endbericht-machbarkeitsstudie-waldkappeler-bahn-final
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Veröffentlichung Machbarkeitsstudien Reaktivierung von Schienenstrecken in Nordhessen“
Planfall 1b – Straßenbahn Expresslinie Pro Jahr steigt die Linienleistung auf der Linie 8 um 270.778 Kilometer. Durch den Wegfall einzelner Straßenbahnverbindungen zwischen Oberkaufungen und Hes- sisch-Lichtenau reduzieren sich die Fahrplankilometer der Straßenbahnlinie 4 im Vergleich zum Ohnefall um 103.400 Kilometer. Insgesamt entsteht somit in diesem Planfall eine Erhöhung des Angebots bei der Straßenbahn um 167.378 Kilometer im Vergleich zum Ohnefall. Aufgrund der Verminderung des Angebots auf der Linie 4 kann die zusätzliche Leis- tung auf der Linie 8 mit dem bestehenden Fuhrpark abgedeckt werden und es ent- steht somit kein zusätzlicher Fahrzeugbedarf. TTK GmbH 03/21 Seite 49/98
Planfall 2a – RegioTram Expresslinie ab Sandershäuser Straße
7 Planfall 2a – RegioTram Expresslinie ab San-
dershäuser Straße
Im Planfall 2a ist die Einrichtung einer Expressverbindung zwischen der Kasseler
Innenstadt und Hessisch-Lichtenau vorgesehen. Dafür wird die bisherige Strecken-
führung der RegioTram-Linie 5 (RT5) ab der Haltestelle Scheidemannplatz zur Hal-
testelle Auestadion aufgegeben. Stattdessen fährt sie von Kassel Hauptbahnhof
kommend ab Scheidemannplatz über den Lutherplatz zur Haltestelle Am Stern.
Von dort folgt die RT5 dem Streckenverlauf der Linie 4 mit folgenden Änderungen:
1. Neuer Abzweig und Nutzung der Lossetalbahn
► Nach der Sandershäuser Straße zweigt die RT5 ab und fädelt über eine
neu einzurichtende Systemwechselstelle in den Bahnhof Bettenhausen
ein. Im Bahnhof ist eine neue Haltestelle Bahnhof Bettenhausen vorgese-
hen. Die RT5 folgt anschließend der Lossetalbahn bis zur Haltestelle Kau-
fungen Papierfabrik.
2. Neue Andienung bzw. Errichtung der Haltestellen:
► Bahnhof Bettenhausen,
► Ochshäuser Straße
► und Heinrich-Steul-Straße.
3. Keine Andienung der Haltestellen:
► Kaufungen Industriestraße,
► und Niederkaufungen Mitte.
1. Nutzung der Umfahrung Kaufungen ohne Andienung der Haltestellen:
► Rieckswiesen,
► Gesamtschule,
► und Oberkaufungen Mitte.
7.1 Infrastrukturmaßnahmen
In diesem Kapitel werden die Infrastrukturmaßnahmen für Variante 2a vorgestellt.
Nicht erwähnte Infrastrukturelemente im Bestand bleiben unverändert.
Hinweis zum Planfall 2a:
Die Maßnahmen des Planfalls 2a im Bereich Bahnhof Bettenhausen bedin-
gen in jedem Falle eine Einbindung der Signaltechnik in das Stellwerk Betten-
hausen. Das Stellwerk, Baujahr um 1910, ist allerdings eines der ältesten
TTK GmbH 03/21 Seite 50/98
Planfall 2a – RegioTram Expresslinie ab Sandershäuser Straße
Stellwerke in Deutschland. Nach Aussage der DB AG ist es nicht mehr um-
baufähig. Die DB AG beabsichtigt auch auf Sicht kein Ersatzbau durch ein
modernes DSTW. Alle nachfolgenden Planungen der Variante 2a, welche ein
DSTW erfordern, sind daher nur zur Vervollständigung der Planung zu be-
trachten. Solange ein DSTW nicht errichtet wird, ist der gesamte Planfall 2a in
der vorliegenden Form nicht umsetzbar.11
Sandershäuser Straße
Im Planfall 2a ist eine Ausfädelung der RegioTram an der Leipziger Straße geplant.
Aktuell existiert eine BOStrab-Trasse für die Straßenbahn in der Leipziger Straße
sowie die EBO-Trasse der Lossetalbahn im Bahnhof Bettenhausen. Für die Ausfä-
delung ist eine Verbindung der Gleise im Bahnhof Bettenhausen, und somit der als
Lossetalbahn weiterführenden Gleise in Richtung Kaufungen Papierfabrik, und der
Straßenbahngleise in der Leipziger Straße herzustellen. Diese neue Verbindung ist
baulich, signaltechnisch und von Seiten der einzuhaltenden Vorschriften als relativ
komplex einzustufen.
