00_AntragEA_Kempen_VSSachsen_12022024

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RAe BKP & Partner, Palmaille 96, 22767 Hamburg                                            Palmaille 96 , 22767 Hamburg
Per beA
                                                                                          SEBASTIAN SUDROW
Verwaltungsgericht Dresden                                                                Rechtsanwalt
Hans-Oster-Straße 4
                                                                                          Telefon    +49 (0)40 18 18 98 0-0
01099 Dresden                                                                             Telefax    +49 (0)40 18 18 98 099
                                                                                          E-Mail     sudrow@bkp-kanzlei.de
                                                                                          Internet   www.bkp-kanzlei.de



                                                                                          HAMBURG

                                                                                          Harald Beiler 1
                                                                                          Jan Clasen
                                                                                          Reinher Karl 2
EILT! BITTE SOFORT VORLEGEN!                                                              Arne Platzbecker
                                                                                          Steffen Sauter 3
                                                                                          Sebastian Sudrow 4

                                                                                          BERLIN

                                                                                          Jan Simon
                                                                                          Heiko Wiese
  HAMBURG, DEN                 UNSER ZEICHEN:    IHR ZEICHEN/ AZ.:
                                                                                          WISMAR
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                                                                                          Hendrik Prahl




        Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gem. § 123 Abs. 1 S. 2 VwGO

des Herrn Aiko Kempen, c/o Open Knowledge Foundation Deutschland e.V., Singerstraße
109, 10179 Berlin
                                                                    - Antragsteller -

Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte Beiler Karl Platzbecker & Partner,
                        Palmaille 96, 22767 Hamburg

gegen

den Freistaat Sachsen, vertreten durch das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen,
Neuländer Straße 60, 01129 Dresden
                                                                    - Antragsgegner -

wegen presserechtlicher Auskunft
Streitwert: 5.000,- Euro

Namens und in Vollmacht des Antragstellers beantragen wir der Dringlichkeit wegen ohne
Durchführung einer mündlichen Verhandlung den Erlass der folgenden einstweiligen Anord-
nung:
    Im Wege der einstweiligen Anordnung wird der Antragsgegner verpflichtet, dem
    Antragsteller über die folgenden Fragen schriftlich Auskunft zu erteilen:


BEILER KARL PLATZBECKER & PARTNER RECHTSANWÄLTE
Bankverbindung   DKB | IBAN: DE79 1203 0000 1005 0836 11 | SWIFT BIC: BYLADEM1001
Register         AG Hamburg | PR 596 | Partnerschaftsgesellschaft
Standorte        HH: Palmaille 96, 22767 Hamburg | B: Kantstraße 150, 10623 Berlin | HWI: Schweriner Straße 5, 23970 Wismar
Fachanwalt für   1
                   Arbeitsrecht | 2 Urheber- und Medienrecht | 3 gewerblichen Rechtsschutz | 4 IT-Recht
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                 1. Trifft es zu, dass alle Personen (mit Ausnahme der zwei Kinder), die am
                 03.06.2023 in Leipzig im Bereich Heinrich-Schütz-Platz festgesetzt und erken-
                 nungsdienstlich behandelt wurden (sog. Polizeikessel an Tag X) zwischenzeitlich
                 im Nachrichtendienstlichen Informationssystem (NADIS) mit einer personenbezo-
                 genen Eintragung vermerkt wurden?
                 2. Sofern dies nicht zutrifft: Für wie viele Personen, die am 03.06.2023 in Leipzig
                 im Bereich Heinrich-Schütz-Platz festgesetzt und erkennungsdienstlich behandelt
                 wurden, erfolgte eine solche Eintragung?
              Begründung
              Der Antragsteller begehrt von dem Antragsgegner presserechtliche Auskunft in Bezug auf die
              Aufnahme einer Personengruppe in das Nachrichtendienstlichen Informationssystem (NADIS)
              des Antragsgegners.


              A. SACHVERHALT

              I. ANTRAGSTELLER

              1. Person des Antragstellers
              Bei dem Antragsteller handelt es sich um den Investigativ-Journalisten und Redakteur des Me-
              diums „FragDenStaat“ (www.fragdenstaat.de). FragDenStaat stellt nicht nur die bekannte Platt-
              form zur Geltendmachung von Informationszugangsansprüchen gegenüber Behörden zur Ver-
              fügung. Bei dem Projekt FragDenStaat sind neben dem Antragsteller mit Herrn Arne Semsrott,
              Frau Sabrina Winter und Frau Vera Deleja-Hotko auch mehrere investigative Journalist:innen
              beschäftigt, die als Recherchekollektiv mittels IFG- und Presseauskunftsersuchen eigene Re-
              cherchen vornehmen und auf FragDenStaat über gesellschaftliche Missstände berichten. Dies
              erfolgt auch über ein Druckerzeugnis mit dem Titel „FragDenStaat DE“, für das der Antragsteller
              ebenfalls als Redakteur tätig ist und von dem im Dezember 2023 die zweite Ausgabe erschie-
              nen ist.

              In der Anlage ASt1 überreichen wir vorsorglich eine Kopie des Presseausweises des Antrag-
              stellers (Presseausweis des Antragstellers, Anlage ASt1).

