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Stellungnahme zur Standortempfehlung „Zentrales Bereitstellungslager Konrad“



4.   Bewertung der Umsetzung des Bewertungskonzeptes
Die Mischung aus Kriterien, die mit „Auswahlkriterien“ als solche bezeichnet werden einerseits,
und Kriterien, die als „Bemerkungen“ eingeführt werden andererseits, macht das Bewertungssys-
tem schwer nachvollziehbar. Hinsichtlich der Auswahlkriterien wurden für jeden Standort konkrete
Bewertungsergebnisse angegeben (Anlage 1: „Übermittelte Flächenvorschläge“ der „Standortemp-
fehlung ‚Zentrales Bereitstellungslager Konrad‘“). Mit den „Bemerkungen“ wurden zusätzliche
Merkmale angeführt, die dann auch für die Aufnahme oder Nicht-Aufnahme in den Flächenpool
ausschlaggebend sein konnten.

Auf Basis der herangezogenen Kriterien wurden von den 28 Standorten sieben Standorte ausge-
schlossen, nämlich die Standorte 6, 7, 8, 13, 14, 21 und 26. Auf Basis der „Bemerkungen“ wurden
insgesamt neun Standorte ausgeschlossen (Standorte 1, 5, 11, 15, 16, 17, 19, 22 und 28). Die
Kriterien waren bei diesen Standorten jeweils alle erfüllt. Inhaltlich sind die Ausschlüsse auf der
Basis der jeweiligen Bemerkung plausibel. Der Entscheidungsweg wäre aber leichter nachvoll-
ziehbar, wenn die Bemerkungen inhaltlich als Kriterien mit einem zugeordneten Bewertungsmaß-
stab eingeführt worden wären. Dann wäre auch nachvollziehbar, ob die unter den Bemerkungen
erfassten Sachverhalte bei allen Flächen gleichermaßen berücksichtigt wurden.

In zwei weiteren Fällen erfolgte der Ausschluss der Aufnahme in den Flächenpool auf Basis einer
Erweiterung des Kriteriums „kein Naturschutzgebiet“, indem jeweils ein Natura-2000-Gebiet als
betroffen angegeben wurde und Feuchtgebiete sowie Wasserläufe auf der Fläche genannt wurden
(Standorte 9 und 10). Die Berücksichtigung von Natura-2000 Gebieten ist sinnvoll, aber die Nach-
vollziehbarkeit wäre erleichtert worden, wenn das Kriterium „kein Naturschutzgebiet“ generell auf
weitere Schutzgebiete erweitert worden wäre.

Ein Standort wurde in den Flächenpool aufgenommen, obwohl das Kriterium „Abstand zur Wohn-
bebauung“ als nicht erfüllt gewertet wurde (Standort 27). Dies wurde plausibilisiert, indem in einer
Fußnote das Kriterium „Abstand zur Wohnbebauung“ unter Verweis auf „erste orientierende radio-
logische Ausbreitungsberechnungen“ wieder relativiert wurde. Für die Nachvollziehbarkeit wäre es
vorteilhaft gewesen, eine solche Relativierung bei der Einführung des Kriteriums zu diskutieren.
Dadurch hätte deutlich gemacht werden können, inwieweit diese Relativierung bei allen Standorten
gleichermaßen Berücksichtigung findet. Bei der nächsten Wohnbebauung am Standort 27 handelt
es sich um keine geschlossene Siedlungsfläche, sondern um eine Einzelbebauung. Auch aus die-
sem Grund ist es plausibel, den Standort nicht aufgrund des Kriteriums „Abstand zur Wohnbebau-
ung“ vom Flächenpool auszuklammern.

Ein Standort wurde ausgeschlossen, obwohl alle Kriterien erfüllt sind und auch aus den „Bemer-
kungen“ keine wirkliche Einschränkung erkennbar war (Standort 25). Unter „Bemerkungen“ wird
zwar darauf verwiesen, dass der Standort mit ca. 8 km eine vergleichsweise große Entfernung
zum nächsten aktiven Gleisverlauf aufweist, als Bewertungsmaßstab des Kriteriums waren aber
10 km gesetzt worden. Obwohl der Standort 25 als vergleichsweise ungünstig gelten kann, wirkt
sich seine Nicht-Aufnahme in den Flächenpool aber auf das in der nächsten Stufe vorgenommene
Scoring der anderen Flächen aus.