Im Bahnhof Bettenhausen wäre über den Erwerb des Gleises 1 die Möglichkeit ge-
geben, den Anschluss zu realisieren.
Abbildung 25: Gleislageplan Bahnhof Bettenhausen (Quelle: DB Netz AG)
11 Hinweis: Auf Wunsch des AG wird hier der Begriff DSTW (Digitales Stellwerk) verwendet, da davon auszugehen
ist, dass bis zu einer Realisierung ein ESTW (Elektronisches Stellwerk) von digitaler Technik abgelöst wird.
TTK GmbH 03/21 Seite 51/98
Planfall 2a – RegioTram Expresslinie ab Sandershäuser Straße Laut Aussage der DB AG wird ein Kauf des Gleises aber abgelehnt. Der für den Güterverkehr genutzte Bahnhof verfügt nur über vier Ein- bzw. Ausfahrtgleise und soll in seiner Kapazität nicht durch einen Verkauf von Gleisanlagen eingeschränkt werden. Insbesondere in den Morgen- und Abendstunden wird mindestens eine Güterzugtrasse für ca. zwei Stunden benötigt. Eine weitere Einschränkung ergibt sich aus der nicht möglichen Nutzung des alten Hafengleises im Kreuzungsbereich der Leipziger Straße mit der Söhrestraße. Dies ist aus baulichen Gründen u.a. we- gen der notwendigen Längen für Weichen nicht möglich. Somit kommt für den An- schluss nur das über die Weiche 39 erreichbare vorhandene Stumpfgleis 20 in Be- tracht. Dieses Gleis wird in Richtung Sandershäuser Straße um ca. 155 m verlän- gert. Bis zum Anschluss an die Straßenbahngleise in der Leipziger Straße sind wei- tere 170 m Gleis neu herzustellen. In diesem 170 m langen Abschnitt ist der Über- gang zwischen den Betriebsordnungen der BOStrab und der EBO herzustellen. Zur Erreichung einer betrieblichen Stabilität wird daher dieser Abschnitt zweigleisig ge- plant. Hierfür ist jedoch umfangreicher Grunderwerb und ein großflächiger Umbau (Gebäudeabriss!) der Anlagen am Autopark Kassel/Buchbinder & Global Rent a Car sowie Reifen Hofmann GmbH & Co notwendig. Ob die benötigten Flächen er- worben werden können ist zum heutigen Zeitpunkt unsicher. Der Planfall ist hiervon aber abhängig. In der Leipziger Straße werden zur Ausfädelung der RegioTram aus Kassel Zent- rum kommend zwei Weichen im Kreuzungsbereich der Sandershäuser Straße mit der Leipziger Straße vorgesehen. Anschließend führt die neue zweigleisige Trasse über die stadtauswärts führende Leipziger Straße in das Bahnhofsgelände Betten- hausen hinein. Bei km 11+950 wird eine neue Zusammenführungsweiche für den Anschluss an das verlängerte Stumpfgleis 20 geplant. Das Modulgebäude bahn- links bei km 11+930 ist für die neue Gleisanlage zu versetzten. Von Seiten der Signalisierung sind neue Deckungssignale in Richtung Kassel Zent- rum bei km 11+810 (Signal für BOStrab) und in Gegenrichtung an der Haltestelle Sandershäuser Straße sowie bei km 11+895 ein Einfahrsignal in den Bahnhof Bet- tenhausen (Signal für EBO) notwendig. Wie im Eingangstext bereits vermerkt, sind die Signale in ein noch zu errichtendes neues DSTW einzubinden. Die alte Stell- werkstechnik erlaubt keine Anpassungen mehr und somit keine Integration der ge- planten Signalisierung. Da die Ausfädelung im Planfall 2a im Bereich des Bahnhofes Bettenhausen stattfin- det, ist zudem eine Systemwechselstelle zwischen der Elektrifizierung nach EBO und BOStrab erforderlich. Der Bahnhof muss für die Rangierleistungen der DB AG weiterhin mit 15 kV/ 16 2/3 Hz-Strom elektrifiziert sein. Die Nutzung der Straßen- bahntrasse in der Leipziger Straße bedingt jedoch eine Elektrifizierung nach Vorga- ben der BOStrab (600 V bzw. in einem späteren Stadium 750 V). Durch die einzu- haltenden Abstände erfolgt die Anordnung der Systemwechsel zwischen km 11+970 und km 12+140 sowie zwischen km 13+300 und km 13+470. TTK GmbH 03/21 Seite 52/98
Planfall 2a – RegioTram Expresslinie ab Sandershäuser Straße
Im südöstlichen Bahnhofskopf von Bettenhausen kreuzen die DB-(Rangier-)Gleise
das durchgehende Hauptgleis der Lossetalbahn. Wenn die DB bereit wäre, das
Umsetzen ihrer E-Loks so zu organisieren, dass das Gleis der Lossetalbahn nicht
mitbenutzt werden müsste, könnten die beiden Infrastrukturen komplett voneinan-
der getrennt werden und es könnte auf die zwei erforderlichen Systemwechselstel-
len verzichtet werden.
