltmanage-
     ment EMAS bis zum Jahr 2030 auszuweisen. Im Jahr
     2017 waren in Deutschland 2.176 EMAS-Standorte re-
     gistriert. Dies entspricht einer Erhöhung um 11,1 %
     gegenüber 2005. Betrachtet man die Entwicklung der
     letzten fünf Jahre, so hat sich der Indikator im Durch-
     schnitt zwar leicht in Richtung des Ziels entwickelt.
     Bei gleichbleibender Entwicklung würde aber auch
     dieses Ziel in 2030 deutlich verfehlt werden. Auch
     sei darauf hingewiesen, dass die (geringe) Anzahl
     der EMAS-Standorte in Deutschland in keiner Weise
     „­leakage Effekte“ abbildet, d. h. die Verschiebung von
     Problemen in das Ausland.29


     Tatsächlich weisen somit alle drei der mit SDG 12 in
     Deutschland verbundenen Indikatoren einen erheb-
     lichen Abstand zu den festgeschriebenen Zielwerten
     auf. Auch die seitens der DNS noch nicht adressierten
     SDG-12-Unterziele sind hiervon betroffen. Vor diesem
     Hintergrund spricht der SVRV die folgende Empfeh-
     lung aus.




     Empfehlung 2

     Möchte die Verbraucherpolitik an den
     aktuellen Zielen und Indikatoren fest-
     halten, so sollte sie priorisiert Strate-
     gien und Maßnahmen entwickeln, um
     die derzeit bestehenden Ziellücken zu
     schließen.




     29   Bertelsmann Stiftung, Sustainable Development Solutions Network (2019). Sustainable Development Report 2019. Transformations to achieve
          the Sustainable Development Goals. Includes the SDG Index and Dashboards. Zugriff am 07.04.2020. Verfügbar unter: https://s3.amazonaws.com/
          sustainabledevelopment.report/2019/2019_sustainable_development_report.pdf, S. 14.
20

Was könnte getan werden?                                                                                                                   21




4. Strategien und Maßnahmen zur
Schließung der im Rahmen der ­aktuellen
Indikatorik vorliegenden Ziellücken:
Was könnte getan werden?

Um die in der bestehenden Indikatorik der DNS im
SDG-12-Kontext bestehenden Lücken zu schließen,                            4.1 Maßnahmen, um die
wären folgende Maßnahmen der nationalen Verbrau-
cherpolitik denkbar:
                                                                           ­Attraktivität und Akzeptanz
                                                                            von EMAS zu steigern
1. Die Verbraucherpolitik sollte verstärkt Maßnahmen
     ergreifen, um die Attraktivität und Akzeptanz von
     EMAS zu steigern.                                                     Im Hinblick auf die skizzierte Zielerreichungslücke
2. Die Verbraucherpolitik sollte die folgenden Maß-                        nennt der Staatssekretärsausschuss vom 16.12.2019
     nahmen ergreifen, um die Verfügbarkeit, Sichtbar-                     bereits verschiedene Maßnahmen, die dazu beitragen
     keit und Akzeptanz von Produkten mit staatlichen                      sollen, die skizzierte Lücke zu schließen. In erster Linie
     Umweltkennzeichen zu erhöhen:                                         sind diese dem umweltpolitischen Bereich zuzuordnen.
•    Die Ökodesign-Richtlinie sollte vorangetrieben und                    Konkret wird der folgende Ansatz verfolgt:
     national umgesetzt werden. Dabei sind die Möglich-
     keiten einer Verzahnung mit dem Verbraucherver-                       „Ein Schwerpunkt der umweltpolitischen Aktivitäten zu
     tragsrecht zu prüfen.                                                 EMAS liegt in den Jahren 2019 und 2020 auf der Verknüp-
                                                                           fung von EMAS mit anderen umwelt­politischen und weite-
•    Es sollte gewährleistet werden, dass den Verbrau-                     ren Instrumenten, die die nachhaltige Unternehmensführung
     cher*innen im Hinblick auf den nachhaltigen Konsum                    betreffen (Beispiele: Nachhaltigkeitsmanagement, Nachhal-
     entscheidungsrelevante Informationen zur Verfügung                    tigkeitsberichterstattung), sowie auf der Identifizierung
     stehen.                                                               und Diskussion konkreter Verwaltungserleichterungen für
                                                                           EMAS-Standorte im Umweltrecht. Bis 2025 führen alle
•    Die für die Priorisierung und Zielerreichung notwen-                  obersten Bundesbehörden sowie weitere Bundesbehörden
     dige soziale Akzeptanz sollte in den Blick genommen                   an zusätzlichen 300 Standorten ein Umweltmanagement-
     und gewährleistet werden.                                             system ein (Klimaschutz­programm 2030: 3.5.1.1 Einfüh-
                                                                           rung von Umweltmanagementsystemen nach EMAS / LU-
3. Die Verbraucherpolitik sollte dazu beitragen, Nach-                     MASPlus in der Bundesverwaltung bis 2025, pro Ressorts
     haltigkeit fest in den regulatorischen Prozess zu in-                 mindestens 10 Prozent seiner zivilen Standorte einschließ-
     tegrieren.                                                            lich des Geschäftsbereichs).“30