Zur Verdeutlichung sind in Tabelle 4-1 die Ergebnisse des Scores ohne und mit Einbeziehung des
Standorts Torgau gezeigt. Bestimmend für die Skala des Scoring ist der größte Abstand zum
Gleisanschluss und per Straße zum Endlager Konrad. Der Standort Torgau hat die größten Entfer-
nungen zur Schiene (8 km) und per Straße zum Endlager Konrad (250 km) und schneidet gemäß
dem gewählten mathematischen Ansatz mit dem ungünstigsten Score von 1,50 ab. Ohne Torgau
hat Braunsbedra mit 4,5 km zur Schiene und 185 km per Straße zum Endlager Konrad den un-
günstigsten Score. Da die Scores der übrigen Standorte relativ zum ungünstigsten Standort ermit-



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Stellungnahme zur Standortempfehlung „Zentrales Bereitstellungslager Konrad“



telt werden, ergeben sich deutliche Veränderungen für deren Scores. So verbessert sich bei-
spielsweise der Score des Standorts Braunschweig von 0,49 auf 0,29, wodurch er nur noch gering-
fügig ungünstiger ist als der Score des Standorts mit dem niedrigsten Score, nämlich Würgassen
(0,26). Der Score für den Standort Würgassen ändert sich durch die Einbeziehung von Torgau am
wenigsten, da der Abstand zur Schiene bereits 0 km beträgt. Das Ranking ändert sich durch die
Einbeziehung von Torgau dagegen nicht. Allerdings können Scores, die so eng beieinander liegen
wie die der Standorte Würgassen und Braunschweig, den Eindruck vermitteln, dass zumindest
hinsichtlich der Entfernungen zwei gleichwertige Standorte vorliegen. Bei der Interpretation der
Score-Werte ist aber zu beachten, dass der mathematische Ansatz der Berechnung mit zuneh-
mendem Abstand des schlechtesten und des besten Wertes einer in die Berechnung einfließenden
Größe relative Abstände der Scores kleiner werden lässt.

In Tabelle 4-1 ist ebenfalls exemplarisch der Score für den Fall berechnet, dass nicht Bezug auf
die Entfernung zum Endlager Konrad über die Straße sondern über die Schiene einbezogen wür-
de. Diese Variable wurde in der Unterlage Standortempfehlung nicht betrachtet. Es ergeben sich
für die ersten fünf und den letzten Platz keine Veränderungen im Ranking. Die Plätze 6, 7 und 8
tauschen ihre Reihenfolge.

Zur besseren Nachvollziehbarkeit hätte das Verfahren bei der Ermittlung des Rankings ausführli-
cher dargestellt und diskutiert werden sollen. Insbesondere wäre eine Begründung der Auswahl
der einbezogenen Variablen und deren Wichtung hilfreich gewesen.



Tabelle 4-1: Score der Flächen des Flächenpools unter verschiedenen Randbedingungen
 Bezeichnung         Score ohne Einbeziehung        Score mit Einbeziehung von    Score ohne Einbeziehung
  der Fläche                von Torgau                        Torgau             von Torgau, aber Bezug auf
                                                                                  Bahn-km statt Straßen-km

 Brandenburg                    1,26                             0,80                      1,13

 Braunsbedra                    1,50                             0,93                      1,45

 Braunschweig                   0,49                             0,29                      0,46

  Halberstadt                   1,02                             0,61                      1,16

   Neuental                     0,78                             0,53                      0,79

 Oschersleben                   1,09                             0,66                      1,09

    Staßfurt                    0,71                             0,46                      0,66

    Stendal                     0,93                             0,59                      0,85

    Torgau                        -                              1,50                        -

  Würgassen                     0,35                             0,26                      0,33




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Stellungnahme zur Standortempfehlung „Zentrales Bereitstellungslager Konrad“



5.   Zusammenfassende Schlussfolgerung
Für die Abfrage nach geeigneten Flächen waren die gewählten Kriterien geeignet. Für den nächs-
ten Schritt der Bewertung der Flächen hätten diese Kriterien begründet konkretisiert und ergänzt
werden können. Insbesondere die unter „Bemerkungen“ identifizierten Kriterien haben hohe Rele-
vanz für die Bewertung des jeweiligen Standortes und hätten deutlicher in die Bewertungsmatrix
integriert werden können. Die Vorgehensweise bei der Standortauswahl zur Aufnahme in den Flä-
chenpool würde so nachvollziehbarer. Beispielsweise wäre es auch möglich gewesen, eine quali-
tative Bewertung in systematischer Form durchzuführen.

