zmsbwfb131bevlkerungsumfrage2021

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Tabelle 4.1: Sicherheitsempfinden in soziodemografischen Gruppen

  „Wie sicher fühlen Sie sich persönlich zurzeit?“ / „Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Sicherheitslage der
  Bundesrepublik Deutschland?“ / „Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Sicherheitslage weltweit?“
  (Mittelwerte)
                                                             Persönlich              Deutschland                Weltweit
  Insgesamt                                                      0,71                     0,65                     0,46

  Geschlecht                                                      n.s.                    n.s.                     n.s
      Männer                                                     0,72                     0,65                     0,45
      Frauen                                                     0,71                     0,65                     0,46

  Alter                                                           n.s.                    n.s.                      ***
      16 bis 29 Jahre                                            0,72                     0,67                     0,50
      30 bis 49 Jahre                                            0,72                     0,65                     0,45
      50 bis 69 Jahre                                            0,70                     0,65                     0,44
      70 Jahre und älter                                         0,71                     0,63                     0,46

  Bildungsniveau                                                     *                      *                        *
      Hochschul- bzw. Fachhochschulreife                         0,73                     0,67                     0,48
      Realschulabschluss                                         0,70                     0,64                     0,44
      Hauptschulabschluss                                        0,71                     0,64                     0,45

  Haushaltsnettoeinkommen pro Monat                                 ***                    ***                     n.s.
      4.001 Euro und mehr                                        0,74                     0,68                     0,48
      2.001 bis 4.000 Euro                                       0,72                     0,66                     0,47
      Bis 2.000 Euro                                             0,67                     0,61                     0,45

  Wahlabsicht Bundestagswahl                                        ***                    ***                      ***
      CDU/CSU                                                    0,75                     0,69                     0,49
      SPD                                                        0,75                     0,69                     0,48
      AfD                                                        0,60                     0,51                     0,40
      FDP                                                        0,70                     0,65                     0,45
      Die Linke                                                  0,71                     0,65                     0,44
      Bündnis 90/Die Grünen                                      0,72                     0,67                     0,47
      Keine Parteipräferenz, Nichtwähler, w.n./k.A.              0,69                     0,62                     0,43

  Region                                                            ***                   n.s.                      ***
      Norddeutschland (SH, HH, HB, NI)                           0,72                     0,66                     0,51
      Ostdeutschland (MV, BB, BE, ST, SN, TH)                    0,68                     0,62                     0,45
      Süddeutschland (BW, BY)                                    0,74                     0,65                     0,43
      Westdeutschland (NW, RP, HE, SL)                           0,71                     0,66                     0,45

  Migrationshintergrund                                             ***                    ***                     n.s.
      Ja                                                         0,77                     0,71                     0,45
      Nein                                                       0,71                     0,64                     0,46

Anmerkungen: Alle Variablen haben einen Wertebereich von [0 – sehr unsicher; 1 – sehr sicher]. Analyseverfahren: Va-
rianzanalysen, Signifikanzniveau: *** p < 0,001; ** p < 0,01; * p < 0,05; n.s. = nicht signifikant (p ≥ 0,05). Der Signifikanztest
für die Varianzanalyse gibt an, ob sich der Mittelwert mindestens einer Gruppe von dem Mittelwert mindestens einer
anderen Gruppe unterscheidet.
Datenbasis: Bevölkerungsbefragung des ZMSBw 2021.




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23

Des Weiteren unterscheidet sich die Einschätzung der persönlichen und weltweiten
Sicherheitslage statistisch signifikant nach Region: So fühlen sich die Bürgerinnen und
Bürger in Süddeutschland persönlich sicherer als jene in Ostdeutschland. Die weltweite
Sicherheitslage wird dagegen von den Befragten in Norddeutschland etwas positiver be-
wertet als in den anderen Regionen, während die nationale Sicherheitslage in allen Regi-
onen annähernd gleich positiv wahrgenommen wird. Abschließend ist festzustellen, dass
die Bürgerinnen und Bürger ohne Migrationshintergrund sich persönlich unsicherer füh-
len und auch die nationale Sicherheitslage kritischer bewerten als Befragte mit Migrati-
onshintergrund.
Festzuhalten ist, dass sich insbesondere Befragte mit einer Wahlabsicht für die AfD, nied-
rigem Einkommen (bis 2.000 Euro) und Wohnsitz in Ostdeutschland persönlich weniger
sicher fühlen und auch die nationale Sicherheitslage kritischer bewerten als die jeweiligen
Vergleichsgruppen. Insofern lassen sich diese Teilgruppen der deutschen Bevölkerung
durch eine stärker ausgeprägte subjektive Vulnerabilität charakterisieren.


