2023-04-07-dr-kultur-kurzbericht
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Datenraum Kultur“
Im Rahmen des Arbeitspakets 1 wurden die Anforderungserhebung und Konzeption für einen
Empfehlungsdienst für vernetzte Kulturplattformen sowie die Konzeption und Entwicklung von Modellen für
inhaltsbasierte Filterung begonnen. Im Arbeitspaket 2 wurden die Mehrwerte eines Datenraums Kultur
identifiziert und definiert, und ebenfalls potenzielle Anspruchsgruppen ermittelt. Anschließend wurde die
Konzeption eines spezifischen Kundenerlebnis-Modells für den Kulturbereich sowie die Konzeption von
Datenmodellen begonnen. Die bestehenden Datenmodelle der digitalen Kulturplattformen OWL live und
kulturis wurden aufgenommen und analysiert. Darauf aufbauend wurde in enger Abstimmung mit den
Partnern, Beratern sowie weiteren Kulturplattformen ein erster Vorschlag zur gemeinsamen Datenarchitektur
und -struktur erarbeitet. Im Arbeitspaket 3 wurden die Anforderungen und Zahlungsbereitschaften
verschiedener Anspruchsgruppen an die Geschäftsmodelle von Kulturplattformen identifiziert. Zudem wurde
eine erste Geschäftsmodell-Taxonomie für Kulturplattformen ausgearbeitet.
Smarte Museumsdienste
Anlass für den Use Case bietet die Ausstellungsreihe zum 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich im
Jahre 2024, die mit einer Ausstellung an der Hamburger Kunsthalle im Dezember 2023 ihren Auftakt feiert.
Vor diesem Hintergrund verfolgt der Use Case das Ziel, die Verbindung der Caspar David Friedrich-Bestände
H „ N “) mit weiteren Kunstwerken in anderen
Sammlungen, z.B. mit Archivalien, und weiteren Medien, etwa Text, Audio und Bewegtbild zu ermöglichen.
Der Use Case Smarte Museumsdienste (Museumskooperation/Ausstellungen) befasst sich
schwerpunktmäßig mit dem souveränen Austausch und der gemeinsamen Mehrwertschaffung auf der Basis
hochwertiger Digitalisate in wechselnden Kontexten. Herausforderungen sind etwa Performanz- und
Speicherengpässe beim Austausch sehr großer Digitalisate, (auch preislich) abgestufte Qualitätslevel,
Aspekte der rechtlichen und technischen Sicherheit, und die Wiederverwendung von Digitalisaten und
sonstigen wichtigen Daten in neuen Kontexten, kurz: die Evolutionsfähigkeit der Datenangebote und
Datennutzungen. Zu Beginn des Projektes wurden fünf Kundenerlebnisse beschrieben, die als Perspektive
für die konkrete Entwicklung der Funktionalitäten dienen und einen Zielhorizont für unterschiedliche
Interaktionen und Möglichkeiten für die Funktionalitäten des Caspar David Friedrich-Portals beschreiben. Die
hier verwendeten Charakteristika basieren z.T. auf Vorarbeiten der Hamburger Kunsthalle, die das Museum
in anderen Kontexten erarbeitet hat, um Angebote gezielt auf Zielgruppen auszurichten und neben
Besucher*innen auch solche Personengruppen anzusprechen, die bisher nicht zum selbstverständlichen
Besucher*innenkreis gehören.
In den weiteren Workshops zwischen den Use Case Partnern und Fraunhofer FIT wurde vorrangig auf
folgende Aspekte fokussiert: Die Bereitstellung von Digitalisaten von Werken Friedrichs in verschiedenen
Anwendungen wie Timeline, Landkarte, Sammlung Online oder multimediale Präsentationen von
Geschichten, das Management von verschiedenen Zugangsmodalitäten (z.B. Creative Commons Lizenzen,
Pay per View), sowie die Möglichkeit einer Vereinfachung von B2B Abläufen in der Klärung von Bildrechten.
