GMBl Nr. 6 2014

Gemeinsames Ministerialblatt Nr. 6 vom 7. March 2014

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G 3191 A

                                    GEMEINSAMES
                                  MINISTERIALBLATT                                                                                                                                                              Seite 105



     des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie / des Auswärtigen Amtes / des Bundesministeriums des Innern
       des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales / des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
       des Bundesministeriums der Verteidigung / des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
          des Bundesministeriums für Gesundheit / des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur
                      des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
                                   des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
                     des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
                              der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

                                    HERAUSGEGEBEN VOM BUNDESMINISTERIUM DES INNERN

65. Jahrgang                                         ISSN 0939-4729                                              Berlin, den 7. März 2014                                                                               Nr. 6



                                                                                                     INHALT


Amtlicher Teil                                                                                   Seite                                                                                                                  Seite


Bundesministerium des Innern                                                                                 Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

D. Öffentlicher Dienst                                                                                       Bundesamt für Verbraucherschutz
   RdSchr. v. 20.12.13, Bundesbeihilfeverordnung (BBhV); Beihilfe­
                                                                                                             und Lebensmittelsicherheit
   fähigkeit der Aufwendungen für Insulinanaloga . . . . . . . . . . . . . . . . . 106                           Bek. v. 2.1.14, Verlängerung einer Ausnahmegenehmigung gemäß
                                                                                                                 § 68 Absatz 1 und 2 Nummer 1 LFGB für das Herstellen und In­
   RdSchr. v. 24.1.14, Bundesbeihilfeverordnung (BBhV); Beihilfefähi­
                                                                                                                 verkehrbringen eines Nahrungsergänzungsmittels mit Zusatz von
   ge Beträge im Rahmen von Organtransplantationen . . . . . . . . . . . . . . 109
                                                                                                                 Lycopin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119



Bundesministerium der Finanzen                                                                               Bundesministerium für Gesundheit
   RdSchr. v. 2.1.14, Dienstwohnungsvorschriften; Entgelt bei An­                                                Erl. v. 18.12.13, Änderung des Kontenrahmens, der Statistikvordru­
   schluss der Heizung an dienstliche Versorgungsleitungen gem. § 26                                             cke und der Ausfüllanleitungen der sozialen Pflegeversicherung . . . 119
   Absatz 3 Satz 2 DWV; Festsetzung für den Zeitraum 2012/2013 . . . . 109


                                                                                                             Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz,
Bundesministerium für Arbeit und Soziales                                                                    Bau und Reaktorsicherheit
   Bek. v. 20.1.14, Berufskrankheiten­Verordnung; Wissenschaftliche                                              Erl. v. 17.1.14, Änderung der EU­Schwellenwerte zum 1. Januar
   Stellungnahme zu Berufskrankheiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110                    2014 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125
   Bek. v. 20.1.14, Berufskrankheiten­Verordnung; Redaktionelle Be­                                              RdSchr. v. 3.2.14, Vollzug der Röntgenverordnung; Mustergeneh­
   richtigung der Empfehlung des Ärztlichen Sachverständigenbeirats                                              migung nach § 3 Absatz 4 Röntgenverordnung zum Betrieb einer
   „Berufskrankheiten“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118       Röntgeneinrichtung zur Teleradiologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125
1

Seite 106                                              GMBl 2014                                                           Nr. 6

Amtlicher Teil


                                Bundesministerium des Innern
                                               D. Öffentlicher Dienst

             Bundesbeihilfeverordnung (BBhV)                  PZN          182194          Humalog® Mix50TM Pen
hier:       Beihilfefähigkeit der Aufwendungen für Insulin­                                (Fertigpen), 10 Pens a 3,0 ml
            analoga                                           PZN          6087137         Humalog® Mix50TM KwikPen
                                                                                           (Fertigpen), 5 Pens a 3,0 ml
Bezug:      1. Rundschreiben des BMI, Az: D 6 – 213
                                                              PZN          6087143         Humalog® Mix50TM KwikPen
            106­2/11 vom 15.11.2011
                                                                                           (Fertigpen), 10 Pens a 3,0 ml
            2. Rundschreiben des BMI, Az: D 6 –
            30111/41#12 vom 03.07.2013                        Aufgrund der Erweiterung der quartalsweise zu meldenden
                                                              PZN für Insulinanaloga bitte ich Sie daher, ab der 1. Quar­
   – RdSchr. d. BMI v. 20.12.2013 – D6 – 30111/41#12 –
                                                              talsmeldung 2014 für Ihre Rabatt-Anmeldungen das neue
Mit Wirkung vom 1. Januar 2014 schließt ein weiterer Insul­   beigefügte Meldeformular (Stand 1/2014) zu verwenden.
inhersteller, die Lilly Deutschland GmbH, mit dem Bund ei­    Bei der Meldung sind auch Verordnungen bei Vorliegen der
nen Rabattvertrag mit der Verpflichtung, künftig die Mehr­    Ausnahmetatbestände nach Nummer 5 Satz 3 und Nummer
kosten zu erstatten, die dem Bund bei Beihilfegewährung für   6 Satz 3 der Anlage 8 zu § 22 Absatz 4 BBhV und zur Be­
Aufwendungen für ihre Insulinanaloga entstehen. Erfasst       handlung von Diabetes mellitus Typ 1 mitzuzählen.
werden daher zusätzlich ab 1. Januar 2014 folgende Insu­
linprodukte der Lilly Deutschland GmbH:                       Die Auszahlung der Rabatte erfolgt nach Eingang der von
                                                              den Pharma-Unternehmen gezahlten Rabatte auf die von Ih­
PZN         8752484     Humalog® Patrone (100E/ml),           nen in der Rabatt-Anmeldung angegebene Bankverbindung.
                        5 Patronen a 3,0 ml                   Auch dieser mit der Lilly Deutschland GmbH geschlossene
PZN         8752490     Humalog® Patrone (100E/ml),           Rabattvertrag gilt nicht für Insulinanaloga, für die der Bund
                        10 Patronen a 3,0 ml                  Beamtinnen und Beamte des Bundeseisenbahnvermögens,
PZN         182248      Humalog® Pen (Fertigpen)              die zum Zeitpunkt der Zusammenführung der Deutschen
                        (100E/ml), 5 Pens a 3,0 ml            Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn Beamtinnen
PZN         182254      Humalog® Pen (Fertigpen)              und Beamte der Deutschen Bundesbahn waren, oder bei der
                        (100E/ml), 10 Pens a 3,0 ml           Postbeamtenkrankenkasse versicherten Beamtinnen und Be­
PZN         182107      Humalog® Mix25TM 100E/ml,             amte, Beihilfe gewährt. Insofern finden ausschließlich die für
                        5 Patronen a 3,0 ml                   diese Bereiche geschlossenen Rabattverträge Anwendung.
PZN         182113      Humalog® Mix25TM 100E/ml,             Die vorstehend aufgeführten Insulinanaloga sind auch nach
                        10 Patronen a 3,0 ml                  dem Gesetz über Rabatte für Arzneimittel rabattfähig. Sie
PZN         182136      Humalog® Mix25TM Pen                  sind daher auch an die ZESAR GmbH zur Geltendmachung
                        (Fertigpen), 5 Pens a 3,0 ml          von Rabatten in dem dort vorgesehenen Verfahren zu mel­
PZN         182142      Humalog® Mix25TM Pen                  den.
                        (Fertigpen), 10 Pens a 3,0 ml         Die Beihilfeberechtigten bitte ich über die Beihilfefähigkeit
PZN         6087108     Humalog® Mix25TM KwikPen              von Insulinanaloga der Lilly Deutschland GmbH zur Be­
                        (Fertigpen), 5 Pens a 3,0 ml          handlung von Diabetes mellitus Typ 2 auch ohne Vorliegen
PZN         6087114     Humalog® Mix25TM KwikPen              einer Ausnahmeindikation zu informieren.
                        (Fertigpen), 10 Pens a 3,0 ml
                                                              Der geschlossene Rabattvertrag mit der Lilly Deutschland
PZN         6087031     Humalog® KwikPen (Fertigpen)
                                                              GmbH unterliegt einer Geheimhaltungsklausel. Ich bitte
                        (100E/ml), 5 Pens a 3,0 ml
                                                              um Wahrung des Amtsgeheimnisses und der Verschwiegen­
PZN         6087048     Humalog® KwikPen (Fertigpen)          heit zu den bei der Durchführung des Vertrages anfallenden
                        (100E/ml), 10 Pens a 3,0 ml           Informationen, insbesondere zur Abrechnung.
PZN         7242491     Humalog® 100 (100E/ml),
                        5 Flaschen a 10,0 ml                  Aufwendungen für andere als die in der beigefügten Anlage
                                                              (xls.Datei) aufgeführten Insulinanaloga sind nur zur Be­
PZN         7242485     Humalog® 100 (100E/ml),
                                                              handlung von Diabetes mellitus Typ 1 oder bei Vorliegen der
                        1 Flasche a 10,0 ml
                                                              seltenen und eng auszulegenden Ausnahmetatbestände nach
PZN         182159      Humalog® Mix50TM 100E/ml,
                                                              Nummer 5 Satz 3 und Nummer 6 Satz 3 der Anlage 8 zu § 22
                        5 Patronen a 3,0 ml
                                                              Absatz 4 beihilfefähig.
PZN         182171      Humalog® Mix50TM 100E/ml,
                        10 Patronen a 3,0 ml                  nur per E-Mail
PZN         182188      Humalog® Mix50TM Pen                  Oberste Bundesbehörden
                        (Fertigpen), 5 Pens a 3,0 ml          Für das Beihilferecht zuständige oberste Landesbehörden
2

