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Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Medizinkonzeption 2030“
Bei Zusammenlegung der Gefäßchirurgien am Standort Leonberg kann mit
rund 300 Fällen mehr am Standort Leonberg gerechnet werden
Es sollte geprüft werden, ob für die Zeit bis zur
Inbetriebnahme des FFK eine Alternative zum Weiterbetrieb
von 2 Gefäßchirurgien besteht
Die Patientenherkunft hat gezeigt, dass sich die Standorte
Sindelfingen und Leonberg das Einzugsgebiet im Landkreis
Böblingen weitestgehend teilen
Bei Verlagerung der Gefäßchirurgie aus Sindelfingen nach
Leonberg kann eine Ausweitung des Einzugsgebietes
Leonbergs in südliche Richtung erwartet werden.
Verlagerungsverluste aus dem Kerneinzugsgebietes
Sindelfingen in Richtung Stuttgart sind dennoch wahrscheinlich
63% der Fälle der Gefäßchirurgie Sindelfingens stammen aus
den eingefärbten Gebieten
Bei Annahme eines 20%igen Verlagerungsverlustes an
Wettbewerber in den eingefärbten Gebieten, würde dies rund
300 Fälle mehr für den Standort Leonberg bedeuten
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Gefäßchirurgische Abteilungen sind derzeit sowohl in Sindelfingen als auch in
Leonberg verortet, diese sollten zusammengeführt werden
Zusammenfassung Analysen zur Gefäßchirurgie
• Zukünftig ist die gefäßchirurgische Leistungserbringung an nur noch einem Standort vorgesehen
• Aufgrund des Versorgungsauftrags kann dieser Standort nur das FFK sein
• Diese Zusammenführung am FFK ist sowohl Beschlussstand als auch krankenhausplanerisch abgestimmt und vorgesehen
• Bis zur Inbetriebnahme des FFK zeigen sich jedoch Doppelstrukturen, da sowohl in Leonberg als auch in Sindelfingen gefäßchirurgische
Abteilungen vorgehalten werden
• Daher ist die Frage zu beantworten, ob diese Doppelstrukturen schon vor Inbetriebnahme des FFK abgebaut werden sollen
• Beide gefäßchirurgischen Abteilungen arbeiten (Stand 2022) nicht kostendeckend
Eine Reduzierung der Gefäßchirurgien schon vor Inbetriebnahme des FFK wird empfohlen
Eine Zusammenführung kann dabei an beiden Standorten (Leonberg, Sindelfingen) erfolgen
Aufgrund des Einzugsgebiets und der Fallzahlen zeigen sich leichte Vorteile für den Standort Leonberg
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Einblick in ausgewählte
Analyseergebnisse
Geburtshilfe Geriatrie Gefäßchirurgie Neurochirurgie
Die Bedarfsnotwendigkeit einer Klinik für Neurochirurgie
Bedarfsnotwendigkeit einer
am Flugfeldklinikum zeigt sich in 5 Argumenten Neurochirurgie
niedrig hoch
Wachsender neurochirurgischer Versorgungsbedarf
Eine zunehmende Anzahl von Patienten, die einen neurologischen bzw.
neurochirurgischen Interventionsbedarf aufweisen ist zu sehen und wird sich mit Blick auf
die demografische Entwicklung weiter erhöhen.
niedrig hoch
Versorgungslücke im nordöstlichen Schwarzwald
Derzeit keine neurochirurgischen Kliniken im nordöstlichen Schwarzwald vorhanden. Eine
Neurochirurgie am Flugfeldklinikum hat positive Effekte für ein Einzugsgebiet von 775.000
Einwohnern.
niedrig hoch
Qualität der umfassenden Notfallversorgung
Für die zeitkritische Versorgung im Bereich der Neurochirurgie ist eine flächendeckende
Versorgungsinfrastruktur sicherzustellen (Neurovaskuläre Notfälle im Rahmen der
Versorgung von Schlaganfällen, Polytraumapatienten). Minimierung von Fahrzeiten im
Nordöstlichen Schwarzwald und daran angrenzende Gebiete durch NCH am Flugfeld.
niedrig hoch
Regionale Versorgung der Bevölkerung
Wohnortnahe und interdisziplinäre Versorgung für neuroonkologische Patienten von
großer Bedeutung. Auch aufgrund der zunehmenden Bedeutung von degenerativen
Wirbelsäulenerkrankungen ist eine Stärkung der vorhandenen Expertise notwendig.
niedrig hoch
Interne Versorgungsbedarfe im KVSW
Hohe interne Versorgungsbedarfe in den Fachabteilungen für Neurologie, Orthopädie und
Unfallchirurgie. Stärkung des Flugfeldklinikums in der Rolle als Maximalversorger.
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Wachsender neurochirurgischer Versorgungsbedarf in typischen
neurochirurgischen DRGs in der Region zu sehen
Stationäre Krankenhausfälle für die Basis-DRGs B01, B02, B13, B20, B21 aus den LK Böblingen, Calw und Freudenstadt
+22,7%
491 498
500 466
436 435 440
450 421 414
406 402 404
400 365
350
300
250
200
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Fallzahl Landkreise
lfd. Nr. DRG DRG-Name Böblingen, Calw u.