4.4 Persönliche Bedrohungswahrnehmungen

Zusätzlich zur Beurteilung der Sicherheitslage wurden die Teilnehmerinnen und Teilneh-
mer gebeten, anzugeben, inwieweit sie bestimmte Faktoren als Bedrohung für ihre persön-
liche Sicherheit empfinden. Wie Tabelle 4.2 veranschaulicht, herrscht in der Bevölkerung
ein differenziertes Bewusstsein für die verschiedenen Faktoren, die die persönliche Sicher-
heitslage beeinflussen können. Die größten Risiken für die persönliche Sicherheit sind aus
Sicht der Befragten steigende Preise (53 Prozent; +5 Prozentpunkte im Vergleich zum Vor-
jahr), der weltweite Klimawandel (48 Prozent; +2 Prozentpunkte), die weltweite Ausbrei-
tung einer gefährlichen Krankheit oder Seuche (44 Prozent; keine Veränderung) und
die Zuwanderung nach Deutschland (43 Prozent; -2 Prozentpunkte). 9 Eine mögliche
Ansteckung mit dem Coronavirus (36 Prozent; -8 Prozentpunkte) wird ebenfalls von
einem großen Teil der Befragten als Bedrohung der persönlichen Sicherheit wahrgenom-
men. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieses Bedrohungsgefühl deutlich gesunken. Zu den
ökologischen Faktoren gehören neben der weltweiten Ausbreitung einer gefährlichen




9
    Laut den Ergebnissen einer Bevölkerungsbefragung im Auftrag des German Marshall Fund und der
    Bertelsmann-Stiftung sind aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger Pandemien, der weltweite Klimawan-
    del und Immigration die drei größten Herausforderungen für Deutschland (Transatlantic Trends 2021).
    Die Ergebnisse einer Bevölkerungsbefragung durch das Institut für Demoskopie Allensbach weisen die
    Sorge vor einer weiteren Pandemie, die Auswirkungen des Klimawandels und Pflegebedürftigkeit im
    Alter als die drei größten Bedrohungsfaktoren für die persönliche Sicherheit aus (Allensbach 2021).




                                                  24
24

Krankheit oder Seuche, der Ansteckung mit dem Coronavirus oder dem weltweiten Kli-
mawandel auch große Naturkatastrophen, wie z.B. schwere Stürme oder Überschwem-
mungen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Bedrohungsgefühl durch große Naturkatastro-
phen deutlich gestiegen (39 Prozent; +6 Prozentpunkte), was dem Umstand geschuldet
sein dürfte, dass sich die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz
Mitte Juli genau im Zeitraum der Bevölkerungsbefragung ereignete. Auch eine unzu-
reichende finanzielle Absicherung im Alter empfindet mehr als ein Drittel der Bürgerin-
nen und Bürger als eine Bedrohung für ihre persönliche Sicherheit (36 Prozent; -1 Pro-
zentpunkt). Diese Bedrohungsfaktoren belegen bereits seit Jahren die Spitzenplätze in der
ZMSBw-Bevölkerungsbefragung. Den Verlust des eigenen Arbeitsplatzes bzw. die
Schwierigkeit, einen Arbeitsplatz zu finden, empfindet dagegen nur ein Fünftel (20 Pro-
zent; -2 Prozentpunkte) der Befragten als eine Bedrohung der persönlichen Sicherheit.

