vertriebskonzeptandihvvprepaidcard

Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Abschaffung Bargeldzahlung in Bussen seit 2024

/ 21
PDF herunterladen
Vertriebskonzept ANDI




2        Projekt ANDI – Einleitung und Zielsetzung

Die grundsätzliche Zielrichtung ist die Abschaffung des „mit Bargeld bezahlten“ Fahrkartenkau-
fes beim Fahrpersonal, um die betrieblichen Prozesse zu optimieren und die Aufenthaltszeiten
an den Haltestellen für die Fahrgäste zu minimieren.

Dieser Prozess ist durch die Pandemie und die aktuelle Entwicklung in Bezug auf digitale Be-
zahlvorgänge noch einmal forciert worden. Gleichzeitig ist durch die Pandemie längere Zeit der
Einstieg an der Fahrertür und damit der Kauf beim Fahrpersonal nicht mehr möglich gewesen.

Vor diesem Hintergrund haben sich VHH, HHA und hvv darauf verständigt, dass eine Kommuni-
kation zur Rückkehr zum klassischen Fahrkartenverkauf durch das Fahrpersonal sowie des
Vorneeinstiegs Fahrkartenverkaufs - für eine begrenzte Zeit bis 2025 – nicht sinnvoll ist, statt-
dessen die Umsetzung der Ziele von 2025 auf 2023 für Hamburg vorzuziehen.

Das grundsätzliche Projektziel lautet:

       Optimierung der Prozesse beim Fahrpersonal zur besseren betrieblichen Abwicklung mit
             a. Bargeldlosem Zahlen (allgemeingültig)
             b. Phase I: Self-Services im Bus ohne Verkauf durch das Fahrpersonal in Hamburg
                AB in den Bussen der Verkehrsunternehmen HOCHBAHN und VHH) (aufgrund
                der Umsetzung des Hamburg Taktes und der Möglichkeit, das vorhandene PVS
                zu nutzen)
             c. Phase II: Die Akzeptanz der Prepaid Card an allen Verkaufsgeräten im gesamten
                hvv Gebiet.

Die Prüffähigkeit der hvv Prepaid Card muss von Beginn an im ganzen hvv Gebiet gegeben
sein. Im Umland ist der Verkauf von Fahrkarten per hvv Prepaid Card durch das Fahrpersonal
denkbar.

Insgesamt trägt das Projekt damit zum übergeordneten Strategieziel im hvv, einer Digitalisie-
rung im Verbund, bei. Aufgrund der immer stärkeren Verbreitung eigener Devices (vor allem
Smartphones) bei den Kunden und der damit langfristigen Reduktion der Vertriebsinfrastruktur
ist dieses Projekt ein notwendiges Ergänzungsprojekt für die Kunden, die kein eigenes Smart-
phone besitzen oder dies nicht für den Fahrkartenerwerb nutzen wollen oder können. Das Ziel
des Projektes ANDI ist daher nicht, eine vollständige und alle Sonderfälle abdeckende Lösung



28.05.2021                                  Version 1.4                                Seite 5 von 21
5

Vertriebskonzept ANDI




anzubieten, sondern genau austariert als Ergänzungsprodukt zu fungieren, um der Daseinsvor-
sorge Rechnung zu tragen. Ziel des Projektes ist es daher auch nicht,


                    -   das gesamte Ticketsortiment anzubieten
                    -   zusätzliche Online- oder App-Prozesse aufzusetzen
                    -   teure Lösungen auf Basis eines sehr hohen Standards zu realisieren

Daraus leiten sich die folgenden Prämissen ab:


   •   Die Umsetzung erfolgt nicht für die Smartphone-/Internetaffinen Kunden; für diese ste-
       hen mit den hvv Apps ausreichend gute (und für den Kunden gut nutzbare) Alternativen
       zur Verfügung.
   •   Die digitale anonyme Karte ist eine Lösung, die wir dem Kunden (und der Politik) gemäß
       unserem Beförderungsauftrag im Sinne der Daseinsvorsorge anbieten müssen, wenn
       wir den personenbedienten Verkauf im Bus einstellen. Diese Karte kann als Prepaid-
       karte im Vorwege erworben werden, um bargeldlos im Bus (in Hamburg in Eigenregie
       am PVS, im Umland im ersten Step beim Fahrpersonal) sein Ticket zu erwerben.
   •   Es ist eine ausreichende Auflademöglichkeit eines anonymen Kontos mit Bargeld durch
       den Kunden möglich, d.h. sowohl zeitlich als auch räumlich muss dies ermöglicht wer-
       den.

