zmsbwfb131bevlkerungsumfrage2021
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Verteidigung“
Abbildung 4.4: Beurteilung der nationalen Sicherheitslage im Zeitvergleich –
Unsicherheitsgefühl
„Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Sicherheitslage in der Bundesrepublik
Deutschland?“
(Angaben in Prozent, 2021: n = 1.495)
50
40
30
30
25
23 23
19
20 18
17
16
15
14
13
12 12
10 9
6
0
2006 2007 2008 2009 2010 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Anmerkungen: Anteile 2006–2013: „Sehr unsicher“, „Unsicher“ und „Eher unsicher“ zusammengefasst; ab 2014: „Sehr
unsicher“ und „Eher unsicher“ zusammengefasst, „Teils/teils“ herausgerechnet. 2011 wurde die Frage nicht erhoben.
Datenbasis: Bevölkerungsbefragungen des ZMSBw 2006–2010, 2012–2021.
Die Beurteilung der nationalen Sicherheitslage wird seit 2006 erfasst. Auch das Unsicher-
heitsgefühl bezüglich der nationalen Lage zeigt im Zeitverlauf einen minimalen Anstieg
im Vergleich zum Vorjahr, liegt aber noch immer unter dem durchschnittlichen Niveau der
Jahre 2015–2017 (vgl. Abbildung 4.4). 7
7
Aufgrund unterschiedlicher Antwortskalen in den Vorjahren (ab 2014: 5-stufig; zuvor 6-stufig) wurden
zu Vergleichszwecken die Befragten der Mittelkategorie (d.h. der Anteil „Teils/teils“) für die Jahre
2014 bis 2021 herausgerechnet. Damit gehen in die Analysen noch 2.080 (2014), 1.924 (2015), 1.661
(2016), 1.662 (2017), 1.831 (2018), 1.806 (2019), 1.751 (2020) bzw. 1.495 (2021) Befragte ein. So
erklären sich auch die Abweichungen in den relativen Häufigkeiten für 2021 zwischen den Abbildungen
4.3 und 4.4.
19
Abbildung 4.5: Beurteilung der persönlichen Sicherheitslage
„Wie sicher fühlen Sie sich persönlich zurzeit?“
(Angaben in Prozent, n = 2.037)
60
50 49
(-1)
40
30
23
21
20 (+1)
(0)
10 (+1)
6
(0)
(0) 1 0
0
Sehr sicher Eher sicher Teils/teils Eher unsicher Sehr unsicher Weiß nicht/k.A.
Anmerkungen: Nicht alle Prozentangaben ergeben in der Summe 100 Prozent, da die Einzelwerte gerundet wurden. Ver-
änderungen gegenüber 2020 in Klammern.
Datenbasis: Bevölkerungsbefragungen des ZMSBw 2020 und 2021.
Die Bewertung der persönlichen Sicherheitslage fällt im Vergleich zur weltweiten und
nationalen Sicherheitslage sehr viel positiver aus (vgl. Abbildung 4.5). Die Mehrheit der
Befragten fühlt sich persönlich sehr sicher (23 Prozent; +1 Prozentpunkt im Vergleich
zum Vorjahr) oder eher sicher (49 Prozent; -1 Prozentpunkt). Einer von fünf Befragten
hat hingegen ein ambivalentes Sicherheitsgefühl (21 Prozent; keine Veränderung) und
nur wenige fühlen sich persönlich eher unsicher (6 Prozent; keine Veränderung) oder sehr
unsicher (1 Prozent; keine Veränderung).
20
Abbildung 4.6: Beurteilung der persönlichen Sicherheitslage im Zeitvergleich –
Unsicherheitsgefühl
„Wie sicher fühlen Sie sich persönlich zurzeit?“
(Angaben in Prozent, 2021: n = 1.611)
50
46
44
40
36
29 30
30
24 23
20
16 16
14
12 12 13
10 11 11 10
10 9 9 9
6
0
Anmerkungen: Anteile 2000–2013: „Sehr unsicher“, „Unsicher“ und „Eher unsicher“ zusammengefasst; ab 2014: „Sehr
unsicher“ und „Eher unsicher“ zusammengefasst, „Teils/teils“ herausgerechnet. 2004 wurde die Frage nicht erhoben.