Freudenstadt 2021
A B C D
1 B01 Mehrzeitige komplexe OR-Prozeduren bei Krankheiten und Störungen des Nervensystems 11
2 B02 Komplexe Kraniotomie oder Wirbelsäulen-Operation 90
3 B13 Epilepsiechirurgie mit invasivem präoperativen Video-EEG 3 Kernmessage: Insgesamt wachsender Bedarf
4 B20 Kraniotomie oder große Wirbelsäulen-Operation oder andere Eingriffe am Schädel, Alter < 12 Jahre 379 für Neurochirurgie
5 B21 Implantation eines Neurostimulators zur Hirnstimulation, Mehrelektrodensystem 15
Quelle: DRG-Statistik des statistischen Bundesamtes © Lohfert & Lohfert AG (2023). Alle Rechte vorbehalten. 99
Neurochirurgische
Versorgungsstrukturen
Dargestellt sind jene Standorte
die nach Qualitätsbericht 2021
neurochirurgische
Fachabteilungen ausweisen,
klassifiziert nach den stationären
Kein Versorger im
Fallzahlen
westlichen Baden-
Württemberg
Von Böblingen aus sind
insbesondere das Klinikum
Stuttgart sowie das UK
Tübingen relevant für die
neurochirurgische Versorgung
Insgesamt zeigt sich im
Westen des Landes eine
Versorgungslücke und damit
das Potenzial für einen
weiteren Standort Kernmessage: Das wettbewerbliche Umfeld
zeigt einen Bedarf für einen Versorger im
westlichen Baden-Württemberg
Quelle: Daten der Qualitätsberichte 2021 © Lohfert & Lohfert AG (2023). Alle Rechte vorbehalten. 100
Ein virtuelles
Einzugsgebiet um
das FFK hätte fast
800 Tsd. Einwohner
Ein „virtuelles Einzugsgebiet“
(Entscheidung nach kürzester
Universitätsklinikum
Fahrzeit) vom Standort Flugfeld
Straßburg
umfasst den Landkreis Böblingen
sowie westlich angrenzende
Regionen
Dieses Einzugsgebiet des Offenburg und Lahr mit
„Sektion“ für NCH, aber
Standortes Flugfeld umfasst über nicht im KH-Plan
775.000 Einwohner und liegt damit verzeichnet
deutlich oberhalb der kritischen Berücksichtigung
ändert Einzugsgebiet
Grenze für neurochirurgische aufgrund des
Leistungserbringung (von mind. Straßennetzes im
500.000 Ew.) Schwarzwald nur
unwesentlich
Kernmessage: Geografisch zeigt sich ein
Bedarf für neurochirurgische Versorgung für
den Südosten des Regierungsbezirkes
Karlsruhe
Quelle: Daten der Qualitätsberichte 2021/ KH-Plan BaWü © Lohfert & Lohfert AG (2023). Alle Rechte vorbehalten. 101
Neurochirurgische Versorgung derzeit im FFK nicht vorgesehen, verschiedene
Analysen verdeutlichen den hohen Stellenwert
Zusammenfassung Analysen zur Neurochirurgie
• Für die Neurochirurgie wird ein wachsender Versorgungsbedarf (Anzahl stationär zu behandelnder Fälle) prognostiziert. Trotz Corona
Pandemie sind historisch FZ-Steigerungen sichtbar
• Es zeigt sich in Teilen eine Unterversorgung in Richtung des nördlichen Schwarzwalds
• Diese Unterversorgung könnte durch die Etablierung einer Neurochirurgie am FFK zu Teilen behoben werden
• Für die internen Verlegungsketten und zur Generierung von höheren Marktanteilen wäre eine neurochirurgische Versorgung am FFK ein
erheblicher Gewinn für den KVSW
• Das notwendige Einzugsgebiet für eine hypothetische Neurochirurgie am FFK beträgt zukünftig fast 800 Tsd. Einwohner und liegt damit
oberhalb dessen was als Mindesteinzugsgebiet definiert ist
• Insbesondere die Notfallversorgung in den beiden LK würde durch die Etablierung der Neurochirurgie erheblich profitieren
Klare Empfehlung neurochirurgische Leistungen am FFK zu etablieren. Um eine umfassende
Schlaganfallversorgung (Abrechnung des OPS-Kode 8-981.3) zu gewährleisten ist zusätzlich das Angebot von
Leistungen der interventionellen Neuroradiologie nötig. Dieses Angebot sollte daher ergänzend hinzugefügt
werden, hier besteht aber kein krankenhausplanerischer Anpassungsbedarf.
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Dieses Gutachten untergliedert sich in die folgenden Punkte
Einführende Hinweise
Ausgangslage
Ergebnisse der Kernanalysen
Detailanalysen und Strukturstresstest
•Detailanalysen zu medizinkonzeptionellen Fragestellungen
•Ergebnisse des Strukturstresstests
Handlungsempfehlungen, Perspektiven und strategisches Konzept
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Der Strukturstresstest soll die Strukturen der
Standorte auf eine zukunftsfähige
Leistungserbringung untersuchen Anmerkungen
Untersuchte und bewertete Elemente des Strukturstresstests Es wurden diverse Analysen durchgeführt, um die
Zukunftsfähigkeit der Leistungserbringung zu
bewerten
Mengengerüste / Strukturvorgaben
Ohne zukunftsfähige Strukturen riskiert der KVSW
den Wegfall einzelner Versorgungsbestandteile
Versorgungsauftrag /
Erreichbarkeiten / Sicherstellungen Auf einen solchen Wegfall kann nur sehr schlecht
reagiert werden, dadurch besteht ein hohes Risiko
Ressourceneffizienz, Leistungselemente dauerhaft zu verlieren
personelle Betreibbarkeit Zukunftsfähige Der Strukturstresstest stellt daher ein zentrales
Leistungs- Element der gutachterlichen Bewertung dar
erbringung
Wirtschaftlichkeit
Die offenbarten Auffälligkeiten sollten im
Medizinkonzept gewürdigt und entsprechend
zukunftsfähig gemacht werden
Infrastruktur, Praktikabilität
Konformitätsprüfung mit
Krankenhausreform
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