              Er veröffentlicht sowohl regelmäßig journalistische Artikel auf FragDenStaat als auch unregel-
              mäßig in anderen Online- und Printmedien. Dies umfasst unter anderem die folgenden Veröf-
              fentlichungen:

                 FragDenStaat
                 https://fragdenstaat.de/blog/2023/10/06/der-nsu-20-war-nicht-allein/
                 https://fragdenstaat.de/blog/2023/09/29/wir-veroffentlichen-den-rechtsextremen-frankfurter-polizei-chat/
                 https://fragdenstaat.de/blog/2023/09/29/wie-deutsche-ministerien-tesla-hofieren/
                 https://fragdenstaat.de/blog/2023/07/24/andre-eminger-nsu-helfer-olg-muenchen/
                 https://fragdenstaat.de/blog/2023/06/30/alois-brunner-gehlen-akten-verfassungsschutz/

                 Tagesschau/ARD Monitor
                 https://www.tagesschau.de/investigativ/monitor/polizei-chat-rassismus-101.html
                 https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/testkonzept-schulen-100.html
                 https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/laschet-klimaschutz-100.html
                 https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/cdu-maskenaffaere-100.html
                 https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/bautzen-108.html
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                 Die Zeit
                 https://www.zeit.de/campus/2021-12/rechtsextremismus-landgericht-chemnitz-neonazi-ausbildung-volljurist
                 https://www.zeit.de/campus/2021/01/rechtsextremismus-leipzig-connewitz-brian-e-rechtsreferendar-studium
                 https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-03/jva-chemnitz-tuberkulose-verdachtsfaelle-frauengefaengnis-grund-
                 rechte
                 https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-03/jva-chemnitz-tuberkulose-verdachtsfaelle-frauengefaengnis-grund-
                 rechte

                 taz
                 https://taz.de/Gesundheitsversorgung-in-Gefaengnissen/!5699817/
                 https://taz.de/Saechsische-Polizei-und-Nazis/!5677486/
                 https://taz.de/Gewalt-in-Leipzig-Connewitz-an-Silvester/!5650003/

                 VICE
                 https://www.vice.com/de/article/wxdmkx/deutsche-welle-verweigert-herausgabe-brisanter-dokumente-vice-
                 und-fragdenstaat-klagen
                 https://www.vice.com/de/article/g5ggby/auf-dem-rechten-weg-rassisten-in-der-polizei
                 https://www.vice.com/de/article/884d8x/leipzig-vor-ob-wahl-connewitz-linksextremismus-gewalt-eskaliert-
                 dann-debatte

              2. Die journalistische Arbeit von FragDenStaat
              Wie bereits ausgeführt arbeitet der Antragsteller zusammen mit dem Chefredakteur Arne Sems-
              rott, sowie den Investigativ-Journalistinnen Frau Vera Deleja-Hotko und Frau Sabrina Winter im
              Rechercheteam von FragDenStaat. Dieses nimmt eigene Recherchen vor und publiziert deren
              Ergebnisse auf FragDenStaat unter der Rubrik „Recherche“ und der URL https://fragden-
              staat.de/blog/. Es handelt sich dabei um ein journalistisch-redaktionell betriebenes Angebot.
              Beispielhaft verweisen wir auf die nachfolgende Auswahl aktueller Texte des Rechercheteams:

                 •    https://fragdenstaat.de/blog/2023/12/07/gefangenpersonalakt-adolf-hitler/
                 •    https://fragdenstaat.de/blog/2023/10/25/elektroschocker-fur-die-polizei/
                 •    https://fragdenstaat.de/blog/2023/10/18/was-mit-den-geschenken-an-ministerinnen-passierte/
                 •    https://fragdenstaat.de/blog/2023/10/06/der-nsu-20-war-nicht-allein/
                 •    https://fragdenstaat.de/blog/2023/10/05/wie-die-europaische-union-ihre-kontrollen-aufweichte-und-
                      deutschland-half/
                 •    https://fragdenstaat.de/blog/2023/09/29/wir-veroffentlichen-den-rechtsextremen-frankfurter-polizei-
                      chat/
                 •    https://fragdenstaat.de/blog/2023/09/29/wie-deutsche-ministerien-tesla-hofieren/


              Darüber hinaus erfolgen journalistische Recherchen und Veröffentlichungen von FragDenStaat
              oft in Kooperation mit anderen etablierten Medienunternehmen, wie den Printhäusern taz, Die
              Zeit, Süddeutsche Zeitung, Stern und Der Spiegel, den Fernsehformaten ZDF Magazin Royale,
              ARD Kontraste, WDR, MDR, sowie den Internetmedien Buzzfeed News und Correctiv. Die Ko-
              operationen laufen in der Regel so ab, dass gemeinsam beziehungsweise zunächst über Frag-
              DenStaat recherchiert wird und die Ergebnisse der Recherchen dann gemeinsam ausgewertet
              und zeitgleich sowohl auf FragDenStaat als auch beim jeweiligen Kooperationspartner veröf-
              fentlicht werden. Beispielhaft sei hier auf folgende kooperative Veröffentlichungen aus dem ver-
              gangenen Jahr hingewiesen:

