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Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Abschaffung Bargeldzahlung in Bussen seit 2024

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Vertriebskonzept ANDI




Abbildung 2: Übersicht Kernkundengruppen und Verkaufskanäle


Zudem erfolgte eine Begrenzung auf hvv Tarif und keine Ausweitung im Projekt auf den SH-Ta-
rif. Unbenommen ist es den Verkehrsunternehmen, die aufgrund ihrer verkehrsvertraglichen Si-
tuation in Schleswig-Holstein unterwegs sind, ergänzend außerhalb dieses Projektes tätig zu
werden. Die Begründung, warum der SH-Tarif in diesem Projekt nicht betrachtet wird, sind fol-
gende:

             I.   Innerhalb des hvv haben nur die Verkehrsunternehmen, die in SH fahren, eine
                  Verpflichtung, den SH-Tarif (SHT) anzubieten.
          II.     Es handelt sich bei ANDI um ein Projekt im hvv; die Tarifhoheit für den SH-Tarif
                  liegt bei der NAH.SH in Abstimmung mit den in SH-fahrenden Unternehmen und
                  den dortigen AT; ein gesamt norddeutsches Projekt wäre aufgrund der Komplexi-
                  tät nicht bis 2023 umsetzbar. Gleiches gilt übrigens auch für den NDS-Tarif (NT).
                  Zudem ist eine Ungleichbehandlung von SHT und NT nicht zielführend.
         III.     Der SHT ist relationsbasiert, d.h. es findet ein Kauf von gezielten Relationen statt
                  anstatt von Flächenprodukten (wie z.B. Zonen, Ringen) – dieser ist nicht verein-
                  facht über die PVS-Geräte abbildbar, d.h. es ist keine Vereinfachung auf wenige
                  Sorten möglich. Auch die Auswahl von einzelnen Relationen führt kundenseits zu
                  mehr Rückfragen und Wünschen als zur Zufriedenheit.




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4          Entscheidungsgrundlage für ANDI Prepaid Karte

4.1        Auslaufmodell Bargeld – Die Vorteile des bargeldlosen Bezahlens

Gut jeder dritte Deutsche bezahlt am liebsten mit der Karte, Tendenz steigend. Das zeigt eine
repräsentative Umfrage des Allensbach-Instituts für Demoskopie. Bargeldloses Bezahlen liegt
im Trend und dürfte Corona-bedingt einen weiteren deutlichen Schub erfahren haben.

Die Vorteile der Kartenzahlung im Überblick:


      •   Eine Karte ist hygienischer als Bargeld, das durch viele Hände gewandert ist
      •   Die Karte ist deutlich leichter - Kein „Mitschleppen“ von Kleingeld mehr notwendig, kein
          belastendes Kleingeld, dass das Portemonnaie füllt
      •   In Bezug auf Kinder: Das Guthaben ist zweckgebunden – das vorgesehene „Busgeld“
          kann nichtzweckentfremdet werden zum „Eisgeld“
      •   Erhöhte Sicherheit, da kein Mitfahrender Einblick ins Portemonnaie bekommt
      •   Bequemer, da kein Suchen nach Klein-/Wechselgeld mehr erforderlich
      •   Direkte Kostenkontrolle durch (noch abzustimmende) Kontoübersicht (nur via Webpage
          möglich)
      •   Anschluss an internationale Trends, Bargeldzahlungen im öffentlichen Transport abzu-
          schaffen (Schweden, Frankreich, Singapur, etc.)




4.2        ANDI-Karte vs. HVV Card

Die ANDI-Karte ist als Ergänzung zu den bereits bestehenden digitalen hvv Vertriebskanälen
gedacht und soll gezielt die Kundengruppen erreichen, die


      •   einen hohen Wert auf Anonymität legen:
          Erwerb und Nutzung der ANDI Karte sind vollständig anonym, es werden keinerlei per-
          sonenbezogene Daten erfasst oder dokumentiert
      •   weder ein Giro- noch ein Kreditkartenkonto besitzen:
          Die ANDI Karte ist eine Prepaid Karte, die mit Bargeld aufgeladen werden kann




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   •   flexibel sein möchten:
       Die ANDI Karte ist nicht personenbezogen und kann ohne Einschränkungen mit dem zu-
       gehörigen Guthaben an Dritte zur Nutzung weiter gegeben werden. Somit eignet sie
       sich z.B. für Eltern, die ihren Kindern spontane Busfahrten ermöglichen möchten
   •   kein Smart Phone oder Internetzugang haben:
       Die ANDI Karte kann ohne digitale Medien frei und uneingeschränkt genutzt werden. Es
       sind keinerlei „digitaler“ Kenntnisse erforderlich. Die Karte kann im Einzelhandel oder an
       den SST der Hochbahn erworben und aufgeladen werden
   •   Keinen Bedarf an hvv Zeitkarten haben:
       Eine Registrierung ist nicht erforderlich.

