2007-protokoll-nr-469
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Sitzungsprotokolle des Beirats des Bundesministeriums der Finanzen“
zeigten einige Studien, dass selbst ein kompensationsloses Arbeitsangebot die Zufriedenheit der Betroffenen erhShen kénne. Demgegentiber wurde kritisiert, dass der Ansatz einen massiven Eingriff in die Persénlichkeitsrechte darstelle. Auch sei der Ansatz gerade nicht geeignet, selbstwertstiftende Arbeit zu vermitteln und Humankapital zu bewahren. In dem Gutachten sollte nach einhelliger Meinung auch die Durchsetzungsproblematik im Hinblick auf Sanktionsmechanismen vertieft analysiert werden. So kénne beispielsweise die Verpflichtung zur Arbeitsaufnahme zu einem Anstieg der testierten Arbeitsunfahigkeit fih- ren. Fir die Wirkung der unterschiedlichen Konzepte sei es daher von Interesse, wie die Durchsetzbarkeit bereits bestehender und méglicher Instrumente erhGht werden kénnte und ob einige Ansatze beispielsweise durch eingebaute Mechanismen eine bessere Durchsetzbar- keit erwarten lieBen. Mehrere Beiratsmitglieder thematisierten mégliche Verdringungseffekte. Es wurde hervorge- hoben, dass der Staat durch sprunghafte, unsystematische Eingriffe und die Bereitstellung 6f fentlicher Beschaftigungsprogramme in Bereichen ohne Marktversagen dauerhafte Verzer- rungen auf den Markten hervorrufen und private Aktivitéten verdrangen kénne. Demgegen- iiber wurde eingewandt, dass diese Effekte von einzelnen Interessengruppen tibertrieben dar- gestellt wiirden und dass hinter dem Argument der Verdringung auch stehen kénne, Arbeits- lose sollten in dieser Situation verharren. Es sei sinnvoll, in dem Gutachten zu analysieren, unter welchen Voraussetzungen Verdrangungseffekte vermieden werden kénnten. Das Thema Mindestlohn sollte nach Ansicht einiger Beiratsmitglieder vertieft erértert werden. Hierbei kénne auch der oft als faktischen Mindestlohn angesehene ALG II-Satz genauer be- trachtet werden. Dieser tiberzeichne wegen der damit verkntipften Bedingungen den tatsdchli- chen Grenzlohn. Der Mindestlohn liege daher unter diesen Satzen. Demgegentiber wurde ar- gumentiert, dass bei Nichtbeschaftigung und Bezug von ALG II auch der Zugewinn an Frei- zeit und die Méglichkeit zur Aufnahme von illegalen Beschaftigungen berticksichtigt werden miissten. Allerdings wurde auch darauf verwiesen, dass eine ausftihrliche Diskussion von Mindestldhnen nicht zielfiihrend sei. Alternativ kénne eine Untersuchung der Vorschlage im Hinblick auf ihre Beziige zu Mindestléhnen erfolgen. Diskutiert wurde die Einbeziehung méglicher Reaktionen der Tarifpartner. Auf der einen Seite wurde eingewandt, eine Befassung hiermit sei zu spekulativ. Demgegentiber wurde er-
widert, dass z.B. unter Beriicksichtigung verhandlungstheoretischer Modelle Aussagen iiber
die Auswirkungen der Modelle auf das Verhalten der Tarifparteien abgeleitet werden kénn-
ten. Etwaige Riickwirkungen dieser Verhaltensinderungen auf den Arbeitsmarkt sollten mit-
bedacht werden.
Ein Beiratsmitglied verwies darauf, dass die Thematik der Arbeitsnachfrage starker bertick-
sichtigt werden sollte. Demgegeniiber wurde darauf verwiesen, dass in dem Gutachten keine
makroékonomische Diskussion erfolgen sollte, sondern allein strukturelle Probleme des Ar-
beitsmarkts Gegenstand der Befassung sein sollten. Hierftir kénne auch cine Konzeniration
auf einen bestimmten Teilbereich, wie z.B. Geringqualifizierte und Niedriglohnsektor, erfol-
gen.
Zur vertieften Diskussion einzelner Konzepte hatte der Beirat als Vertreter eines Kombilohn-
modells und als Vertreter eines ,.Workfare‘‘-Ansatzes
eingeladen. Die Prdsentationen werden den Beiratsmitgliedern als Anlage zum Protokoll
beigefiigt.
rerichtete aus der Perspektive des BMF iiber den aktuellen Stand der
arbeitsmarktpolitischen Diskussion, insbesondere die Arbeit der AG Arbeitsmarkt, der von
Seiten der Bundesregierung BK, BMWi, BMAS und BMF sowie Vertreter von
Landesregierungen und Koalitionsfraktionen angehérten. Der Abschlussbericht der AG
Arbeitsmarkt wurde am 9. Mai 07 dem Kabinett zur Kenntnis gebracht. Der Bericht enthielt
einvernehmliche Empfehlungen zur Einfihrung eines ,Job-Bonus fiir langzeitarbeitslose
Jugendliche“ sowie die Einrichtung eines .Sozialen Arbeitsmarkts* fiir Langzcitarbcitslose
mit ,,multiplen Vermittlungshemmnissen*. Bei den Themen Mindestlohn sowie ,.Bonus fiir
Arbeit/Hinzuverdienstregelungen im ALG II* konnte keine einvernehmliche Empfehlung
erreicht werden. Die Beratungen hierzu seien innerhalb der Koalition aber noch nicht
abgeschlossen.
Zum weiteren Vorgehen: Die Kommission wird fiir die Tagung im Juli einen ersten Gutach-
und Um die Ergebnisse wahrend der
Sommerpause in die Uberarbeitung des Gutachtenentwurfs einflieBen zu lassen, sei eine Ein-
ladung fiir die Tagung im Juli wiinschenswert.
V._ Interne Sitzung
In der kommenden Tagung im Juli 2007 sollen Zuwahlen vorgenommen werden.
VL_ Diskussion iiber neue Themen
Ab Herbst soll das Thema ,,Nachgelagerte Besteuerung der Altersvorsorge, Wegzug und fis-
kulische Aquivalenz* bearbeitet werden. hatte hierzu bereits cinen
ersten Entwurf verteilt. Als weitere mégliche Themen wurden ..Steuerhinterziehung,
Steuervollzug und Steuermorul* (gegebenenfalls in Verbindung mit der Diskussion von
Mafinahmen zur .,\fisshrauchsvermeidung*). ,.ddumankapitalbildung’ und die Analyse des
Parafiskalischen Finanzausgleichs* angeregt.
VU. Tagesordnung der nichsten Sitzung
I. Mitteilungen des Vorsitzenden
I. Feststellung der Tagesordnung
I. Bemerkungen zum Protokoll der letzten Sitzung
IV. Gutachten ..Existenzsicherung und Erwerbsanreiz*
V. Gutachten .,.Familienbesteuerung*
Vi. Interne Sitzung:
- Zuwahlen
- Reform der Beiratsarbeit mit Auswirkungen auf dic Termine 2008/2009
Vi. Tagesordnung der nachsten Sitzung
*
VII. = Verschiedenes.
VIIL. Verschiedcnes
entfallt
Berlin/KGln, den 13. Juli 2007
pez. gez.