                 •    Artikel vom 15. Juni 2021: Bundeszentrale für politische Bildung: Demontage in 6 Schritten, Koopera-
                      tion mit Taz, Die Tageszeitung von Arne Semsrott
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              •   Artikel vom 16. Juli 2021: Bloß nicht „Nazi“ sagen: Mecklenburg-Vorpommern erfand „Deutschfeind-
                  lichkeit“, Kooperation mit Nordkurier von Vera Deleja-Hotko
              •   Artikel vom 19. Juli 2021: Anschlag von Halle: interner Polzeibericht zeigt fehlende Opferbetreung,
                  Kooperation mit Taz, Die Tageszeitung von Vera Deleja-Hotko
              •   Artikel vom 8. Oktober 2021: Desiderius Erasmus Stiftung: politische Bildung von Rechtsaußen, Ko-
                  operation mit ZDF Magazin Royale von Arne Semsrott
              •   Artikel vom 14. Oktober 2021: „Berliner Erpressung“: Die Visa Strategie des Auswärtigen Amts, Ko-
                  operation mit Buzzfeed und RBB Kontraste von Vera Deleja-Hotko und Stefan Wehrmeyer
              •   Artikel vom 22. Oktober 2021: Flüchtende hinter Stacheldraht: Wie die EU den Bau von Lagern un-
                  terstützt, Kooperation mit ZDF Magazin Royale von Vera Deleja-Hotko
              •   Artikel vom 3. Dezember 2021: Fahren von Fahrschein: Wie der Staat Menschen ohne Geld ein-
                  sperrt, Kooperation mit ZDF Magazin Royale von Vera Deleja-Hotko
              •   Artikel vom 11. Februar 2022: Transfeindlichkeit im Bewerbungsverfahren der Bundeswehr, Koope-
                  ration mit Taz von Vera Deleja-Hotko
              •   Artikel vom 24. Februar 2022: Rechte im Rechtsstreit: Wem gehört die Marke Erasmus? Kooperation
                  mit taz, Die Tageszeitung von Aiko Kempen
              •   Artikel vom 3. März 2022: Fehlende Versorgung für Schwangerschaftsabbrüche bundesweit, Koope-
                  ration mit Correctiv und diversen Correctiv-Lokalredaktionen von Arne Semsrott
              •   Artikel vom 22. März 2022: AfD-nahe Stiftung: Jetzt muss das Verfassungsgericht wieder ran, Ko-
                  operation mit taz, Die Tageszeitung von Aiko Kempen
              •   Artikel vom 23. März 2022: Umweltstiftung MV: Woher und wofür das Geld , Kooperation mit T-On-
                  line von Vera Deleja-Hotko
              •   Artikel vom 20. April 2022: Nord Stream 2 und die Politik: „Entsprechender Kabinettsbeschluss wün-
                  schenswert“, Kooperation mit Die Zeit von Vera Deleja-Hotko
              •   Artikel vom 10. Mai 2022: Statistik zur Politisch motivierten Kriminalität, Kooperation mit Der Freitag
                  von Aiko Kempen
              •   Artikel vom 11. Mai 2022: Deutsche Welle verweigert Herausgabe von brisanten Dokumenten, Ko-
                  operation mit VICE von Aiko Kempen
              •   Artikel vom 12. Mai 2022: Cum-Ex-Skandal: Schützenhilfe für die Warburg-Bank? Kooperation mit
                  WDR/Tagesschau.de von Arne Semsrott
              •   Artikel vom 16. Mai 2022: So viele Rechtsextreme werden in den Bundesländern gesucht, Koopera-
                  tion mit Süddeutsche Zeitung von Aiko Kempen
              •   Artikel vom 21. Juni 2022: Wie unkritisch die Bundespolizei die rechte Vergangenheit eines Polizei-
                  professors, Kooperation mit Ippen Investigativ von Aiko Kempen
              •   Artikel vom 3. August 2022: Ein vorbestrafter Investor für Seehofers Vermächtnis, Kooperation mit
                  dem ARD-Politmagazin Kontraste und rbb24 von Vera Deleja-Hotko
              •   Artikel vom 21.12.2022: Das geheime Treffen zur Milliarden-Bahn https://fragden-
                  staat.de/blog/2022/12/21/munchner-stammbahn-ifg-verkehrsministerium-scheuer-soeder/, Koopera-
                  tion mit Süddeutsche Zeitung https://www.sueddeutsche.de/muenchen/markus-soeder-zweite-
                  stammstrecke-krisengipfel-platzen-s-bahn-muenchen-1.5718353, von Arne Semsrott
              •   Artikel vom 15. Februar 2023: Verfassungsschutz überprüft Polizeiprofessor https://fragden-
                  staat.de/blog/2023/02/15/maninger/, Kooperation mit NDR/Tagesschau https://www.tages-
                  schau.de/investigativ/ndr/bundespolizei-professor-ueberpruefung-101.html, von Aiko Kempen
              •   Artikel vom 03. Mai 2023: Tödliche Polizeieinsätze https://fragdenstaat.de/blog/2023/05/03/polizei-
                  krisen/, Kooperation mit ZDF Die Spur https://www.zdf.de/dokumentation/die-spur/polizeieinsatz-ge-
                  walt-rassismusverdacht-dortmund-nordstadt-100.html, von Aiko Kempen
              •   Artikel vom 19. Mai 2023: Die Migrations-Manager https://fragdenstaat.de/blog/2023/05/19/icmpd-
                  die-migrations-manager/, Kooperation mit ZDF Magazin Royale https://www.zdf.de/comedy/zdf-ma-
                  gazin-royale/zdf-magazin-royale-vom-19-mai-2023-102.html, von Vera Deleja-Hotko
              •   Artikel vom 30. Juni 2023: Die Geheimdienst-Akten über Alois Brunner https://fragden-
                  staat.de/blog/2023/06/30/alois-brunner-gehlen-akten-verfassungsschutz/, Kooperation mit taz
                  https://taz.de/Verfassungsschutz-hielt-NS-Akten-zurueck/!5940446/, von Aiko Kempen
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                  •   Artikel vom 29. September 2023: Wie deutsche Ministerien Tesla hofierenhttps://fragden-
                      staat.de/blog/2023/09/29/wie-deutsche-ministerien-tesla-hofieren/, Kooperation mit Stern
                      https://www.stern.de/wirtschaft/tesla-recherche--wie-deutsche-politiker-um-die-gunst-von-tesla-buh-
                      len-33868678.html, von Aiko Kempen
                  •   Artikel vom 29. September 2023: Wir veröffentlichen den rechtsextremen Frankfurter Polizeichat
                      https://fragdenstaat.de/blog/2023/09/29/wir-veroffentlichen-den-rechtsextremen-frankfurter-polizei-
                      chat/, Kooperation mit ZDF Magazin Royale https://www.zdf.de/comedy/zdf-magazin-royale/zdf-ma-
                      gazin-royale-vom-29-september-2023-102.html von Aiko Kempen, Sabrina Winter, Arne Semsrott
                  •   Artikel vom 6. Oktober 2023: Der NSU 2.0 war nicht allein https://fragden-
                      staat.de/blog/2023/10/06/der-nsu-20-war-nicht-allein/, Kooperation mit ZDF Magazin Royale
                      https://www.zdf.de/comedy/zdf-magazin-royale/zdf-magazin-royale-vom-6-oktober-2023-100.html
                      von Aiko Kempen, Sabrina Winter