Im Folgenden werden die für den SVRV notwendigen
Maßnahmen kurz erläutert:




30   Die Bundesregierung (2019). Umsetzung der Ziele der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie stärken. Beschluss Staatssekretärsausschuss
     für nachhaltige Entwicklung vom 16. Dezember 2019. Zugriff am 31.03.2020. Verfügbar unter: https://www.bundesregierung.de/resource/
     blob/998006/1707716/546f0f04769370386d4c603786826458/beschluss-sts-ausschuss-12-2019-trackoff-data.pdf?
21

22   NACHHALTIGEN KONSUM UND NACHHALTIGE PRODUKTION ERMÖGLICHEN




     Im Wesentlichen geht es also darum, die mit EMAS ver-                        Aufträgen zu berücksichtigen. „Jährlich vergibt die
     bundenen Kosten u. a. durch Verwaltungserleichterun-                         öffentliche Hand Aufträge in Höhe eines dreistelligen
     gen zu senken sowie dort, wo dies möglich ist, EMAS                          Milliardenbetrages an private Unternehmen.“32 Die öf-
     durch Verordnung durchzusetzen. Diese kombinierte                            fentliche Auftragsvergabe ist damit ein bedeutender
     Strategie ist geeignet, einen Teil der Lücke zu schlie-                      Wirtschaftsfaktor und ein Instrument, das in den Dienst
     ßen. Gleichwohl werden ergänzende Maßnahmen nötig                            der Nachhaltigkeit gestellt werden könnte.
     sein, um das selbstgesteckte Ziel zu erreichen. Möglich
     wären dabei u. a. die folgenden Ansätze:                                     Eine weitere Möglichkeit, die beschriebene Anreizpro-
                                                                                  blematik zu lösen, bestünde darin, den Unternehmen,
     Eine politisch wohl schwer zu realisierende Möglich-                         die sich zertifizieren lassen, für die entsprechend zer-
     keit bestünde darin, eine entsprechende Zertifizierung                       tifizierten Produkte einen unmittelbaren oder mittel-
     rechtlich verpflichtend zu verankern.                                        baren Imitationsschutz, z. B. durch das Markenrecht,
                                                                                  zu gewähren. Zu prüfen wäre, ob die am 19. Januar
     Eine weitere Möglichkeit bestünde darin, die Zertifizie-                     2019 in Kraft getretenen § 106a ff MarkenG eine Opti-
     rungen zu subventionieren.                                                   on böten, um innovativen Unternehmen einen beson-
                                                                                  deren Imita­tionsschutz zu gewähren.33 Dies wäre zum
     Pragmatischer wäre es allerdings, Anreize für eine                           Beispiel dann denkbar, wenn diese Unternehmen im
     EMAS-Zertifizierung zu schaffen. Beispielsweise könn-                        Rahmen der Beschaffung besondere Anforderungen
     te die Politik einen Rahmen schaffen, der es Unter-                          an ihre Lieferanten formulierten und diese Anforde-
     nehmen und Organisationen erlaubt, sich durch eine                           rungen nach außen hin kommunizieren wollten. Die
     EMAS-Zertifizierung Wettbewerbsvorteile zu verschaf-                         Politik könnte bspw. einen Rahmen schaffen, der es ei-
     fen.31 Von grundlegender Bedeutung wäre dabei, dass                          nem Händler, der bestimmte Waren ausschließlich von
     es eine hinreichende Anzahl von Nachfrager*innen                             EMAS-zertifizierten Unternehmen bezöge, ermöglicht,
     gäbe, die bereit wären, für Produkte und Leistungen                          einen entsprechenden Markenschutz für sich bzw. die
     von Unternehmen, die nach EMAS zertifiziert sind,                            so beschafften Produkte zu beanspruchen. Gerade für
     entweder einen Aufpreis zu bezahlen und/oder ihre                            die in den letzten Jahren für den Konsumgüterhan-
     Nachfrage nach diesen Produkten zu erhöhen. Vor-                             del zunehmend bedeutsamen Handelsmarken, die in
     aussetzung dafür wäre wiederum, dass die entspre-                            Deutschland mittlerweile einen Marktanteil von ca.
     chende Zertifizierung von Verbraucher*innen bzw. von                         40 % erzielen, könnte eine entsprechende Differen-
     der Kundschaft wahrgenommen wird. Derzeit ist aber                           zierungsmöglichkeit im Bereich der Prozessqualitäten
     kaum etwas darüber bekannt, ob und wenn ja in wel-                           attraktiv sein.34
     cher Form seitens der Kunden EMAS bekannt bzw. für
     diese relevant ist. Einer systematischen Vermarktung                         In diesem Zusammenhang sollte allerdings auch die
     von EMAS fehlt daher eine wichtige informatorische                           Adäquanz von EMAS reflektiert werden, denn in den
     Basis. Solange diese Basis fehlt, kann über mögliche                         letzten Jahren wurden alternative Methoden für das be-
     Anreize nur gemutmaßt werden. Unbeschadet dessen                             triebliche Nachhaltigkeitsmanagement und Rahmen-
     wäre es aber bereits heute möglich, die EMAS-Zertifi-                        werke für die Nachhaltigkeitsberichterstattung entwi-
     zierung als Kriterium bei der Vergabe von öffentlichen                       ckelt. Ein Beispiel wäre die Global Reporting I­ nitiative