Tabelle 4.2: Wahrgenommene Bedrohungen der persönlichen Sicherheitslage

  „Inwieweit fühlen Sie sich persönlich zurzeit durch folgende Faktoren bedroht?“
  (Angaben in Prozent, n = 1.331)
                                                                                               Trifft nicht   Vgl. 2020
                                                                                     Nicht
                                                           Bedroht1   Teils/teils                  zu/
                                                                                    bedroht2                  Bedroht1
                                                                                               W.n./k.A.
  Steigende Preise                                              53        24          23           0             +5
  Weltweiter Klimawandel durch die globale Erwärmung            48        26          27           0             +2
  Weltweite Ausbreitung einer gefährlichen Krankheit
                                                                44        29          27           0              0
  oder Seuche
  Zuwanderung nach Deutschland                                  43        27          30           0             -2
  Große Naturkatastrophen wie z.B. schwere Stürme
                                                                39        28          32           0             +6
  oder Überschwemmungen
  Ansteckung mit dem Coronavirus                                36        29          34           0             -8
  Unzureichende finanzielle Absicherung im Alter                36        23          39           1             -1
  Religiöser Fundamentalismus in Deutschland                    35        29          35           2             +1
  Terroranschläge in Deutschland                                31        32          37           0              0
  Weltweites militärisches Wettrüsten                           28        31          39           2             -3
  Verbreitung von falschen Informationen über die
                                                                26        29          45           1             +2
  Medien oder das Internet (Fake News)
  Fremdenfeindlichkeit in Deutschland                           24        23          53           0             -3
  Kriminalität im Internet                                      24        28          47           1             +1
  Internetangriff auf die Infrastruktur in Deutschland          23        29          45           3             +4
  Spannungen zwischen dem Westen und Russland                   23        27          48           2             +6
  Störfall in einem Atomkraftwerk                               22        26          51           1              0
  Verlust des eigenen Arbeitsplatzes bzw. Schwierigkeit,
                                                                20        17          51          12             -2
  einen Arbeitsplatz zu finden
  Kriminalität in meinem Umfeld                                 19        29          52           0             -3
  Spannungen zwischen dem Westen und China                      17        25          56           2            Neu
  Krieg in Europa                                               15        22          62           1              0
  Spannungen zwischen Europa und den USA                        14        22          63           2             -7
  Zerfall der EU                                                14        21          63           2             -1

Anmerkungen: Nicht alle Prozentangaben ergeben in der Summe 100 Prozent, da die Einzelwerte gerundet wurden. 1)
Anteile „Stark bedroht“ und „Eher bedroht“ wurden zusammengefasst; 2) Anteile „Überhaupt nicht bedroht“ und „Eher
nicht bedroht“ wurden zusammengefasst. W.n./k.A.: Weiß nicht/keine Angabe.
Datenbasis: Bevölkerungsbefragungen des ZMSBw 2020–2021.




                                                           25
25

Ein Drittel der Bürgerinnen und Bürger nimmt religiösen Fundamentalismus in Deutsch-
land (35 Prozent; +1 Prozentpunkt) und Terroranschläge in Deutschland (31 Prozent;
keine Veränderung) als Bedrohungsfaktor wahr. Andere innenpolitische Gefahren wie
die Kriminalität im persönlichen Umfeld (19 Prozent; -3 Prozentpunkte) und Fremden-
feindlichkeit (24 Prozent; -3 Prozentpunkte) empfinden deutlich weniger Befragte als Be-
drohung ihrer persönlichen Sicherheit.
Mögliche Gefahren aus dem Cyber- und Informationsraum wie die Verbreitung von
Falschinformationen über die Medien oder das Internet (26 Prozent; +2 Prozentpunkte),
Kriminalität im Internet (24 Prozent; +1 Prozentpunkt) sowie Internetangriffe auf die Inf-
rastruktur in Deutschland (23 Prozent; +4 Prozentpunkte) gehören ebenfalls zu den we-
niger prominenten Bedrohungsfaktoren für die persönliche Sicherheit, werden aber im
Vergleich zum Vorjahr als größere Bedrohungen wahrgenommen.
Die insgesamt geringste Bedrohung stellen aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger außen-
politische Risiken dar, wie Spannungen zwischen dem Westen und China (17 Prozent;
neu), Krieg in Europa (15 Prozent; keine Veränderung), Spannungen zwischen Europa
und den USA (14 Prozent; -7 Prozentpunkte) oder der Zerfall der Europäischen Union
(14 Prozent; -1 Prozentpunkt). Ausnahmen sind die Faktoren weltweites militärisches
Wettrüsten, das von etwas mehr als einem Viertel der Befragten als persönliche Bedro-
hung empfunden wird (28 Prozent; -3 Prozentpunkte), und Spannungen zwischen dem
Westen und Russland (23 Prozent; +6 Prozentpunkte). Im Vergleich zum Vorjahr werden
die weiterhin angespannten Beziehungen zu Russland demnach von deutlich mehr Be-
fragten als eine Bedrohung für ihre persönliche Sicherheit wahrgenommen, während die
Beziehungen zwischen Europa und den USA unter US-Präsident Joe Biden von wesent-
lich weniger Bürgerinnen und Bürgern als Risikofaktor empfunden werden.


