machbarkeitsstudie-konferenzfazilitaeten-in-bonn
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Machbarkeitsstudie: Konferenzfazilitäten in Bonn – Durchführung von Großkonferenzen“
Grundlagenermittlung
2 Ausgangslage
2.1 Bonn bis heute
Nach der Wiedervereinigung 1990 beschloss der Bundestag 1991 das Berlin/Bonn-
Gesetz, infolgedessen der Parlaments- und Regierungssitz 1999/2000 in die neue
Bundeshauptstadt Berlin und im Gegenzug zahlreiche Bundesbehörden nach Bonn
verlegt wurden.
Die Verlegung des Parlaments- und Regierungssitzes nach Berlin erfolgte weitgehend
im Sommer 1999, wobei jeweils Zweitsitze der Bundesregierung (über die Bundesmi-
nisterien) und der Legislative (über den Bundesrat) in Bonn verblieben.
Bonn ist erster Dienstsitz von sechs Bundesministerien und zweiter Dienstsitz der üb-
rigen Ministerien. Ministerien mit erstem Dienstsitz:
Bundesministerium der Verteidigung (BMVg)
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ)
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)
Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Des Weiteren haben rund 150 entwicklungs- und umweltpolitische Institutionen und
Forschungseinrichtungen ihren Sitz oder ihr Büro in Bonn, darunter beispielsweise
das Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) an der Universität Bonn, die Gesell-
schaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), das Deutsche Institut für Entwick-
lungspolitik (DIE); aber auch eine Vielzahl halbstaatlicher, kirchlicher und privater Ein-
richtungen haben sich niedergelassen. Darüber hinaus hat sich in Bonn eine Szene
global operierender, internationaler Nichtregierungsorganisationen herausgebildet,
die alle dem übergeordneten Ziel der Nachhaltigkeit verpflichtet sind2.
Eine stetige Entwicklung gibt es ebenfalls bei den Vereinten Nationen in Bezug auf die
Standortentscheidung für Bonn. Die Vereinten Nationen sind heute mit 22 Organisa-
tionen hier vertreten. Dabei werden in Bonn vor allem die Themen Klimawandel, Wüs-
tenbildung, biologische Artenvielfalt, globale Freiwilligeneinsätze, Gesundheit,
menschliche Sicherheit, das Management von Katastrophenrisiken und satellitenge-
stützte Informationssysteme, Berufsbildung sowie die Verwirklichung der Ziele für
nachhaltige Entwicklung behandelt3.
Im Jahr 2006 wurde der UN-Campus mit dem „Langen Eugen“ als Hauptgebäude
offiziell eingeweiht. Die UN-Präsenz in Bonn ist seit 1996 stetig gewachsen und mit
über 1.000 Mitarbeitern ein wichtiger Bestandteil der Region4.
Studie zu den Konferenzmöglichkeiten in Bonn, Stand 02.07.2020 Seite 12
Des Weiteren war die Eröffnung des WorldCCBonn im Juni 2015 mit einem der mo-
dernsten Kongresszentren Europas für bis zu 7.000 Teilnehmer eine maßgebliche Auf-
wertung in Bezug auf Konferenzen und Tagungen aller Art in Bonn.
Auch Dr. Frank-Walter Steinmeier fasste als Bundesminister des Auswärtigen am
08.03.2016 in Bonn den Standort wie folgt zusammen: „Seit 20 Jahren sind die Ver-
einten Nationen in Bonn verwurzelt und wachsen weiter. Diese Stadt hat sich zur Welt-
hauptstadt für Nachhaltigkeit und Klimaschutz entwickelt. Für Menschheitsaufgaben,
die heute drängender sind denn je“ 5.
2.2 Bonn – Standortfaktoren
Im Rahmen der Studienentwicklung wurden zwischen Auftragnehmer und -geber
Standortfaktoren für die Durchführung von Großkonferenzen festgelegt:
Verkehrsinfrastruktur / Transport vor Ort
Tourismus & Hotels
Lage & Erreichbarkeit
Kapazitäten
Gesetzliche Vorgaben (Planungsrecht, Eigentumsverhältnisse etc.)