Abbildung 26: Anschlusssituation zur Sandershäuser Straße
Abbildung 27: Anschluss an Stumpfgleis 20 im Bahnhof Bettenhausen
Ochshäuser Straße
Im Planfall 2a wird vom Auftraggeber bei einer Nutzung der Lossetalbahn eine
neue Haltestelle für die Zweirichtungsfahrzeuge der RegioTram an der Ochshäuser
Straße gewünscht. Die Ochshäuser Straße quert heute höhengleich die Lossetal-
bahn bei km 12+910.
TTK GmbH 03/21 Seite 53/98
Planfall 2a – RegioTram Expresslinie ab Sandershäuser Straße
Abbildung 28: Bahnübergang über die Ochshäuser Straße (Blickrichtung Kaufungen Papierfabrik) – im Hintergrund
am Gebäude Einfahrsignal Bahnhof Bettenhausen
Die dortige Lage einer Haltestelle (ca. km 12+965) bedingt die Einbindung des
Bahnsteiges in den Bahnhof Bettenhausen (Stichwort: neues DSTW), da das Ein-
fahrsignal Bahnhof Bettenhausen bei km 13+050 den neuen Bahnsteig noch mit-
einschließt. Eine Möglichkeit um diesen Zustand zu vermeiden liegt in der Verschie-
bung des Einfahrsignals für den Bahnhof Bettenhausen. Eine entsprechende An-
frage an die DB AG wurde nicht beantwortet. Somit wird als Basis für den Planfall
weiterhin von der des Haltepunktes innerhalb eines Bahnhofs ausgegangen. Die
Einbindung in den Bahnhof führt dazu, dass rechtlich der Halt als Bahnhofsteil defi-
niert ist. Somit wäre eine mögliche Bezeichnung Bft Ochshäuser Straße.
Als Standort für den Außenbahnsteig kommt aufgrund der örtlichen Bebauung und
der Gleisanlagen des Bahnhofes nur ein Bahnsteig bahnrechts nach der Ochshäu-
ser Straße in Frage. Der Bahnsteig ist hier in einem Gleisinnenbogen (Radius
ca. 400 m) und an der rückwärtigen Seite eines Gebäudes der Firma Die-Lei GmbH
zu errichten. Die notwendigen Flächen sind nicht vorhanden, wodurch ein Grunder-
werb erforderlich wird. Die Abmessungen des Bahnsteiges entsprechen den Stan-
dardannahmen in der Studie. Die Zuwegung erfolgt barrierefrei über eine Rampe
von Westen aus. Ein zweiter Zugang ist nicht zwingend notwendig und wird daher
nicht vorgesehen.
TTK GmbH 03/21 Seite 54/98
Planfall 2a – RegioTram Expresslinie ab Sandershäuser Straße
Abbildung 29: neuer Haltepunkt Bft Ochshäuser Straße
Bahnübergänge Ochshäuser Straße und Forstfeld-
straße
Die im Planfall 2a genutzte Bahntrasse der Lossetalbahn quert nach dem Bahnhof
Bettenhausen nacheinander die beiden Straßen Ochshäuser und Forstfeldstraße.
TTK GmbH 03/21 Seite 55/98
Planfall 2a – RegioTram Expresslinie ab Sandershäuser Straße Abbildung 30: Bahnübergang Ochshäuser Straße (Blickrichtung Kaufungen Papierfabrik) Abbildung 31: Bahnübergang Forstfeldstraße (Blickrichtung Kaufungen Papierfabrik) Im momentanen technischen Zustand werden beide Schrankenanlagen zur Bahn- übergangssicherung mechanisch mittels Handkurbel bedient. Ein geplanter Regel- betrieb (Stundentakt) der RegioTram erfordert jedoch eine technische Sicherung. Zahlen zu den Verkehrsstärken der zu den BÜs führenden Straßen standen nicht zur Verfügung. Aufgrund der innerstädtischen Lage und der Vielzahl sich in der Nähe befindlichen Firmen ist aber von einem hohen Verkehrsaufkommen auszuge- hen. Eine exakte Bahnübergangssicherungsplanung kann im Rahmen dieser Mach- barkeitsstudie nicht erfolgen, generell sind aber die BÜs auf den Strecken der DB AG nach dem Regelwerk der Ril 815.0010 zu planen. Folgende bauliche und technische Maßnahmen an den Bahnübergängen sind er- forderlich: ► Aufstellung von Andreaskreuzen, TTK GmbH 03/21 Seite 56/98
Planfall 2a – RegioTram Expresslinie ab Sandershäuser Straße
► Aufstellung von Lichtzeichen einschl. eventueller Seitenlichter für die Neben-
straßen,
► Montage von Halbschranken bzw. von Fußgängerschranken,
► Aufstellung je eines Schalthauses,
► Erneuerung oder Neubau von Kabelwegen, Straßen- und Gleisquerungen
einschl. Schächte,
► Neubau des BÜ-Belages (bspw. Strail-Platten),
► Erneuerung der angrenzenden Straßenbefestigung,
► ggf. Anpassung der bestehenden Straßenentwässerung.