Nr. 6                                                       GMBl 2014                                        Seite 107

  BMI, Referat D 6                                                                                         Anlage
  Az.: D 6 - 30111/41#12                                                                         (Stand: 01/ 2014)


                                                Rabatt-Anmeldung für Insulin-Analoga

 Meldezeitraum:                                                         1. Quartal 2014

 Beihilfefestsetzungsstelle:
 Behörde/ Org.-Einheit/ Referat: *

 Ansprechpartner/-in:
 Telefon:
 E-Mail:

 Auszahlungsanordnung:
 Name/ Bezeichnung des Empfangsberechtigten:
 Straße/ Postfach:
 PLZ/ Ort:
 Bezeichnung/ Ort des Geldinstituts:
 BLZ:
 Konto-Nummer:
 (Wunsch-) Verw.-Zweck:
 BIC:
 IBAN:




        PZN                                     Erläuterungen                             Anzahl
    1043106      Liprolog® 100 E/ml, 5 Injektionsflaschen á 10 ml
    1043112      Liprolog® 100 E/ml, 5 Patronen á 3 ml
    1043129      Liprolog® 100 E/ml, 10 Patronen á 3 ml
    1043135      Liprolog® 100 E/ml, 5 Fertigpens á 3 ml
    1043141      Liprolog® 100 E/ml, 10 Fertigpens á 3 ml
    1043158      Liprolog® Mix 25 100 E/ml, 5 Patronen á 3 ml
    1043164      Liprolog® Mix 25 100 E/ml, 10 Patronen á 3 ml
    1043170      Liprolog® Mix 25 100 E/ml, 5 Fertigpens á 3 ml
    1043187      Liprolog® Mix 25 100 E/ml, 10 Fertigpens á 3 ml
    1043193      Liprolog® Mix 50 100 E/ml, 5 Patronen á 3 ml
    1043201      Liprolog® Mix 50 100 E/ml, 10 Patronen á 3 ml
    1043218      Liprolog® Mix 50 100 E/ml, 5 Fertigpens á 3 ml
    1043224      Liprolog® Mix 50 100 E/ml, 10 Fertigpens á 3 ml
    7023168      Liprolog® Mix 25 100 E/ml KwikPen, 5 Fertigspritzen á 3 ml
    7359750      Liprolog® Mix 25 100 E/ml KwikPen, 10 Fertigspritzen á 3 ml
    7359773      Liprolog® Mix 50 100 E/ml KwikPen, 5 Fertigspritzen á 3 ml
    7359796      Liprolog® Mix 50 100 E/ml KwikPen, 10 Fertigspritzen á 3 ml
    7359804      Liprolog® 100 E/ml KwikPen, 5 Fertigspritzen á 3 ml
    7359810      Liprolog® 100 E/ml KwikPen, 10 Fertigspritzen á 3 ml



  Für weitere Fragen erreichen Sie uns unter:                                             Bitte die PZN´s auf der nächsten Seite
  Tel.:    030/ 18 681 - 4690/ 4682
  E-Mail: D6@BMI.Bund.de                                                                               Seite 1 von 3
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 BMI, Referat D 6                                                                                                                                   Anlage
 Az.: D 6 - 30111/41#12                                                                                                                   (Stand: 01/ 2014)




     PZN                                                 Erläuterungen                                                           Anzahl
   3075599        Levemir® FlexPen® 10x3ml
   3075530        Levemir® FlexPen® 5x3ml
   3075518        Levemir® Penfill® 10x3ml
   3075501        Levemir® Penfill® 5x3ml
   2430176        NovoMix® 30 FlexPen® 5x3ml
   2430182        NovoMix® 30 FlexPen® 10x3ml
   2470796        NovoMix® 30 Penfill® 5x3ml
   2470804        NovoMix® 30 Penfill® 10x3ml
   1884952        NovoRapid® FlexPen® 5x3ml
   1884981        NovoRapid® FlexPen® 10x3ml
    558707        NovoRapid® Penfill® 5x3ml
    558736        NovoRapid® Penfill® 10x3ml
    558647        NovoRapid® 100E/ml DFL




     PZN                                                 Erläuterungen                                                           Anzahl
   8752484        Humalog® Patrone (100E/ml), 5 Patronen a 3,0 ml
   8752490        Humalog® Patrone (100E/ml), 10 Patronen a 3,0 ml
    182248        Humalog® Pen (Fertigpen) (100E/ml), 5 Pens a 3,0 ml
    182254        Humalog® Pen (Fertigpen) (100E/ml), 10 Pens a 3,0 ml
    182107        Humalog® Mix25TM 100E/ml, 5 Patronen a 3,0 ml
    182113        Humalog® Mix25TM 100E/ml, 10 Patronen a 3,0 ml
    182136        Humalog® Mix25TM Pen (Fertigpen), 5 Pens a 3,0 ml
    182142        Humalog® Mix25TM Pen (Fertigpen), 10 Pens a 3,0 ml
   6087108        Humalog® Mix25TM KwikPen (Fertigpen), 5 Pens a 3,0 ml
   6087114        Humalog® Mix25TM KwikPen (Fertigpen), 10 Pens a 3,0 ml
   6087031        Humalog® KwikPen (Fertigpen) (100E/ml), 5 Pens a 3,0 ml
   6087048        Humalog® KwikPen (Fertigpen) (100E/ml), 10 Pens a 3,0 ml
   7242491        Humalog® 100 (100E/ml), 5 Flaschen a 10,0 ml
   7242485        Humalog® 100 (100E/ml), 1 Flasche a 10,0 ml
    182159        Humalog® Mix50TM 100E/ml, 5 Patronen a 3,0 ml
    182171        Humalog® Mix50TM 100E/ml, 10 Patronen a 3,0 ml
    182188        Humalog® Mix50TM Pen (Fertigpen), 5 Pens a 3,0 ml
    182194        Humalog® Mix50TM Pen (Fertigpen), 10 Pens a 3,0 ml
   6087137        Humalog® Mix50TM KwikPen (Fertigpen), 5 Pens a 3,0 ml
   6087143        Humalog® Mix50TM KwikPen (Fertigpen), 10 Pens a 3,0 ml