Planung und Organisation der technischen Infrastruktur (Strom- und Wasser-
versorgung etc.)
Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte (Energie, Wasser etc.)
Sicherheitsanforderungen (vergleichbar mit UN-Konferenzen)
Hochwasserschutz
Dabei beziehen sich die ersten beiden gelisteten Faktoren auf die bestehende Infra-
struktur des Konferenzstandortes Bonn, alle anderen Faktoren bilden im Laufe der
Studie die Basis für die Beurteilung von unterschiedlichsten Flächen und Bestands-
gebäuden.
Um die grundsätzlichen Voraussetzungen als geeigneter Konferenzstandort beurtei-
len zu können, werden im Folgenden die Bereiche Verkehrsinfrastruktur / Transport
vor Ort und Tourismus & Hotels näher betrachtet. Alle anderen Faktoren werden im
Laufe der Studie im Hinblick auf die individuellen Veranstaltungsorte (Gebäude und/o-
der Fläche) herangezogen.
Verkehrsinfrastruktur / Transport vor Ort
Bonn liegt zwischen der Rhein-Ruhr-Region und der Rhein-Main-Region. Mehrere
Bundesautobahnen (A3, A4, A61) befinden sich in unmittelbarer Nähe und dienen als
Zubringer für Besucher aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Der interna-
tionale Flughafen Köln/Bonn ist an das Stadtnetz Bonn angeschlossen. Zusätzlich ist
die Anreise auch über den Flughafen Düsseldorf sowie den Flughafen Frankfurt mög-
lich.
Am Airport Köln/Bonn wurden im Jahr 2018 12.958.186 Reisende gezählt. Als Beispiel
für das Reiseaufkommen an einem Tag wurden am 12.10.2018 55.408 Reisende ge-
zählt (hierzu zählen sowohl Ankünfte als auch Abreisen sowie Weiterreisende).
Studie zu den Konferenzmöglichkeiten in Bonn, Stand 02.07.2020 Seite 13
Der Flughafen Köln/Bonn deckt (Stand Juni 2019) 127 Flugziele ab6. Gemeinsam mit
dem Flughafen Frankfurt mit 306 Flugzielen in 98 Ländern7 und Düsseldorf mit 217
Zielen in 57 Ländern8 kann davon ausgegangen werden, dass die internationale An-
bzw. Abreise nach Bonn sowohl kapazitiv als auch im Bereich der Fluganbindungen
problemlos erfolgen kann.
Ergänzend zum Flugverkehr hat Bonn einen eigenen ICE-Bahnhof (Bonn Hauptbahn-
hof) und mit dem naheliegenden ICE-Bahnhof Siegburg/Bonn eine direkte Verbindung
zum Flughafen Frankfurt. Zusätzlich gibt es in Bonn zahlreiche Bahnhöfe für Regional-
und S-Bahnen (UN-Campus, Bad Godesberg, Mehlem, Duisdorf, Beuel), die eine An-
reise mit der Bahn ermöglichen9.
Bleibt der Blick auf den öffentlichen Nahverkehr, um im Falle einer Großveranstaltung
den Personenverkehr auch innerhalb Bonns gewährleisten zu können. Der öffentliche
Personennahverkehr in Bonn wird zu einem großen Teil vom SWB Bus und Bahn ge-
stellt. Neben Linienbussen werden auch Stadt- und Straßenbahnen eingesetzt.
Zusätzlich zu den Verbindungen innerhalb Bonns hat der SWB auch Linienkooperati-
onen mit der KVB sowie der RSVG, die Verbindungen nach Köln und in den Rhein-
Sieg-Kreis gewährleisten. So verbinden zwei der Stadtbahnlinien Bonn mit Köln, mit
dem Rhein-Sieg-Kreis ist die Stadt durch sechs Buslinien verbunden10.