Die Klassifizierung des Projektes erfolgt nach relevanten Kriterien. Diese sind der folgenden
Übersicht zu entnehmen:

Klassifizierung des Projektes nach:

   •   Nutzergruppen
          o Fahrgast/Kunde
          o Prüfer


   •   Kanäle
          o Automaten/Self-Serviceterminals (im ersten Schritt die der Hochbahn)
          o Verkauf im Bus
          o Servicestellen (eigene und Vertriebspartner)
          o Prüfgeräte (ggfs. auch via App)

   •   Hauptprozesse
          o Aktivieren der Karte
          o Aufladen der Karte (initial und erneutes Aufladen)
          o Fahrkartenkauf


28.05.2021                                 Version 1.4                               Seite 6 von 21
6

Vertriebskonzept ANDI




             o   Prüfen der Karte
             o   Rückgabe der Karte

   •   Hintergrundsystem
          o Cloudbasiertes System auf Basis MOSAIC der Hochbahn
          o Zentrales Benutzerkonto (anonym)
          o IDBased-Ticketing




Abbildung 1: Klassifizierung des Projektes




28.05.2021                                   Version 1.4          Seite 7 von 21
7

Vertriebskonzept ANDI




3        Abgrenzung zu anderen Produkten des hvv

Ziel des Kapitels ist es, relevante Abgrenzungen, die sich aus der Strategie aus Kapitel 2 erge-
ben, explizit zu machen.

Die Kernfrage, warum keine Fokussierung auf die Online-Kanäle erfolgt, ist dort bereits ange-
klungen. Mit der Stärkung der Apps durch die Hinzunahme von Zeitkarten sowie die Ergänzung
im CheckIn-BeOut wird der strategisch wichtigste Kanal entsprechend gepusht, die Strategie
zur Förderung der Onlinekanäle ist unverändert. Es macht keinen Sinn, mit ANDI ein weiteres
Produkt für den gleichen Kanal anzubieten und damit eine Konkurrenzsituation innerhalb der
hvv Vertriebsmedienwelt zu schaffen.

Da jetzt schon beim Fahrpersonal (zumindest in Hamburg) nur das Sortiment im Bartarif ver-
kauft werden kann (Einzel- und Tagestickets) bleibt es auch im Sinne des Ergänzungsproduk-
tes bei dieser Einschränkung. Zeitkarten bedürfen zudem eines höheren Sicherheitsstandards
und würden darüber hinaus die forcierten Kanäle Online/App kannibalisieren.

Zudem muss betrieblich-prozessual eine weitere Eingrenzung des Sortiments vorgenommen
werden, um am PVS den Kaufvorgang sinnvoll abbilden zu können. Bei der Auswahl (s. Kapitel
9) ist dabei zu beachten, dass alle Ziele im hvv grundsätzlich erreicht werden können. Ein
Nachjustieren des Sortiments wird nach den ersten Erfahrungen erfolgen.

Die folgende Matrix zeigt die Kernkundengruppen, in Relation zu den möglichen Verkaufskanä-
len. Diese Darstellung verdeutlicht noch einmal, dass eine Reduktion auf ein Ergänzungspro-
dukt sinnvoll ist.




28.05.2021                                 Version 1.4                               Seite 8 von 21
8

Vertriebskonzept ANDI




Abbildung 2: Übersicht Kernkundengruppen und Verkaufskanäle


Zudem erfolgte eine Begrenzung auf hvv Tarif und keine Ausweitung im Projekt auf den SH-Ta-
rif. Unbenommen ist es den Verkehrsunternehmen, die aufgrund ihrer verkehrsvertraglichen Si-
tuation in Schleswig-Holstein unterwegs sind, ergänzend außerhalb dieses Projektes tätig zu
werden. Die Begründung, warum der SH-Tarif in diesem Projekt nicht betrachtet wird, sind fol-
gende:

             I.   Innerhalb des hvv haben nur die Verkehrsunternehmen, die in SH fahren, eine
                  Verpflichtung, den SH-Tarif (SHT) anzubieten.
          II.     Es handelt sich bei ANDI um ein Projekt im hvv; die Tarifhoheit für den SH-Tarif
                  liegt bei der NAH.SH in Abstimmung mit den in SH-fahrenden Unternehmen und
                  den dortigen AT; ein gesamt norddeutsches Projekt wäre aufgrund der Komplexi-
                  tät nicht bis 2023 umsetzbar. Gleiches gilt übrigens auch für den NDS-Tarif (NT).
                  Zudem ist eine Ungleichbehandlung von SHT und NT nicht zielführend.
         III.     Der SHT ist relationsbasiert, d.h. es findet ein Kauf von gezielten Relationen statt
                  anstatt von Flächenprodukten (wie z.B. Zonen, Ringen) – dieser ist nicht verein-
                  facht über die PVS-Geräte abbildbar, d.h. es ist keine Vereinfachung auf wenige
                  Sorten möglich. Auch die Auswahl von einzelnen Relationen führt kundenseits zu
                  mehr Rückfragen und Wünschen als zur Zufriedenheit.