4.5 Bedrohungswahrnehmungen in soziodemografischen Gruppen
Analog zum Sicherheitsempfinden wurde untersucht, ob sich die Wahrnehmung der Be-
drohungsfaktoren zwischen den verschiedenen soziodemografischen Gruppen statistisch
signifikant unterscheidet. Da eine separate Betrachtung aller 22 Faktoren weder zielführend
noch praktisch darstellbar ist, werden diese in fünf thematische Blöcke zusammengefasst:
1) Außenpolitik; 2) Innenpolitik; 3) Ökonomie; 4) Ökologie; 5) Cyber- und Informations-
raum (vgl. Tabelle 4.3). 10



10
     Aus den einzelnen Bedrohungsitems wurden entsprechend der thematischen Kategorisierung (vgl. Ta-
     belle 4.3) Mittelwertindizes berechnet. Alle Bedrohungsskalen weisen eine annehmbare bis gute Relia-
     bilität auf (Cronbachs alpha): Außenpolitik (0,85); Innenpolitik (0,75); Ökonomie (0,64); Ökologie
     (0,75); Cyber- und Informationsraum (0,79).




                                                   26
26

Tabelle 4.3: Thematische Kategorisierung der wahrgenommenen Bedrohungsfaktoren

  Außenpolitik               Innenpolitik           Ökonomie           Ökologie            Cyber- und
                                                                                           Informationsraum

  Weltweites militärisches   Zuwanderung            Steigende Preise   Ansteckung mit      Verbreitung von
  Wettrüsten                                                           dem Coronavirus     Falschinformationen
                             Religiöser             Altersarmut
  Spannungen zwischen        Fundamentalismus                          Pandemie            Kriminalität im
  Europa und den USA                                Arbeitslosigkeit                       Internet
                             Terroranschläge                           Klimawandel
  Spannungen zwischen                                                                      Internetangriff auf
  dem Westen und China       Fremdenfeindlichkeit                      Naturkatastrophen   die Infrastruktur in
                             Kriminalität in                           Störfall in einem   Deutschland
  Spannungen
  zwischen dem Westen        meinem Umfeld                             Atomkraftwerk
  und Russland
  Zerfall der EU
  Krieg in Europa



Um die verschiedenen soziodemografischen Gruppen besser miteinander vergleichen zu
können, werden erneut Mittelwerte berichtet. Dazu wurden die Antworten der Befragten
umkodiert, sodass ein hoher Mittelwert ein hohes Bedrohungsempfinden (Maximalwert
1) und ein niedriger Wert ein geringes Bedrohungsgefühl (Minimalwert 0) repräsentiert.
Tabelle 4.4 zeigt, dass in allen soziodemografischen Gruppen (im Mittel) ökologische
Risikofaktoren insgesamt als größte Bedrohung für die persönliche Sicherheit wahrge-
nommen werden (Mittelwert: 0,51), gefolgt von ökonomischen (0,48) und innenpoliti-
schen (0,46) Faktoren sowie Gefahren aus dem Cyber- und Informationsraum (0,42). Am
geringsten fühlen sich die Bürgerinnen und Bürger in ihrer persönlichen Sicherheit durch
außenpolitische Faktoren bedroht (0,37).

Durch außenpolitische Risikofaktoren fühlen sich die Anhänger von Bündnis 90/Die Grü-
nen, der FDP und der Partei Die Linke, die Bürgerinnen und Bürger in Norddeutschland
sowie Befragte ohne Migrationshintergrund im Durchschnitt stärker in ihrer persönlichen
Sicherheit bedroht als die jeweiligen Vergleichsgruppen. Befragte mit einem Hauptschul-
abschluss nehmen außenpolitische Gefahren etwas weniger als Bedrohung ihrer persön-
lichen Sicherheit wahr als Befragte mit höheren Bildungsabschlüssen. Zwischen Männern
und Frauen sowie den Alters- und Einkommensgruppen bestehen keine signifikanten Un-
terschiede in der Wahrnehmung außenpolitischer Risiken.