     31   Vgl. Meffert, H., Kenning, P., Kirchgeorg, M., (Hrsg.) (2015). Sustainable Marketing Management, Wiesbaden.
     32   BMWi (2020). Übersicht und Rechtsgrundlagen auf Bundesebene. Zugriff am 16.04.2020. Verfügbar unter: https://www.bmwi.de/Redaktion/
          DE/Artikel/Wirtschaft/vergabe-uebersicht-und-rechtsgrundlagen.html, weitere Information auch unter: https://www.beta.bund.de/DE/Thema/
          unternehmen/ausschreibungen-oeffentliche-auftraege.html
     33   Vgl. hierzu: Oehme et al. (2017). Strategien gegen Obsoleszenz. Sicherung einer Produktmindestlebensdauer sowie Verbesserung der Produkt­
          nutzungsdauer und der Verbraucherinformationen. Dies führt ggf. schneller zum Ziel als die Einführung einer Herstellergarantieaussagepflicht oder
          Normung im Rahmen des Produktsicherheitsgesetzes, wie sie das UBA im November 2017 als Handlungsempfehlung veröffentlichte – beide können
          aber sehr effiziente Rechtsetzungen sein, wenn die Gewährleistungsmarke als freiwilliges Instrument nicht greifen sollte.
     34   GfK (2017). Käufer suchen den Mehrwehrt. Top-Handelsmarken liegen im Trend – Käuferzuwachs auch durch die Sortimentspolitik des Handels.
          Consumer Index 03/2017. Zugriff am 30.03.2020. Verfügbar unter: https://www.gfk.com/fileadmin/user_upload/dyna_content/DE/documents/
          News/Consumer_Index/GfK_Consumer_Index_03_2017.pdf
22

Was könnte getan werden?                                                                                                                          23




(„GRI“)35, die in Erweiterung zu EMAS auch ökonomi-                         besserungsprozesses. Die jeweiligen Zertifizierungs-
sche und soziale Aspekte einbezieht. Die GRI differen-                      systeme und Standards beziehen sich z. T. aufeinander.
ziert z. B. auch zwischen den Unternehmensgrößen und                        EMAS gilt hier als ein relevanter Qualitätsstandard mit
relativiert damit die Möglichkeiten der Unternehmen.                        hoher Prüfqualität. Darüber hinaus orientieren sich im-
Auch der Deutsche Nachhaltigkeits­kodex36 bietet seit                       mer mehr Unternehmen an der Methode der Gemein-
2011 eine Einstiegsvariante für Unternehmen. Bezogen                        wohlökonomie (GWÖ)37, die Unternehmen an ihrem Bei-
auf seine Indikatorik kommen diese dem SDG 12.6 zum                         trag zum Gemeinwohl bewertet.
Nachhaltigkeitsreporting und -monitoring in Unterneh-
men um einiges näher als EMAS, auch wenn EMAS das                           Angesichts dieser Entwicklungen und Methodenvielfalt
einzige staatlich organisierte Zertifikat in der EU (Ver-                   könnte die Bundesregierung eine Kombination ver-
ordnung (EG) Nr. 1221/2009) ist. Bezogen auf die sozia-                     schiedener Methoden nutzen, empfehlen oder voraus-
len Aspekte gibt es weitere Standards wie z. B. SA8000                      setzen, um die Zielerreichung in diesem Bereich des
oder die bereits für bestimmte Kapitalgesellschaften                        SDG 12 zu verbessern. Eine externe Zertifizierung blie-
nach § 289 HGB verpflichtende CSR-Berichterstattung,                        be aber in jedem Falle die Voraussetzung für die Kom-
welche die sozialen Aspekte in der Wertschöpfungsket-                       munikation und das Monitoring derartiger Leistungen.
te und den Unternehmen selbst betrachtet. EMAS setzt
zudem sehr stark auf die Einführung eines Umwelt-                           Daraus resultiert zusammenfassend die folgende Emp-
managementsystems und eines kontinuierlichen Ver-                           fehlung des SVRV:




                                                                            Empfehlung 3

                                                                            Die Verbraucherpolitik sollte Anreize
                                                                            für eine EMAS-­Zertifizierung schaffen.
                                                                            Unter anderen könnten die Möglich-
                                                                            keiten der öffentlichen Auftragsver-
                                                                            gabe sowie des Markenrechts genutzt
                                                                            werden, um EMAS-zertifizierten Un-
                                                                            ternehmen einen potenziellen Wettbe-
                                                                            werbsvorteil zu bieten. Parallel hierzu
                                                                            sollten Möglichkeiten der Weiterent-
                                                                            wicklung und Ergänzung von EMAS
                                                                            geprüft und ggf. genutzt werden.




35   GRI (2020). Empowering Sustainable Decisions. Zugriff am 25.02.2020. Verfügbar unter: https://www.globalreporting.org/Pages/default.aspx
36   UGA (2019). Eine Formel für nachhaltigen Erfolg? Studie zur Schnittstelle zwischen EMAS und dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex. Zugriff am
     02.03.2020. Verfügbar unter: https://www.emas.de/fileadmin/user_upload/4-pub/Studie_EMAS_DNK.pdf
37   Vergleich von Berichtsrahmenwerken im Nachhaltigkeitsmanagement; Gemeinwohlökonomie (2020). Idee & Vision. Zugriff: 17.02.2020.
     Verfügbar unter: https://www.ecogood.org/de/idee-vision/
23

24   NACHHALTIGEN KONSUM UND NACHHALTIGE PRODUKTION ERMÖGLICHEN




                                                                                 3. Der Staat sollte entsprechende Produktinforma-
     4.2 Den Marktanteil von Pro-                                                     tionen über eine unabhängige Produktkennzeich-

     dukten mit staatlichen Umwelt-                                                   nungsstelle38 gebündelt bereitstellen.