              3. FragDenStaat-Druckerzeugnis
              Einige der auf FragDenStaat zunächst online veröffentlichten journalistischen Artikel des An-
              tragstellers haben zudem in die seit Juli 2022 in unregelmäßigen Abständen herausgegebenen
              Printzeitung mit dem Titel „FragDenStaat DE“ Eingang gefunden. Inzwischen liegen zwei Aus-
              gaben des Druckerzeugnisses vor, für die der Antragsteller als Autor und Redakteur fungiert
              (FragDenStaat Druckerzeugnis #1 und 2, Anlage ASt2).

              II. BEABSICHTIGTE VERÖFFENTLICHUNG

              Anlass und Hintergrund der verfahrensgegenständlichen Anfrage des Antragstellers sind Vor-
              gänge um den sogenannten Tag-X in Leipzig am 03.06.2023. Dabei kam es im Laufe des Tages
              zu einem Polizeikessel am Heinrich-Schütz-Platz, der seitdem in der Öffentlichkeit breit und
              kontrovers diskutiert wird. Bereits unmittelbar nach dem Ende des Polizeikessels wurde mas-
              sive Kritik an der Maßnahme laut. Dies betraf einerseits die Versorgung der festgesetzten Per-
              sonen und die überlange Dauer der Maßnahme. Andererseits stand auch die Maßnahme als
              solche massiv in der Kritik. Zahlreiche Medien berichteten, dass Unbeteiligte, Anwohner und
              auch mehr als hundert Jugendliche unter den mehr als 1.300 Festgesetzten waren. So riet Prof.
              Clemens Arzt, Professor von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, den Betroffenen
              der Maßnahme im MDR öffentlich, dagegen Klage einzureichen. Dass pauschal allen Einge-
              kesselten die Beteiligung an Straftaten unterstellt und nun gegen sie ermittelt werde, hielt er für
              nicht nachvollziehbar. Wir verweisen beispielhaft und nicht abschließend auf die folgenden
              Presseberichte:

                  •   MDR: „Demonstration am Tag X in Leipzig Experte zu Einkesselung: Eltern sollten eine Klage
                      erwägen“ https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/leipzig/leipzig-leipzig-land/demo-tagx-einkes-
                      selung-polizei-klage-100.html
                  •   Tagesschau: „Der Polizeikessel von Leipzig Alles verhältnismäßig?“, https://www.tages-
                      schau.de/investigativ/monitor/kessel-leipzig-100.html
                  •   MDR: „Aufarbeitung "Tag X": Polizei richtet Ermittlungsgruppe ein, Kritik an Einsatz wächst“
                      https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/leipzig/leipzig-leipzig-land/demo-leipzig-tagx-ermitt-
                      lungsgruppe-polizei-linksextremismus-100.html
                  •   MDR: „Polizeieinsatz Leipziger Polizei gibt Fehler beim Einsatz am "Tag X" zu“
                      https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/leipzig/leipzig-leipzig-land/leipzig-polizei-zu-fehlern-
                      demo-tagx-kessel-dritter-juni-100.html

              Seit Juni 2023 recherchiert der Antragsteller zu den Hintergründen des Polizeieinsatzes und
              den Konsequenzen der Maßnahme für die eingekesselten Personen. Seitdem hat er zahlreiche
              Anfragen meist auf Basis des SächsTranspG an verschiedene Behörden gestellt.
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              Rechercheergebnisse werden zwischen dem Antragsteller und der Recherche-Einheit des MDR
              geteilt, um darauf eine gemeinsame Berichterstattung in den Kanälen des MDR, auf FragDen-
              Staat und im Druckerzeugnis FragDenStaat DE aufzubauen. In diesem Zusammenhang sind
              den Journalist:innen Hinweise zugegangen, wonach die Einkesselung der 1.300 Personen mög-
              licherweise einen Eintrag im NADIS-System des Antragsgegners nach sich gezogen hat. Mit
              der presserechtliche Auskunftsanfrage geht der Antragsteller diesen Hinweisen nach. Seine
              Recherchen in dieser Frage sollen Eingang in die gemeinsame Berichtertattung mit dem MDR
              in den Kanälen des MDR, auf FragDenStaat und im Druckerzeugnis FragDenStaat DE finden.