                                                       27
27

Tabelle 4.4: Bedrohungswahrnehmungen in soziodemografischen Gruppen

  Bedrohungen nach thematischen Kategorien
  (Mittelwerte)
                                                          Außen-         Innen-
                                                                                      Ökonomie       Ökologie        Cyber
                                                          politik        politik
  Insgesamt                                                 0,37          0,46           0,48           0,51          0,42

  Geschlecht                                                n.s.           n.s.           n.s.           **            **
      Männer                                                0,37          0,47           0,48           0,50          0,44
      Frauen                                                0,37          0,45           0,49           0,52          0,41

  Alter                                                     n.s.           n.s.           ***            **            ***
      16 bis 29 Jahre                                       0,36          0,45           0,50           0,49          0,47
      30 bis 49 Jahre                                       0,38          0,46           0,50           0,50          0,45
      50 bis 69 Jahre                                       0,37          0,47           0,48           0,53          0,42
      70 Jahre und älter                                    0,36          0,45           0,42           0,51          0,32

  Bildungsniveau                                              *             *             ***             *            ***
      Hochschul- bzw. Fachhochschulreife                    0,37          0,44           0,45           0,50          0,44
      Realschulabschluss                                    0,38          0,47           0,51           0,53          0,44
      Hauptschulabschluss                                   0,35          0,47           0,49           0,51          0,38

  Haushaltsnettoeinkommen pro Monat                         n.s.           n.s.           ***           n.s.          n.s.
      4.001 Euro und mehr                                   0,36          0,45           0,42           0,49          0,44
      2.001 bis 4.000 Euro                                  0,37          0,46           0,49           0,51          0,43
      Bis 2.000 Euro                                        0,39          0,47           0,54           0,52          0,40

  Wahlabsicht Bundestagswahl                                  *            ***            ***            ***           ***
      CDU/CSU                                               0,36          0,44           0,43           0,49          0,39
      SPD                                                   0,35          0,43           0,47           0,51          0,38
      AfD                                                   0,38          0,56           0,53           0,49          0,48
      FDP                                                   0,39          0,50           0,52           0,52          0,50
      Die Linke                                             0,39          0,47           0,52           0,55          0,42
      Bündnis 90/Die Grünen                                 0,40          0,44           0,51           0,57          0,46
      Keine Parteipräferenz, Nichtwähler, w.n./k.A.         0,36          0,46           0,50           0,50          0,43

  Region                                                     ***            **            n.s.          n.s.          n.s.
      Norddeutschland (SH, HH, HB, NI)                      0,42          0,46           0,49           0,51          0,43
      Ostdeutschland (MV, BB, BE, ST, SN, TH)               0,39          0,49           0,49           0,51          0,43
      Süddeutschland (BW, BY)                               0,34          0,45           0,49           0,51          0,43
      Westdeutschland (NW, RP, HE, SL)                      0,36          0,45           0,47           0,51          0,41

  Migrationshintergrund                                      ***            **            n.s.            *           n.s.
      Ja                                                    0,31          0,41           0,48           0,48          0,40
      Nein                                                  0,37          0,46           0,48           0,51          0,42

Anmerkungen: Alle Variablen haben einen Wertebereich von [0 – überhaupt nicht bedroht; 1 – stark bedroht]. Analyse-
verfahren: Varianzanalysen, Signifikanzniveau: *** p < 0,001; ** p < 0,01; * p < 0,05; n.s. = nicht signifikant (p ≥ 0,05). Der
Signifikanztest für die Varianzanalyse gibt an, ob sich der Mittelwert mindestens einer Gruppe von dem Mittelwert min-
destens einer anderen Gruppe unterscheidet.
Datenbasis: Bevölkerungsbefragung des ZMSBw 2021.