Auch das durchgeführte Ranking der Flächen des Flächenpools hätte nachvollziehbarer gestaltet
werden können. So wäre eine Diskussion über zu berücksichtigende Variablen in Art und Umfang
sinnvoll gewesen. Der Gleisanschluss ist maßgeblich für das ZBL und die Betrachtung entspre-
chend sinnvoll. Mit der Berücksichtigung der Entfernung zum nächsten Gleisanschluss gehen
Bauzeiten und Kosten proportional ein. Der Aufwand für Planung und Genehmigung ist dagegen
weitgehend unabhängig von der Entfernung und entfällt bei vorhandenem Gleisanschluss sogar
ganz. Dieser Aspekt hätte im Flächenranking ebenfalls gewürdigt werden können. Andere zu be-
rücksichtigende Variablen wurden nicht diskutiert. Beispielsweise wären die aktuelle bzw. die
Vornutzung oder die Erschließbarkeit der Fläche relevante Variablen. So werden für die gemäß
Ranking zweitbeste Fläche Braunschweig Altlasten und ein Bundesforst, der gerodet werden
müsste, genannt, die in der Wertung keine Berücksichtigung finden.

Im Ergebnis des Vergleichs der einzelnen Standorte auf Basis der vorliegenden Informationen er-
scheint der Standort Würgassen trotzdem als der geeignetste Standort. Für die potentielle Eignung
sprechen die zeitnahe Verfügbarkeit und insbesondere, dass nur dieser Standort über einen er-
schließbaren Gleisanschluss verfügt. Aspekte, die gegen die weitere Prüfung des Standorts auf
seine Geeignetheit hin sprechen, ergaben sich nicht. Der Betrieb von zwei Zwischenlagern mit
schwach- und mittelradioaktiven Abfällen auf dem Anlagengelände, wie in der Standortempfehlung
dargestellt, weist ebenfalls auf eine Eignung aus technischer und regulatorischer Sicht hin.




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              Bewertung der grundsätzlichen
              Eignung des Standorts Würgassen
              für die Errichtung und den Betrieb
              eines Zentralen Bereitstellungslagers
              Konrad (ZBL)

              Gutachterliche Erstbewertung aufgrund des bislang ermittelten
              Kenntnisstands

                                                                          Darmstadt,
                                                                          11.12.2019




              Autorinnen und Autoren                                      Geschäftsstelle Freiburg
                                                                          Postfach 17 71
                                                                          79017 Freiburg
              Julia Mareike Neles                                         Hausadresse
              Öko-Institut e.V.                                           Merzhauser Straße 173
                                                                          79100 Freiburg
                                                                          Telefon +49 761 45295-0
              Christian Küppers
              Öko-Institut e.V.                                           Büro Berlin
                                                                          Schicklerstraße 5-7
              Manuel Claus                                                10179 Berlin
                                                                          Telefon +49 30 405085-0
              Öko-Institut e.V.
                                                                          Büro Darmstadt
                                                                          Rheinstraße 95
                                                                          64295 Darmstadt
                                                                          Telefon +49 6151 8191-0

                                                                          info@oeko.de
                                                                          www.oeko.de
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Erstbewertung Standort Würgassen



Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis                                                         4

1.          Einleitung                                                        5

2.          Allgemeine Angaben zum Standort                                   6
2.1.        Überregionale Lage und vorhandene kerntechnische Anlagen           6
2.2.        Überblick über die derzeitige Flächennutzung                       6
2.3.        Standortumgebung                                                   7

3.          Bewertung der grundsätzlichen Eignung des Standorts für ein ZBL   11
3.1.        Anforderung Gleisanschluss                                        11
3.2.        Anforderung Straßenverkehrsanbindung                              14
3.3.        Anforderung Infrastruktur und Medien                              16
3.4.        Anforderung verfügbare Fläche                                     16
3.5.        Anforderung hochwasserfreie Lage                                  17
3.6.        Anforderung keine Bergsenkungen                                   19
3.7.        Anforderung Einfluss von Störfallanlagen                          19
3.8.        Anforderung keine Brandrisiken                                    20
3.9.        Anforderungen aus der Nachnutzung militärischer Flächen           21
3.10.       Anforderung Sprengstofffreiheit                                   22
3.11.       Anforderung maximal Erdbebenzone 0                                22

4.          Schlussfolgerungen und ergänzende Hinweise                        25




                                                                               3
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Erstbewertung Standort Würgassen