* Die Angabe der Behörde, für die die Beihilfeberechnung erfolgt, soll Dienstleistungszentren ermöglichen, mehrere Rabattanmeldungen (nach Kunden getrennt) zu stellen.
Festsetzungsstellen, die keine Dienstleistungszentren sind, und Dienstleistungszentren, die keine getrennte Rabattanmeldungen für ihre Kunden stellen wollen, lassen
dieses Feld leer.
                                                                                                                                             GMBl 2014, S. 106
 Für weitere Fragen erreichen Sie uns unter:
 Tel.:    030/ 18 681 - 4690/ 4682
 E-Mail: D6@BMI.Bund.de                                                                                                                        Seite 2 von 3
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Nr. 6                                                     GMBl 2014                                                Seite 109

           Bundesbeihilfeverordnung (BBhV)                      b) 22 537 Euro bei extrarenalen Organen (z. Z. Herz, Leber,
hier:     Beihilfefähige Beträge im Rahmen von Organ­              Lunge, Pankreas und Darm) je transplantiertes Organ,
          transplantationen                                        für das ein eigenständiger Flugtransport durchgeführt
                                                                   wurde.
Bezug:    § 45 Absatz 2 BBhV in Verbindung mit Nummer
          45.2 der allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur            Der Betrag setzt sich zusammen aus:
          BBhV
                                                                    –– den Pauschalen nach Buchstabe a) und
   – RdSchr. d. BMI v. 24.1.2014 – D6 – 30111/49#17 –
                                                                    –– Flugtransportkostenpauschale.
Im Rahmen von Organtransplantationen gelten für das Jahr
2014 nachstehende beihilfefähigen Beträge:                      c) 43 881 Euro zusätzlich zu den Pauschalen nach Buchsta­
                                                                   be a) und b) je transplantiertes Herz, für das ein OCSTM-
a) 15 189 Euro je transplantiertes Organ, für das kein eigen­
                                                                   Einsatz durchgeführt wurde.
   ständiger Flugtransport durchgeführt wurde.
   Der Betrag setzt sich zusammen aus:                          Einen Abdruck dieses Schreibens erhält der Verband der pri­
                                                                vaten Krankenversicherung e. V.
   – Organisationspauschale für die Bereitstellung eines
     postmortal gespendeten Organs,
                                                                Oberste Bundesbehörden
   – Aufwandserstattungspauschale der Entnahmekran­             nachrichtlich:
     kenhäuser,                                                 Für das Beihilferecht zuständige
   – Transplantationsbeauftragtenpauschale und                  oberste Landesbehörden
                                                                nur per E-Mail
   – Finanzierungspauschale für den Betrieb der Ge­
     schäftsstelle Transplantationsmedizin.                                                               GMBl 2014, S. 109




                             Bundesministerium der Finanzen
              Dienstwohnungsvorschriften                        Aus Gründen der Gleichbehandlung bitte ich, diese Entgelte
hier:     Entgelt bei Anschluss der Heizung an dienstli­        auch bei Bundesmietwohnungen, die an dienstliche Versor­
          che Versorgungsleitungen gem. § 26 Absatz 3           gungsleitungen angeschlossen sind, im Rahmen des § 22 der
          Satz 2 DWV; Festsetzung für den Zeitraum              Allgemeinen Vertragsbestimmungen für Wohnungen der
          2012/2013
                                                                Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (AVB) entsprechend
Bezug:    Rundschreiben/Erlass vom 3. Januar 2013 – Z B 1       anzuwenden.
          – P 1532/12/10002, Dok. 2012/1170001 –
                                                                  Ich weise darauf hin, dass die Versendung dieses Rund­
– RdSchr. d. BMF v. 2.1.2014 – Z B 1 – P 1532/13/10001 –
                    2013/1170157 –                              schreibens/Erlasses ausschließlich per E-Mail erfolgt; es
                                                                wird zeitnah auf der Internet-Seite des Bundesministeriums
Aufgrund des § 26 Absatz 3 Satz 2 der Dienstwohnungsvor­
                                                                der Finanzen www.bundesfinanzministerium.de eingestellt
schriften vom 16. Februar 1970 in der Fassung vom 13. Juli
1989 setze ich für den Abrechnungszeitraum vom 1. Juli          (Stichwortsuche z. B. mit den Begriffen „Heizkosten“ oder
2012 bis 30. Juni 2013 die zur endgültigen Berechnung des       „DWV“).
Entgelts maßgebenden Beträge wie folgt fest:
                                                                Oberste Bundesbehörden
 Energieträger                                        €
                                                                Zum Geschäftsbereich des
 fossile Brennstoffe,                                           Bundesministeriums der Finanzen
 § 26 Abs. 1 Satz 2 DWV                             10,71       gehörende Dienststellen

                                                                Finanzministerien der Länder

 Fernwärme und übrige Heizungsarten                 14,40                                                 GMBl 2014, S. 109
5

Seite 110                                                GMBl 2014                                                      Nr. 6


                   Bundesministerium für Arbeit und Soziales
              Berufskrankheiten­Verordnung                       welttoxischen Vergiftungen mit Cadmium und seinen Ver­
                                                                 bindungen sind jedoch nicht auf diesen Vorfall beschränkt,
hier:       Wissenschaftliche Stellungnahme zu Berufs­
                                                                 z. B. wurde kürzlich von einem ähnlichen Ereignis mit kon­
            krankheiten
                                                                 taminiertem Reis in Thailand berichtet (Honda et al. 2010).
      – Bek. d. BMAS v. 20.1.2014 – IVa 4­45222­1104 –           In der Umweltmedizin findet die Aufnahme von Cadmium
                                                                 über die Nahrung und das Rauchen eine zunehmende Be­
Der Ärztliche Sachverständigenbeirat „Berufskrankheiten“         achtung, da bei einigen Personenkollektiven die nicht ar­
beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat am 16.        beitsbedingte Belastung den Bereich der nierenschädigenden
Dezember 2013 die nachstehende wissenschaftliche Stel­           Wirkung erreichen kann (Järup et al. 1998a, Satarug und
lungnahme zu der Berufskrankheit Nr. 1104 der Anlage 1           Moore 2004). Dies ist besonders in solchen Gegenden von
zur Berufskrankheiten­Verordnung beschlossen, die hiermit        Bedeutung, in denen der Boden einen hohen Cadmiumge­
bekannt gemacht wird.                                            halt hat (Pan et al. 2010).