28.05.2021                                     Version 1.4                               Seite 9 von 21
9

Vertriebskonzept ANDI




4          Entscheidungsgrundlage für ANDI Prepaid Karte

4.1        Auslaufmodell Bargeld – Die Vorteile des bargeldlosen Bezahlens

Gut jeder dritte Deutsche bezahlt am liebsten mit der Karte, Tendenz steigend. Das zeigt eine
repräsentative Umfrage des Allensbach-Instituts für Demoskopie. Bargeldloses Bezahlen liegt
im Trend und dürfte Corona-bedingt einen weiteren deutlichen Schub erfahren haben.

Die Vorteile der Kartenzahlung im Überblick:


      •   Eine Karte ist hygienischer als Bargeld, das durch viele Hände gewandert ist
      •   Die Karte ist deutlich leichter - Kein „Mitschleppen“ von Kleingeld mehr notwendig, kein
          belastendes Kleingeld, dass das Portemonnaie füllt
      •   In Bezug auf Kinder: Das Guthaben ist zweckgebunden – das vorgesehene „Busgeld“
          kann nichtzweckentfremdet werden zum „Eisgeld“
      •   Erhöhte Sicherheit, da kein Mitfahrender Einblick ins Portemonnaie bekommt
      •   Bequemer, da kein Suchen nach Klein-/Wechselgeld mehr erforderlich
      •   Direkte Kostenkontrolle durch (noch abzustimmende) Kontoübersicht (nur via Webpage
          möglich)
      •   Anschluss an internationale Trends, Bargeldzahlungen im öffentlichen Transport abzu-
          schaffen (Schweden, Frankreich, Singapur, etc.)




4.2        ANDI-Karte vs. HVV Card

Die ANDI-Karte ist als Ergänzung zu den bereits bestehenden digitalen hvv Vertriebskanälen
gedacht und soll gezielt die Kundengruppen erreichen, die


      •   einen hohen Wert auf Anonymität legen:
          Erwerb und Nutzung der ANDI Karte sind vollständig anonym, es werden keinerlei per-
          sonenbezogene Daten erfasst oder dokumentiert
      •   weder ein Giro- noch ein Kreditkartenkonto besitzen:
          Die ANDI Karte ist eine Prepaid Karte, die mit Bargeld aufgeladen werden kann




28.05.2021                                    Version 1.4                             Seite 10 von 21
10

Vertriebskonzept ANDI




   •   flexibel sein möchten:
       Die ANDI Karte ist nicht personenbezogen und kann ohne Einschränkungen mit dem zu-
       gehörigen Guthaben an Dritte zur Nutzung weiter gegeben werden. Somit eignet sie
       sich z.B. für Eltern, die ihren Kindern spontane Busfahrten ermöglichen möchten
   •   kein Smart Phone oder Internetzugang haben:
       Die ANDI Karte kann ohne digitale Medien frei und uneingeschränkt genutzt werden. Es
       sind keinerlei „digitaler“ Kenntnisse erforderlich. Die Karte kann im Einzelhandel oder an
       den SST der Hochbahn erworben und aufgeladen werden
   •   Keinen Bedarf an hvv Zeitkarten haben:
       Eine Registrierung ist nicht erforderlich.

Wesentliche Vorteile aus Sicht der Verkehrsunternehmen der ANDI-Karte gegenüber der HVV-
Card sind die Kosten je Karte (laufend sowie in der Implementierung, da auf den KA-Standard
und aufwendige WEB-Prozesse verzichtet werden kann) und die Nutzung bei Drittanbietern, da
ein üblicher Standard (Mifare) genutzt wird.




28.05.2021                                     Version 1.4                          Seite 11 von 21
11

Vertriebskonzept ANDI




5        Roadmap Vertrieb

5.1      Nach räumlicher Gültigkeit

Die räumliche Gültigkeit umfasst den Ticketerwerb sowie die Ausgabe der Karten. Die Prüffä-
higkeit der ID-Based Tickets muss von Anfang an im gesamten hvv möglich sein.


