unterlagen-dienstag-tagungsband-31-reha-koll-2022-auszug-post-covid-geschwaerzt
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Korrespondenz mit der DRV Bund zum Thema Long Covid und ME/CFS“
Marker der Blutgerinngen bestimmt. Anschließend erfolgte eine Beurteilung der kardio-
pulmonalen Leistungsfähigkeit mittels, EKG, 6 Minuten-Gehtest (zu Beginn und am Ende der
Rehabilitation), Bodyplethysmographie mit Diffusionskapazität und ein Belastungs-EKG. Eine
neurologische Statuserhebung sowie die selektive Durchführung von Geruchs- und
Hirnleistungs-Messung erweiterten die körperliche Untersuchung, ebenso wie die BIA-
Messung. Die Beurteilung der Einschränkung der Lebensqualität, Angst- und Depressions-
Symptomatik sowie der Fatigue-Symptomatik erfassten wir mithilfe der Fragebögen SF-36,
HADS, LQ-11. Darüber hinaus wurde die Dauer der AU nach der Erkrankung erfasst.
Ergebnisse
Basierend auf den oben genannten Untersuchungen sollen hier die ersten klinischen
Beobachtungen vorgestellt werden. Insgesamt wurden 147 Pat. untersucht von denen 38%
männlich waren und ein Durchschnittsalter von 52,2 Jahren aufwiesen. 7% arbeiteten im
sozial-medizinischen Bereich. Das klinische Bild zeigte sich sehr heterogen mit einer Vielzahl
von Symptomen. Durchschnittlich boten die Pat. 22 verschiedene Symptome bzw. Befunde.
Diese dauerten durchschnittlich 71 d an.Die wesentlichen klinischen Symptome und Befunde
verteilen sich wie folgt:
Sauerstoffpflichtigkeit bei Aufnahme: 11,6%
Belastungsdyspnoe: 95,7%
Auffälliges Thorax-CT: 81,7%
Konzentrations-/ Gedächtnisstörungen: 56.9%
Geruchs-/ Geschmacksstörungen: 27,6%
Neurologische Auffälligkeiten: 22,4%
Schlafstörungen 66,4%
Fatigue: 91%
Die Laboranalysen ergaben folgende erhöhte Laborparameter
Hba1c D-Dimere Fibrinogen ANA GPT CK TNI BNP
46% 73% 48% 19% 21% 4% 9% 21%
Diskussion und Fazit
Die bei unseren Patienten erhobenen Langzeitsymptome und Laborbefunde decken sich mit
den Angaben aus der aktuellen Literatur. (3,4) So sehen wir als häufigstes Symptom eine
Belastungsdyspnoe und eine Fatigue-Symptomatik. Laborchemisch zeigt sich, bei bis zu,
48% der Pat. eine andauernde Gerinnungsaktivierung und bei 46% eine entgleiste
Blutzuckerkonstellation innerhalb der letzten 3 Monate, wobei nur bei 34% der Pat. vor der
COVID Erkrankung ein Diabetes mellitus bekannt war. Jeder 5te Pat zeigte laborchemisch
eine ventrikuläre Funktionsstörung und bei 9% zeigte sich ein laborchemisch ein Hinweis auf
einen Myocardschaden.
Die in dieser Untersuchung erhobenen Daten zeigen, dass es sich beim Post-COVID
Syndrom um ein multifaktorielles Erkrankungsbild handelt, welches der Kompetenz des
gesamten multiprofessionellen Rehabilitationsteams bedarf. Hinsichtlich der Kompetenz des
Therapieteams haben wir, in einem internen Lernprozess, in den letzten 18 Monaten eine
Expertise aufbauen müssen, so dass wir anregen möchten, dass Post-COVID Pat. in Kliniken
340
behandelt werden, die über eine entsprechende Expertise und Erfahrung verfügen bzw. diese
entwickelt haben.
Literatur
Guan WJ, Ni ZY, Hu Y, Liang WH, Ou CQ, He JX, Liu L, Shan H, Lei CL, Hui DSC, Du B, Li
LJ, Zeng G, Yuen KY, Chen RC, Tang CL, Wang T, Chen PY, Xiang J, Li SY, Wang JL,
Liang ZJ, Peng YX, Wei L, Liu Y, Hu YH, Peng P, Wang JM, Liu JY, Chen Z, Li G, Zheng
ZJ, Qiu SQ, Luo J, Ye CJ, Zhu SY, Zhong NS (2020). Clinical Characteristics of
Coronavirus Disease 2019 in China. China Medical Treatment Expert Group for Covid-19.
N Engl J Med., 382(18):1708-1720. doi: 10.1056/NEJMoa2002032. PMID: 32109013.
National Institute for Health and Care Excellence (NICE), Scottish Intercollegiate Guidelines
Network (SIGN) and Royal College of General Practitioners (RCGP) (2020). COVID 19
rapid guideline: managing COVID-19 long term effects. NICE guideline.
https://www.nice.org.uk/guidance/ng188
Lenzen-Schulte, M (2020). Long COVID. Der lange Schatten von COVID-19 Dtsch Arztebl;
117(49): A-2416 / B-2036
Lopez-Leon, S., Wegman-Ostrosky, T., Perelman, C., Sepulveda, R., Rebolledo, P. A.,
Cuapio, A., & Villapol, S. (2021). More than 50 Long-term effects of COVID-19: a systematic
review and meta-analysis. medRxiv : the preprint server for health sciences,
2021.01.27.21250617. https://doi.org/10.1101/2021.01.27.21250617
Erhebung von PROMs zur vergleichenden Ergebnisqualität in der
psychosomatischen Rehabilitation - Ergebnisse einer Pilotphase
Volker Beierlein¹; Ralf Bürgy²; Torsten Kirsch³; Johannes Kneißl⁴; Matthias Köhler³;
Annabelle Neudam⁵; Holger Schulz¹
¹ Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf; ² MediClin GmbH & Co. KG;
³ VAMED Gesundheit Deutschland; ⁴ Medical Park SE ; ⁵ 4QD-Qualitätskliniken.de GmbH
Hintergrund und Zielstellung
Die patientenzentrierte Erfassung der Ergebnisqualität einer medizinischen Leistung nimmt
einen immer höheren Stellenwert in der Evaluierung der medizinischen Leistungen ein (Pross
et al., 2017; Black, 2013). Auch im Bereich der Rehabilitation gewinnt die Erhebung von
Patient-Reported Outcome Measures (PROMs) als Instrument der Qualitätssicherung mehr
und mehr an Bedeutung, wobei Mehrpunktmessungen (insbesondere Anfang und Ende der
Rehabilitation sowie Katamnese) als Goldstandard angesehen werden. Durch die
Verwendung standardisierter Fragebögen können PROMs-Erhebungen auch für den direkten
Vergleich zwischen verschiedenen Einrichtungen sowohl auf nationaler als auch auf
internationaler Ebene genutzt werden (Devlin und Appleby, 2010).
Im Rahmen einer aktuellen Pilotstudie der Qualitätsinitiative 4QD - Qualitätskliniken.de wurde
der Einsatz standardisierter PROMs in der Psychosomatischen Rehabilitation zur Messung
der Ergebnisqualität sowie ein Verfahren der Risikoadjustierung mittels a priori definierter
Confounder erprobt, um gemeinsam mit den beteiligten Kliniken einen international
341