        Wissenschaftliche Stellungnahme zu der                   1.2   Vorkommen und Gefahrenquellen
       Berufskrankheit Nr. 1104 der Anlage 1 zur
 Berufskrankheiten­Verordnung „Erkrankungen durch                Cadmium ist in erster Linie ein Begleitmineral von Zinker­
         Cadmium oder seine Verbindungen“                        zen, ist jedoch auch in Blei- und Kupfererzen vorhanden.
                                                                 Die wichtigste arbeitsbedingte Expositionsquelle von Cad­
  Der Ärztliche Sachverständigenbeirat „Berufskrankhei­          mium und seinen Verbindungen ist heute die Herstellung
ten“ beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales gibt         und Entsorgung (bzw. das Recycling) von Nickel-Cadmi­
zu der genannten Berufskrankheit folgende wissenschaftli­        um-Batterien. Dieser Einsatz stieg weltweit von 8 Prozent in
che Stellungnahme ab:                                            1970 auf 75 Prozent in 2000 an und macht heute etwa 81 Pro­
                                                                 zent des weltweit verwendeten Cadmiums aus. Eine weitere
1.      Aktueller Erkenntnisstand
                                                                 Verwendung mit zunehmender Bedeutung ist der Einsatz in
1.1     Charakteristik der ursächlich schädigenden               den grünen und blauen Leuchtelementen von Farbfernse­
        Einwirkung                                               hern (Huff et al. 2007). In früheren Jahrzehnten standen hin­
                                                                 gegen die Beschichtung von Metallen zum Korrosionsschutz
Cadmium ist ein Element mit dem Atomgewicht 112,4 und            (Verkadmierung) und die Verarbeitung solcher beschichteter
der Oxidationszahl +2. Es ist ein silbrig­weißes Schwerme­       Metalle (Schneiden, Trennen, Schweißen) im Vordergrund.
tall, welches in geringen Konzentrationen ubiquitär vor­
kommt und häufig mit Blei, Zink oder Phosphat vergesell­           Da im Hinblick auf Berufskrankheiten nicht nur aktuelle,
schaftet ist. Es wurde im Jahr 1817 vom Göttinger Chemiker       sondern auch frühere Belastungsquellen von Relevanz sind,
Friedrich Stromeyer entdeckt; der erste Bericht über toxi­       müssen insbesondere die folgenden Bereiche und Tätigkei­
sche Wirkungen erfolgte bereits 1858 (Nordberg 2009).            ten beachtet werden (AGS 1996: TRGS 556):
   Cadmiumverbindungen unterscheiden sich erheblich hin­         –– Zinkgewinnung, Bleigewinnung, Kupfergewinnung
sichtlich ihrer Löslichkeit in Wasser, wodurch die Aufnahme
                                                                 –– Verhüttung von edelmetallhaltigem Scheidegut
in den Organismus wesentlich bestimmt wird. Während das
Element Cadmium und die Verbindungen Cadmiumoxid                 –– Stückverzinkung
CdO und Cadmiumsulfid CdS in Wasser nahezu unlöslich
sind, sind andere Verbindungen wie Cadmiumchlorid                –– Eisenerzsinteranlagen
CdCl2, Cadmiumsulfat CdSO4 und Cadmiumacetat                     –– Beschichtung von Metallen und Legierungen
Cd(CH3­COO)2 zum Teil gut wasserlöslich. Toxikologisch
ist dies dahingehend von Bedeutung, dass unlösliche Verbin­      –– Herstellung von Nickel-Cadmium-Akkumulatoren
dungen bei inhalativer Aufnahme vornehmlich lokal an den         –– Galvanisieren
Atemwegen und der Lunge ihre gesundheitsschädliche Wir­
kung entfalten, während bei löslichen Verbindungen auch          –– Löten (insbesondere cadmiumhaltige Hartlote, aber auch
systemische Wirkungen, insbesondere an der Niere, zu be­            Weichlote)
fürchten sind.
                                                                 –– Schweißen und Schneiden sowie mechanische Bearbei­
   Bei arbeitsbedingt gegen Cadmium exponierten Kollekti­           tung cadmiumhaltiger Materialien
ven spielt die inhalative Aufnahme die größte Rolle, wäh­
                                                                 –– Cadmiumpigment-Herstellung
rend in der nicht arbeitsbedingt belasteten Allgemeinbevöl­
kerung die Aufnahme vorwiegend über die Nahrung erfolgt.         –– Spezialglas-Herstellung
Eine weitere Quelle ist das Rauchen; 20 Zigaretten pro Tag
führen zu einem zusätzlichen Eintrag, der höher sein kann        –– Herstellung und Verarbeitung cadmiumhaltiger Emails,
als der Eintrag über die Nahrung (Schäfer et al. 1994). Inter­      keramischer Farben und Glasuren (auch Töpfereien, Por­
national sind wiederholt nahrungsbedingte Intoxikationen            zellanherstellung)
auffällig geworden: Am meisten Aufmerksamkeit erlangte           –– Verwendung löslicher Cadmiumverbindungen in der
diesbezüglich die Itai­Itai­Krankheit in Japan nach dem             Foto-, Glas-, Gummi- und Schmuckindustrie
Zweiten Weltkrieg, die durch den Verzehr von kontaminier­
tem Reis verursacht worden war. Aus einem Erzbergwerk            –– Herstellung und Verwendung von löslichen Cadmium­
war Cadmium in einen Fluss gelangt, mit dessen Wasser die           verbindungen, Cadmiumpigmenten sowie cadmiumhal­
Reisfelder bewässert wurden (Nordberg 2009). Solche um­             tigen Stabilisatoren und Katalysatoren
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Nr. 6                                                   GMBl 2014                                                 Seite 111

–– Verarbeiten und Verbrennen von cadmiumhaltigen Ab­          Metabolisierung wie Oxidation, Reduktion oder Alkylie­
   fall- und Altmaterialien, Entfernen cadmiumhaltiger An­     rung bekannt (DFG 2008). Demzufolge ist zu bedenken,
   striche (z. B. durch Abbrennen)                             dass der Mensch über keine wirksamen Mechanismen des
                                                               Stoffwechsels oder der Ausscheidung für Cadmium verfügt,
–– Einsatz von cadmiumhaltigen Elementen und Ersatztei­        so dass sich das Metall lebenslang in den Nieren und der Le­
   len in der Fernseh-, Mess-, Regel- und Reaktortechnik       ber anreichert.
   sowie in der Kraftfahrzeug- und Luftfahrzeugindustrie
                                                                  Cadmium induziert die Neusynthese des Proteins Metal­
–– Fotovoltaik, z. B. Cadmiumtellurid                          lothionein. Zunächst handelt es sich bei der Bindung an die­
  Wie oben ausgeführt ist die Löslichkeit der einzelnen Cad­   ses Protein um einen Schutzmechanismus des Organismus
miumverbindungen von wesentlicher Bedeutung für das            gegen die Metalltoxizität (Klaassen et al. 2009). Das an Me­
Zielorgan ihrer toxischen Wirkung. Deren Einsatz stellt sich   tallothionein gebundene Cadmium wird langsam von der
wie folgt dar (Huff et al. 2007):                              Leber abgegeben und in die Nieren verlagert, wo es in der
                                                               Nierenrinde gespeichert wird. Metallothionein wird als nie­
                                                               dermolekulares Protein durch die Glomeruli filtriert und
 –– Cadmiumchlorid:       Produktion von Cadmiumsul­
                                                               von den proximalen Tubuli resorbiert. Mit der Zeit erfolgen
                          fid, Pigmentherstellung und
                                                               auch eine Bindung des Cadmiums an hochmolekulare Nie­
                          Textilfärbung, Elektrolyse bzw.
                                                               renproteine und eine Nierenschädigung (Bolt und Myslak
                          Galvanik (Korrosionsschutzbe­
                                                               1985, DFG 2004).
                          schichtungen), Vakuumröhren,
                          ehemals auch als Fungizid               Die krebserzeugende Wirkung von Cadmium beruht auf
                                                               mehreren Mechanismen einschließlich direkter Gentoxizi­
 –– Cadmiumhydroxid: Alkalibatterien
                                                               tät, fehlerhafter DNA­Reparatur, Induktion von oxidativem
 –– Cadmiumnitrat:        Glas- und Porzellanfärbung,          Stress und Hemmung der Apoptose, wobei heute dem oxi­
                          fotographische Emulsionen            dativen Stress die größte Bedeutung beigemessen wird (Jo­
 –– Cadmiumoxid:          Zinkbatterien, Stabilisatoren für    seph 2009).
                          Kunststoffe und Legierungen          1.3.2 Krankheitsbilder
 –– Cadmiumsulfat:        Zwischenprodukt, Elektrolyse         Zielorgane der toxischen Wirkung von Cadmium und seinen
                          bzw. Galvanik (Korrosions­           anorganischen Verbindungen sind die Atemwege, die Lun­
                          schutzbeschichtungen)                ge, die Nieren und die Knochen. Die folgenden Krankheits­
 –– Cadmiumstearat:       Schmiermittel, Stabilisator für      bilder werden im Zusammenhang mit der Einwirkung von
                          Kunststoffe                          Cadmium diskutiert:
 –– Cadmiumsulfid:        Pigment                              A.    Nichtmaligne Erkrankungen