                                                             28
28

Das Bedrohungsgefühl durch innenpolitische Faktoren, wie Zuwanderung, Terrorismus
oder Kriminalität im persönlichen Umfeld, ist bei Anhängern der AfD oder FDP, den
Bürgerinnen und Bürgern in Ost- und Norddeutschland sowie den Befragten ohne Mig-
rationshintergrund im Durchschnitt stärker ausgeprägt als in den jeweiligen Vergleichs-
gruppen. Befragte mit höheren Bildungsabschlüssen empfinden innenpolitische Risiken
dagegen im Durchschnitt etwas weniger stark als Bedrohung der eigenen Sicherheit als
Befragte mit einem Real- oder Hauptschulabschluss. Zwischen Männern und Frauen so-
wie den verschiedenen Alters- und Einkommensgruppen lassen sich dagegen keine sig-
nifikanten Unterschiede im Bedrohungsgefühl durch innenpolitische Risikofaktoren fest-
stellen.
Das Bedrohungsgefühl durch mögliche ökonomische Risikofaktoren, wie Inflation, Ar-
beitslosigkeit oder Altersarmut, nimmt mit steigendem Alter sowie einem höheren Bil-
dungs- und Einkommensniveau signifikant ab. Die Bürgerinnen und Bürger mit einer
Wahlpräferenz für die CDU/CSU oder die SPD fühlen sich im Durchschnitt weniger stark
von ökonomischen Risiken bedroht als die Anhänger anderer Parteien und die Gruppe
der Nichtwähler. Zwischen Männern und Frauen, den Regionen sowie Befragten mit und
ohne Migrationshintergrund bestehen keine signifikanten Unterschiede in der wahrge-
nommenen Bedrohung durch ökonomische Risikofaktoren.
Ökologische Bedrohungsfaktoren wie der globale Klimawandel oder die Ansteckung mit
dem Coronavirus stellen für die Mehrheit der untersuchten soziodemografischen Gruppen
(im Mittel) die größte Sorge dar. Zwischen den soziodemografischen Teilgruppen beste-
hen nur schwach ausgeprägte Unterschiede in dieser Bedrohungswahrnehmung. Einzig
zwischen den Wählerinnen und Wählern sind größere Wahrnehmungsunterschiede zu be-
obachten. Die Anhänger der Parteien Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke sehen ihre
persönliche Sicherheit durch Umweltrisiken deutlich stärker bedroht als die Anhänger der
anderen Parteien und die Gruppe der Nichtwähler.
Die Sorge vor möglichen Gefahren aus dem Cyber- und Informationsraum, wie z.B. ein
Internetangriff auf die Infrastruktur in Deutschland oder die Verbreitung von Fake News,
nimmt mit steigendem Alter und geringerer Bildung ab. Männer nehmen virtuelle Risiken
eher als Bedrohung ihrer persönlichen Sicherheit wahr als Frauen. Deutlichere Unter-
schiede sind zwischen den Wählergruppen zu beobachten: Die Anhänger der FDP und
der AfD fühlen sich sehr viel stärker in ihrer persönlichen Sicherheit durch Cybergefahren
bedroht als Befragte mit einer anderen Wahlpräferenz, insbesondere für die SPD und die
CDU/CSU. Zwischen den Regionen, den Einkommensgruppen sowie Befragten mit und
ohne Migrationshintergrund bestehen keine signifikanten Unterschiede im Bedrohungs-
empfinden durch Gefahren aus dem Cyberraum.




                                           29
29

4.6 Die Beziehung zwischen Bedrohungswahrnehmungen und
    Sicherheitsempfinden

Sicherheit wurde eingangs definiert als ein Zustand, der durch die Abwesenheit von Be-
drohungen oder Gefahren gekennzeichnet ist. Deshalb soll nachfolgend untersucht wer-
den, welche Beziehung die fünf Bedrohungswahrnehmungen (vgl. Tabelle 4.3) zur Beur-
teilung der persönlichen, der nationalen und der weltweiten Sicherheitslage aufweisen.
Grundsätzlich zeigen die Ergebnisse in Tabelle 4.5, dass eine stärkere Wahrnehmung von
Gefahren mit einer negativeren Bewertung der Sicherheit einhergeht.

Tabelle 4.5: Bivariate Korrelationen zwischen Bedrohungswahrnehmungen und
             Sicherheitsempfinden

                                        Persönliche                 Nationale                  Weltweite
                                      Sicherheitslage            Sicherheitslage            Sicherheitslage
  Bedrohungswahrnehmungen
    Außenpolitik                          -0,39***                   -0,36***                   -0,08***
    Innenpolitik                          -0,45***                   -0,41***                   -0,14***
    Ökonomie                              -0,23***                   -0,23***                   -0,16***
    Ökologie                              -0,22***                   -0,23***                   -0,20***
    Cyber- & Informationsraum             -0,22***                   -0,18***                   -0,07***

Anmerkungen: Analyseverfahren: Bivariate Korrelation. Angegebene Werte: Pearson Korrelationskoeffizienten. Signifi-
kanzniveau: *** p < 0,001; ** p < 0,01; * p < 0,05; n.s. = nicht signifikant (p ≥ 0,05).
Datenbasis: Bevölkerungsbefragung des ZMSBw 2021.