Durch das Bahnstreckennetz der SWB und das Streckennetz der Busse werden jähr-
lich ca. 92 Millionen Fahrgäste befördert11.
Zusammenfassend ist in Bonn ein ausgereiftes Netz des öffentlichen Nahverkehrs
vorhanden. Trotzdem sollte beachtet werden, dass im Falle einer Großveranstaltung
in Bonn zusätzliche Kapazitäten im ÖPNV bereitgestellt werden müssen, um die An-
zahl an Teilnehmern zuverlässig transportieren zu können. Das würde beispielhaft die
Taktung/Frequenz der relevanten Linien des ÖPNV betreffen als auch ggf. die Einrich-
tung von „Sonderlinien“ z.B. ein permanenter Bus-Shuttle Verkehr.
Tourismus & Hotels
Im nächsten Abschnitt betrachten wir die Übernachtungskapazitäten, um die Frage
zu beantworten, wie viele Konferenzteilnehmer in Bonn untergebracht werden könn-
ten.
Im gesamten Jahr 2018 gab es insgesamt 2.901.700 Gäste-Übernachtungen in Bonn
und im Rhein-Sieg-Kreis (1.597.288 in Bonn). Im Durchschnitt blieben die Gäste 1,9
Tage in Bonn und 2,1 Tage im Rhein-Sieg-Kreis. Die Zahl der Gäste-Ankünfte lag in
Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis im vergangenen Jahr bei 1.471.30412. Zusätzlich zu
den Übernachtungsgästen kommen noch über 30 Millionen Tagesgäste pro Jahr in
die Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler. Die Auslastung der Beherbergungsbetriebe
lag in den letzten Jahren unter 50%13.
In Bonn gibt es insgesamt über 100 Hotelbetriebe aus jedem Segment und für jede
Preisklasse.
Studie zu den Konferenzmöglichkeiten in Bonn, Stand 02.07.2020 Seite 14
Diese sind über das gesamte Bonner Stadtgebiet verteilt, ein hoher Anteil an Hotels
befindet sich im Stadtzentrum. In fußläufiger Nähe (weniger als drei Kilometer) zum
Campus der Vereinten Nationen befinden sich 11 Hotels14.
In der Studie werden die Hotelbetriebe mit relevanten Tagungskapazitäten berück-
sichtigt. Zu diesen Hotels der Stadt Bonn in Bezug auf Tagungen und Kongresse ge-
hören das Maritim Hotel Bonn, das Kameha Bonn sowie das Marriott Hotel.
In Bezug auf die Ausrichtung einer Großkonferenz mit bis zu 30.000 Teilnehmern lässt
sich festhalten, dass in Bonn ein Teil der Konferenzteilnehmer in unterschiedlichsten
Beherbergungen untergebracht werden kann. In Bonn selbst stehen etwa 9.200 Bet-
ten zur Verfügung. Wird der angrenzende Rhein-Sieg-Kreis hinzugezogen, erhöht sich
die Anzahl der Betten auf 18.600. Die naheliegende Großstadt Köln bietet zudem wei-
tere 33.000 Betten, die während Veranstaltungen in Bonn genutzt werden können15.
Aufgrund der regelmäßigen und saisonal bedingten Auslastungen und der limitierten
Bettenkapazitäten in Bonn werden jedoch viele der Teilnehmer bei Großkonferenzen
in die umliegenden Regionen ausweichen müssen.
2.3 Bonn als Konferenzstandort für die Zukunft
Die Grundlagen für das heutige internationale Profil Bonns wurden, wie in den oberen
Abschnitten bereits dargestellt, mit dem Berlin/Bonn-Gesetz definiert, das den Aus-
bau als Standort für Entwicklungspolitik, nationale, internationale und supranationale
Einrichtungen als zentrale Aufgabe festschreibt. Die Vereinten Nationen, Bundesmini-
sterien und Bundesbehörden, rund 150 Nichtregierungsorganisationen und die an-
sässigen Global Player der Wirtschaft prägen den internationalen Standort. In diesem
Abschnitt untersuchen wir, welche Konferenzmöglichkeiten in Bonn bereits genutzt
werden und wie sich die zukünftige Ausrichtung für diesen Bereich darstellt16.