1.3     Kenntnisse zur Wirkung am Menschen                     a) Atemwege und Lunge: Chronisch obstruktive Atem­
                                                                  wegserkrankungen und entzündliche Reizzustände im
1.3.1 Aufnahme und Ausscheidung, Stoffwechsel                     Bereich der oberen Atemwege, Lungenemphysem
In der Luft liegen Cadmium und seine anorganischen Ver­        Cadmium und seine Verbindungen üben eine starke Reiz­
bindungen als Partikel oder an Partikeln gebunden vor; der     wirkung auf die oberen Atemwege aus. Als Symptome bei
resorbierbare Anteil hängt von deren Löslichkeit ab. Rau­      hoher akuter Belastung treten Husten und Schleimhautrei­
cher nehmen mit 20 Zigaretten pro Tag ca. 2 µg Cadmium auf     zungen auf; mit einer Latenzzeit von bis zu mehreren Tagen
(UBA 1998, IARC 2004, Satarug und Moore 2004). Die ora­        können diese in schwere Allgemeinsymptome, Pneumonie,
le Aufnahme mit der Nahrung beträgt täglich ca. 10–60 µg       Lungenödem und Tod übergehen. Es wurde abgeschätzt,
Cadmium (DFG 2004). Die orale Aufnahme ist bei Eisen­          dass eine achtstündige Exposition gegenüber 1 mg Cadmi­
mangel deutlich erhöht und hängt auch vom Umfang des           um/m³ lebensgefährlich und gegenüber 5 mg Cadmium/m³
Verzehrs cadmiumhaltiger Lebensmittel (z. B. Fisch) ab. Im     tödlich ist (European Commission 2003, zitiert in DFG
Tierversuch und in vitro wurde nachgewiesen, dass Cadmi­       2004). Erste Effekte wurden bei 20 µg Cd/m³ Rauch und
umchlorid die Haut penetriert.                                 70 µg Cd/m³ Staub berichtet.