Die BÜ-Sicherung ist in die Steuerung des zu errichtenden DSTW in Bettenhausen
einzubinden. Hierzu sind in einer künftigen Planungsphase Abstimmungen und Pla-
nungen zwischen der LST und dem zu errichtenden DSTW notwendig. Aufgrund
fehlender Planungen zum DSTW werden die Kosten hierfür nur grob auf Basis von
BÜ-Planungen anderer Projekte abgeschätzt.
Für die neuen Bahnübergänge, bestehend aus:
► BÜ-Innenanlage,
► BÜ-Außenanlage,
► und Verkehrsanlage (Tiefbau und Straßenoberbau),
wird jeweils eine Summe von ca. 360.000 € geschätzt.
Heinrich-Steul-Straße
Entlang der Leipziger Straße befindet sich an der heutigen Straßenbahnstrecke be-
reits die Haltestelle Lindenberg. Auf Seiten der Lossetalbahn ist eine korrespondie-
rende weitere Haltstelle im Bereich der Wohnanlage an der Heinrich-Steul-Straße
vorgesehen. Aufgrund des dort zu erwartenden Fahrgastpotenzials ist die Herstel-
lung einer neuen Haltestelle an dieser Stelle sinnvoll. Dieser Halt gilt für die Regi-
oTram in den Planfällen 2a, 2b und 3.
Die Bahntrasse verläuft in diesem Abschnitt, ungefähr bei km 14+150, in einem
Linksbogen. Baulich wird der Bahnsteig bahnrechts in der Freifläche zwischen dem
Gleis und Straße angelegt. Die Zuwegung zur Heinrich-Steul-Straße erfolgt sowohl
über einen Treppenzugang, als auch über eine Rampe. Dies wird vorgeschlagen,
da der zu überwindende Höhenunterschied eine längere Rampenlösung bedingt.
Für nicht mobilitätseingeschränkte Personen bietet sich daher hier ein zweiter und
somit kürzerer Zugang an.
TTK GmbH 03/21 Seite 57/98
Planfall 2a – RegioTram Expresslinie ab Sandershäuser Straße Abbildung 32: neue Haltestelle an der Heinrich-Steul-Straße Die straßenseitig günstigere Anbindung wäre ein Halt in Höhe des Kreisverkehrs am Forstbachweg/ Faustmühlenweg. Für die Errichtung eines Außenbahnsteiges an dieser Stelle ist jedoch die Topografie eher ungeeignet. Die Bahntrasse über- quert über eine EÜ hier den Abzweig von der B7. Entsprechend befinden sich die Gleisanlagen und in der Folge ein neuer Bahnsteig auf einer erhöhten Dammlage. Um die Haltemöglichkeit trotzdem im Bereich der Straße anzusiedeln, wäre ein grö- ßerer Eingriff in die angrenzenden privaten Grundstücke notwendig. Analog den Bahnsteigplanungen zur Messe Kassel im Planfall 3 ist der Bahnsteig einschließlich seiner barrierefreien Zuwegung nur mit hohen Stützwänden (Höhe ca. 8 m) umsetz- bar. Die Treppenanlage würde hier aus ca. 40 Stufen bestehen. Kostentechnisch ist dies Variante als sehr aufwändig einzuschätzen, zumal ein höheres Potenzial an Fahrgästen am Hochhauskomplex „Wohnschlange“ zu erwarten ist. Zudem ist unsi- cher, ob ein Grunderwerb von Privat in dem Bereich realisierbar ist. Aufgrund der zu erwartenden niedrigeren Baukosten und dem größeren Fahrgast- potential wird eine Haltestelle an der Heinrich-Steul-Straße als Vorzugsvariante empfohlen. TTK GmbH 03/21 Seite 58/98