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Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Kommunikation mit Öko-Institut

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Erstbewertung Standort Würgassen



2.     Allgemeine Angaben zum Standort

2.1.     Überregionale Lage und vorhandene kerntechnische Anlagen
Der Standort liegt in Nordrhein-Westfalen an der Oberweser zwischen Bad Karlshafen und Bever-
ungen, Ortsteil Würgassen, im Kreis Höxter. Im so genannten Drei-Länder-Eck sind die Landes-
grenzen von Niedersachsen und von Hessen einige Hundert Meter entfernt.

Von 1971 bis 1994 wurde am Standort das Kernkraftwerk Würgassen betrieben. Anfang 1997
wurde es endgültig stillgelegt. Anschließend begann der sofortige Rückbau des Kernkraftwerks.
Der nukleare Rückbau wurde 2014 abgeschlossen. Der konventionelle Abriss der Gebäude des
Kraftwerks, ausgenommen der Zwischenlager, ist nach derzeitiger Planung erst ab 2026 vorgese-
hen (Degner et al. 2019). Demnach sollen die Fundamente bis 2 m unter GOK am Standort ver-
bleiben und die Baugrube mit Recycling-Material aus dem Abriss verfüllt werden.

Am Standort verbleiben die Zwischenlagereinrichtungen, bestehend aus dem UNS-Gebäude, das
vor dem Rückbau das unabhängige Nachkühlsystem beherbergte, und der Transportbereitstel-
lungshalle (TBH). Auf Basis des Entsorgungsübergangsgesetzes wird das Zwischenlager TBH
inklusive der darin befindlichen Abfälle zum 1.1.2020 an die BGZ übergeben.

Gemäß der Angaben der PreussenElektra GmbH (PreussenElektra GmbH 2017) befinden sich mit
Stand Mai 2017 in der TBH 300 Container, die mit Fässern und mit Schnittstücken von Reaktor-
komponenten beladen sind. Im UNS-Gebäude stehen derzeit 3.047 Fässer, die noch in Container
eingeladen werden müssen. Die Konditionierung ist Aufgabe des Abfallerzeugers und wird von der
PreussenElektra GmbH im UNS-Gebäude durchgeführt.

2.2.     Überblick über die derzeitige Flächennutzung
Die Umgebung und Lage des Kraftwerkstandortes sind der Satellitenaufnahme vom 17.09.2018
(Abbildung 2-1) zu entnehmen. Das Gelände liegt in einer Flussschleife der Weser. Für das Bereit-
stellungslager steht die im Bild umrandete Fläche zur Verfügung. Die genaue Lage des ZBLs, der
Logistikflächen, Zuwegungen und ggf. erforderlicher Nebengebäude werden im Rahmen der Pla-
nung festgelegt.

Auf der Fläche des Kraftwerkstandortes sind die noch vorhandenen Gebäude des Kernkraftwerks,
der Zwischenlager, Verwaltungsgebäude sowie der Anlagenzaun zu erkennen. Nördlich des Anla-
genzauns liegt die Fläche des ehemaligen Revisionsparkplatzes. Im Norden und Osten schließen
sich landwirtschaftlich genutzte Flächen an sowie Streifen mit Baumbestand. Diese Flächen befin-
den sich im Eigentum der PreussenElektra GmbH.

Darüber hinaus reicht das Gelände der PreussenElektra GmbH im Süden bis fast an das Weser-
ufer (außerhalb der Umrandung). Diese Flächen dienen dem Landschaftsschutz und sollen zukünf-
tig nicht genutzt werden.




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Abbildung 2-1:             Satellitenaufnahme des Standorts




Quelle: Google Earth Pro




2.3.     Standortumgebung
Im Westen des Kraftwerksgeländes schließt sich die Fläche des Umspannwerks an. Die Fläche
wird von Norden über eine Straße erschlossen. Der Bahnanschluss zum Umspannwerk wurde
stillgelegt. Das Foto in Abbildung 2-2 gibt den Blick auf das Umspannwerk von der Zufahrtsstraße
aus wieder. Im Hintergrund ist das Reaktorgebäude zu sehen.