              III. GANG DES PRESSERECHTLICHEN AUSKUNFTSVERFAHRENS

              Der Antragsteller wandte sich per E-Mail am 24.01.2024 mit Verweis auf § 4 SächsPresseG an
              den Antragsgegner und bat und um Beantwortung der folgenden Fragen bis zum 26.01.2024
              um 10 Uhr:

                „1. Trifft es zu, dass alle Personen (mit Ausnahme der zwei Kinder), die am 03.06.2023
                in Leipzig im Bereich Heinrich-Schütz-Platz festgesetzt und erkennungsdienstlich be-
                handelt wurden (sog. Polizeikessel an Tag X) zwischenzeitlich im Nachrichtendienstli-
                chen Informationssystem (NADIS) mit einer personenbezogenen Eintragung vermerkt
                wurden?

                2. Sofern dies nicht zutrifft: Für wie viele Personen, die am 03.06.2023 in Leipzig im Be-
                reich Heinrich-Schütz-Platz festgesetzt und erkennungsdienstlich behandelt wurden, er-
                folgte eine solche Eintragung?“

              (E-Mail des Antragstellers vom 24.01.2024, Anlage ASt3)

              Der Antragsgegner lehnte das Auskunftsersuchen des Antragstellers mit E-Mail vom
              30.01.2024 ab und erklärte, dass eine Auskunftserteilung gem. § 4 SächsPresseG nicht erfol-
              gen könne, wenn allgemeine Rechtsvorschriften entgegenstünden. Hier stünde das SächsVSG
              einer Auskunftserteilung entgegen. Darin sei keine Auskunft und Übermittlung an die Presse
              vorgesehen und damit nicht zulässig. (E-Mail des Antragsgegners vom 30.01.2024, Anlage
              ASt4)

              Der Antragsteller antwortete dem Antragsgegner am 30.01.2024 und wies darauf hin, dass der
              Antragsgegner keine belastbare Begründung für Ihre Ablehnung liefere, sondern lediglich pau-
              schal das SächsVSG heranziehe (E-Mail des Antragstellers vom 30.01.2024, Anlage ASt5).
              Nachdem der Antragsteller auf seine Nachricht keine Rückmeldung erhalten hat, forderte er den
              Antragsgegner nochmals am 01.02.2024 um Erteilung der Auskünfte im Laufe dieses Tages auf
              (E-Mail des Antragstellers vom 01.02.2024, Anlage ASt6).

              Nach einer kurzen hinhaltenden Nachricht am 01.02.2024, folgte am 02.02.2024 nochmals eine
              ausführlichere ablehnende E-Mail (E-Mails des Antragsgegners vom 01.02. und 02.02.2024,
              Anlage ASt7). Der Antragsgegner führt abweichend von der ursprünglichen Begründung nun
              aus, dass sie besonderen Veröffentlichungsregelungen unterworfen sei und beruft sich nun auf
              §§ 10-15 SächsVSG. Im Anschluss behauptet der Antragsgegner, dass den angefragten Infor-
              mationen überwiegende Belange des Geheimnisschutzes gem. Art 51 Abs. 2 SächsVerfassung
              entgegenstünden. Denn mit einer Offenbarung wäre eine Beeinträchtigung ihrer
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              nachrichtendienstlichen Arbeit verbunden. Der Antragsgegner sieht hier eine Beeinträchtigung
              der „Sicherheitsinteressen“ aus § 13 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 SächsVSG.

              Dem ist der nunmehr durch die Kanzlei des Unterzeichners vertretene Antragsteller mit anwalt-
              lichem Schreiben vom 05.02.2024 entgegengetreten und hat den Antragsgegner letztmalig um
              Beantwortung der beiden Fragen bis zum 08.02.2024 aufgefordert (Schreiben RA Sudrow vom
              05.02.2024, Anlage ASt8).

              Nach einer Zwischennachricht vom 08.02.2024 (Zwischennachricht des Antragsgegners vom
              08.02.2024, Anlage ASt9) bekräftigte der Antragsgegner mit Schreiben vom 09.02.2024 seinen
              Entschluss, die presserechtlichen Fragen des Antragstellers nicht zu beantworten (Schreiben
              des Antragsgegners vom 09.02.2024, Anlage ASt10). Zur Begründung führt sie jetzt an, dass
              der Ausschlussgrund aus § 4 Abs. 2 Nr. 1 SächsPresseG einschlägig sei. Es stünden vorliegend
              Vorschriften über die Geheimhaltung entgegen. Und zwar seien dies die Verwaltungsvorschrif-
              ten der Sächsischen Staatsregierung über die Behandlung von Verschlusssachen (Verschluss-
              sachenanweisung – VSA) und verschiedene als Verschlusssachen eingestufte Dienstvorschrif-
              ten. Der Antragsteller begehre Auskünfte über Speicherungen im NADIS-System des Antrags-
              gegners. Diese Speicherungen würden nach behördeninternen Dienstvorschriften wie der
              „Dienstvorschrift Auswertung“ erfolgen, die als Verschlusssache eingestuft sei. Deshalb könne
              über ihren Inhalt, insbesondere wie bei Speicherungen im NADIS verfahren werde, an Presse-
              vertrter keine Auskunft gegeben werden. Darüber hinaus sieht der Antragsgegner hier materi-
              elle Geheimhaltungsgründe. Bei den Informationen, wie das Landesamt für Verfassungsschutz
              an seine Informationen komme, wie diese verarbeitet, ob und wie diese gespeichert würden,
              handele es sich um Informationen, die angeblich die Methoden der Nachrichtenbeschaffung
              offenbaren würden. So könnten Rückschlüsse auf die Arbeitsweise des Verfassungsschutzes
              gezogen werden. Ein Bekanntwerden könne die Arbeitsfähigkeit der Behörde gefährden.