Konferenzmöglichkeiten in Bonn
Der Konferenzstandort der Region Bonn und Rhein-Sieg bietet insgesamt 99 Veran-
staltungsstätten (definiert durch eine Mindestzahl von 100 Sitzplätzen in Reihenbe-
stuhlung im größten Saal). Darunter sind 54 Tagungshotels, 26 Event-Locations und
19 große Veranstaltungszentren vertreten17. Welche Bestandsgebäude sich in Bezug
auf Großkonferenzen eignen, wird in den nächsten Kapiteln im Detail betrachtet.
Die größte Entwicklung der letzten Jahre war der Bau des internationalen Konferenz-
zentrums WorldCCBonn. In diesem Konferenzzentrum können internationale Tagun-
gen & Kongresse mit unterschiedlichen Anforderungen für bis zu 7.000 Personen ab-
gehalten werden. Ergänzend hierzu können für UN-Veranstaltungen, unter zukünftiger
Einbeziehung des UN-Campus, Kapazitäten vorgehalten werden, um internationale
Konferenzen für bis zu 10.000 Teilnehmer durchzuführen18.
Studie zu den Konferenzmöglichkeiten in Bonn, Stand 02.07.2020 Seite 15
Das Konferenzzentrum in Kombination mit dem UN-Campus wurde im November
2017 für zwei Wochen für die Vertragsstaatenkonferenz des Klimasekretariats der Ver-
einten Nationen (UNFCCC) mit ca. 22.000 Teilnehmern genutzt. Das Konferenzzent-
rum wurde um temporäre Bauten ergänzt, um die benötigten Kapazitäten abdecken
zu können.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Bonn als Konferenzstandort bereits ge-
eignete Gebäude (vor allem mit dem WorldCCBonn) für internationale Großkonferen-
zen vorhält. Weitere Veranstaltungsflächen beispielsweise in den Hotels Maritim
Bonn, Marriott oder Kameha sowie Veranstaltungshallen wie die Stadthalle Bad
Godesberg oder die Beethovenhalle Bonn bieten Möglichkeiten, um große Konferen-
zen und Tagungen in Bonn in Kombination mit dem WorldCCBonn auszurichten.
Auch das Strategiepapier der Tourismus & Congress GmbH19 setzt „einen Schwer-
punkt auf den Ausbau sowie auf die Stärkung dieser Veranstaltungsstätten“ und zitiert
weiter: „Eine Stärkung der Veranstaltungszentren, insbesondere durch die Akquirie-
rung großer Veranstaltungs-Formate mit einem entsprechenden Übernachtungsauf-
kommen, bildet einen Schwerpunkt der künftigen Marketing- und Vertriebsstrategie.
So kann durch die meist längeren, großen Veranstaltungen sowohl eine bessere Aus-
lastung der Betriebe als auch ein Ausbau der wirtschaftlichen Effekte für die Region
Bonn erreicht werden“ 20.
Vergleicht man die Ziele der Bundesstadt Bonn mit den Aussagen des Strategiepa-
piers Bonn, werden wichtige Zusammenhänge zwischen dem Veranstaltungssektor
und dem internationalen Ansehen Bonns deutlich.
Damit positioniert sich auch Bonn deutlich für die Zukunft, und es stellt sich in Bezug
auf die Kapazitätsgrenze von 10.000 Personen die Frage, wie auf größere Konferen-
zen mit Formaten wie 20.000 oder sogar bis zu 30.000 Teilnehmern reagiert werden
kann.