Hier liegt nach Ansicht der Partner ein weitreichendes Potenzial zur Verschlankung und Erleichterung von
zentralen Abläufen in Kunstmuseen, für die der Datenraum gerade auch mit seinen Möglichkeiten eines
integrierten Vertragsmanagements interessante Lösungen verspricht.
Durch den Beginn des Friedrich-Jubiläumsjahres mit der Eröffnung der ersten Ausstellung im Dezember
2023 ist die Realisierung des Caspar David Friedrich-Portals prioritär. Durch ein nachträgliches
„ ß “ M
Phase 1 bereits angemeldet wurden. Eine Basisversion des Portals soll bereits im Herbst 2023 online gehen.
Das Projektteam legt einen Fokus bei der Weiterentwicklung der Metadatensets zu Caspar David Friedrich
auf die Verschlagwortung, um das Interaktionsdesign aus semantischer Sicht zu optimieren. Ein Desiderat
liegt dabei vor allem auf einem Vokabular, das nicht primär fachspezifische Kategorien wie etwa Ikonographie
erfasst, sondern die Werke nach Aspekten erschließt, die geeignet sind, an die Erfahrungswelt der
Nutzer*innen anzuknüpfen. Es kann hier etwa um Stimmungen, Gefühle, Motive, und Farbwirkungen gehen,
die beschrieben werden sollen. Hierzu hat das Projektteam bestehende Thesauri recherchiert und hat mit
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einschlägigen Expert*innen zum Thema ersten Kontakt aufgenommen, etwa
Art & Architecture Thesaurus Deutsch (AAT) beim Institut für Museumsforschung der
Staatlichen Museen zu Berlin. Da ein solches Vokabular für den Fortgang des Projektes erforderlich ist.
Ähnliche Rechercheprozesse werden auch für weitere Funktionalitäten des Portals wie die Zeitleiste oder
die multimediale Präsentation von Geschichten durchgeführt. Hier ist das Projektteam in Kontakt zum Projekt
museum4punkt0 getreten, um ggf. auf bereits bestehende Ideen und Entwicklungen aufsetzen zu können
und die eigenen Entwicklungen bestmöglich nachnutzbar zu machen
Neben dem Zugriff über HTTPS wird auch die direkte Kommunikation per Schnittstelle sowie der Einsatz von
Export- bzw. Austauschformaten (bspw. JSON, LIDO (Lightweight Information Describing Objects)) geprüft.
Die Einbindung von Videostreaming soll ermöglicht werden. Der Speicherort und die Verwaltung der Daten
in den Museen bleibt davon unberührt, die Art der Abfrage der Daten durch den Datenraum ist zur Zeit
Gegenstand der Klärung. Zum Einsatz externer Cloudspeicher können zum jetzigen Zeitpunkt noch keine
Angaben gemacht werden; hierzu erarbeitet Fraunhofer FIT in Zusammenarbeit mit den Partnern eine
geeignete Lösung.
Aus Sicht der Hamburger Kunsthalle sollte die Abteilung IT & Systemadministration die Organisation des
Anschlusses der hausinternen Systeme an den Connector koordinieren. Die Praktikabilitätsprüfung dieser
Vorüberlegung steht noch aus, ebenfalls muss der Umfang der möglichen technischen Betreuung noch
evaluiert werden.
Smarte Theaterdienste
Der Use Case Smarte Theaterdienste ermöglicht und demonstriert eine verbesserte Publikumsentwicklung
bei gleichzeitiger anbieterseitiger Reduktion von Aufwänden durch die breite Standardisierung von Daten hin
zu maschinenlesbaren Theaterspielplänen1, deren gezielte mediale Erweiterung, sowie die Unterstützung
der, nach außen orientierten Prozesse (z.B im Bereich von Werbekampagnen durch die automatisierte
Befüllung von theaterexternen Veranstaltungskalendern). Damit ist auch der Rahmen für spezialisierte
Mehrwertdienste aus der Kultur- und Kreativwirtschaft gegeben.