              B. RECHTLICHE WÜRDIGUNG

              Der zulässige Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Anordnung ist begründet.

              Gemäß § 123 Abs. 1 S. 2 VwGO kann das Gericht eine einstweilige Anordnung zur Regelung
              eines vorläufigen Zustands in Bezug auf ein streitiges Rechtsverhältnis treffen, wenn diese Re-
              gelung nötig erscheint, etwa um wesentliche Nachteile abzuwenden. Dabei sind nach § 123
              Abs. 3 VwGO i.V.m. § 920 Abs. 2 ZPO die besondere Eilbedürftigkeit (Anordnungsgrund) und
              das Bestehen des zu sichernden Rechtes (Anordnungsanspruch) glaubhaft zu machen. Vorlie-
              gend ist sowohl ein Anordnungsanspruch (I.) als auch ein Anordnungsgrund (II.) gegeben. Der
              Grundsatz der Vorwegnahme der Hauptsache steht nicht entgegen (III.).

              I. ANORDNUNGSANSPRUCHS GEM. § 123 ABS. 3 VwGO

              1. Anspruchsvoraussetzungen aus § 4 Abs. 1 S. 1 SächsPresseG
              Dem Antragsteller steht gegen den Antragsgegner ein presserechtlicher Auskunftsanspruch zu,
              der auf § 4 Abs. 1 S. 1 SächsPresseG beruht. Nach dieser Vorschrift sind alle sächsischen
              Behörden verpflichtet, den Vertretern der Presse und des Rundfunks, die sich als solche aus-
              weisen, die der Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgabe dienenden Auskünfte zu erteilen, sofern
              nicht dieses Gesetz oder allgemeine Rechtsvorschriften dem entgegenstehen.
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              Die Informations- und Kontrollfunktion der Presse findet ihre Absicherung in diesen Auskunfts-
              ansprüchen. Erst der prinzipiell ungehinderte Zugang zu Informationen versetzt die Presse in
              den Stand, die ihr in der freiheitlichen Demokratie zukommende Funktion als sog. „vierte Ge-
              walt“ wirksam wahrzunehmen und berichten zu können. In diesem Zusammenhang betont das
              Sächsische OVG, zuletzt mit Beschluss vom 28.03.2019, Az: 3 B 49/19, dass der presserecht-
              liche Auskunftsanspruch grundsätzlich umfassend zu gewähren ist:

                 Die Pressefreiheit ist kein bloßes Abwehrrecht gegenüber staatlichen Eingriffen, sondern eine "objek-
                 tive Grundsatznorm" (BVerfG, Beschl. v. 6. Juni 1989 - 1 BvR 727/84, juris Rn. 27 ff.). Die effektive
                 funktionsgemäße Betätigung der Presse, also die Wahrnehmung dieser Vermittlungsleistung, setzt vo-
                 raus, dass ihre Vertreter in hinreichendem Maß von staatlichen Stellen Auskunft über Angelegenheiten
                 erhalten, die nach ihrem Dafürhalten von öffentlichem Interesse sind (vgl. BVerwG, Urt. v. 25. März
                 2015 - 6 C 12.14 -, juris Rn. 30). Mit der hohen Bedeutung der Presse für die öffentliche Meinungsbil-
                 dung in der Demokratie wäre es nicht vereinbar, insoweit eine restriktive Betrachtungsweise an den
                 Tag zu legen. (OVG Bautzen, Beschluss vom 28.03.2019, Az.: 3 B 49/19, Rn. 18)

              Die Anspruchsvoraussetzungen aus § 4 Abs. 1 S. 1 SächsPresseG sind erfüllt. Der Antragsteller
              ist als Pressevertreter auskunftsberechtigt. Er hat sich durch seinen Presseausweis ausgewie-
              sen. Es wird im Übrigen erneut auf seine journalistische Tätigkeit verwiesen. Vorsorglich weisen
              wir darauf hin, dass für die Mitglieder der FragDenStaat-Redaktion im Hinblick auf das Druck-
              erzeugnis „FragDenStaat DE“ die Eigenschaft als Pressevertreter bereits gerichtlich bejaht
              wurde (OVG Berlin-Brandenburg (6. Senat), Beschluss vom 16.08.2022 – OVG 6 S 37/22).

              Das Landesamt für Verfassungsschutz ist als Behörde auskunftsverpflichtet. Eine Bereichsaus-
              nahme – im Sinne einer Ausklammerung der Nachrichtendienste aus den presserechtlichen
              Auskunftsansprüchen, wie die erste Antwort-E-Mail des Antragsgegners vom 30.01.2024 nahe-
              legt – ist weder gesetzlich normiert, noch von der Rechtsprechung anerkannt.

              Das Auskunftsverlangen dient der Erfüllung der öffentlichen Aufgabe der Presse (vgl. § 3 Abs.
              2 SächsPresseG). Die Presse erfüllt demnach eine öffentliche Aufgabe, indem sie in Angele-
              genheiten von öffentlichem Interesse Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt, Kri-
              tik übt oder auf andere Weise an der Meinungsbildung mitwirkt. Das Auskunftsverlangen dient
              dem Antragstellern zur Beschaffung von Informationen, die in die Berichterstattung des MDR,
              FragDenStaat und FragDenStaat DE über die Folgen für die Festgesetzten und Resultate des
              Polizeikessels am Tag X eingehen sollen. Dies umfasst auch eine Einordnung und ggf. Kritik
              der hoheitlichen Maßnahmen der unterschiedlichen Sicherheitsbehörden.