Zusammenfassung:
Bonn bietet günstige Rahmenbedingungen für die Umsetzung von Großveranstal-
tungen. Es bleibt die Frage zu klären, inwieweit Kapazitäten für Veranstaltungen
von über 10.000 Personen in Bestandsgebäuden und Freiflächen vorhanden sind.
Studie zu den Konferenzmöglichkeiten in Bonn, Stand 02.07.2020 Seite 16
3 Identifikation von Bestandsgebäuden und Flächen
3.1 Herangehensweise und Abgrenzung
In Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber der Studie wurden zu Beginn unterschied-
lichste Flächen und Gebäude identifiziert. Die Festsetzung der Flächen wurde zudem
in Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
(BImA) und dem Stadtplanungs- und Projektentwicklungsbüro ulrich hartung GmbH
erarbeitet, die Auskünfte, Informationen und Zukunftsabsichten / Einschätzungen zu
Flächen und Bestandsgebäuden gaben.
Ausgangspunkt aller Überlegungen und Recherchen zu Bestandsgebäuden und Frei-
flächen für mögliche temporäre Erweiterungen ist das WorldCCBonn mit dem angren-
zenden Platz der Vereinten Nationen.
Unter „Bestandsgebäude“ in Bezug auf die Machbarkeitsstudie ist „erst einmal jedes
kurz- und/oder langfristig theoretisch denkbare Gebäude, welches ggf. genutzt bzw.
„zweckentfremdet“ werden könnte, um dort Tagungskapazitäten zu schaffen (z.B.
durch Einteilung in Büros, Meetingräumen ab 25 m², größere Veranstaltungsflächen
ab 100 m² aufwärts)“ zu verstehen. Diese Annahme haben wir gemeinsam mit dem
Auftraggeber festgelegt. Hierbei soll erwähnt werden, dass als zwingende Vorausset-
zung für die Nutzung, die in Deutschland und im Speziellen in Bonn rechtlichen Vor-
schriften in puncto Brandschutz und Versammlungsstättenverordnung berücksichtigt
werden müssen. Weiterhin sollen Bestandsgebäude ab einer Raumkapazität von ins-
gesamt 3.000 m² Netto-Nutzfläche berücksichtigt werden.
Grundsätzlich wurde für Gebäude ein Radius von drei Kilometern um den Platz der
Vereinten Nationen festgelegt, da die Konferenzen und Tagungen im WorldCCBonn
und bei Kapazitätsüberschreitung bestenfalls angrenzend an das WorldCCBonn bzw.
mit einem möglichst kurzen Transfer-Weg stattfinden sollen.
In Bezug auf die Machbarkeitsstudie bedeuten „Freiflächen“ erst einmal jede kurz-
oder langfristig freie, zusammenhängende Fläche ohne feste Bebauung. Eine ausrei-
chende Tragfähigkeit sollte vorhanden sein, sodass eine temporäre Bebauung grund-
sätzlich möglich ist. Zusätzlich sollte die Freifläche frei von schädlichen Rückständen
im Erdreich und zugangssicher sein.
In Bezug auf die Lage der Flächen sollen ebenfalls der Umkreis mit einem Radius von
maximal drei Kilometern um den Platz der Vereinten Nationen sowie überwiegend eine
Mindestgröße von 5.000 m² Nutzfläche berücksichtigt werden. Neben der Tragfähig-
keit sollten im ersten Planungsschritt eine gute Erreichbarkeit, gute Anbindung an den
ÖPNV, eine vorhandene Infrastruktur sowie ein geringes Konfliktpotenzial im Hinblick
auf eine Bauzeit je nach Veranstaltungsprofil von ca. 2-4 Monaten (Anlieger etc.) ge-
geben sein.
Damit wurden auch große Veranstaltungsgebäude wie bspw. der Telekom Dome oder
die Stadthalle Bad Godesberg in diesem Schritt nicht berücksichtigt.