  Quantitativ ist bei der Exposition am Arbeitsplatz beson­      In den letzten Jahrzehnten spielten akute Wirkungen von
ders die inhalative Aufnahme von Bedeutung, jedoch darf        Cadmium und seinen Verbindungen in Deutschland keine
die orale Belastung durch Hand-zu-Mund-Kontakt nicht           nennenswerte Rolle mehr; anamnestisch können aber Symp­
unterschätzt werden. Die dermale Aufnahme ist dagegen nur      tome einer Reizung der Atemwege bei cadmiumbelasteten
von untergeordneter Bedeutung (DFG 2008).                      Tätigkeiten in früheren Jahrzehnten einen Hinweis auf eine
                                                               damals hohe Exposition geben. Aufgrund der Häufigkeit
  Im Blut liegt Cadmium zu 90 Prozent an Erythrozyten,         chronisch obstruktiver Atemwegserkrankungen und der Ex­
der Rest an Plasmaproteine gebunden vor. Von zentraler Be­     position gegenüber Tabakrauch und Umweltallergenen in
deutung für die Toxikologie des Stoffes ist aber die Bindung   der Allgemeinbevölkerung ist eine unzureichende Beach­
an das Protein Metallothionein. In dieser Form werden bei      tung solcher Symptome bei arbeitsbedingt cadmiumbelaste­
chronischer Exposition ca. 50–75 Prozent der aufgenomme­       ten Personen und infolgedessen eine Dunkelziffer anzuneh­
nen Cadmiummenge in der Leber und in den Nieren gespei­        men.
chert (DFG 2004).
                                                                 Chronische inhalative Cadmiumexpositionen führen zu
  Resorbiertes Cadmium wird sehr langsam mit dem Urin          degenerativen Veränderungen der Nasenschleimhaut und
und dem Stuhl ausgeschieden. Die biologische Halbwerts­        zum Symptom des „Cadmiumschnupfens“ mit Verlust des
zeit beträgt dabei zehn bis 20 Jahre. Für Cadmium ist keine    Geruchssinnes (Anosmie) (Gobba 2006). Cadmium inhi­
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biert die Synthese von alpha-1-Antitrypsin; als Folge wurde      Cadmium-Konzentration in der Nierenrinde ca. 200 ppm
ein vermehrtes Auftreten von Lungenemphysemen bei ex­            (µg/g Feuchtgewicht) übersteigt, entsprechend einer Aus­
ponierten Arbeitern registriert (Lauwerys et al. 1979, Sora­     scheidung von 10 µg Cd/g Kreatinin im Urin (Chaumont et
han et al. 1995). Ein moderates Ansteigen des Residualvolu­      al. 2011). In Einzelfällen kommt es bereits bei geringerer
mens in der Lungenfunktionsprüfung wurde bereits nach            Cadmiumbelastung zur tubulären Proteinurie, so werden als
kumulativer Cadmiumoxidrauchexposition gegenüber we­             Schwelle des Effekts Cd-Konzentrationen im Urin von 2,1–
niger als 500 µg Cadmium/m³ x Jahre berichtet. Die nied­         4,1 µg/g Kreatinin bei Männern und 1,4–3,1 µg/g Kreatinin
rigste Belastung mit Cadmium, bei der eine solche Wirkung        bei Frauen angegeben (Suwazono et al. 2011).
beobachtet wurde, entsprach 3,1 µg Cadmium/l Urin (Euro­
                                                                   Rauchen verstärkt die toxische Wirkung von Cadmium
pean Commission 2003, zitiert in DFG 2004). In einer Un­
                                                                 auf die Niere über den Cadmiumgehalt des Tabaks hinaus,
tersuchung an 1492 Arbeitern in der Herstellung cadmium­
                                                                 da chronisches Rauchen die glomeruläre Perfusion (Durch­
haltiger Legierungen war das relative Risiko (RR) für chro­
                                                                 blutung) beeinträchtigt und die Minderdurchblutung die
nische nichtmaligne Erkrankungen der Lunge und Atemwe­
                                                                 Empfindlichkeit der Tubuluszellen für eine toxische Schädi­
ge erhöht, und zwar bei mindestens einjähriger, zumeist aber
                                                                 gung erhöht (Chaumont et al. 2011).
langjähriger Cadmiumexposition in der Gruppe mit einer
inhalativen Exposition zwischen 1600 bis 4800 µg/m³ x Jahre         In älteren Publikationen wurde auch eine toxische Wir­
RR = 1,91 (95 % CI 0,98-3,70) und bei > 4800 µg/m³ x Jahre       kung von Cadmium auf die Glomerula der Niere diskutiert,
RR = 2,47 (95 % CI 1,24-4,93) (Sorahan et al. 1995). Die Ab­     da eine glomeruläre Proteinurie, also eine Ausscheidung hö­
leitung einer Dosis-Wirkungsbeziehung für Berufskrankhei­        hermolekularer Proteine wie Albumin, bei Arbeitern mit er­
ten ist jedoch nicht möglich, da es sich einerseits um Anga­     höhter Cadmiumkonzentration im Urin gehäuft auftrat
ben aus einer Mortalitätsstudie handelt, und daher unklar ist,   (Lauwerys et al. 1979). Neuere Erkenntnisse zeigen jedoch,
ob es sich um Erkrankungen oder um Todesursachen han­            dass die glomeruläre Proteinurie nicht primär durch Cadmi­
delte und andererseits die Arbeiter gegenüber anderen Me­        um verursacht wird. Die Assoziation der Albuminurie mit
tallen (insbesondere Kupfer und Eisen, vereinzelt auch Ar­       einer erhöhten Cadmiumausscheidung im Urin beruht viel­
sen) koexponiert waren.                                          mehr darauf, dass Cadmium an Albumin gebunden wird
                                                                 und bei einer Glomerulopathie (u. a. bei chronischen Rau­
b) Niere: Toxische Tubulopathie
                                                                 chern) mit diesem Protein ausgeschieden wird (Haddam et
Schädigungen der Niere sind seit Jahrzehnten der wichtigste      al. 2011).
Effekt einer chronischen Belastung mit Cadmium und sei­
                                                                 c) Knochen: Osteomalazie
nen anorganischen Verbindungen und sind im Hinblick auf
die Verursachung von Berufskrankheiten besonders zu be­          Bei den „Itai-Itai“-Patienten und vereinzelt bei Cadmium-
achten. Kennzeichen der Erkrankung ist eine tubuläre Dys­        exponierten Arbeitern wurde eine Osteomalazie beobachtet.
funktion mit zunehmender Ausscheidung von niedermole­            Die dadurch verursachten Spontanfrakturen von Wirbelkör­
kularen Proteinen, wie ß2-Mikroglobulin und Retinol-bin­         pern und anderen Knochen und die dadurch verursachten
dendem Protein sowie von Enzymen, Aminosäuren, Gluko­            Schmerzen waren das Leitsymptom bei den „Itai-Itai (über­
se, Calcium, Kupfer und anorganischem Phosphat (DFG              setzt: „Autsch-Autsch“)-Patienten und gaben der Krankheit
2004). Auch in Populationen mit einer umweltbedingten            ihren Namen. Die Osteomalazie ist in erster Linie ein indi­
Cadmiumbelastung z. B. durch Cadmiumhütten in der Um­            rekter Effekt der Nierenschädigung durch Cadmium
gebung wurden erhöhte Ausscheidungen solcher Marker­             (Bernard 2008). Der Pathomechanismus besteht sowohl in
proteine nachgewiesen (Bernard 2008, Thomas et al. 2009).        einer erhöhten Ausscheidung von Calcium und Phosphat als
Bei stärkerer Schädigung kann es zu einer Ausscheidung           auch einer Hemmung der Bildung des aktiven Metaboliten
hochmolekularer Proteine wie Albumin, Immunglobulin G            des Vitamin D3 in den Tubuluszellen der Niere (Nogawa et
und Transferrin, auch als Ausdruck einer nachfolgenden zu­       al. 1987, Järup et al. 1998a). Auch die oben beschriebene ver­
sätzlichen glomerulären Schädigung, kommen. Auch eine            mehrte Bildung von Nierensteinen ist in diesen Kontext ein­
erhöhte Nierenstein-Bildung wurde beobachtet. Bei expo­          zuordnen. Dementsprechend haben verschiedene Studien
nierten Arbeitern trat nach zehn bis 20-jähriger Exposition      eine Assoziation hoher Cadmium-Belastungen und einer
gegenüber 20-50 µg/m³ Cadmium eine erhöhte Prävalenz für         hohen Cadmiumausscheidung im Urin mit einer Abnahme
Proteinurie auf. Eine Speicherung in der Niere entsprechend      der Knochendichte und einem erhöhten Risiko für Kno­
einer Urinausscheidung von 5–10 µg Cadmium/g Kreatinin           chenbrüche bei Frauen und einem Körperlängen-Verlust bei
gilt als kritische Konzentration, ab welcher häufig irreversi­   Männern aufgezeigt (zusammengefasst in Kazantzis 2004).
ble tubuläre Veränderungen beobachtet wurden (DFG                Es gibt aber auch Hinweise aus in vitro-Experimenten auf
2004). Einzelne Autoren sehen die Schwelle für eine Nieren­      eine zusätzliche direkte Wirkung von Cadmium auf die Os­
schädigung bereits zwischen 0,5 und 3 µg Cadmium/g Krea­         teoklasten (Wilson et al. 1996).
tinin (Järup und Akesson 2009). Eine Cadmiumbelastung
                                                                   Auffällig ist eine höhere Anfälligkeit von Frauen im Ver­
kann auch synergistisch eine diabetische Nephropathie ver­
                                                                 gleich zu Männern für cadmiumbedingte Knochenschäden.
stärken (Edwards und Prozialeck 2009).
                                                                 Bei der Itai-Itai-Katastrophe waren hauptsächlich ältere
   Der Mechanismus, der die Nierenschädigung bewirkt, ist        (postmenopausale) Frauen von der Osteomalazie und den