Abbildungsverzeichnis
Abbildung 2-1:   Satellitenaufnahme des Standorts                                               7
Abbildung 2-2:   Umspannwerk (im Hintergrund Reaktorgebäude)                                    8
Abbildung 2-3:   Einzelwohnbebauung am Kernkraftwerksstandort                                   8
Abbildung 2-4:   Campingplatz Axelsee                                                           9
Abbildung 2-5:   See nordwestlich des Anlagenstandortes                                         9
Abbildung 2-6:   Lage des FFH Gebietes „Wälder von Beverungen“, DE-4322-304                    10
Abbildung 3-1:   DB Strecke am Standort (blau) und Abzweige (gestrichelt)                      12
Abbildung 3-2:   Eingleisige Bahnstrecke zwischen Lauenförde und Würgassen                     13
Abbildung 3-3:   Bahngleis in Richtung Kraftwerksgelände                                       13
Abbildung 3-4:   Brücke über die Weser, Abzweig von der B 83                                   15
Abbildung 3-5:   Hochwassersituation am Standort gemäß Hochwassergefahrenkarte
                 HQ extrem                                                                     18
Abbildung 3-6:   Gewerbegebiet Würgassen, Brennholzhandel                                      21
Abbildung 3-7:   Erdbebenzonen Deutschland                                                     23




4
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Erstbewertung Standort Würgassen




1.   Einleitung
Mit E-Mail vom 16.10.2019 wurde das Öko-Institut e. V. durch das Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) beauftragt, die Standortempfehlung für ein Zentrales
Bereitstellungslager Konrad (ZBL) (BGZ 2019) der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH
(BGZ) gutachterlich zu bewerten. In einem in dieser Standortempfehlung durchgeführten Ranking
wurde der Standort des stillgelegten Kernkraftwerks Würgassen als potenziell geeigneter Standort
für das Bereitstellungslager ermittelt.

Grundlage für die gutachterliche Bewertung der potenziellen Eignung stellt die Stellungnahme „Si-
cherheitstechnische und logistische Anforderungen an ein Bereitstellungslager für das Endlager
Konrad“ der Entsorgungskommission (ESK) vom 26.07.2018 dar (Entsorgungskommission (ESK)
2018). In der vorliegenden Stellungnahme erfolgt eine Einschätzung, in wie weit die Anforderungen
der ESK durch den Standort Würgassen erfüllt sind oder erfüllbar erscheinen. Darüber hinaus
werden ergänzende Hinweise gegeben, die sich im Rahmen der Betrachtung ergeben haben.

Der Bewertung zugrunde gelegt sind die zum jetzigen Zeitpunkt verfügbaren Informationen des
Auftraggebers sowie öffentlich verfügbare Informationen über den Standort. Zudem wurde im No-
vember 2019 eine Ortsbegehung durchgeführt, die weitere Erkenntnisse über den Standort und die
Standortumgebung lieferte. Diese Informationen ermöglichen eine erste Einschätzung der Eignung
des Standortes. Eine umfassende Bewertung hinsichtlich der Genehmigungsfähigkeit des Zentra-
len Bereitstellungslagers am Standort Würgassen erfolgt in dieser Stellungname nicht. Dazu ist
eine deutlich detailliertere Charakterisierung des Standortes erforderlich, für die in der vorliegen-
den Stellungnahme Hinweise gegeben werden.

Ebenfalls nicht untersucht wird in dieser Stellungnahme, inwieweit der Standort von Seiten der
Anwohner als tolerier- oder akzeptierbar angesehen wird. Aufgrund der kerntechnischen Vornut-
zung des Standorts bestehen in der Region bereits Erfahrungen mit kerntechnischen Anlagen.

Das Gutachten ist wie folgt gegliedert:

In Kapitel 2 werden die zum Zeitpunkt der Stellungnahme dem Öko-Institut vorliegenden bzw.
durch das Öko-Institut ermittelten allgemeinen Informationen zusammenfassend dargestellt.

In Kapitel 3 wird der Standort hinsichtlich dessen grundsätzlicher Eignung für die Errichtung und
den Betrieb des ZBLs bewertet. Bewertungsgrundlagen sind die Kriterien der oben genannten
ESK-Stellungnahme.

In Kapitel 4 folgen ergänzende Hinweise zu Themen, die im Rahmen der Planung und des Ge-
nehmigungsverfahrens von besonderer Relevanz sein können. Abschließend werden in diesem
Kapitel Schlussfolgerungen gezogen und dargelegt.




                                                                                                   5
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Erstbewertung Standort Würgassen



2.     Allgemeine Angaben zum Standort

2.1.     Überregionale Lage und vorhandene kerntechnische Anlagen
Der Standort liegt in Nordrhein-Westfalen an der Oberweser zwischen Bad Karlshafen und Bever-
ungen, Ortsteil Würgassen, im Kreis Höxter. Im so genannten Drei-Länder-Eck sind die Landes-
grenzen von Niedersachsen und von Hessen einige Hundert Meter entfernt.