     kennzeichen erhöhen                                                         Bezogen auf die gegenwärtige Situation in, während
                                                                                 und nach der Corona-Pandemie sind Informationen
                                                                                 zur Resilienz der Produktions- und Konsumstruktu-
     Das Kauf- und Konsumverhalten wird regelmäßig                               ren im Rahmen der SDG-Indikatorik von hoher Bedeu-
     durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Ein wesent-                        tung – zum einen, um die gegenwärtig unterbrochenen
     licher Faktor sind die den Verbraucher*innen bzw.                           Routinen neu und nachhaltig ausrichten zu können,
     Kund*innen in der jeweiligen Situation zur Verfügung                        zum anderen, um global–regionale Produktions- und
     stehenden Informationen. Dies gilt insbesondere dann,                       Konsummuster aktiv in Richtung Nachhaltigkeit um-
     wenn z. B. aufgrund einer besonders hohen persönli-                         zugestalten.
     chen Relevanz einer Entscheidung das „Involvement“
     oder das wahrgenommene Risiko hoch ist. Gerade                              Die drei folgenden Ansätze fokussieren diese drei Punkte.
     dann ist es wichtig, dass Verbraucher*innen eine in-
     formierte Entscheidung treffen können. Es ist daher                         Die Ökodesign-Richtlinie vorantreiben und
     anzunehmen, dass in gleichem Maße, in dem die per-                          national umsetzen
     sönliche Relevanz von Nachhaltigkeitsaspekten für die
     Kaufentscheidung der Verbraucher*innen steigt, diese                        Bei der Ökodesign-Richtlinie (2009/125/EG)39 der Euro-
     entsprechende Informationen über die Produkt- und                           päischen Union (EU 2009) handelt es sich um ein eta-
     Prozesseigenschaften der jeweiligen Güter und Dienst-                       bliertes Instrument, das als positiv hinsichtlich seines
     leistungen benötigen und wünschen.                                          Kosten-/Nutzenverhältnisses für Wirtschaft und Haus-
                                                                                 halte evaluiert wurde.40 So ist bspw. das Energieeffizi-
     Eine Herausforderung besteht mithin darin, die gesell-                      enzlabel laut Eurobarometer41 den meisten EU-Bür-
     schaftliche Bedeutung des SDG 12 mit der persönli-                          ger*innen bekannt und Entscheidungen werden zum
     chen Relevanz in Einklang zu bringen, indem Letztere                        großen Teil daran orientiert.
     erhöht wird. Angesichts der eingangs geschilderten
     hohen gesellschaftlichen Tragweite, die das Thema                           Die Ökodesign-Richtlinie definiert den europäischen
     „Nachhaltigkeit“ erreicht hat, wäre es mit Blick auf das                    Rechtsrahmen und damit die Anforderung an die um-
     Ziel, den Marktanteil von Produkten mit staatlichen                         weltgerechte Gestaltung energieverbrauchsrelevanter
     Umweltkennzeichen zu erhöhen, nun wichtig, drei Un-                         Produkte. Besonders ineffiziente Geräte sollen schritt-
     terziele zu unterscheiden:                                                  weise aus dem Markt genommen werden.42 Gemein-
                                                                                 sam mit den Vorschriften und Regelungen zur Ener-
     1. Verbraucher*innen sollten vermehrt und leicht zu-                        giekennzeichnung dient die Ökodesign-Richtlinie der
          gänglich nachhaltige Produkte im Angebot finden,                       Erreichung der klima- und energiepolitischen Ziele
          die verlässlich und nachvollziehbar/-prüfbar als                       wie auch der Wettbewerbsfähigkeit, der Beschäfti-
          solche gekennzeichnet sind.                                            gung und dem Wirtschaftswachstum in der EU, so das
                                                                                 Ökodesign-Arbeitsprogramm 2016–2019: „Sie gewähr-
     2. Sie sollten in vereinfachter Form Informationen                          leisten gleiche Wettbewerbsbedingungen auf dem Bin-
          vorfinden, ob ein Anbieter selbst Nachhaltigkeit                       nenmarkt, fördern nachhaltig Investitionen und Innova-
          vorantreibt.                                                           tionen, ermöglichen es den Verbrauchern, ihre Kosten




     38   KRU (2017). Produktkennzeichnungsstelle zur Förderung der Ressourceneffizienz und Kreislauffähigkeit von Produkten. Positionspapier, S. 4.
     39   Europäische Kommission (2009). Richtlinie 2009/125/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 21. Oktober 2009 zur Schaffung eines Rah-
          mens für die Festlegung von Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung energieverbrauchsrelevanter Produkte. Amtsblätter der EU. L 285/10.
     40   Europäische Kommission (2016). Mitteilung der Kommission. Ökodesign-Arbeitsprogramm 2016–2019. Zugriff am 09.03.2020. Verfügbar unter:
          https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52016DC0773&from=de
     41   European Commission (2019). Special Eurobarometer 492. Europeans’ attitudes on EU energy policy.
     42   Europäische Kommission (2009).
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Was könnte getan werden?                                                                                                                                    25




zu senken, und tragen darüber hinaus zur Reduzierung                           Design von Produkten, Services und Geschäftsmodel-
der CO2-Emissionen bei.“43                                                     len ein.