die direkte toxische Wirkung des Cadmiums auf die Zellen         Spontanfrakturen betroffen. Bei Frauen, jedoch nicht bei
des proximalen Tubulus. Dort akkumuliert Cadmium im              Männern, wurde eine Assoziation zwischen der Cadmium-
Laufe der Jahre; die Schädigung ist irreversibel (Chaumont       Konzentration im Nierengewebe bzw. im Urin und der Cal­
et al. 2011). Das früheste Zeichen der tubulären Dysfunktion     ciumausscheidung festgestellt (Wallin et al. 2013). Als weite­
durch die Einwirkung von Cadmium ist eine vermehrte              re Faktoren sind der geringere Mineralgehalt der Knochen,
Ausscheidung niedermolekularer (< 40 kD) Proteine wie            die postmenopausale Osteoporose mit Reduzierung der
­ß-Mikroglobulin und Retinol-bindendes Protein im Urin.          Knochenmatrix, und die geringere Proteinproduktion in der
 Diese tubuläre Proteinurie tritt regelmäßig auf, wenn die       Leber von Frauen zu diskutieren. Letztere führt dazu, dass
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weniger Metallothionein vorliegt, um das Cadmium abzu­             Exposition von 10 mg/m³ x Jahre Cd, p = 0,012) sowie einen
binden. Bei einem Eisenmangel, der bei Frauen häufiger vor­        deutlichen „healthy-worker“-Effekt bei den nicht exponier­
liegt als bei Männern, sind zudem die Aufnahme von Cadmi­          ten Arbeitern (Kontrollgruppe, SMR 0,69).
um und anderen Kationen und deren Bindung an die Trans­
                                                                      Eine britische Kohortenstudie ergab signifikante Risiko­
port- und Speicherproteine verstärkt.
                                                                   erhöhungen für die Mortalität an Lungenkrebs bei Beschäf­
d) sonstige Erkrankungen                                           tigten einer Zinnhütte, die gegenüber Cadmium exponiert
                                                                   waren (Binks et al. 2005): Bei 15 bis < 25 Jahren seit Aufnah­
In der in den USA durchgeführten bevölkerungsbezogenen
                                                                   me der Beschäftigung SMR 2,00 (95 % CI 1,19–3,16) und bei
Kohortenstudie NHANES mit 8989 Teilnehmern war eine
                                                                   25 bis < 35 Jahren SMR 2,63 (95 % CI 1,80–3,71).
erhöhte Ausscheidung von Cadmium im Urin signifikant
mit einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität verknüpft.             Die lungenkrebserzeugende Wirkung von Cadmium und
Das Risiko, an einer koronaren Herzkrankheit zu sterben,           seinen Verbindungen wird auch durch umweltepidemiologi­
war in der multivariaten Regressionsanalyse sogar mehr als         sche Studien gestützt. In einer belgischen Untersuchung war
verdoppelt: HR (hazard ratio) 2,09, 95 % CI 1,06–4,13 (Tel­        eine Verdopplung der Urinausscheidung von Cadmium
lez-Plaza et al. 2012). Die kardiovaskuläre Wirkung wird als       auch nach Adjustierung mit einem 1,7-fachen Lungenkrebs­
sekundärer Effekt der Nierenschädigung durch Cadmium               risiko (95 % CI 1,13–2,57) verbunden. Auch der Vergleich
gedeutet, zumal sie mit einer arteriellen Hypertonie ver­          von Bewohnern eines mit Cadmium im Erdboden hoch be­
knüpft ist (Satarug et al. 2010).                                  lasteten mit Bewohnern eines niedrig belasteten Gebiets
                                                                   zeigte – ebenfalls nach Adjustierung – ein 4,17-faches Lun­
                                                                   genkrebsrisiko (Nawrot et al. 2006).
B.      Bösartige Erkrankungen
                                                                      Im Jahr 2000 konstatierte auch das NTP der USA die Ver­
a) Lunge
                                                                   ursachung von Lungenkrebs beim Menschen durch Cadmi­
Erste Nachweise einer erhöhten Mortalität an Lungenkrebs           um und seine Verbindungen; diese Feststellung wurde zu­
durch Cadmium ergaben sich 1976 in einer Cadmium­                  letzt in 2011 bekräftigt (NTP 2011). Auch die IARC bestä­
schmelzhütte in den USA; zwölf Fälle wurden beobachtet,            tigte in 2009 die hinreichende Evidenz (sufficient evidence)
5,11 erwartet, SMR 2,35, signifikant bei p = 0,05 (Lemen et al.    für die Verursachung von Lungenkrebs beim Menschen
1976). Dieser Befund wurde von der Arbeitsgruppe durch             (Straif et al. 2009, IARC 2012).
eine Nachbeobachtung bestätigt (Thun et al. 1985). Weitere
                                                                   b) Niere
Studien aus Großbritannien, Schweden und den USA stütz­
ten ebenfalls den Kausalzusammenhang (Kjellström et al.            Im Rahmen einer Fall-Kontroll-Studie beobachtete erstma­
1979, Elinder et al. 1985, Stayner et al. 1992a und b), so dass    lig Kolonel (1976) einen Zusammenhang zwischen einer ar­
die International Agency for Research on Cancer (IARC) im          beitsbedingten Cadmiumexposition und Nierenkrebs (OR
Jahr 1993 Cadmium in „Group 1“ als gesichertes Human­              2,5–2,6; ohne Angabe des Konfidenzintervalls), wobei er ei­
kanzerogen einstufte (IARC 1993).                                  nen Synergismus mit Tabakkonsum beschrieb. Eine interna­
  In der Folgezeit wurden weitere Studien veröffentlicht,          tionale multizentrische amerikanisch-europäische Fall-Kon­
welche die Verursachung von Lungenkrebs durch Cadmium              troll-Studie mit deutscher Beteiligung erhärtete diesen Ver­
und seine Verbindungen stützten (u. a. Järup et al. 1998b, Be­     dacht (Mandel et al. 1995) durch Nachweis einer signifikan­
veridge et al. 2010). Die letztere Fallkontrollstudie zeigte       ten Risikoverdopplung (RR 2,0, 95 % CI 1,0–3,9). In einer
eine signifikante Risikoerhöhung bei cadmiumexponierten            deutschen multizentrischen Fall-Kontroll-Studie, in welcher
Nichtrauchern und Exrauchern (OR 4,7, 95 % CI 1,5–14,3),           auch Frauen getrennt von Männern erfasst und die arbeits­
jedoch nicht bei Rauchern (OR 1,4, 95 % CI 0,8–2,4).               bedingte Cadmiumbelastung mittels Job-exposure-Matrix
                                                                   (JEM) präzisiert wurden, ergaben sich wiederum erhöhte
   Stayner et al. (1992b) führten eine quantitative Auswer­        Risiken für Nierenzellkarzinome: bei Männern OR 1,4,
tung einer Kohorte in einer Cadmiumhütte in den USA                95 % CI 1,1–1,8 für hohe Belastung und OR 1,4, 95 %
durch. Die Mortalität für Lungenkrebs betrug in der Ge­            CI 0,6–2,1 für sehr hohe Belastungen, und bei Frauen OR
samtkohorte SMR 1,49 (95 % CI 0,95–2,22), bei „non hispa­          2,5, 95 % CI 1,2–5,3 für hohe und OR 2,2, 95 % CI 0,6–9,0
nic workers“ SMR 2,11 (95 % CI 1,31–3,23), in der Gruppe           für sehr hohe Belastungen (Pesch et al. 2000). Eine Studie aus
mit der höchsten Cadmiumexposition SMR 2,72 (95 %                  Finnland, welche alle Nierenzellkarzinom-Erkrankungen in
CI 1,23–5,13) und bei Arbeitern mit mehr als 20jähriger Tä­        Finnland in den Jahren 1977–1978 umfasste, ergab sogar ein
tigkeit SMR 1,61 (95 % CI 1,00–2,48). Mit allen angewand­          höheres Odds Ratio: OR 4,4, 95 % CI 0,4–43,0 (beide Ge­
ten Regressionsmodellen ergab sich eine statistisch signifi­       schlechter zusammengefasst; Partanen et al. 1991); allerdings
kante Dosis-Wirkungsbeziehung.                                     gab es nur drei Fälle mit arbeitsbedingter Cadmiumexpositi­
   Die Untersuchung dieser Kohorte (Thun et al. 1985, Stay­        on, so dass das Ergebnis nicht statistisch signifikant war.
ner et al. 1992b), die eine wesentliche Grundlage für die Kan­     Eine große kanadische Fall-Kontroll-Studie ergab ebenfalls
zerogenitätseinstufung der IARC, des National Toxicology           einen Zusammenhang zwischen Cadmium und Nierenzell­
Program (NTP) und der Deutschen Forschungsgemein­                  karzinomen: OR 1,7, 95 % CI 1,0–3,2 (Hu et al. 2002). Eben­
schaft (DFG) bildete, wurde dahingehend kritisiert, dass ei­       so traf dies in einer weiteren deutschen Fall-Kontroll-Studie
nige Arbeiter gegenüber dem ebenfalls krebserzeugenden             zu: OR 1,7, 95 % CI 0,7–4,2 bei hoher Exposition (Brüning
Arsen koexponiert gewesen seien (Sorahan und Lancashire            et al. 2003). In einer Fall-Kontroll-Studie in Ost- und Mittel­
1997). Park et al. (2012) haben aktuell eine Reanalyse mit         europa fiel eine nichtsignifikante Risikoerhöhung für Nie­
verbesserter Expositionsmatrix und mathematischer Model­           renzellkarzinome nach Cadmiumexposition mit OR 1,56,
lierung veröffentlicht. Sie fanden eine statistisch signifikante   95 % CI 0,77–3,18 auf, die bei Exposition gegen cadmium­
lungenkrebserzeugende Wirkung von Cadmium unabhängig               haltige Rauche besonders deutlich war mit OR 2,21, 95 %
von der Arsenexposition (SMR 3,2 bei einer kumulativen             CI 0,99–4,93 (Boffetta et al. 2011).
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Seite 114                                                GMBl 2014                                                     Nr. 6