5.1.1    Phase 1 – Hamburg AB

Um die Komplexität zu minimieren und erste Erfahrungen zu sammeln, wird in der Phase 1 im
Tarifgebiet Hamburg AB die hvv Prepaid Card eingeführt und Januar 2024 der Barverkauf in
allen Bussen der HOCHBAHN und VHH abgeschafft. Dies hat den Vorteil, dass zum Start An-
fang 2024 lediglich VHH und Hochbahn mit den Prozessen im Bus fertig sein müssen und die
übrigen Busunternehmen zwei Jahre Zeit haben bis Ende 2025, anhand der Erfahrungen der
beiden großen Unternehmen ihre Anpassungen vorzunehmen. Unabhängig vom Projekt klärt
die VHH mit ihren AT, zu wann die übrigen VHH-Linien in SH komplett bargeldlos werden kön-
nen.


5.1.2    Phase 2 HVV Tarifgebiet

Das Bezahlen mit der ANDI-Karte wird in allen Bussen in den Ringen A bis F realisiert. Außer-
dem ist die ANDI-Karte im gesamten hvv Gebiet erwerbbar.


5.2      Nach POS (Servicestellen, SST, Fahrpersonal, etc.)

Analog der Phasen sind im ersten Schritt die SST der HOCHBAHN sowie die PVS-Geräte der
VHH und der Hochbahn relevant. Zudem soll ein Drittdienstleister gefunden werden, der die An-
forderungen an räumliche Dichte und zeitliche Verfügbarkeit sicherstellt. Da dieser voraussicht-
lich auch im erweiterten Umland tätig ist, werden der ANDI-Kartenkauf und das Aufladen bereits
in der Phase 1 über die Anforderung „Hamburg“ hinaus möglich sein.




28.05.2021                                 Version 1.4                             Seite 12 von 21
12

Vertriebskonzept ANDI




Abbildung 3: Überblick POS am Beispiel eines möglichen Anbieters




Zusammenfassend ist die Roadmap der folgenden Darstellung zu entnehmen. Die möglichen
Erweiterungen in der letzten Spalte sind nicht für 2025 vorgesehen, sondern bilden einen Ideen-
pool, der je Maßnahme noch einmal gesondert bewertet werden muss.




Abbildung 4: Überblick Roadmap




28.05.2021                                Version 1.4                             Seite 13 von 21
13

Vertriebskonzept ANDI




6        Unterstützte Infrastruktur

Dieses Kapitel dient als Übersicht über die bestehende Systemlandschaft


6.1      Bus

Die Busse der VHH und der Hochbahn sind mit PVS-Geräten ausgerüstet, die in der Lage sind,
auch die ANDI-Karte zu lesen.

Alle Busse im Verbund haben EFAD-Geräte an Bord. Die EFADs der Hochbahn laufen noch bis
2023, anschließend sind nur noch PVS-Geräte sowie betriebliche Systeme ohne Verkaufsfunk-
tion vorhanden.

Im Umland können die Verkehrsunternehmen wenn gewünscht auch einen Fahrkartenverkauf
im Bus per hvv Prepaid Card durch das Fahrpersonal anbieten.


6.2      FKA / SST

6.2.1    FKA Hochbahn

Die Hochbahn ist im Rollout der neuen Automatengeneration (Self Service Terminal = SST).
Dieser Rollout ist bis zum Start des GoLives ANDI abgeschlossen. Dann befindet sich an allen
U-Bahn-Stationen mindestens ein neuer Fahrkartenautomat, der die Anforderungen an ANDI
abdeckt. Ergänzend dazu werden in den Servicestellen der Hochbahn weitere Fahrkartenauto-
maten (allerdings nur bargeldlos) aufgestellt. Die alte Automatengeneration wird nicht mehr für
das ANDI-Projekt ertüchtigt.

6.2.2    FKA weitere VU

Weitere Automaten werden von der DB (für DB Regio, START und die S-Bahn) sowie von der
AKN, der NBE und dem metronom betrieben.

Im ersten Schritt sollen die Automaten dieser Schnellbahnunternehmen die Funktionalitäten
„Aufladen der Karte“ und „ Fahrkartenkauf“ erhalten (noch in Abstimmung). Die Automaten wer-
den vorerst nicht mit Dispensern ausgestattet, da erst die Marktbeobachtung ergeben soll, in-
wieweit dieses nötig ist.




28.05.2021                                 Version 1.4                             Seite 14 von 21
14

Zur nächsten Seite