Die Zufahrt zum Kraftwerksgelände erfolgt über die Straße „Zum Kernkraftwerk“. Die Straße mün-
det in die Lauenförder Straße, die in westliche Richtung als L 550 (ab Landesgrenze Niedersach-
sen) nach Lauenförde führt. In östliche Richtung, in Richtung Würgassen, mündet sie in die Land-
straße L 763, die nach Süden zur Bundesstraße B 83 führt.

Ebenfalls nördlich des Kraftwerksgeländes verläuft die Eisenbahntrasse mit den Abzweigen zum
Kraftwerk. Genauere Angaben zum Bahnanschluss finden sich in Kapitel 3.1.

Östlich der Straße „Zum Kernkraftwerk“ befindet sich eine Erschließungsfläche für ein Gewerbe-
gebiet. Derzeit befindet sich hier das umzäunte Gelände (ca. 3500 m²) eines Brennholzhandels (s.
Abbildung 3-6). Der überwiegende Teil der Erschließungsfläche wird landwirtschaftlich genutzt.




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Abbildung 2-2:              Umspannwerk (im Hintergrund Reaktorgebäude)




Quelle: Öko-Institut e.V.



Nördlich des Standortes an der Lauenförder Straße liegen zwei Einzelbebauungen mit Wohnhäu-
sern. Die Entfernung der Einzelwohnbebauungen zum Kraftwerksstandort ist dem Luftbild
(Abbildung 2-1) zu entnehmen. Die nächste Einzelwohnbebauung ist etwa 200 m vom Kraftwerks-
gelände entfernt. Das Reaktorgebäude und die beiden Wohnbebauungen sind in der Abbildung
2-3 zu sehen.

Der Abstand vom Anlagenzaun des derzeitigen Kraftwerksgeländes bis zur Ortschaft Würgassen
beträgt ca. 400 m.



Abbildung 2-3:              Einzelwohnbebauung am Kernkraftwerksstandort




Quelle: Öko-Institut e.V.




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Etwa 670 m Luftlinie in nordwestliche Richtung liegt der Campingplatz „Camping Axelsee“ (s. Ab-
bildung 2-4). In gleiche Richtung etwa 350 m entfernt liegt ein See (Abbildung 2-4). Weitere Seen
schließen sich nordwestlich des Campingplatzes an.



Abbildung 2-4:              Campingplatz Axelsee




Quelle: Öko-Institut e.V.

Abbildung 2-5:              See nordwestlich des Anlagenstandortes




Quelle: Öko-Institut e.V.




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Südlich und westlich an die Weser grenzt das FFH-Gebiet „Wälder um Beverungen“ mit der Ge-
bietsnummer DE-4322-304 an. FFH-Gebiete werden anhand der europäischen Fauna-Flora-
Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) festgelegt mit dem Ziel ein europäisches Netz aus zusammen-
hängenden Schutzgebieten aufzubauen.



Abbildung 2-6:        Lage des FFH Gebietes „Wälder von Beverungen“, DE-4322-304




Quelle: NRW Umweltdaten, /www.uvo.nrw.de(NRW 2019)




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3.     Bewertung der grundsätzlichen Eignung des Standorts für ein ZBL
Zur Bewertung des Standorts werden nachfolgend die Anforderungen „Sicherheitstechnische und
logistische Anforderungen an ein Bereitstellungslager für das Endlager Konrad“ der Entsorgungs-
kommission (ESK) vom 26.07.2018 (Entsorgungskommission (ESK) 2018) herangezogen. Im Fol-
genden wird anhand der ESK-Anforderungen geprüft, ob sich der in Kapitel 2 beschriebene Stand-
ort grundsätzlich zur Errichtung des ZBL eignet.

Nach derzeitigem Kenntnisstand können hier lediglich solche Anforderungen berücksichtigt wer-
den, die den Standort selbst betreffen. Gebäude, Anlagen und Prozesse des späteren Betriebs
werden hier nicht bewertet, da dem Öko-Institut hierzu keine Angaben vorliegen. Diese Festlegun-
gen sind Bestandteil der Planung. Außerdem sind die hier vorgenommenen Betrachtungen einge-
schränkt auf sicherheitstechnisch und logistisch relevante Aspekte.