Datenbasis: Bevölkerungsbefragungen des ZMSBw 2000–2003, 2005–2021.
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das persönliche Unsicherheitsgefühl nicht verändert
(vgl. Abbildung 4.6) und liegt damit etwas unterhalb des durchschnittlichen Niveaus der
Jahre 2008 bis 2014. 8 In den Jahren 2015 bis 2017 war das persönliche Unsicherheitsge-
fühl im Durchschnitt deutlich stärker ausgeprägt. Wird zudem der gesamte Erhebungs-
zeitraum seit dem Jahr 2000 betrachtet, ist festzustellen, dass das Unsicherheitsgefühl im
Jahr 2021 vergleichsweise schwach ausgeprägt ist. Somit scheint auch das persönliche
Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger nicht unter der anhaltenden Corona-Pan-
demie und den Maßnahmen zu deren Bekämpfung zu leiden.
8
Aufgrund unterschiedlicher Antwortskalen in den Vorjahren (ab 2014: 5-stufig; zuvor 6-stufig) wurden
zu Vergleichszwecken die Befragten der Mittelkategorie (d.h. der Anteil „Teils/teils“) für die Jahre
2014 bis 2020 herausgerechnet. Damit gehen in die Analysen noch 2.160 (2014), 1.982 (2015), 1.831
(2016), 1.962 (2017), 1.984 (2018), 1.942 (2019), 1.811 (2020) bzw. 1.611 (2021) Befragte ein. So
erklären sich auch die Abweichungen in den relativen Häufigkeiten für 2021 zwischen den Abbildungen
4.5 und 4.6.
21
4.3 Sicherheitsempfinden in soziodemografischen Gruppen
Individuelle Sicherheitswahrnehmungen werden durch eine Vielzahl von Faktoren deter-
miniert (Daase 2010; Hummelsheim-Doss 2017; Krasmann et al. 2014). Insbesondere
soziodemografische Faktoren spielen eine Rolle. So haben empirische Studien gezeigt,
dass Frauen (Nellis 2009; Skitka et al. 2006; Wilcox et al. 2009), Ältere (Goodwin et al.
2005; Skitka et al. 2006), Personen mit geringem Einkommen (Skitka et al. 2006; Wilcox
et al. 2009) sowie ethnische Minderheiten und Immigranten (Eisenman et al. 2009) Be-
drohungen eher wahrnehmen und sich entsprechend unsicherer fühlen. Vor diesem Hin-
tergrund erscheint es geboten, zu untersuchen, ob sich die Sicherheitswahrnehmungen in
der deutschen Bevölkerung zwischen verschiedenen soziodemografischen Gruppen un-
terscheiden. Um die Gruppen besser vergleichen zu können, werden im Folgenden Mit-
telwerte berichtet. Dazu wurden die Antworten der Befragten auf den Wertebereich 0
(sehr unsicher) bis 1 (sehr sicher) umkodiert, sodass ein Mittelwert kleiner als 0,50 ein
negatives und ein Mittelwert größer als 0,50 ein positives Sicherheitsempfinden reprä-
sentiert. Die Ergebnisse in Tabelle 4.1 zeigen, dass die persönliche (Mittelwert 0,71) und
nationale (Mittelwert 0,65) Sicherheitslage in allen soziodemografischen Gruppen als si-
cher empfunden wird, wohingegen die weltweite Sicherheitslage (Mittelwert 0,46) als
eher unsicher bewertet wird.
Zwischen Männern und Frauen bestehen keine signifikanten Unterschiede in der Wahr-
nehmung der verschiedenen Sicherheitslagen. Zwischen den Altersgruppen bestehen
keine signifikanten Unterschiede in der Bewertung der persönlichen und nationalen Si-
cherheitslage, jedoch bewerten jüngere Befragte (16 bis 29 Jahre) die weltweite Sicher-
heitslage etwas positiver als die älteren Vergleichsgruppen. Das Sicherheitsempfinden ist
für alle drei Ebenen in der höchsten Bildungsgruppe signifikant positiver als in den beiden
niedrigeren Bildungsgruppen. Auch mit höherem Haushaltseinkommen wird die persön-
liche und nationale Sicherheitslage positiver beurteilt. Die Bewertung der weltweiten Si-
cherheitslage unterscheidet sich nicht signifikant zwischen den Einkommensgruppen.