„Das Ökodesign- und Energiekennzeichnungskonzept trägt                         Das genannte Arbeitsprogramm setzt erste Maßnah-
schätzungsweise zur Hälfte der Energieeinsparungszie-                          men dazu um, auch wenn die generischen Normen
le für 2020 bei und zählt damit zu den wirkungsvollsten                        zur Umsetzung von Materialeffizienz noch ausstehen.
EU-­politischen Instrumenten zur Förderung der Energieef-                      Anfang Oktober 2019 hat die Kommission nun Öko-
fizienz. Zweck des Regelungsrahmens für Ökodesign und                          design-Maßnahmen für Haushaltsgeräte wie Kühl-
Energiekennzeichnung ist einerseits, mehr energieeffiziente                    schränke, Waschmaschinen, Geschirrspüler und Fern-
Produkte (durch Ökodesign) in den Markt einzuführen, und                       sehgeräte verabschiedet:48
andererseits, die Verbraucher zum Kauf der effizientesten
Produkte zu ermutigen und ihnen dies durch geeignete In-                       1. Ersatzteile sollen je nach Produkt sieben bis zehn
formationen (Energiekennzeichnung) zu ermöglichen.“ 44                              Jahre nach dem Kauf erhältlich, in 15 Arbeitstagen
                                                                                    lieferbar und mit allgemein erhältlichem Werkzeug
Bis 2016 war die Ökodesign-Richtlinie wie auch die                                  verbaubar sein.
Energiekennzeichnung allgemein allein auf die Ener-
gieeffizienz der energieverbrauchsrelevanten Produkte                          2. Die dafür notwendigen Informationen müssen vom
ausgerichtet. Sie adressierte also eher die technische                              Hersteller bereitgestellt werden.
Optimierung der Produkte. Die Evaluierung zeigte dann
einige Schwachpunkte auf.45 So konnten u. a. Produk-                           3. Mit einem QR-Code sollen Informationen zum Pro-
te mit kurzen Produktzyklen, z. B. Informations- und                                dukt bzw. zur Energiekennzeichnung abrufbar sein.
Kommunikationstechnologie-Produkte, kaum erfasst                                    Dazu wird bei der EU eine entsprechende Produkt-
werden. Die mangelnde Kontrolle führte dazu, dass ca.                               plattform geführt.
10 % bis 20 % der gekennzeichneten Produkte nicht
den Vorgaben entsprachen.46                                                    Da erkennbar ist, dass die Ökodesign-Richtlinie einen
                                                                               positiven Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeits-
Im Arbeitsprogramm 2016-2019 wurden dann die Kreis-                            ziele leisten wird, empfehlen wir der nationalen Ver-
laufwirtschaft47 sowie die Material- bzw. Ressourcen­                          braucherpolitik, die weitere Entwicklung der Ökode-
effizienz fokussiert. Relevante Aspekte waren die Le-                          sign-Richtlinie auf nationaler Ebene in der EU weiter
bensdauer der Produkte, deren Reparaturfähigkeit, die                          voranzutreiben, um die Klima- und Ressourcenziele zu
Nachrüstbarkeit, die Demontierbarkeit, die Informati-                          erreichen. Sie sollte zu einer Nachhaltigkeitsdesign-
onsweitergabe, die Wiederverwendung/-verwertung,                               richtlinie weiterentwickelt werden. Deutschland sollte
THG- und andere Emissionen. In der Folge adressiert                            hierzu entsprechende Vorschläge und eine Roadmap
die Richtlinie nun nicht mehr nur rein technische An-                          erarbeiten und aktiv einbringen.
forderungen, sondern greift tief in die Gestaltung, das




43   Europäische Kommission (2016), S. 2.
44   Europäische Kommission (2016), S. 2.
45   So wurden bspw. Testbedingungen, die nicht auf reale Nutzungssituationen angepasst waren (Stamminger 2015), sowie Reboundeffekte (ca. 15–30 %,
     so Gillingham et al. 2013) nicht berücksichtigt. Zudem war die Dauer der Entwicklung und Durchsetzung hoch und auch die Aktualisierung der Durch-
     führungsmaßnahmen dauerte lang.
46   Stamminger, R., Geppert, J. (2015). Energielabel – Fluch oder Segen für Verbraucher?, in Bala, C., Schuldzinski, W. (Hrsg.): Der verantwortungsvolle
     Verbraucher – Aspekte des ethischen, nachhaltigen und politischen Konsums, S. 109–121. Ries, Frédérique (2018). Bericht über die Umsetzung der
     Ökodesign-Richtlinie (2009/125/EG), Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Gillingham, K., Kotchen, M. J.,
     Rapson, D. S., Wagner, G. (2013). „The Rebound Effect is Over-played.“, in Nature 493 2013, S. 475–476.
47   Europäische Kommission (2015). Den Kreislauf schließen – Ein Aktionsplan der EU für die Kreislaufwirtschaft, COM(2015) 614/2, angenommen am
     2.12.2015. Zugriff am 17.02.2020. Verfügbar unter: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A52015DC0614
48   Europäische Kommission (2019b). Die neuen Maßnahmen zum Ökodesign. Zugriff am 17.02.2020. Verfügbar unter: https://ec.europa.eu/
     commission/presscorner/detail/de/qanda_19_5889
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