Das persönliche Sicherheitsempfinden der Befragten weist die stärkste Beziehung zu den
wahrgenommenen innenpolitischen Faktoren wie Zuwanderung nach Deutschland oder
Terroranschläge in Deutschland auf. Überraschend stark fällt die Beziehung zwischen der
Wahrnehmung möglicher außenpolitischer Bedrohungen und der Bewertung der persön-
lichen Sicherheitslage aus. Dieser Befund scheint zunächst im Widerspruch zum Ergebnis
der bivariaten Analyse der Bedrohungsperzeptionen zu stehen (vgl. Tabelle 4.4), dass
außenpolitische Faktoren von der Bevölkerung im Mittel weniger stark als Bedrohung für
die persönliche Sicherheit gesehen werden als die anderen Bedrohungsfaktoren. Es ist
jedoch wichtig, zwischen dem Niveau bzw. der Ausprägung und dem Zusammenhang
von Variablen zu unterscheiden. Während außenpolitische Faktoren also insgesamt we-
niger stark als Bedrohung empfunden werden (Ausprägung), so haben sie – als themati-
scher Block – dennoch einen vergleichsweise starken Bezug (Zusammenhang) zur Beur-
teilung der persönlichen Sicherheitslage. Ökonomische und ökologische Bedrohungen
sowie Gefahren aus dem Cyberraum weisen einen schwächeren Zusammenhang zum per-
sönlichen Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger auf.
Die Beurteilung der nationalen Sicherheitslage steht ebenfalls am stärksten in Beziehung
zur Wahrnehmung innen- und außenpolitischer Faktoren, gefolgt von ökonomischen und




                                                        30
30

ökologischen Bedrohungen. Risiken aus dem Cyber- und Informationsraum haben den
vergleichsweise schwächsten Zusammenhang zur Einschätzung der nationalen Sicher-
heitslage. Die Bewertung der weltweiten Sicherheitslage weist nur relativ schwache Be-
ziehungen zu den fünf Bedrohungsdimensionen auf, wobei der vergleichsweise stärkste
Zusammenhang mit den ökologischen Faktoren besteht. Dieser Befund ist plausibel, sind
doch der Klimawandel und die Corona-Pandemie globale Risikofaktoren.


4.7 Der Einfluss von Bedrohungsperzeptionen auf die
    wahrgenommene Wichtigkeit der Bundeswehr

Wie eingangs erwähnt, erfüllt die Bundeswehr im Rahmen der gesamtstaatlichen Sicher-
heitsvorsorge eine Vielzahl von Aufgaben im In- und Ausland, die zum Schutz der Bür-
gerinnen und Bürger vor unterschiedlichen Bedrohungen beitragen. Kurzum: Die Bun-
deswehr schützt vor einer Vielzahl Bedrohungen. Vor diesem Hintergrund soll folgende
Hypothese überprüft werden: Je stärker die Wahrnehmung von Bedrohungen, deren Be-
kämpfung bzw. Abwehr grundsätzlich zum Aufgabenbereich der Bundeswehr zählt,
desto stärker ist die Überzeugung, dass die Bundeswehr für Deutschland wichtig ist.
In der ZMSBw-Bevölkerungsbefragung wurden insgesamt 22 Risikofaktoren für die per-
sönliche Sicherheit erfasst (vgl. Tabelle 4.2). Nicht alle Bedrohungsfaktoren fallen in den
Zuständigkeitsbereich der Bundeswehr, wie z.B. steigende Preise oder Kriminalität im
Internet. Bedrohungsfaktoren mit fehlendem Bezug zu den Aufgabenbereichen der Bun-
deswehr werden in der nachfolgenden Analyse nicht berücksichtigt. Grundsätzlich lassen
sich zwei Gruppen relevanter Bedrohungsfaktoren voneinander unterscheiden: Faktoren,
die einen direkten Inlandsbezug aufweisen und die ohne direkten Inlandsbezug (vgl. Ta-
belle 4.6). Die zwei Gruppen von Bedrohungsperzeptionen werden in zwei Indexvariab-
len zusammengefasst, die einen Wertebereich von 0 (schwaches Bedrohungsgefühl) bis
1 (starkes Bedrohungsgefühl) haben. 11




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     Die Indexvariablen „Sicherheitsbedrohungen mit direktem Inlandsbezug“ (Cronbachs alpha = 0,71) und
     „Sicherheitsbedrohungen ohne direkten Inlandsbezug“ (Cronbachs alpha = 0,79) weisen eine gute Ska-
     lenreliabilität auf.