Signifikante Wahrnehmungsunterschiede sind zudem zwischen den Wählergruppen fest-
stellbar: Die Anhänger der CDU/CSU, der SPD und der Grünen bewerten alle Sicher-
heitslagen positiver als die anderen Wählergruppen. Befragte mit einer Wahlpräferenz für
die AfD bewerten dagegen alle drei Sicherheitslagen am kritischsten. Einig sind sich alle
Wählergruppen (im Mittel) in der kritischen Bewertung der weltweiten Sicherheitslage.
22
Tabelle 4.1: Sicherheitsempfinden in soziodemografischen Gruppen
„Wie sicher fühlen Sie sich persönlich zurzeit?“ / „Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Sicherheitslage der
Bundesrepublik Deutschland?“ / „Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Sicherheitslage weltweit?“
(Mittelwerte)
Persönlich Deutschland Weltweit
Insgesamt 0,71 0,65 0,46
Geschlecht n.s. n.s. n.s
Männer 0,72 0,65 0,45
Frauen 0,71 0,65 0,46
Alter n.s. n.s. ***
16 bis 29 Jahre 0,72 0,67 0,50
30 bis 49 Jahre 0,72 0,65 0,45
50 bis 69 Jahre 0,70 0,65 0,44
70 Jahre und älter 0,71 0,63 0,46
Bildungsniveau * * *
Hochschul- bzw. Fachhochschulreife 0,73 0,67 0,48
Realschulabschluss 0,70 0,64 0,44
Hauptschulabschluss 0,71 0,64 0,45
Haushaltsnettoeinkommen pro Monat *** *** n.s.
4.001 Euro und mehr 0,74 0,68 0,48
2.001 bis 4.000 Euro 0,72 0,66 0,47
Bis 2.000 Euro 0,67 0,61 0,45
Wahlabsicht Bundestagswahl *** *** ***
CDU/CSU 0,75 0,69 0,49
SPD 0,75 0,69 0,48
AfD 0,60 0,51 0,40
FDP 0,70 0,65 0,45
Die Linke 0,71 0,65 0,44
Bündnis 90/Die Grünen 0,72 0,67 0,47
Keine Parteipräferenz, Nichtwähler, w.n./k.A. 0,69 0,62 0,43
Region *** n.s. ***
Norddeutschland (SH, HH, HB, NI) 0,72 0,66 0,51
Ostdeutschland (MV, BB, BE, ST, SN, TH) 0,68 0,62 0,45
Süddeutschland (BW, BY) 0,74 0,65 0,43
Westdeutschland (NW, RP, HE, SL) 0,71 0,66 0,45
Migrationshintergrund *** *** n.s.
Ja 0,77 0,71 0,45
Nein 0,71 0,64 0,46
Anmerkungen: Alle Variablen haben einen Wertebereich von [0 – sehr unsicher; 1 – sehr sicher]. Analyseverfahren: Va-
rianzanalysen, Signifikanzniveau: *** p < 0,001; ** p < 0,01; * p < 0,05; n.s. = nicht signifikant (p ≥ 0,05). Der Signifikanztest
für die Varianzanalyse gibt an, ob sich der Mittelwert mindestens einer Gruppe von dem Mittelwert mindestens einer
anderen Gruppe unterscheidet.
Datenbasis: Bevölkerungsbefragung des ZMSBw 2021.
23
Des Weiteren unterscheidet sich die Einschätzung der persönlichen und weltweiten
Sicherheitslage statistisch signifikant nach Region: So fühlen sich die Bürgerinnen und
Bürger in Süddeutschland persönlich sicherer als jene in Ostdeutschland. Die weltweite
Sicherheitslage wird dagegen von den Befragten in Norddeutschland etwas positiver be-
wertet als in den anderen Regionen, während die nationale Sicherheitslage in allen Regi-
onen annähernd gleich positiv wahrgenommen wird. Abschließend ist festzustellen, dass
die Bürgerinnen und Bürger ohne Migrationshintergrund sich persönlich unsicherer füh-
len und auch die nationale Sicherheitslage kritischer bewerten als Befragte mit Migrati-
onshintergrund.