Studie zu den Konferenzmöglichkeiten in Bonn, Stand 02.07.2020 Seite 17
Ebenso verhält es sich mit Freiflächen, die außerhalb dieses Radius liegen, aber ge-
nerell für eine temporäre Erweiterung in Frage kommen.
Um alle Bestandsflächen innerhalb des genannten Radius zu berücksichtigen, bezie-
hen wir uns im Folgenden auf die veröffentlichte „Übersicht Locations“ der Tourismus
& Congress GmbH21 sowie die veröffentlichte Hotelliste der Bundesstadt Bonn.
Die Freiflächen wurden unter oben beschriebenen Kriterien ausgewählt, die im weite-
ren Kapitel detaillierter dargestellt werden.
Eine vollständige Auflistung aller betrachteten Bestandgebäude und Freiflächen be-
findet sich in Anhang 01 – Gesamtübersicht Bestandsgebäude und Anhang 02 – Ge-
samtübersicht Freiflächen. Da viele der aufgezählten Gebäude und Flächen außerhalb
des Radius von 3 km liegen oder für die weitere Betrachtung nicht genug Kapazitäten
aufweisen, werden diese im Folgenden nicht weiter betrachtet.
3.2 Bestandsgebäude
3.2.1 WorldCCBonn und Gebäude auf dem UN-Campus
Da das WorldCCBonn das größte und modernste Konferenzzentrum in Bonn ist, wird
dieses bei den weiteren Betrachtungen in den Mittelpunkt gestellt. Hinzu kommt, dass
es im näheren Umkreis des WorldCCBonn und des angrenzenden UN-Campus wei-
tere Bestandsgebäude gibt, die für eine Großveranstaltung zusätzliche Räumlichkei-
ten bereithalten.
Abbildung 1 – Übersichtskarte WorldCCBonn und Gebäude auf dem UN Campus22
Studie zu den Konferenzmöglichkeiten in Bonn, Stand 02.07.2020 Seite 18
3.2.1.1 WorldCCBonn
Adresse:
Platz der Vereinten Nationen 2
53113 Bonn
Eigentümer / Vermieter:
Bonn Conference Center Ma-
nagement GmbH
Entfernung UN Campus:
Fußweg: 200 m / 2 Minuten
Anbindung ÖPNV:
Heussallee/Museumsmeile
Fußweg: 500 m / 6 Minuten
Abbildung 2 – Außenansicht WorldCCBonn23
Das WorldCCBonn liegt im Bundesviertel und umfasst Teile des Bundeshauses – da-
runter den Neuen Plenarsaal des Deutschen Bundestages – und einen 2015 fertigge-
stellten Erweiterungsbau als Hauptgebäude. Im WorldCCBonn können Veranstaltun-
gen mit bis zu 7.000 Personen ausgerichtet werden.
Der größte Saal bietet eine Grundfläche von 2.550 m² Platz für bis zu 3.000 Personen
in Reihenbestuhlung, auf der Empore stehen weitere 730 Plätze zur Verfügung. Eine
Erweiterung um zusätzliche 830 Plätze ist durch den abtrennbaren, benachbarten
Saal möglich, sodass maximale Kapazitäten für 4.560 Personen in einem Raum vor-
liegen. 14 weitere Räumlichkeiten unterschiedlicher Größe haben Einzelkapazitäten
von bis zu 800 Personen und sind zum Teil miteinander kombinierbar.
Die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr ist durch die Stadtbahnhal-
testelle Heussallee/Museumsmeile in etwa 500 Metern Entfernung gegeben, eine Au-
tobahnauffahrt auf die A 562 ist 1,5 km entfernt24.