  Auf der Basis dieser epidemiologischen Evidenz wurde im        denz konstatiert (IARC 2012). Der wesentliche Kritikpunkt
Jahr 2004 von der DFG die Niere neben der Lunge als Ziel­        der IARC ist die fehlende Sicherung einer Dosis­Wirkungs­
organ der krebserzeugenden Wirkung von Cadmium und               beziehung.
seinen anorganischen Verbindungen bestätigt (DFG 2004).
                                                                   Arbeitsbedingte Expositionen gegenüber Cadmium und
Hingegen hat die IARC bislang lediglich eine begrenzte Evi­
                                                                 seinen anorganischen Verbindungen sind daher generell ge­
denz (limited evidence) für den Kausalzusammenhang zwi­
                                                                 eignet, die genannten toxischen Schädigungen an der Lunge
schen Cadmium und Nierenzellkarzinomen konstatiert
                                                                 und den Atemwegen, an den Nieren, am Knochen sowie fer­
(Straif et al. 2009, IARC 2012). Diesbezüglich ist auf den
                                                                 ner Lungenkrebs zu verursachen; solche Erkrankungen kön­
Nachweis einer Risikoverdopplung für Nierenzellkarzino­
                                                                 nen bei gegebener Belastungsintensität als Berufskrankheit
me bei arbeitsbedingt cadmiumexponierten Frauen im Ge­
gensatz zu Männern (Pesch et al. 2000) als Beleg geschlechts­    nach Nr. 1104 der Anlage 1 der Berufskrankheiten­Verord­
spezifischer Unterschiede in der Empfindlichkeit (Dispositi­     nung entschädigt werden.
on) hinzuweisen (siehe auch oben: Osteomalazie).                    Die Bewertung der Nierenzellkarzinom­erzeugenden
                                                                 Wirkung von Cadmium durch nationale und internationale
c) weitere Krebslokalisationen
                                                                 Gremien ist noch uneinheitlich. Eine generelle Geeignetheit
Die ersten epidemiologischen Studien zur krebserzeugenden        ist anzunehmen. Insbesondere gibt es deutliche Indizien für
Wirkung von Cadmium und seinen Verbindungen beim                 eine Risikoverdopplung bei Frauen. Insgesamt ist eine Ab­
Menschen zeigten ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs bei       grenzung der betroffenen Personengruppen aber noch nicht
exponierten Arbeitern, welches sogar deutlicher ausfiel als      möglich.
das Lungenkrebsrisiko (Lemen et al. 1976). Obwohl dieser
Verdacht nach wie vor nicht ausgeräumt ist, haben nachfol­         Bislang nicht hinreichend verdichtet haben sich dagegen
gende Untersuchungen mit präziseren epidemiologischen            epidemiologische Hinweise und tierexperimentelle Erkennt­
Auswertungen den postulierten Zusammenhang nicht erhär­          nisse hinsichtlich einer krebserzeugenden Wirkung an der
tet (Waalkes und Rehm 1994, Verougstraete et al. 2003, Go­       Prostata oder an anderen Organen.
yer et al. 2004). Die IARC hat diesbezüglich eine begrenzte        Hautkrankheiten sind nicht Gegenstand dieser Berufs­
Evidenz (limited evidence) für den Zusammenhang zwi­             krankheit (Nr. 1104).
schen Cadmium und Prostatakrebs konstatiert (Straif et al.
2009, IARC 2012).
                                                                 3.    Abgrenzung der „bestimmten Personengruppe“
  Cadmium ist im Rahmen epidemiologischer Studien auch                 gemäß § 9 (1) SGB VII
mit Brustkrebs, Pankreaskrebs (Amaral et al. 2011, Luckett
et al. 2012), Harnblasenkrebs und Hodenkrebs in Verbin­           Auch die Allgemeinbevölkerung ist gegenüber Cadmium als
dung gebracht worden. Järup et al. (1998b) fanden in einer        ubiquitäres Metall und als Industriechemikalie (z. B. in
gegen Cadmiumoxid exponierten schwedischen Kohorte der           ­Nickel­Cadmium­Batterien) exponiert:
Batterieherstellung eine erhöhte Inzidenz für Karzinome der
                                                                    In einigen Regionen der Welt haben natürliche Vorkom­
Nase und Nasennebenhöhlen: SIR 8,32 (95 % CI 1,72–
                                                                 men und eine industriebedingte Umweltbelastung dazu ge­
24,30). Insgesamt verdeutlichen die Berichte, dass es sich bei
                                                                 führt, dass nierentoxische Konzentrationen des Metalls in
Cadmium und seinen Verbindungen um ein systemisches
                                                                 nicht arbeitsbedingt cadmiumbelasteten Personen erreicht
Kanzerogen handelt.
                                                                 werden. Dies ist besonders in der Umgebung von (auch ehe­
                                                                 maligen) Blei­, Zink­ und Kupferhütten der Fall (Thomas et
2.	Validität und Reliabilität der vorliegenden                  al. 2009). Auch der Einsatz von cadmiumbelasteten Klär­
    ­Erkenntnisse                                                schlämmen als Düngemittel und Phosphatdünger aus cadmi­
                                                                 umbelasteten Rohphosphaten kann zu einer umweltbeding­
Die Verursachung akuter und chronischer entzündlicher Er­        ten Cadmiumbelastung beitragen (UBA 2011).
krankungen der Atemwege und Lunge einschließlich des
Lungenemphysems durch Cadmium und seine Verbindun­                Ebenso führt Tabakrauch zu einer nachweisbar relevanten
gen ist in zahlreichen klinischen Fallberichten und Studien      Cadmiumbelastung.
am Menschen und am Versuchstier belegt und international            Vor diesem Hintergrund kommt bei einem Verdacht auf
unbestritten. Dies gilt auch für chronische Schädigungen der     das Vorliegen einer Berufskrankheit der Erfassung der Belas­
Niere und der Knochen, wobei die arbeitsepidemiologische         tungsintensität eine besondere Bedeutung zu. Neben be­
Evidenz zusätzlich durch schwere umweltbedingte Vergif­          trieblichen Expositionsdaten kommt wegen der Anreiche­
tungen (z. B. Itai-Itai) untermauert wird.                       rung des Stoffes im Körper dem Biomonitoring, ähnlich wie
  Auch die krebserzeugende Wirkung an der Lunge ist nati­        beim Blei, eine Schlüsselrolle zu. Wegen der langen biologi­
onal und international unbestritten; dementsprechend sind        schen Halbwertszeit von Cadmium (zehn bis 20 Jahre, bei
Cadmium und seine Verbindungen von der IARC, der Welt­           extrem hoher Belastung sogar 30 Jahre) kann die Konzentra­
gesundheitsorganisation und der DFG in die Kategorie 1 der       tion von Cadmium im Urin selbst viele Jahre nach Beendi­
erwiesenermaßen beim Menschen krebserzeugenden Stoffe            gung der arbeitsbedingten Exposition aussagekräftig sein.
eingestuft. Diese Bewertung wird durch zahlreiche tierexpe­      Lediglich bei Erkrankungen an der Lunge und an den Atem­
rimentelle Krebsstudien gestützt (Waalkes et al. 1999, DFG       wegen durch Exposition gegen praktisch unlösliche Cadmi­
2004, Huff et al. 2007).                                         umverbindungen (Cadmiumoxid, Cadmiumsulfid) ist das
                                                                 Biomonitoring von eingeschränkter Aussagekraft. Bei der
   Die Bewertung der krebserzeugenden Wirkung von Cad­
                                                                 Interpretation sind der Tabakkonsum und eventuelle um­
mium an der Niere ist noch uneinheitlich. Während die DFG
                                                                 weltbedingte Belastungen zu berücksichtigen.
in Übereinstimmung mit einigen Übersichtsarbeiten (u. a.
Il’yasova und Schwartz 2005) den Kausalzusammenhang be­            Abgesehen von der Reizwirkung an den oberen Atemwe­
jaht (DFG 2004), hat die IARC hierfür eine begrenzte Evi­        gen, die heute in Deutschland nicht mehr zu erwarten ist,
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