In einer ersten Analyse im Workshopformat mit Fraunhofer FIT zeigt sich, dass es in der Theaterlandschaft
bisher keine einheitlichen Standards (Formate, Content-Management-Systeme (CMS) und Webseiten) gibt,
sodass ein weiteres Ziel des Use Cases die Schaffung dieser einheitlichen Standards ist. Dabei soll an
bestehende Formate und digitale Kulturerfassungsprojekte angeknüpft werden. Ein bedeutender Meilenstein
in diesem Zusammenhang besteht in der statistischen Erhebung der von den Mitgliedsbühnen des
Bühnenvereins genutzten CMS. Eine exemplarische Prozessanalyse der Spielplanerstellung im
Staatstheater Augsburg dient als empirische Basis für die Spezifikation der Anforderungen an die beteiligten
Systeme. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bühnenverein werden Strategien für die breite Anwendung
dieser Datenstandards und die Möglichkeiten für eine flächendeckende Einführung maschinenlesbarer
Spielpläne in der nächsten Phase weiter vertieft .
Im weiteren hat eine umfassende Beschäftigung mit dem Thema Barrierefreiheit stattgefunden, wobei zwei
Handlungsebenen identifiziert wurden: Auf inhaltlicher Ebene beschäftigen sich Theaterproduktionen mit den
sogenannten Aesthetics of Access. Für die Produktion bedeutet das, dass das ausführende Ensemble hinter
und/oder auf der Bühne gemeinsam mit Menschen aus marginalisierten Gruppen, wie Menschen mit
Behinderung, Migrationshintergrund o. Ä. zusammenarbeitet. Diese Information gilt es dann an geeigneter
Stelle im Spielplan oder in Metadaten hervorzuheben, damit ein daran interessiertes Publikum die
Veranstaltung findet. Die nachgeordnete Barrierefreiheit umfasst die Zugänglichkeit der Performance und
meint die physisch barrierefreie Zugänglichkeit zu den Spielstätten, besondere Angebote für
1 Mit Spielplan sind die hier die Daten gemeint, die im Umfeld von Logistik und Disposition anfallen (wie z. B. Anfangs-
und Endzeiten der Stücke/Werke, Daten zur Barrierefreiheit, aber auch Werk-Titel, Autor:in, Besetzung etc.), die
inhaltliche Ausgestaltung des Programms eines Theaters wird hierbei nicht zum Thema gemacht.
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Gehörgeschädigte, eine (alternative) Stückbeschreibung in leichter Sprache, mehrsprachige Übertitelungen,
Text-to-Speech etc.
Die beiden Ebenen der Barrierefreiheit werden im weiteren Verlauf innerhalb des Use Cases so
weiterbearbeitet, dass sie im Idealfall aus den Spielplänen hervorgehen. Dabei gilt es, Standardisierungen
und damit möglich werdende Automatisierungen von Prozessen bei der Spielplanerstellung und -publikation
langfristig als interne Arbeitserleichterung zu etablieren.
Smarte Musikdienste
Das übergeordnete Ziel des Use Cases Smarte Musikdienste ist eine qualitätsgesicherte Plattform
anzubieten, die auf Angebots- und Nachfrageseite ausreichend nationale und internationale Sogwirkung
entfaltet. Vor allem das Potential hochqualifizierter, profilierter Musikfachkräfte wird durch die erleichterte
Auffindbarkeit und einen niedrigeschwelligen Zugang gehoben.
Aus der vorangegangenen Prozessanalyse lässt sich der Bedarf der Übertragbarkeit und Integration der
vorhandenen Soft- und Hardware-Komponenten als Dienste für den Datenraum Kultur ableiten.
Bisher besteht im Bereich der Musik eine unzureichende Vernetzung von Angebot und Nachfrage für
musikalische Dienstleitungen. Aus der Analyse zeigt sich, dass der Datenraum Kultur hierfür eine Basis
bieten kann, der die 14,4 Millionen aktiven Laien-Musizierenden in Deutschland vernetzt. Ziel ist es, ein
Vermittlungsangebot zu erstellen, das regional so nicht leistbar ist.