Wesentliche Vorteile aus Sicht der Verkehrsunternehmen der ANDI-Karte gegenüber der HVV-
Card sind die Kosten je Karte (laufend sowie in der Implementierung, da auf den KA-Standard
und aufwendige WEB-Prozesse verzichtet werden kann) und die Nutzung bei Drittanbietern, da
ein üblicher Standard (Mifare) genutzt wird.




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5        Roadmap Vertrieb

5.1      Nach räumlicher Gültigkeit

Die räumliche Gültigkeit umfasst den Ticketerwerb sowie die Ausgabe der Karten. Die Prüffä-
higkeit der ID-Based Tickets muss von Anfang an im gesamten hvv möglich sein.


5.1.1    Phase 1 – Hamburg AB

Um die Komplexität zu minimieren und erste Erfahrungen zu sammeln, wird in der Phase 1 im
Tarifgebiet Hamburg AB die hvv Prepaid Card eingeführt und Januar 2024 der Barverkauf in
allen Bussen der HOCHBAHN und VHH abgeschafft. Dies hat den Vorteil, dass zum Start An-
fang 2024 lediglich VHH und Hochbahn mit den Prozessen im Bus fertig sein müssen und die
übrigen Busunternehmen zwei Jahre Zeit haben bis Ende 2025, anhand der Erfahrungen der
beiden großen Unternehmen ihre Anpassungen vorzunehmen. Unabhängig vom Projekt klärt
die VHH mit ihren AT, zu wann die übrigen VHH-Linien in SH komplett bargeldlos werden kön-
nen.


5.1.2    Phase 2 HVV Tarifgebiet

Das Bezahlen mit der ANDI-Karte wird in allen Bussen in den Ringen A bis F realisiert. Außer-
dem ist die ANDI-Karte im gesamten hvv Gebiet erwerbbar.


5.2      Nach POS (Servicestellen, SST, Fahrpersonal, etc.)

Analog der Phasen sind im ersten Schritt die SST der HOCHBAHN sowie die PVS-Geräte der
VHH und der Hochbahn relevant. Zudem soll ein Drittdienstleister gefunden werden, der die An-
forderungen an räumliche Dichte und zeitliche Verfügbarkeit sicherstellt. Da dieser voraussicht-
lich auch im erweiterten Umland tätig ist, werden der ANDI-Kartenkauf und das Aufladen bereits
in der Phase 1 über die Anforderung „Hamburg“ hinaus möglich sein.




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Abbildung 3: Überblick POS am Beispiel eines möglichen Anbieters




Zusammenfassend ist die Roadmap der folgenden Darstellung zu entnehmen. Die möglichen
Erweiterungen in der letzten Spalte sind nicht für 2025 vorgesehen, sondern bilden einen Ideen-
pool, der je Maßnahme noch einmal gesondert bewertet werden muss.




Abbildung 4: Überblick Roadmap




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6        Unterstützte Infrastruktur

Dieses Kapitel dient als Übersicht über die bestehende Systemlandschaft


6.1      Bus

Die Busse der VHH und der Hochbahn sind mit PVS-Geräten ausgerüstet, die in der Lage sind,
auch die ANDI-Karte zu lesen.

Alle Busse im Verbund haben EFAD-Geräte an Bord. Die EFADs der Hochbahn laufen noch bis
2023, anschließend sind nur noch PVS-Geräte sowie betriebliche Systeme ohne Verkaufsfunk-
tion vorhanden.

Im Umland können die Verkehrsunternehmen wenn gewünscht auch einen Fahrkartenverkauf
im Bus per hvv Prepaid Card durch das Fahrpersonal anbieten.


6.2      FKA / SST

6.2.1    FKA Hochbahn

Die Hochbahn ist im Rollout der neuen Automatengeneration (Self Service Terminal = SST).
Dieser Rollout ist bis zum Start des GoLives ANDI abgeschlossen. Dann befindet sich an allen
U-Bahn-Stationen mindestens ein neuer Fahrkartenautomat, der die Anforderungen an ANDI
abdeckt. Ergänzend dazu werden in den Servicestellen der Hochbahn weitere Fahrkartenauto-
maten (allerdings nur bargeldlos) aufgestellt. Die alte Automatengeneration wird nicht mehr für
das ANDI-Projekt ertüchtigt.

6.2.2    FKA weitere VU

Weitere Automaten werden von der DB (für DB Regio, START und die S-Bahn) sowie von der
AKN, der NBE und dem metronom betrieben.

Im ersten Schritt sollen die Automaten dieser Schnellbahnunternehmen die Funktionalitäten
„Aufladen der Karte“ und „ Fahrkartenkauf“ erhalten (noch in Abstimmung). Die Automaten wer-
den vorerst nicht mit Dispensern ausgestattet, da erst die Marktbeobachtung ergeben soll, in-
wieweit dieses nötig ist.




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6.3      Prüfgeräte

6.3.1    Prüfhardware

Die Prüfgeräte der Verkehrsunternehmen sind entsprechend anzupassen, grundsätzlich ist eine
Online-Abfrage möglich.


6.3.2    Prüfapp

Aktuell gibt es Überlegungen, eine App zur Prüfung anzubieten. Konkrete Pläne oder Anforde-
rungen an die Umsetzung existieren derzeit noch nicht. Der Einsatz einer App ist unter Umstän-
den zu einem späteren Zeitpunkt möglich.