Festzuhalten ist, dass sich insbesondere Befragte mit einer Wahlabsicht für die AfD, nied-
rigem Einkommen (bis 2.000 Euro) und Wohnsitz in Ostdeutschland persönlich weniger
sicher fühlen und auch die nationale Sicherheitslage kritischer bewerten als die jeweiligen
Vergleichsgruppen. Insofern lassen sich diese Teilgruppen der deutschen Bevölkerung
durch eine stärker ausgeprägte subjektive Vulnerabilität charakterisieren.
4.4 Persönliche Bedrohungswahrnehmungen
Zusätzlich zur Beurteilung der Sicherheitslage wurden die Teilnehmerinnen und Teilneh-
mer gebeten, anzugeben, inwieweit sie bestimmte Faktoren als Bedrohung für ihre persön-
liche Sicherheit empfinden. Wie Tabelle 4.2 veranschaulicht, herrscht in der Bevölkerung
ein differenziertes Bewusstsein für die verschiedenen Faktoren, die die persönliche Sicher-
heitslage beeinflussen können. Die größten Risiken für die persönliche Sicherheit sind aus
Sicht der Befragten steigende Preise (53 Prozent; +5 Prozentpunkte im Vergleich zum Vor-
jahr), der weltweite Klimawandel (48 Prozent; +2 Prozentpunkte), die weltweite Ausbrei-
tung einer gefährlichen Krankheit oder Seuche (44 Prozent; keine Veränderung) und
die Zuwanderung nach Deutschland (43 Prozent; -2 Prozentpunkte). 9 Eine mögliche
Ansteckung mit dem Coronavirus (36 Prozent; -8 Prozentpunkte) wird ebenfalls von
einem großen Teil der Befragten als Bedrohung der persönlichen Sicherheit wahrgenom-
men. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieses Bedrohungsgefühl deutlich gesunken. Zu den
ökologischen Faktoren gehören neben der weltweiten Ausbreitung einer gefährlichen
9
Laut den Ergebnissen einer Bevölkerungsbefragung im Auftrag des German Marshall Fund und der
Bertelsmann-Stiftung sind aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger Pandemien, der weltweite Klimawan-
del und Immigration die drei größten Herausforderungen für Deutschland (Transatlantic Trends 2021).
Die Ergebnisse einer Bevölkerungsbefragung durch das Institut für Demoskopie Allensbach weisen die
Sorge vor einer weiteren Pandemie, die Auswirkungen des Klimawandels und Pflegebedürftigkeit im
Alter als die drei größten Bedrohungsfaktoren für die persönliche Sicherheit aus (Allensbach 2021).
24
Krankheit oder Seuche, der Ansteckung mit dem Coronavirus oder dem weltweiten Kli-
mawandel auch große Naturkatastrophen, wie z.B. schwere Stürme oder Überschwem-
mungen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Bedrohungsgefühl durch große Naturkatastro-
phen deutlich gestiegen (39 Prozent; +6 Prozentpunkte), was dem Umstand geschuldet
sein dürfte, dass sich die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz
Mitte Juli genau im Zeitraum der Bevölkerungsbefragung ereignete. Auch eine unzu-
reichende finanzielle Absicherung im Alter empfindet mehr als ein Drittel der Bürgerin-
nen und Bürger als eine Bedrohung für ihre persönliche Sicherheit (36 Prozent; -1 Pro-
zentpunkt). Diese Bedrohungsfaktoren belegen bereits seit Jahren die Spitzenplätze in der
ZMSBw-Bevölkerungsbefragung. Den Verlust des eigenen Arbeitsplatzes bzw. die
Schwierigkeit, einen Arbeitsplatz zu finden, empfindet dagegen nur ein Fünftel (20 Pro-
zent; -2 Prozentpunkte) der Befragten als eine Bedrohung der persönlichen Sicherheit.