              2. Ausschlussgründe
              Der presserechtliche Auskunftsanspruch der Antragsteller ist weder durch allgemeine Rechts-
              vorschriften i.S.v. § 4 Abs. 1 S. 1 HS. 2 SächsPresseG ausgeschlossen noch sind die in § 4
              Abs. 2 SächsPresseG geregelten Ausschlusstatbestände gegeben.

              Das Sächsische OVG stellt in seinem Beschluss vom 28.03.2019, Az: 3 B 49/19 klar, dass bei
              der Anwendung von Ausschlussgründen das Grundrecht der Pressefreiheit zu berücksichtigen
              ist:

                 „Bei der Auslegung von unbestimmten Rechtsbegriffen des einfachgesetzlichen Presserechts als auch
                 von solchen Vorschriften, die einen Ausschluss des presserechtlichen Auskunftsanspruchs regeln, ist
                 stets die grundrechtliche Dimension der Pressefreiheit (Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG) zu beachten. Die
                 Pressefreiheit ist konstituierend für die freiheitliche demokratische Grundordnung. Eine freie, nicht von
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                 der öffentlichen Gewalt gelenkte Presse ist ein Wesenselement des freiheitlichen Staates und für die
                 Demokratie unentbehrlich (BVerfG, Beschl. v. 6. November 1979 - 1 BvR 81/76 -, juris Rn. 39). Erst
                 der prinzipiell ungehinderte Zugang zu Informationen versetzt die Presse in den Stand, die in der frei-
                 heitlichen Demokratie zukommende Funktion wahrzunehmen. Der Presse kommt neben der Informa-
                 tionsfunktion gegenüber dem Bürger insbesondere auch in eine Kontrollfunktion zu (vgl. BVerfG, Be-
                 schl. v. 14. September 2015 - 1 BvR 857/15 -, juris Rn. 16; BVerwG, Urt. v. 16. März 2016 - 6 C 65/14 -
                 , juris Rn. 17; Urt. v. 1. Oktober 2014 - 6 C 35.13 -, juris Rn. 26). Denn ihre Aufgabe ist es, umfassende
                 Informationen zu ermöglichen, die Vielfalt der bestehenden Meinungen wiederzugeben und selbst Mei-
                 nungen zu bilden und zu vertreten (BVerfG, Beschl. v. 24. Mai 2005 - 1 BvR 1072/01 -, juris Rn. 51
                 ff.).“ (OVG Bautzen, Beschluss vom 28.03.2019, Az.: 3 B 49/19 Rn. 16)

              Bevor wir zu den bemühten Ausschlussgründen im Einzelnen Stellung nehmen, möchten wir
              noch einmal darauf hinweisen, dass der Antragsteller lediglich präzise und minimale Einzelin-
              formationen zu einem konkreten Vorgang begehrt. Die erste Frage lässt sich mit einem schlich-
              ten „ja“ oder „nein“ beantworten. Auf die zweite Frage kommt es nur an, wenn die Antwort auf
              die erste „nein“ lautet. Dann erschöpft sich eine Antwort allein in der Nennung einer Zahl.

              a. Allgemeine Rechtsvorschriften i.S.v. § 4 Abs. 1 S. 1 HS. 2 SächsPresseG
              Vorliegend sind die presserechtlichen Auskunftsansprüche nicht durch entgegenstehende all-
              gemeine Rechtsvorschriften gem. § 4 Abs. 1 S. 1 HS. 2 SächsPresseG gesperrt. Vorsorglich
              weisen wir erneut darauf hin, dass die von dem Antragsgegner zitierten Normen keine allgemei-
              nen Rechtsvorschriften in diesem Sinne darstellen, die der presserechtlichen Auskunftserteilung
              entgegenstehen.

              Der von dem Antragsgegner herangezogene Art. 51 Abs. 2 SächsVerfassung bezieht sich nicht
              auf Presseanfragen, sondern gilt dem Frage- und Auskunftsrecht der Abgeordneten des Säch-
              sischen Landtags. Diese Regelung ist nicht auf Pressevertreter – auch nicht analog – anwend-
              bar.

              Auch der von dem Antragsgegner zitierte § 13 Abs. 1 S.1 Nr. 2 SächsVSG ist nicht einschlägig.
              Denn die in S. 1 vorgenommene Geltung für die „Übermittlung von Informationen nach den
              §§ 10, 11, 12 und 12a“ greift für die Presse nicht, da es in §§ 10, 11, 12 und 12a nicht um
              Presse, Medien und die Öffentlichkeit geht.

              b. Ausschlussgründe aus § 4 Abs. 2 SächsPresseG
              Auch Ausschlussgründe aus § 4 Abs. 2 SächsPresseG, die der Erfüllung des Auskunftsbegeh-
              rens entgegenstehen, sind im Übrigen nicht ersichtlich.