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Tabelle 4.6: Wahrgenommene Sicherheitsbedrohungen im Aufgabenbereich
             der Bundeswehr

 Sicherheitsbedrohungen ohne direkten Inlandsbezug        Sicherheitsbedrohungen mit direktem Inlandsbezug

 Weltweites militärisches Wettrüsten                      Ansteckung mit dem Coronavirus 12
 Spannungen zwischen dem Westen und Russland              Pandemie
 Spannungen zwischen dem Westen und China                 Naturkatastrophen
 Krieg in Europa                                          Terroranschläge in Deutschland
                                                          Internetangriff auf die Infrastruktur in Deutschland 13

Datenbasis: Bevölkerungsbefragung des ZMSBw 2021.


Ziel der nachfolgenden Analyse ist es, den Einfluss der Bedrohungsperzeptionen auf die
Einschätzung, wie wichtig die Bundeswehr für Deutschland ist, zu bestimmen. Hierzu
wurde eine Reihe von linearen multiplen Regressionsanalysen berechnet, die es ermögli-
chen, Zusammenhänge zwischen mehreren unabhängigen (erklärenden) Variablen und
einer abhängigen (zu erklärenden) Variable zu bestimmen. Als abhängige Variable die-
nen die Antworten auf die Frage „Wie wichtig ist die Bundeswehr Ihrer Meinung nach
für Deutschland?“. Die Antworten wurden auf den Wertebereich 0 (sehr unwichtig) bis 1
(sehr wichtig) umkodiert. Zentraler Teil von Regressionsanalysen sind die Regressions-
koeffizienten für jede einzelne im Modell berücksichtigte unabhängige Variable. Diese
Koeffizienten geben an, ob und wenn ja, wie stark und in welcher Weise (positiv oder
negativ) sich ein Erklärungsfaktor auf die abhängige Variable auswirkt (vgl. Methoden-
anhang, Abschnitt 3.4). Neben dem Einfluss der Bedrohungsperzeptionen ist der Einfluss
weiterer Variablen zu berücksichtigen. Es ist anzunehmen, dass die empfundene Wich-
tigkeit der Bundeswehr durch die folgenden Faktoren beeinflusst wird: Diensterfahrung
in der Bundeswehr; Angehörige oder Freunde in der Bundeswehr; das Interesse für Ver-
teidigungspolitik; die Verbundenheit mit Deutschland; die grundlegende Einstellung zur
Bundeswehr; die Beurteilung der Leistung der Bundeswehr bei ihren Einsätzen im In-
und Ausland (vgl. Graf 2021a: 42–45).
Insgesamt wurden drei Modelle berechnet (vgl. Tabelle 4.7): Die Modelle I und II be-
rücksichtigen stets den Einfluss der soziodemografischen Kontrollvariablen sowie einer
Gruppe von Erklärungsvariablen auf die empfundene Wichtigkeit der Bundeswehr. Der
Einfluss der soziodemografischen Kontrollvariablen wird nicht gesondert ausgewiesen,



12
     Der Bedrohungsfaktor „Ansteckung mit dem Coronavirus“ wird im Aufgabenbereich der Bundeswehr
     verortet, weil sie im Rahmen der Amtshilfe z.B. an der Nachverfolgung von Infektionsketten oder beim
     Betrieb der Impfzentren beteiligt war.
13
     Der Bedrohungsfaktor „Internetangriff auf die Infrastruktur in Deutschland“ wird im Aufgabenbereich
     der Bundeswehr verortet, weil sie im Rahmen der Amtshilfe z.B. an der Wiederherstellung der IT-
     Infrastruktur im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, die Anfang August 2021 durch einen Hackerangriff zer-
     stört wurde, beteiligt war.




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