Tabelle 4.2: Wahrgenommene Bedrohungen der persönlichen Sicherheitslage
„Inwieweit fühlen Sie sich persönlich zurzeit durch folgende Faktoren bedroht?“
(Angaben in Prozent, n = 1.331)
Trifft nicht Vgl. 2020
Nicht
Bedroht1 Teils/teils zu/
bedroht2 Bedroht1
W.n./k.A.
Steigende Preise 53 24 23 0 +5
Weltweiter Klimawandel durch die globale Erwärmung 48 26 27 0 +2
Weltweite Ausbreitung einer gefährlichen Krankheit
44 29 27 0 0
oder Seuche
Zuwanderung nach Deutschland 43 27 30 0 -2
Große Naturkatastrophen wie z.B. schwere Stürme
39 28 32 0 +6
oder Überschwemmungen
Ansteckung mit dem Coronavirus 36 29 34 0 -8
Unzureichende finanzielle Absicherung im Alter 36 23 39 1 -1
Religiöser Fundamentalismus in Deutschland 35 29 35 2 +1
Terroranschläge in Deutschland 31 32 37 0 0
Weltweites militärisches Wettrüsten 28 31 39 2 -3
Verbreitung von falschen Informationen über die
26 29 45 1 +2
Medien oder das Internet (Fake News)
Fremdenfeindlichkeit in Deutschland 24 23 53 0 -3
Kriminalität im Internet 24 28 47 1 +1
Internetangriff auf die Infrastruktur in Deutschland 23 29 45 3 +4
Spannungen zwischen dem Westen und Russland 23 27 48 2 +6
Störfall in einem Atomkraftwerk 22 26 51 1 0
Verlust des eigenen Arbeitsplatzes bzw. Schwierigkeit,
20 17 51 12 -2
einen Arbeitsplatz zu finden
Kriminalität in meinem Umfeld 19 29 52 0 -3
Spannungen zwischen dem Westen und China 17 25 56 2 Neu
Krieg in Europa 15 22 62 1 0
Spannungen zwischen Europa und den USA 14 22 63 2 -7
Zerfall der EU 14 21 63 2 -1
Anmerkungen: Nicht alle Prozentangaben ergeben in der Summe 100 Prozent, da die Einzelwerte gerundet wurden. 1)
Anteile „Stark bedroht“ und „Eher bedroht“ wurden zusammengefasst; 2) Anteile „Überhaupt nicht bedroht“ und „Eher
nicht bedroht“ wurden zusammengefasst. W.n./k.A.: Weiß nicht/keine Angabe.
Datenbasis: Bevölkerungsbefragungen des ZMSBw 2020–2021.
25
Ein Drittel der Bürgerinnen und Bürger nimmt religiösen Fundamentalismus in Deutsch-
land (35 Prozent; +1 Prozentpunkt) und Terroranschläge in Deutschland (31 Prozent;
keine Veränderung) als Bedrohungsfaktor wahr. Andere innenpolitische Gefahren wie
die Kriminalität im persönlichen Umfeld (19 Prozent; -3 Prozentpunkte) und Fremden-
feindlichkeit (24 Prozent; -3 Prozentpunkte) empfinden deutlich weniger Befragte als Be-
drohung ihrer persönlichen Sicherheit.
Mögliche Gefahren aus dem Cyber- und Informationsraum wie die Verbreitung von
Falschinformationen über die Medien oder das Internet (26 Prozent; +2 Prozentpunkte),
Kriminalität im Internet (24 Prozent; +1 Prozentpunkt) sowie Internetangriffe auf die Inf-
rastruktur in Deutschland (23 Prozent; +4 Prozentpunkte) gehören ebenfalls zu den we-
niger prominenten Bedrohungsfaktoren für die persönliche Sicherheit, werden aber im
Vergleich zum Vorjahr als größere Bedrohungen wahrgenommen.