              § 4 Abs. 2 SächsPresseG bestimmt, dass die Auskunft verweigert werden darf, wenn und soweit
              1. Vorschriften über die Geheimhaltung und über den Persönlichkeitsschutz entgegenstehen,
              2. durch sie die sachgemäße Durchführung eines schwebenden Verfahrens vereitelt, erschwert,
              verzögert oder gefährdet werden könnte, 3. durch sie ein überwiegendes öffentliches oder ein
              schutzwürdiges privates Interesse verletzt würde oder 4. ihr Umfang das zumutbare Maß über-
              schreitet. Davon abgesehen, dass diese Ausschlussgründe im Lichte der Pressefreiheit stets
              restriktiv auszulegen sind, hat der Antragsgegner bislang nichts dargelegt, was die Einschlägig-
              keit eines Ausschlussgrundes aus § 4 Abs. 2 SächsPresseG begründen könnte.

              Der Antragsgegner beruft sich gem. § 4 Abs. 2 Nr. 1 SächsPresseG zuletzt auf entgegenste-
              hende Vorschriften über die Geheimhaltung. Und zwar würden die Verwaltungsvorschriften der
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              Sächsischen Staatsregierung über die Behandlung von Verschlusssachen (Verschlusssachen-
              anweisung – VSA und verschiedene als Verschlusssachen eingestufte Dienstvorschriften hier
              entgegenstehen. Nach Ziffer I. 4.1 VSA dürften von einer Verschlusssachen nur Personen
              Kenntnis erhalten, die aufgrund ihrer Dienstpflichten von ihr Kenntnis haben dürfen. Konkreti-
              siert werde dieses Gebot in Ziffer 13 VSA. Danach dürfe weder über eine Verschlusssache
              öffentlich gesprochen werden, noch dürfe sich jemand zur Weitergabe an andere Personen
              verleiten lassen. Damit sei die Mitteilung von Verschlusssachen an Private ausgeschlossen.

              Unstreitig sind die verfahrensgegenständlichen Informationen – 1. wurden alle beim Tag X ge-
              kesselten Personen in das NADIS eingetragen, ja oder nein? und 2. wenn nein, wie viele? –
              nicht als Verschlusssache eingestuft. Das behauptet selbst der Antragsgegner nicht.

              Sie bedient sich stattdessen einer Hilfskonstruktion, nach der sich die Speicherung in NADIS
              nach behördeninternen Dienstvorschriften, wie der „Dienstvorschrift Auswertung“ richten würde
              und diese jedenfalls als Verschlussache eingestuft seien. Deshalb könne über ihren Inhalt, ins-
              besondere wie bei Speicherungen im NADIS verfahren wird, an Pressevertreter keine Auskunft
              gegeben werden. Die Dienstvorschriften des Antragsgegners sind jedoch kein Gegenstand der
              Presseanfrage des Antragstellers. Er begehrt keine Auskunft über ihren Inhalt oder über interne
              Regularien und Verfahrensweisen des Antragsgegners, er möchte lediglich seine beiden kon-
              kreten Fragen zu den Nachwirkungen des „Tag X“-Kessels in Leipzig beantwortet wissen.

              Der Antragsgegner scheint die Auffassung zu vertreten, eine Verschlusssacheneinstufung der
              Dienstvorschriften würde hier mittelbar und indirekt auch auf Informationen ausstrahlen, die
              selbst nicht als Verschlusssache geführt sind. Das ist unzutreffend. Dies gilt schon allein des-
              halb, weil die Beantwortung der Fragen des Antragstellers keinerlei Erkenntnisse über den In-
              halt der eingestuften Dienstvorschriften liefert. Es geht im konkreten Verfahren lediglich um die
              reine Tatsache der NADIS-Erfassung einer Menschenmenge an den un- bzw. außergewöhnli-
              chen „Tag X“-Ereignissen in Leipzig. Ob diese Erfassung gemäß oder entgegen der Dienstvor-
              schriften des Antragsgegners stattgefunden hat, lässt sich daraus nicht ableiten. Ferner lässt
              sich aus einer Beantwortung der Fragen des Antragstellers verallgemeinernd nicht rückschlie-
              ßen, welche polizeilichen Maßnahmen bzw. welche Lagen oder Versammlungen üblicherweise
              einen NADIS-Eintrag nach sich ziehen. Es geht um konkrete Geschehnisse am 03.06.2023 und
              was für Folgen diese insbesondere für Unbeteiligte und Minderjährige hatten.

              Im Übrigen wird die gesamte Arbeit des Antragsgegners durch „verschiedene als Verschluss-
              sache eingestufte Dienstvorschriften“ geregelt sein. In der Logik des Antragsgegners wäre sie
              so wieder bei der initial behaupteten aber unzutreffenden Bereichsausnahme, wonach Verfas-
              sungsschutzbehörden Presseanfragen ohnehin nicht beantworten müssten.

              Unzutreffend behauptet der Antragsgegner zudem das Bestehen materieller Geheimhaltungs-
              gründe. Für die Dienstvorschriften des Antragsgegners vermögen wir das nicht einzuschätzen
              aber darauf kommt es – wie bereits gezeigt – gar nicht an, weil die Antworten auf die Fragen
              des Antragstellers nicht auf die Dienstvorschriften abzielen. Der Antragsgegner behauptet, dass
              es sich bei den Informationen, ob und wie das Landesamt für Verfassungsschutz an seine In-
              formationen kommt, wie diese verarbeitet werden, ob und wie sie gespeichert werden, um In-
              formationen handeln würde, die die eingesetzten Methoden der Nachrichtenbeschaffung offen-
              baren würden. Die Weitergabe solcher Informationen würde Rückschlüsse auf die Arbeitsweise
              des Antragsgegners, seine Beobachtungsschwerpunkte und seinen Umgang mit übermittelten
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