3.1.     Anforderung Gleisanschluss

Anforderung

Die ESK definiert als logistische Anforderung eine zweigleisige Bahnstrecke, die möglichst aus
mehr als einer Richtung erreichbar ist. Das potenzielle Standortgelände sollte möglichst entweder
einen existierenden Bahnanschluss oder einen früheren Bahnanschluss, dessen wesentliche Ele-
mente (z. B. Trasse, Abzweigmöglichkeit aus dem Bahnnetz) noch vorhanden sind, aufweisen.

Für die Anforderung der Zweigleisigkeit setzt die ESK in ihrer Stellungnahme voraus, dass im
„Just-in-Time“-Konzept täglich drei Vollzüge vom ZBL zum Endlager Konrad hin und leer wieder
zurück verkehren werden. Damit wäre aus Sicht der ESK eine Transportabwicklung nach dem
„Just-in-Time“ Konzept auch bei Störungen möglich.

Sachstand

Der Standort ist gemäß Infrastrukturregister der Deutschen Bahn über die zwischen den Betriebs-
stellen Ottbergen und Bodenfelde eingleisige Strecke erschlossen (Abbildung 3-1 und Abbildung
3-2). Die Strecke der Deutschen Bahn ist nicht elektrifiziert und gehört nicht zum transeuropäi-
schen Verkehrsnetz (Deutsche Bahn 2019). Auf der Strecke verkehren montags bis freitags täglich
etwa 15 Personenzüge je Fahrtrichtung.




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Abbildung 3-1:          DB Strecke am Standort (blau) und Abzweige (gestrichelt)




Quelle: Auszug aus Infrastrukturregister der Deutsche Bahn AG (Deutsche Bahn 2019)



Von der DB Strecke führt ein Abzweig in Richtung Kraftwerksgelände. Dieser Abzweig teilt sich auf
in Abzweige zum Umspannwerk und zum Kernkraftwerksgelände (siehe Abbildung 3-1). Der Ab-
zweig zum Umspannwerk ist mittlerweile stillgelegt.

Der Bahnanschluss wurde für den Kernkraftwerksbetrieb genutzt. Über ihn wurde beispielsweise
1996 auch der Abtransport der Castor-Behälter aus dem Kernkraftwerk durchgeführt. Von einer
Schwerlasttauglichkeit kann entsprechend ausgegangen werden.

Der Bahnanschluss wird als „erschließbar“ bezeichnet. Aktuell wird das Gleis nicht genutzt, wie der
Bewuchs (s. Abbildung 3-3) zeigt.




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Abbildung 3-2:              Eingleisige Bahnstrecke zwischen Lauenförde und Würgassen




Quelle: Öko-Institut e.V.




Abbildung 3-3:              Bahngleis in Richtung Kraftwerksgelände




Quelle: Öko-Institut e.V.




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Bewertung

Die Anforderung der ESK hinsichtlich eines Bahnanschlusses ist erfüllt. Der Anschluss ist nach
derzeitigem Kenntnisstand prinzipiell erschließbar und für die Belange eines Zwischenlagerbe-
triebs geeignet (schwerlasttauglich).

Die ESK-Forderung nach Zweigleisigkeit der Strecke ist nicht erfüllt. Diesbezüglich ist zu berück-
sichtigen, dass die Anforderung der ESK nach Zweigleisigkeit auf bestimmten Annahmen hinsicht-
lich des Transportaufkommens sowie einer geeigneten Robustheit gegenüber Störungen basiert.
Ein Logistikkonzept für das ZBL ist derzeit noch nicht entwickelt. Entsprechend kann nicht ab-
schließend beurteilt werden, in wieweit eine Zweigleisigkeit tatsächlich zwingend erforderlich ist.

Prinzipiell kann auch eine eingleisige Strecke für das Transportaufkommen des ZBL ausreichend
sein. Dies ist auch abhängig von der sonstigen Nutzungsfrequenz der Strecke und den freien Ka-
pazitäten für Transportverkehr zwischen ZBL und Endlager. Zu berücksichtigen sind zudem Aus-
weichmöglichkeiten auf Nebengleisen und deren Länge. Maßgeblich für einen störungsfreien Be-
trieb ist vor allem die Entkopplung der Be- und Entladevorgänge vom eigentlichen Transport, da
Be- und Entladevorgänge prinzipiell störanfälliger sind.