Von 1971 bis 1994 wurde am Standort das Kernkraftwerk Würgassen betrieben. Anfang 1997
wurde es endgültig stillgelegt. Anschließend begann der sofortige Rückbau des Kernkraftwerks.
Der nukleare Rückbau wurde 2014 abgeschlossen. Der konventionelle Abriss der Gebäude des
Kraftwerks, ausgenommen der Zwischenlager, ist nach derzeitiger Planung erst ab 2026 vorgese-
hen (Degner et al. 2019). Demnach sollen die Fundamente bis 2 m unter GOK am Standort ver-
bleiben und die Baugrube mit Recycling-Material aus dem Abriss verfüllt werden.

Am Standort verbleiben die Zwischenlagereinrichtungen, bestehend aus dem UNS-Gebäude, das
vor dem Rückbau das unabhängige Nachkühlsystem beherbergte, und der Transportbereitstel-
lungshalle (TBH). Auf Basis des Entsorgungsübergangsgesetzes wird das Zwischenlager TBH
inklusive der darin befindlichen Abfälle zum 1.1.2020 an die BGZ übergeben.

Gemäß der Angaben der PreussenElektra GmbH (PreussenElektra GmbH 2017) befinden sich mit
Stand Mai 2017 in der TBH 300 Container, die mit Fässern und mit Schnittstücken von Reaktor-
komponenten beladen sind. Im UNS-Gebäude stehen derzeit 3.047 Fässer, die noch in Container
eingeladen werden müssen. Die Konditionierung ist Aufgabe des Abfallerzeugers und wird von der
PreussenElektra GmbH im UNS-Gebäude durchgeführt.

2.2.     Überblick über die derzeitige Flächennutzung
Die Umgebung und Lage des Kraftwerkstandortes sind der Satellitenaufnahme vom 17.09.2018
(Abbildung 2-1) zu entnehmen. Das Gelände liegt in einer Flussschleife der Weser. Für das Bereit-
stellungslager steht die im Bild umrandete Fläche zur Verfügung. Die genaue Lage des ZBLs, der
Logistikflächen, Zuwegungen und ggf. erforderlicher Nebengebäude werden im Rahmen der Pla-
nung festgelegt.

Auf der Fläche des Kraftwerkstandortes sind die noch vorhandenen Gebäude des Kernkraftwerks,
der Zwischenlager, Verwaltungsgebäude sowie der Anlagenzaun zu erkennen. Nördlich des Anla-
genzauns liegt die Fläche des ehemaligen Revisionsparkplatzes. Im Norden und Osten schließen
sich landwirtschaftlich genutzte Flächen an sowie Streifen mit Baumbestand. Diese Flächen befin-
den sich im Eigentum der PreussenElektra GmbH.

Darüber hinaus reicht das Gelände der PreussenElektra GmbH im Süden bis fast an das Weser-
ufer (außerhalb der Umrandung). Diese Flächen dienen dem Landschaftsschutz und sollen zukünf-
tig nicht genutzt werden.




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Erstbewertung Standort Würgassen



Abbildung 2-1:             Satellitenaufnahme des Standorts




Quelle: Google Earth Pro




2.3.     Standortumgebung
Im Westen des Kraftwerksgeländes schließt sich die Fläche des Umspannwerks an. Die Fläche
wird von Norden über eine Straße erschlossen. Der Bahnanschluss zum Umspannwerk wurde
stillgelegt. Das Foto in Abbildung 2-2 gibt den Blick auf das Umspannwerk von der Zufahrtsstraße
aus wieder. Im Hintergrund ist das Reaktorgebäude zu sehen.

Die Zufahrt zum Kraftwerksgelände erfolgt über die Straße „Zum Kernkraftwerk“. Die Straße mün-
det in die Lauenförder Straße, die in westliche Richtung als L 550 (ab Landesgrenze Niedersach-
sen) nach Lauenförde führt. In östliche Richtung, in Richtung Würgassen, mündet sie in die Land-
straße L 763, die nach Süden zur Bundesstraße B 83 führt.

Ebenfalls nördlich des Kraftwerksgeländes verläuft die Eisenbahntrasse mit den Abzweigen zum
Kraftwerk. Genauere Angaben zum Bahnanschluss finden sich in Kapitel 3.1.

Östlich der Straße „Zum Kernkraftwerk“ befindet sich eine Erschließungsfläche für ein Gewerbe-
gebiet. Derzeit befindet sich hier das umzäunte Gelände (ca. 3500 m²) eines Brennholzhandels (s.
Abbildung 3-6). Der überwiegende Teil der Erschließungsfläche wird landwirtschaftlich genutzt.




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