Die insgesamt geringste Bedrohung stellen aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger außen-
politische Risiken dar, wie Spannungen zwischen dem Westen und China (17 Prozent;
neu), Krieg in Europa (15 Prozent; keine Veränderung), Spannungen zwischen Europa
und den USA (14 Prozent; -7 Prozentpunkte) oder der Zerfall der Europäischen Union
(14 Prozent; -1 Prozentpunkt). Ausnahmen sind die Faktoren weltweites militärisches
Wettrüsten, das von etwas mehr als einem Viertel der Befragten als persönliche Bedro-
hung empfunden wird (28 Prozent; -3 Prozentpunkte), und Spannungen zwischen dem
Westen und Russland (23 Prozent; +6 Prozentpunkte). Im Vergleich zum Vorjahr werden
die weiterhin angespannten Beziehungen zu Russland demnach von deutlich mehr Be-
fragten als eine Bedrohung für ihre persönliche Sicherheit wahrgenommen, während die
Beziehungen zwischen Europa und den USA unter US-Präsident Joe Biden von wesent-
lich weniger Bürgerinnen und Bürgern als Risikofaktor empfunden werden.
4.5 Bedrohungswahrnehmungen in soziodemografischen Gruppen
Analog zum Sicherheitsempfinden wurde untersucht, ob sich die Wahrnehmung der Be-
drohungsfaktoren zwischen den verschiedenen soziodemografischen Gruppen statistisch
signifikant unterscheidet. Da eine separate Betrachtung aller 22 Faktoren weder zielführend
noch praktisch darstellbar ist, werden diese in fünf thematische Blöcke zusammengefasst:
1) Außenpolitik; 2) Innenpolitik; 3) Ökonomie; 4) Ökologie; 5) Cyber- und Informations-
raum (vgl. Tabelle 4.3). 10
10
Aus den einzelnen Bedrohungsitems wurden entsprechend der thematischen Kategorisierung (vgl. Ta-
belle 4.3) Mittelwertindizes berechnet. Alle Bedrohungsskalen weisen eine annehmbare bis gute Relia-
bilität auf (Cronbachs alpha): Außenpolitik (0,85); Innenpolitik (0,75); Ökonomie (0,64); Ökologie
(0,75); Cyber- und Informationsraum (0,79).
26
Tabelle 4.3: Thematische Kategorisierung der wahrgenommenen Bedrohungsfaktoren
Außenpolitik Innenpolitik Ökonomie Ökologie Cyber- und
Informationsraum
Weltweites militärisches Zuwanderung Steigende Preise Ansteckung mit Verbreitung von
Wettrüsten dem Coronavirus Falschinformationen
Religiöser Altersarmut
Spannungen zwischen Fundamentalismus Pandemie Kriminalität im
Europa und den USA Arbeitslosigkeit Internet
Terroranschläge Klimawandel
Spannungen zwischen Internetangriff auf
dem Westen und China Fremdenfeindlichkeit Naturkatastrophen die Infrastruktur in
Kriminalität in Störfall in einem Deutschland
Spannungen
zwischen dem Westen meinem Umfeld Atomkraftwerk
und Russland
Zerfall der EU
Krieg in Europa
Um die verschiedenen soziodemografischen Gruppen besser miteinander vergleichen zu
können, werden erneut Mittelwerte berichtet. Dazu wurden die Antworten der Befragten
umkodiert, sodass ein hoher Mittelwert ein hohes Bedrohungsempfinden (Maximalwert
1) und ein niedriger Wert ein geringes Bedrohungsgefühl (Minimalwert 0) repräsentiert.
Tabelle 4.4 zeigt, dass in allen soziodemografischen Gruppen (im Mittel) ökologische
Risikofaktoren insgesamt als größte Bedrohung für die persönliche Sicherheit wahrge-
nommen werden (Mittelwert: 0,51), gefolgt von ökonomischen (0,48) und innenpoliti-
schen (0,46) Faktoren sowie Gefahren aus dem Cyber- und Informationsraum (0,42). Am
geringsten fühlen sich die Bürgerinnen und Bürger in ihrer persönlichen Sicherheit durch
außenpolitische Faktoren bedroht (0,37).