Die Eignung des Standorts für das ZBL ist nach derzeitigem Kenntnisstand unter dem Gesichts-
punkt der Anbindung an das Bahnnetz prinzipiell denkbar aber noch nicht nachgewiesen.

Ergänzender Hinweis:
Wir empfehlen, den Bedarf an Transportkapazitäten des ZBL zu konkretisieren und mit den ver-
fügbaren Kapazitäten der Strecke abzugleichen.



3.2.      Anforderung Straßenverkehrsanbindung

Anforderung

Die ESK sieht es als eine zwingende Voraussetzung für die Standortwahl des ZBL, dass der
Standort sowohl über eine Anbindung an eine schwerlastgeeignete Bahnstrecke als auch an eine
schwerlastgeeignete Straße verfügt.

Es muss daher möglich sein, in absehbarer Zeit einen Anschluss an das allgemeine Straßennetz
herzustellen oder dieser muss aus der früheren Nutzung übernommen werden können. Dieser
Anschluss muss schwerlasttauglich sein und an einen Punkt im allgemeinen Straßennetz anbin-
den, der Schwerlasttransporte in mehrere Richtungen erlaubt. Außerdem muss die erforderliche
Transportfrequenz möglich sein.

Sachstand

Folgende Transportwege wurden ermittelt:

•    Zufahrt über die B 83 aus südlicher und nördlicher Richtung und B 241 aus östlicher und westli-
     cher Richtung, jeweils durch Beverungen, NRW bzw. Lauenförde, Niedersachsen verlaufend auf
     die L 550 zum Standort führend,
•    oder alternativ über die L 763 mit Abzweig B 83 südlich der Weser am Ortsrand von Würgassen
     vorbei.




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Die B 83 verläuft südlich der Weser angrenzend an das dort befindliche Fauna-Flora-Habitat
(FFH)-Gebiet bzw. führt durch dieses in Randbereichen hindurch. Die nördliche Zuwegung bein-
haltet die Ortsdurchfahrt Beverungen. Von Süden her ist die Befahrung einer Weserbrücke
(Abbildung 3-4) notwendig.

Gemäß den Erkenntnissen des Ortstermins werden Brücke und B 83 durch Schwerlastverkehr
stark frequentiert.



Abbildung 3-4:              Brücke über die Weser, Abzweig von der B 83




Quelle: Öko-Institut e.V.



Es gibt eine derzeitige Trassenplanung der B 83n zwischen Kraftwerksstandort und Würgassen.
Baumaßnahmen zur Verlegung der B 83 finden derzeit um Bad Karlshafen und Beverungen-
Herstelle statt. Die Fertigstellung der Gesamtmaßnahmen ist gemäß Landesbetrieb Straßenbau
Nordrhein-Westfalen (Strassen.NRW 2019) für 2021 geplant.

Die Weserbrücke an der B 241 bei Lauenförde wird derzeit neugebaut. Gemäß (Strassen.NRW
2019) hatte die Brücke nicht mehr die erforderliche Tragkraft, um Schwerverkehr aufzunehmen.
Die Baumaßnahme soll voraussichtlich Anfang 2020 abgeschlossen sein.

Hinsichtlich der Abfalltransporte vom und zum ZBL ist gemäß der Aussage der BGZ im Rahmen
des Ortstermins hauptsächlich der Transport über die Schienen und nicht über die Straße geplant.

Bewertung

Die grundsätzliche Anforderung eines Straßenanschlusses aus mehreren Richtungen ist erfüllt.
Die Schwerlastfähigkeit ist gegeben. Da bereits das Kernkraftwerk Würgassen am Standort in Be-
trieb war und Zwischenlagereinrichtungen weiterhin in Betrieb sind, kann davon ausgegangen
werden, dass die Straßenanbindung auch für das ZBL geeignet ist.



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