Größter Raum 2.552 m²: 3.000 Personen (erweiterbar auf 4.560 Personen)
Maximale Kapazität im Ge-
7.000 Personen
bäude (Reihe)
Größtes Konferenzzentrum Bonns
Pro Gute technische und logistische Infrastruktur
Zentrale Lage und unmittelbare Nähe zum UN Campus
Kapazitäten für mehr als 7.000 Teilnehmer für Großveranstaltungen nicht vor-
Contra
handen
Tabelle 1 – Übersicht WorldCCBonn25
Studie zu den Konferenzmöglichkeiten in Bonn, Stand 02.07.2020 Seite 19
3.2.1.2 Langer Eugen
Adresse:
Hermann-Ehlers-Straße 10
53113 Bonn
Derzeitige Nutzung:
Vereinte Nationen
Lage:
Auf dem UN-Campus
Anbindung ÖPNV:
Heussallee/Museumsmeile
Fußweg: 800 m / 8 Minuten
Abbildung 3 – Außenansicht Langer Eugen26
Das ehemalige Abgeordnetenhaus Langer Eugen wurde im Jahr 1969 fertiggestellt.
Heute ist es ein eingetragenes Baudenkmal und Sitz diverser Organisationen der
Vereinten Nationen27. Hier stehen verschiedene Konferenz- und Meetingräume zur
Verfügung, die zu einem großen Teil bereits bei der COP23 genutzt wurden. Die
Räume haben unterschiedlichste Größen von 126,60 m² bis zu 251,75 m². Zusätzlich
kann auch auf 16 VIP-Offices zurückgegriffen werden, die je eine Größe von 20,36-
34,56 m² haben. Die Kapazitäten sind abhängig von der Bestuhlung und mit max.
1.479 Personen festgelegt.
Größter Raum 251,75 m²
Maximale Kapazität
1.479 Personen
(Reihe)
Gute technische und logistische Infrastruktur
Pro
Zentrale Lage auf dem UN Campus
Contra Nur für UN-Veranstaltungen nutzbar
Tabelle 2 – Übersicht Langer Eugen28
Studie zu den Konferenzmöglichkeiten in Bonn, Stand 02.07.2020 Seite 20
3.2.1.3 Altes Wasserwerk
Adresse:
Hermann-Ehlers-Straße
53113 Bonn
Derzeitige Nutzung:
In Sanierung
Lage:
Auf dem UN-Campus
Anbindung ÖPNV:
Heussallee/Museumsmeile
Fußweg: 800 m / 8 Minuten
Abbildung 4 – Außenansicht Altes Wasserwerk29
Das Alte Wasserwerk einschließlich Pumpenhaus wurde 1874 erbaut, um die
Wasserversorgung von Bonn zu gewährleisten. Nachdem der Betrieb 1958 eingestellt
wurde, gingen die Gebäude an die Bundesrepublik über, die diese nach Umbauten
von 1986 bis 1992 als Plenarsitzungssaal des Deutschen Bundestages nutzte30.
Nach Umsiedlung des Bundestages nach Berlin wurden die Gebäude für Kongresse,
Tagungen und Musikveranstaltungen genutzt. Auch stand das Gebäude der
Öffentlichkeit für Besichtigungen offen31. Aktuell wird das Wasserwerk aufgrund von
Umbauten nicht genutzt32. Die Gebäude sind in den UN-Campus integriert33. Der
Plenarsaal des Wasserwerks hat eine Fläche von 500 m² 34 und bietet Platz für etwa
350 Personen.
An dieser Stelle ist noch zu erwähnen, dass sich zurzeit das Alte Wasserwerk in
Sanierung befindet und kurz- bis mittelfristig nicht genutzt werden kann. Weil dadurch
lediglich Tagungskapazitäten von 500 m² wegfallen, wird auf deren Kompensation im
Rahmen dieser Studie nicht näher eingegangen.
Größter Raum 500,00 m²
Maximale Kapazität
350 Personen
(Reihe)
Pro Zentrale Lage auf dem UN Campus
Contra Derzeit in Sanierung
Tabelle 3 – Übersicht Altes Wasserwerk35
Studie zu den Konferenzmöglichkeiten in Bonn, Stand 02.07.2020 Seite 21