Durch außenpolitische Risikofaktoren fühlen sich die Anhänger von Bündnis 90/Die Grü-
nen, der FDP und der Partei Die Linke, die Bürgerinnen und Bürger in Norddeutschland
sowie Befragte ohne Migrationshintergrund im Durchschnitt stärker in ihrer persönlichen
Sicherheit bedroht als die jeweiligen Vergleichsgruppen. Befragte mit einem Hauptschul-
abschluss nehmen außenpolitische Gefahren etwas weniger als Bedrohung ihrer persön-
lichen Sicherheit wahr als Befragte mit höheren Bildungsabschlüssen. Zwischen Männern
und Frauen sowie den Alters- und Einkommensgruppen bestehen keine signifikanten Un-
terschiede in der Wahrnehmung außenpolitischer Risiken.
27
Tabelle 4.4: Bedrohungswahrnehmungen in soziodemografischen Gruppen
Bedrohungen nach thematischen Kategorien
(Mittelwerte)
Außen- Innen-
Ökonomie Ökologie Cyber
politik politik
Insgesamt 0,37 0,46 0,48 0,51 0,42
Geschlecht n.s. n.s. n.s. ** **
Männer 0,37 0,47 0,48 0,50 0,44
Frauen 0,37 0,45 0,49 0,52 0,41
Alter n.s. n.s. *** ** ***
16 bis 29 Jahre 0,36 0,45 0,50 0,49 0,47
30 bis 49 Jahre 0,38 0,46 0,50 0,50 0,45
50 bis 69 Jahre 0,37 0,47 0,48 0,53 0,42
70 Jahre und älter 0,36 0,45 0,42 0,51 0,32
Bildungsniveau * * *** * ***
Hochschul- bzw. Fachhochschulreife 0,37 0,44 0,45 0,50 0,44
Realschulabschluss 0,38 0,47 0,51 0,53 0,44
Hauptschulabschluss 0,35 0,47 0,49 0,51 0,38
Haushaltsnettoeinkommen pro Monat n.s. n.s. *** n.s. n.s.
4.001 Euro und mehr 0,36 0,45 0,42 0,49 0,44
2.001 bis 4.000 Euro 0,37 0,46 0,49 0,51 0,43
Bis 2.000 Euro 0,39 0,47 0,54 0,52 0,40
Wahlabsicht Bundestagswahl * *** *** *** ***
CDU/CSU 0,36 0,44 0,43 0,49 0,39
SPD 0,35 0,43 0,47 0,51 0,38
AfD 0,38 0,56 0,53 0,49 0,48
FDP 0,39 0,50 0,52 0,52 0,50
Die Linke 0,39 0,47 0,52 0,55 0,42
Bündnis 90/Die Grünen 0,40 0,44 0,51 0,57 0,46
Keine Parteipräferenz, Nichtwähler, w.n./k.A. 0,36 0,46 0,50 0,50 0,43
Region *** ** n.s. n.s. n.s.
Norddeutschland (SH, HH, HB, NI) 0,42 0,46 0,49 0,51 0,43
Ostdeutschland (MV, BB, BE, ST, SN, TH) 0,39 0,49 0,49 0,51 0,43
Süddeutschland (BW, BY) 0,34 0,45 0,49 0,51 0,43
Westdeutschland (NW, RP, HE, SL) 0,36 0,45 0,47 0,51 0,41
Migrationshintergrund *** ** n.s. * n.s.
Ja 0,31 0,41 0,48 0,48 0,40
Nein 0,37 0,46 0,48 0,51 0,42
Anmerkungen: Alle Variablen haben einen Wertebereich von [0 – überhaupt nicht bedroht; 1 – stark bedroht]. Analyse-
verfahren: Varianzanalysen, Signifikanzniveau: *** p < 0,001; ** p < 0,01; * p < 0,05; n.s. = nicht signifikant (p ≥ 0,05). Der
Signifikanztest für die Varianzanalyse gibt an, ob sich der Mittelwert mindestens einer Gruppe von dem Mittelwert min-
destens einer anderen Gruppe unterscheidet.
Datenbasis: Bevölkerungsbefragung des ZMSBw 2021.
28