Durch die Implementierung der Digitalen Bühne gGmbh2 als Zusatzdienst im Rahmen des Use Cases sollen
perspektivisch Synergieeffekte erzeugt werden: Zum einen ermöglicht der Datenraum Kultur einen
niederschwelligen Zugang und erleichtert allen Teilnehmenden die Nutzung der Digitalen Bühne. Zum
anderen wird langfristig ein Provisionsmodell (vgl. Airbnb3) etabliert, welches die Finanzierung des Use
Cases verstetigt.
6. Technische Infrastruktur
2 Gemeinnützige GmbH
3 Airbnb berechnet seinen Gastgeber: innen eine pauschale Servicegebühr von 3% der Zwischensumme einer
Buchung. Die Gebühren decken die Kosten für Produkte und Dienstleitungen sowie den Betrieb der Airbnb-Plattform
(vgl. https://www.airbnb.de/resources/hosting-homes/a/how-much-does-airbnb-charge-hosts-288).
4 https://internationaldataspaces.org/
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5 https://internationaldataspaces.org/data-connector-report/ 6https://github.com/International-Data-Spaces-Association/IDS-RAM_4_0 und https://github.com/International-Data- Spaces-Association/IDS-G 7 https://projects.eclipse.org/projects/technology.edc 8 https://www.gxfs.eu/de/ Restricted Use Seite 11 von 14
9 https://docs.internationaldataspaces.org/knowledge-base/mvds Restricted Use Seite 12 von 14
a ug ai pin een es DZ Fraunhofer a m acatec Fir JEMI Hamburg | x. Ze DEUTSCHE AKADEMIE DER Sr ne 7. Ausblick Die Ergebnisse der Anfangsphase lassen sich wie folgt zusammenfassen: Der Bedarf für die Sicherung von Datensouveränität konnte in der Kultur und auch in der Kreativwirtschaft belegt werden. Hierfür ist der Rahmen eines Datenraums plausibel, in dem standardisierte Lösungen für einen Datenaustausch angeboten werden. Es besteht das Interesse in der Kultur und in der Kreativwirtschaft, auf standardisierte Werkzeuge und Lösungen für digitale Aktivitäten zurückgreifen zu können. Diese könnten als Services in einem Datenraum zur Verfügung gestellt werden. In der Kultur und der Kreativwirtschaft wird der Bedarf nach Vertragsmusterdiensten geäußert, die zur Sicherung von Urheberrechten beitragen können. Hierzu sollen Lösungen im Datenraumkontext erarbeitet werden. In den Use Cases können erste Ansätze für neue digitale Mehrwertdienste aufgezeigt werden. Die Initiative Datenraum Kultur zeigt bereits frühzeitig das Potenzial der Integration und Vernetzung von bzw. mit digitalen Projekten und Lösungen im Kultur- und Kreativsektor, die über einen Datenraum eine größere Reichweite und Wirkung erzielen können. In den Kommunen besteht Bedarf nach einem Orientierungsrahmen für die vielfältigen Angebote und Projekte, für die es mit dem Datenraum eine sinnvolle Klammer geben kann. Die Landes- und Kommunalarchive haben in ihren Gremien beschlossen, mit dem Projekt Datenraum Kultur in Verhandlungen einzutreten, wie sie kurzfristig an einen Datenraum mit einem zusätzlichen Service der Speicherung von Daten angeschlossen werden könnten. In der Medienbranche besteht ein großes Interesse, in Datenraumaktivitäten einbezogen zu werden. Restricted Use Seite 13 von 14
Vor diesem Hintergrund bietet es sich an, parallel zur technischen Weiterentwicklung und Erprobung zeitnah in die Klärung einer Trägergesellschaft einzutreten. Restricted Use Seite 14 von 14