6.3.3    EFAD

Im Umland ist zu prüfen, ob die EFAD-Geräte (Busdrucker) für die Prüfung (im Umland gilt wei-
terhin der Einstieg vorne) ertüchtigt werden sollten.


6.4      Servicestellen

In der Differenzierung gibt es vier Klassen:


                      -   Eigene Servicestellen mit eigenem Personal (inkl. Beratung)
                      -   Eigene Servicestellen mit Fremdpersonal (inkl. Beratung)
                      -   Servicekooperationen mit Fremdpersonal (inkl. Beratung)
                      -   Neu: Drittdienstleister mit Fremdpersonal (nur Verkauf und Aufladung
                          der ANDI-Karte, ohne Beratung)

Die ersten drei Klassen sind etabliert und im hvv durch S-Bahn, DB, Hochbahn, AKN, ME, NBE
und KVG Stade vertreten. Gemeinsames Ziel im Verbund ist es, Standard-Prozesse aus den
Servicestellen und Servicekooperationen herauszunehmen und den Fokus dort auf eine ver-
tiefte Beratung zu legen. Vor diesem Hintergrund dienen die Servicestellen nicht als Verkaufs-
möglichkeit für die ANDI-Karte. Lediglich der Drittdienstleister mit Fremdpersonal soll diese
Leistung erbringen. Dazu ist im Projekt eine Ausschreibung vorgesehen.




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Die Rücknahme der Karte bzw. die Auszahlung des Guthabens erfolgt im ersten Step aus-
schließlich in den hvv Servicestellen. Im zweiten Schritt sind die Servicekooperationen zu prü-
fen, die die Hochbahn als ZVU verantwortet.




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7          Grundlagen der Karte

7.1        Funktionsweise und Prozesse der Karte

Die ANDI-Karte bietet für den Fahrgast im Zusammenspiel mit der Verbundplattform MOSAIC
und der Infrastruktur der Verkehrsunternehmen des hvv folgende Haupt- bzw. Kernprozesse:

      •   ANDI-Karte ausgeben (am SST der HOCHBAHN)
      •   ANDI-Karte aufladen (an gekennzeichneten Fahrkartenautomaten)
      •   Guthaben anzeigen (an gekennzeichneten Fahrkartenautomaten und in den gekenn-
      zeichneten Vertriebsgeräten in den Bussen)
      • Fahrscheinkauf (gekennzeichneten Fahrkartenautomaten und an gekennzeichneten
      Vertriebsgeräten in den Bussen)
      • Selbstprüfung auf gültige Fahrscheine (an gekennzeichneten Fahrkartenautomaten und
      an gekennzeichneten Vertriebsgeräten in den Bussen)
      • Prüfung auf gültige Fahrscheine durch Prüfpersonal

      •  Erstattung des Guthabens
      •  Handling defekter ANDI-Karten
      •  Stornofunktion für personalbediente Fahrscheinverkauf im Bus (Umland)
      •  Liste von Aktivitäten mit der ANDI-Karte anzeigen (an gekennzeichneten Fahrkartenau-
      tomaten)




Zusätzlich zu den oben gelisteten Prozessen wurden Supportprozesse identifiziert, die von der
Verbundplattform MOSIAC durchgeführt, und das Ergebnis an die jeweilige Infrastruktur kom-
muniziert wird:

      ◼ Einhaltung des maximalen Aufladebetrags (Geldwäschegesetz)
      ◼ Einhaltung des Mindestaufladebetrags (neue ANDI-Karte)
      ◼ Sperrung Fahrgastkonto aufgrund von Nichtnutzung (an gekennzeichneten Fahrkarten-
          automaten)
      ◼ Anstoß von Buchungsprozessen der finanziellen Transaktionen (durch MOSAIC in PT
          Nova)
      ◼ Vollumfängliche räumliche und zeitliche Prüfung von Fahrkarten durch MOSAIC als Ser-
          vice für aufrufende Systeme, insbesondere für mobile Prüfgeräte

Der Fahrgast soll zusätzlich die Möglichkeit erhalten, eine ANDI-Karte bei Dritten (z.B. Super-
markt, Tankstellen etc.) zu erwerben und aufzuladen. Dafür soll die Verbundplattform MOSAIC
an das entsprechende Hintergrundsystem des Vertriebspartners angebunden werden und fol-
gende Prozesse unterstützen:

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Hauptprozesse (Dritte):

   ◼ ANDI-Karte ausgeben (Dritte)
   ◼ ANDI-Karte aufladen (Dritte)

Supportprozesse (Dritte):

   ◼ Einhaltung des maximalen Aufladebetrags (Geldwäschegesetz)
   ◼ Sperrung Fahrgastkonto aufgrund von Nichtnutzung
   ◼ Einhaltung des Mindestaufladebetrags (wenn nötig)
   ◼ Anstoß von Buchungsprozessen der finanziellen Transaktionen (durch MOSIAC in PT
       Nova)




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